Von 1897 bis 1900 Ausbildung in der Architekturabteilung an der Städtischen Kunstgewerbe- und gewerblichen Fachschule in Offenbach. Von 1900 bis 1911 Mitarbeiter im Architekturbüro von
Franz von Hoven und
Ludwig Neher in Ffm., zunächst im Baubüro für das Neue Rathaus. Beginn der Zusammenarbeit mit dem Architekten Hermann von Hoven (1877-1940; Sohn von
Franz von Hoven). Seit Anfang 1912 selbstständiger Architekt, zeitweise assoziiert mit Hermann von Hoven (namentlich unter der Firma „von Hoven & Heberer“ lt. Adr. 1916-18, weiterhin mit einer gemeinsamen Büroadresse lt. Adr. 1919-23 und 1925-30). Das wahrscheinlich 1913 von Hoven bezogene und langjährig gemeinsam genutzte Büro am Untermainkai (von 1933 bis 1945: Hermann-Göring-Ufer) 1 behielt H. auch nach Hovens endgültigem Ausscheiden 1930 bei (lt. Adr. 1931-43).
Bereits ab 1910 nahmen H. und Hermann von Hoven gemeinsam an einigen – auch internationalen – Architektenwettbewerben teil. Im Wettbewerb zum Neubau der Alten Brücke in Ffm. erhielten H. und Hoven 1911 den ersten Preis unter 24 eingegangenen Entwürfen. Nach dem Erstellen des endgültigen Gesamtplans in Zusammenarbeit mit dem zweiten Preisträger Carl F. W. Leonhardt (1881-1918) und dem städtischen Tiefbauamt wurde der Brückenneubau am 23.12.1913 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen und ab 1914 ausgeführt. Die Bauleitung hatten Hoven und H., zunächst unter Mitarbeit von Carl F. W. Leonhardt (der jedoch im Ersten Weltkrieg fiel); da Hoven sich krankheitsbedingt zurückziehen musste, lag die Verantwortung für den Bau von Architektenseite ab 1920 allein bei H. Aufgrund von Witterungseinflüssen (wie der Überschwemmung der Baustelle, 1915) und Zeitumständen (infolge von Erstem Weltkrieg, Inflation und wirtschaftlicher Depression) zogen sich die Bauarbeiten über zwölf (statt der ursprünglich veranschlagten zweieinhalb) Jahre hin. Am 15.8.1926 wurde die neue Alte Brücke feierlich eingeweiht. In Anerkennung seiner Verdienste um den Brückenbau wurde H. die (silberne) Ehrenplakette der Stadt Ffm. verliehen. Die Alte Brücke nach dem Gesamtplan von H., Hoven und Leonhardt blieb allerdings unvollendet, da die vorgesehenen Aufbauten, insbesondere das „Brückenhaus“ (mit einem Restaurant und einem Vereinsheim für den Rudersport) und die Inseltreppenanlage an der Maininsel, aus Kostengründen nicht zur Ausführung kamen. Die neue Alte Brücke ist stark verändert erhalten (teilzerstört durch Sprengung von der deutschen Wehrmacht 26.3.1945, provisorisch wiederaufgebaut 1947, um- und ausgebaut unter Einsatz einer Stahlbrücke im Mittelteil 1965, ergänzt um Bau des „Portikus“ auf der Maininsel 2006, grundsaniert unter Neugestaltung von Brüstung und Beleuchtung 2014).
H., der in der Architektur eine konservativere Richtung vertrat und in der Bauausführung eine hohe handwerkliche Qualität anstrebte, verteidigte stets das „schöpferische“ Wesen der Baukunst gegen einen aus seiner Sicht rein „sachlich-konstruktiven“ Ansatz im modernen Städtebau. Bereits am 1.12.1931 trat H. in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 761.373). Anlässlich der nationalsozialistischen Machtübernahme übersandte er „eine Publikation“ seiner „25jährigen schöpferischen Tätigkeit“ als Architekt an Hitler, wofür er „ein persönliches Anerkennungsschreiben“ erhielt. (Franz Heberer an Oberbürgermeister
Friedrich Krebs, Ffm., 22.12.1938, S. 2. In: ISG, Ffter Künstlergesellschaft, V2/10, Bl. 53.) Darauf berief er sich in einem späteren Konflikt mit der Stadt Ffm. um die Gestaltung eines von ihm entworfenen Wohnhauses. In den ausgehenden 1930er Jahren war H. an der Altstadtsanierung („Altstadtgesundung“) in Ffm. beteiligt und hatte im Auftrag der AG für kleine Wohnungen einen Wohnblock in der (heute nicht mehr existierenden) Klostergasse/Ecke Nonnengasse 1-3 (1937-38; kriegszerstört) errichtet. Auf Verfügung des Oberbürgermeisters
Friedrich Krebs vom 2.12.1938 sollten die Malereien auf den beiden Erkern an der Front des Wohnblocks zur Klostergasse beseitigt werden. Am 14.12.1938 erhielt H. die Anordnung, die Entfernung der von ihm entworfenen und von dem Maler Fritz Schraegle (1899-?) ausgeführten Malereien an dem gerade erst fertiggestellten Neubau zu veranlassen. Daraufhin protestierte er in einem Schreiben an den Oberbürgermeister „in aller Form“ gegen dessen Verfügung und verlangte eine (fachliche) Begründung für die Entscheidung, zumal er sich die Entwürfe für die Malereien vor der Ausführung von allen zuständigen Stellen (Reichskunstkammer, Behörden und Auftraggeber) hatte genehmigen lassen. Mit einer gewissen (und möglicherweise bewusst taktisch eingesetzten) Ignoranz vertraute er noch Ende 1938 im NS-Staat auf die Freiheit der Kunst: „Da der Führer sowohl wie der Herr Reichsminister Dr. Göbbels
[sic!] immer wieder erneut betonen, daß der deutsche Künstler frei nach seiner Überzeugung schaffen könne, kann ich nicht annehmen, daß sich das Vorgehen der Stadtverwaltung mit diesem Geist vereinbaren läßt.“ (Franz Heberer an Oberbürgermeister
Friedrich Krebs, Ffm., 22.12.1938, S. 3f. In: ISG, Ffter Künstlergesellschaft, V2/10, Bl. 54f.). Zur „Wahrung der kulturellen Interessen“ (ebd.) schaltete er daher den Landesleiter Hessen-Nassau in der Reichskammer der bildenden Künste [d. i. der Architekt
Karl Emil Lieser (1901-1990)] und die Ffter Künstlergesellschaft in die Angelegenheit ein. Der Ausgang der Sache ist in den überlieferten Akten nicht dokumentiert.
Nach der Zerstörung seines Büros am damaligen Hermann-Göring-Ufer (bis 1933 und nach 1945: Untermainkai) 1 bei den Luftangriffen auf die Stadt Ffm. im Zweiten Weltkrieg kehrte H. in seinen Geburtsort Heusenstamm zurück, wo er seitdem wieder lebte. In den ersten Nachkriegsjahren (um 1949) bemühte er sich erfolglos um eine Tätigkeit (nach eigener Aussage: „Bearbeitung von Aufgaben kultureller Art“) beim Stadtplanungs- und Hochbauamt in Ffm. Am „Ideenwettbewerb zur Erlangung von Vorschlägen für den Aufbau des Altstadtkernes zwischen Römer und Dom in Ffm.“, den die Stadt Ffm. 1950 unter Ffter Architekten ausschrieb, nahm er teil, ohne dass sein Beitrag bedacht wurde. Entsetzt über die prämiierten und anschließend in einer Ausstellung gezeigten Arbeiten, meldete er sich in der anschließenden öffentlichen Diskussion zu Wort, suchte brieflichen Kontakt zu
Fried Lübbecke zur gegenseitigen Unterstützung in der Altstadtfrage und platzierte einen Beitrag in der FAZ, in dem er einen „verantwortungsbewußten“ und „schöpferisch“ gestalteten Wiederaufbau (aber keine Kopie) der Altstadt in der „guten Ffter Tradition“ forderte (Franz Heberer in: FAZ, 14.8.1950, S. 9). Kritische Äußerungen von H. galten auch der Gestalt des Wiederaufbaus von Paulskirche, Salzhaus und Hauptwache.
Mitglied des Bunds Deutscher Architekten BDA. Nach dessen nationalsozialistischer „Gleichschaltung“ (1934-45) Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. Mitglied des Ffter Architekten- und Ingenieur-Vereins und der Ffter Künstlergesellschaft.
Weitere Bauten von H. in Ffm.: Erweiterungsbau (Gartenflügel) des Städelschen Kunstinstituts (mit Hermann von Hoven, 1. und 3. Preis im Wettbewerb 1912, Bauausführung 1915-21), Lkw-Garage mit Bürohaus der Firma „Mannesmann-Mulag (Motoren- und Lastwagen-AG)“ in der Hersfelder Straße 21-23 in Bockenheim (als Mitarbeiter von
Ernst Balser, 1922-24; verändert erhalten), Ausbau des Weinhauses „Drei Hasen“ am Rathenauplatz 5/Ecke Kalbächer Gasse (um 1948; abgerissen 1956-57) sowie Einfamilienhäuser und Wohnhausgruppen (vor allem in den 1930er Jahren), einzelne Industriebauten (Lederwarenfabrik der Gebrüder Röder in Bergen-Enkheim, 1938-41) und angeblich Brücken für die Reichsautobahn. Beteiligt an der Renovierung des Höchster Schlosses (1926-30).
Weitere Wettbewerbsentwürfe von H. für Ffm. und Umgebung: Genesungsstätte Hohenwald des Ffter Hospitals zum heiligen Geist bei Kronberg/Taunus (mit Hermann von Hoven, 1910), Zeppelinallee für Ffm. (1914), Nassauische Landesbank für Wiesbaden (1914), Verwaltungsgebäude der Sektkellerei Matheus Müller für Eltville (1921), Festhallenbebauung für Ffm. (1924), Hauptzollamt für Ffm. (1926), Uferbebauung an der Dreikönigskirche in Sachsenhausen für Ffm. (1927), Telegrafen- und Finanzamt für Mainz (1926/27), Altersheim (wahrscheinlich Henry und Emma Budge-Altersheim) für Ffm. (1928) u. a.; zudem Entwürfe in nationalen und internationalen Wettbewerben: Friedhofsanlage, vermutlich für Berlin (unter Mitarbeit von Wilhelm Fähler, 1907), Gebäude der deutschen Botschaft für Washington (1914), Völkerbundpalast für Genf (1927) u. a.
Entwürfe für dekorative Arbeiten an (eigenen) Bauten und für Industriedesign (Metallobjekte, u. a. Zierleuchter für die Württembergische Metallwarenfabrik, 1921), Skulpturen, Ehren- und Grabmäler.
Studien zu Ffter Baudenkmälern in Zeichnungen, von denen das HMF 1908 ein Konvolut von hundert Blatt ankaufte.
Mehrfach karikiert von
Lino Salini, u. a. für die Reihe „Ffter Bilderbogen“ in den Ffter Nachrichten vom 2.4.1933.
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Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 309,
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