Schüler der Musterschule (ab 1816), dann des Ffter Gymnasiums (von 1822 bis Frühjahr 1828). Freundschaft mit
Heinrich Hoffmann. Studium der Rechtswissenschaften in Jena (1828-30) und München (1830-31). Aufgewachsen in einer liberal gesinnten Familie, hatte sich K. an der Universität den Burschenschaften angeschlossen, zu deren radikalem Flügel er zählte. Nach Zusammenstoß mit der Polizei in München im Dezember 1830, Festnahme und viermonatiger Haft kehrte K. zu einem kürzeren Aufenthalt nach Ffm. zurück. Auf dem Ffter Burschentag im September/Oktober 1831 versuchte K. erfolglos, die Burschenschaften zu radikalisieren und programmatisch auf die Auslösung einer revolutionären Bewegung zu verpflichten. Ab Oktober 1831 Fortsetzung des Studiums an der Universtität Heidelberg; dort Examen und Promotion (Mai/Juni 1832). Mitglied der Anfang 1832 gegründeten Heidelberger Sektion des „Preß- oder Vaterlandsvereins“; Teilnahme am „Hambacher Fest“ vom 27.5. bis 1.6.1832 als Sprecher der Heidelberger Burschenschaft. Lebte danach als Anwaltaspirant wieder in Ffm.
K. war in den folgenden Monaten maßgeblich an den Vorbereitungen für einen Aufstand beteiligt, dessen organisatorisches Zentrum die Ffter Sektion des „Preßvereins“ war. Um nicht seine Zulassung als Anwalt in Ffm. zu gefährden, hielt sich K. mit öffentlichen politischen Stellungnahmen zurück. Am 19.2.1833 in Ffm. als Advokat zugelassen, leistete K. am 22.2.1833 den Bürgereid. Von Ende Februar bis Mitte März 1833 Reise durch zahlreiche Städte, wo er Kontakte für den geplanten Aufstand knüpfte; in Kassel warb K. Professor
Sylvester Jordan als Mitglied einer provisorischen Regierung an, ebenso in Metz den dort im Exil lebenden Zweibrücker Advokaten Friedrich Schüler. Mitte März zusammen mit dem Ffter Arzt Dr.
Gustav Bunsen und dem Ffter Anwalt Dr. Franz Karl Gärth Unterredung mit dem Rektor Friedrich Ludwig Weidig in Butzbach.
Am 2.4.1833, dem Vortag des Wachensturms, organisierte K. zusammen mit
Bunsen ein vorbereitendes Treffen von 30 bereits angereisten studentischen Verschwörern im Gasthof „Zur Stadt Fft.“ im damals kurhessischen Bockenheim. Obgleich skeptisch gegenüber den Erfolgschancen eines Aufstands, plädierte K. dennoch für ein Losschlagen. Die Teilnehmer der Bockenheimer Zusammenkunft formierten sich am folgenden Tag in drei Stoßtrupps, von K.,
Bunsen und dem Ffter Lehrer Georg Adolf Berchelmann befehligt; das Kommando über die gesamte Abteilung führte der Göttinger Rechtsdozent Dr. Johann Hermann Rauschenplat. Diese Abteilung sollte den Sturm auf die Hauptwache übernehmen; nach dem Sammeln in der Wohnung
Bunsens am Abend des 3.4.1833 eröffnete sie um 21.30 Uhr den Angriff auf das mit gut vier Dutzend Soldaten besetzte Wachgebäude. K. erhielt dabei einen Bajonettstich in den linken Oberarm; nach späteren Aussagen verhafteter Wachenstürmer soll er den tödlichen Schuss auf den Soldaten Stünzner abgegeben haben. Im Anschluss an die zunächst erfolgreiche Einnahme der Hauptwache wurde der verletzte K. von dem Ffter Lehrer Eduard Kollhof in die Wohnung von K.s Eltern gebracht.
Nach dem Zusammenbruch der Rebellion konnte sich K. über Nacht bei Freunden in deren Haus am Roßmarkt verstecken. Am Tag darauf floh er in Frauenkleidern, mit Hilfe und in Begleitung seiner Schwester Auguste, in einer Kutsche aus Ffm.; auf der Strecke nach Darmstadt stieg K.s ehemaliger Kommilitone und späterer Schwager Theodor Engelmann zu, der – bereits zur Auswanderung nach Amerika bereit – von K. zur Teilnahme am Wachensturm überredet worden war. Die Flucht führte über Darmstadt nach Heidelberg und Karlsruhe, von dort aus nach Frankreich. In Le Havre schloss sich K. – in Ffm. inzwischen steckbrieflich gesucht – der Familie Engelmanns an, die in die USA auswanderte; am 1.5.1833 legte das Schiff nach New York in Le Havre ab. In Amerika ließ sich K. in Belleville/Illinois nieder. Dort Eröffnung einer Anwaltspraxis. Am 17.6.1835 Heirat mit Sophie Engelmann, der Schwester Theodor Engelmanns. K. machte in den USA auch als Politiker Karriere: 1841 Abgeordneter des Repräsentantenhauses von Illinois, von 1845 bis 1850 Richter am Obersten Gerichtshof in Illinois, von 1853 bis 1857 stellvertretender Gouverneur von Illinois. Früher Anhänger Abraham Lincolns.
Von 1863 bis 1865 Gesandter in Madrid. Auf der Anreise nach Madrid im September 1863 einwöchiger Besuch in Ffm.; dabei Wiedersehen mit dem Jugendfreund
Heinrich Hoffmann. Auf einem Bankett des Liederkranzes lernte K.
Richard Wagner kennen. Es war K.s erster und letzter Besuch in Ffm. seit seiner Emigration 1833; von einer Rückkehr im Revolutionsjahr 1848 hatte K. auf dringlichen Rat seiner in Ffm. lebenden Geschwister Karl und Pauline abgesehen.
Den Besuch in Ffm. von 1863 schilderte K. in seinem 1867 bei
Sauerländer verlegten Buch „Aus Spanien“ und in der 1909 posthum in Amerika erschienenen Autobiographie „Memoirs of Gustave Koerner 1809-96“.
Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 411f.,
.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.