Mylius, Carl Friedrich

Mylius, Carl Friedrich. Maler und Zeichner. Fotograf. Lokalhistoriker. * 10.1.1827 Ffm., † 23.5.1916 Ffm.
Sohn eines aus Schönberg bei Bensheim nach Ffm. zugewanderten Uhrmachers.
M. besuchte die Katharinenschule und trat 1841 als Lehrling in die „Lithographische Anstalt Bernhard Dondorf“ ein. Bis 1846 arbeitete er dort als Steinzeichner. Daneben besuchte er 1842/43 – mit mäßigem Erfolg – die Städelschule. Seine Wanderjahre führten ihn zwischen 1846 und 1850 u. a. nach Karlsruhe, Nürnberg, Leipzig und Wien. Um 1850 machte sich M. in Ffm. mit den Techniken der Fotografie vertraut, nachdem er erste Kenntnisse über diese neue Erfindung wahrscheinlich schon während seiner Lehrzeit bei Dondorf erworben hatte. Die nächsten Jahre verbrachte er als Fotograf in Nürnberg. 1854 kehrte M. nach Ffm. zurück und eröffnete noch im gleichen Jahr ein Fotoatelier in der Biebergasse, das er dort bis 1890 führte. Nach der Geschäftsaufgabe betätigte er sich bis zu seinem Tod als Zeichner (vohrnehmlich Aquarelle und Tuschzeichnungen).
M. zählt zu den wenigen herausragenden deutschen Architekturfotografen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zunächst arbeitete er, wie die meisten seiner Fachkollegen, als Porträtfotograf. Schon bald aber wandte er sich der Abbildung von Bauwerken zu. In Hunderten von Aufnahmen hat er Ffm. und die nähere Umgebung im Bild festgehalten. Dank seiner bewusst dokumentarischen Vorgehensweise ist somit ein authentischer Eindruck des Ffter Stadtbilds vor den großen Veränderungen in der Gründerzeit erhalten geblieben. Besonderes Interesse brachte er zum Abriss bestimmten Bauwerken (z. B. dem 1864 niedergelegten Cronstettenstift) entgegen, die er in sorgfältigen Fotodokumentationen abbildete und deren Baugeschichte er akribisch festhielt. Wiewohl von hohem dokumentarischen Wert, sind M.’ auf Licht-Schatten-Wirkung berechnete Bildkompositionen gleichsam von starkem künstlerischem Reiz. Lange Belichtungszeiten lassen Fft.s Gassen auf seinen Fotos meist menschenleer erscheinen. M. behielt diesen „unbelebten“ Stil auch dann noch bei, als dies technisch bereits nicht mehr notwendig war. Seinen Aufnahmen ist daher eine charakteristische Atmosphäre von Ruhe und Stillstand eigen. Ausnahmen bilden Fotos mit zeitgeschichtlichem Hintergrund, etwa die Fotoserie über den Ffter Fürstentag 1863 oder vom Lazarett auf der Pfingstweide während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71. Seine Abbildungen von Ffter Sehenswürdigkeiten gab M. mehrfach heraus, so in dem 1863 erschienenen Album „Erinnerung an Ffm.“. Die Qualität der M.’schen Aufnahmen genoss bald hohes Ansehen. Musterblätter aus seinem Atelier gingen an die Kunstschulen in Deutschland und sogar bis nach Amerika und Australien. In dem 1916 erschienenen „Bilderatlas zur Ffter Geschichte“ sind eine Reihe von M.’ Architektur-Fotografien vertreten. Wegen ihres dokumentarischen Werts werden sie dort als Fortsetzung der topografischen Ansichten von Merian, Morgenstern und Delkeskamp verwendet. Daneben fertigte M. auch fotografische Reproduktionen alter Kupferstiche und Aquarelle an, etwa für die von ihm um 1880 herausgegebene Sammelmappe „Ffm. in der guten alten Zeit“. Sein zeichnerisches Werk fällt gegenüber seinem fotografischen in der Bedeutung stark zurück.
Eine Sammlung von M.’ fotografischem Nachlass befindet sich im HMF.
Zum 150. Geburtstag 1977 Gedächtnisausstellung für den Fotografen in Ffm.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 78f., verfasst von: Reinhard Frost.
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Literatur:
                        
Mayer-Wegelin, Eberhard (Hg.): Das alte Fft. Photographien von 1855-1890 von Carl Friedrich Mylius. München 2014.Mayer-Wegelin (Hg.): Photographien von Carl Friedrich Mylius 2014. | Mayer-Wegelin, Eberhard [Hg.]: Frühe Photographie in Ffm. 1839-1870. München 1982.Mayer-Wegelin: Frühe Photographie in Ffm. 1982, S. 51-53. | Vogt, Günther: Carl Friedrich Mylius photographiert Fft. [Ffm.] 1977.Vogt: Mylius photographiert Fft. 1977.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/3.053.

GND: 174250452 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Mylius, Carl Friedrich. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/594

Stand des Artikels: 12.10.1993