Merian, Matthäus, gen. d. Ä.

Schöpfer des „Merianplans“ von Ffm. (1628).

Merian, Matthäus, gen. d. Ä. Kupferstecher und Verleger. * 21.11.1593 Basel, † 19.6.1650 Langenschwalbach (heute Bad Schwalbach), begraben auf dem Peterskirchhof in Ffm.
Aufgewachsen in der elterlichen Sägemühle in Basel, ging M. 1609/10 in Zürich in die Lehre bei dem Maler und Kupferstecher Dietrich Meyer (1572-1658). 1611 Beginn der Gesellenwanderung. Straßburg, Nancy, Paris. 1615 zurück in Basel. Großer Plan der Stadt Basel im Auftrag des Rats. Wegen der dort herrschenden Pest musste M. auf eine geplante Italienreise (1616) verzichten. Über Augsburg, Nürnberg, Stuttgart wanderte er daraufhin vermutlich in die Niederlande. Ende 1616 gelangte er nach Oppenheim am Rhein, wo er Beschäftigung fand als Illustrator von Reisebeschreibungen und anderen Werken, die bei Johann Theodor de Bry verlegt wurden. Das Hauptgeschäft des de Bry’schen Verlags, der seit 1588 in Ffm. angesiedelt war, war 1609 wegen konfessionell bedingter Schwierigkeiten nach Oppenheim verlegt worden. Am 17.2.1617 heiratete M. in Oppenheim de Brys Tochter Maria Magdalena (1598-1645) und arbeitete weiter für den Schwiegervater. 1620 löste sich M. von de Bry und ging mit seiner Frau und dem ersten Kind zurück nach Basel, wo er eine eigene kleine Werkstatt gründete. Erst nach dem Tod des Schwiegervaters verließ M. Ende 1623 Basel, um auf Bitten seiner Schwiegermutter, die wieder nach Ffm. zurückgekehrt war, zusammen mit dem Schwager Wilhelm (eigentl.: William) Fitzer (1600-1671) aus London den Verlag in Ffm. weiterzuführen. 1624 Beisassenrecht, 1626 Bürgerrecht. Im selben Jahr Trennung von Fitzer, der Verlag trug von nun an M.s Namen.
1628 fertigte M. auf insgesamt vier Platten einen großen Plan Fft.s aus der Vogelschau an. Nach eigenen Angaben hatte er dafür die Stadt selbst vermessen, anschließend gezeichnet und gestochen. Den Plan widmete er dem Rat der Stadt Ffm. als Dank für das ihm verliehene Bürgerrecht. Zwischen 1626 und 1650 verlegte M. über 90 Titel zu den unterschiedlichsten Sachgebieten, auch literarische Werke, dazu zahlreiche Einzelblätter. Viele der Bücher versah M. mit Illustrationen und Titelblättern.
Von 1642 bis 1654 erschien sein Hauptwerk, die „Topographia Germaniae”, eine einzigartige Sammlung von Städte- und Landschaftsansichten aus Deutschland und der Schweiz. Von zahlreichen Mitarbeitern in allen Teilen des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation wurde M. mit Skizzen und Informationen zu diesem umfassenden Werk versorgt. Die meisten Radierungen dafür fertigte M. selbst an. In den unvergleichlich präzisen und detailtreuen Ansichten wurden die Städte in ihrem Zustand vor dem Beginn des Dreißigjährigen Krieges und seinen Zerstörungen festgehalten. Für viele Orte ist der M.stich die früheste erhaltene historische Ansicht. Bis zu M.s Tod erschienen elf Bände, fünf weitere wurden von M.s Söhnen Matthäus d. J. und Caspar vollendet. Caspar M. edierte darüber hinaus drei Bände über Frankreich, die Erben M.s fügten weitere Bände über Griechenland, Rom und Italien hinzu. Schon zu M.s Lebzeiten erwies sich die „Topographia” als durchschlagender buchhändlerischer Erfolg.
Das zweite Hauptwerk M.s, das „Theatrum Europaeum”, bereits 1635 begonnen, stellt die politischen Ereignisse des großen Krieges seit 1617 in Wort und Bild dar. Auch hierfür fertigte M. zahlreiche Kupfer selbst an, die Texte ließ er von verschiedenen Historikern verfassen. Bis zu seinem Tod erschienen fünf Bände, den Abschluss fand das „Theatrum” erst im Jahr 1738 mit dem 21. Band. Weitere bedeutende, von M. verlegte bzw. illustrierte Werke sind die Gottfried’sche Chronik (illustrierte Weltchronik in 8 Quartbänden, 1629-34), die Bilder-Bibel (Zetznerverlag Straßburg, 1630, erst 1704 posthum mit den Originalplatten im Merianverlag verlegt), die „Archontologia Cosmica” (Übersetzung eines französischen geografisch-politischen Handbuchs mit Städtebildern und Landkarten, 1638) und der „Basler Totentanz” (angesichts der Erwartung seines eigenen Todes mit 1620/21 für einen Basler Drucker radierten Kupferplatten neu ediert, 1649). Die Bücher des M.’schen Verlags wurden auf der Ffter Buchmesse vertrieben und fanden in ganz Europa Verbreitung.
Verheiratet in erster Ehe (seit 1617) mit Maria Magdalena de Bry (1598-1645), in zweiter Ehe (seit 1646) mit Johanna (Catharina) Sibylla Heim (um 1620 bis 1690). Acht Kinder aus erster Ehe, u. a. Matthäus M. d. J. und Caspar M., sowie zwei Kinder aus zweiter Ehe, u. a. Maria Sibylla M.
Ein Exemplar vom Erstdruck des Fft.-Plans von 1628 sowie die mehrfach überarbeiteten Kupferplatten im HMF. Andere Arbeiten im Graphischen Kabinett des Städelschen Kunstinstituts, in der UB Ffm. sowie in der Senckenbergischen Bibliothek.
Standbild (von Franz Krüger, 1893; kriegszerstört 1944) auf dem Magazinflügel der alten Stadtbibliothek am Obermaintor. Standbild (von Heinrich Petry, vor 1904) im Osthof des Neuen Rathauses.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 37f., verfasst von: Birgit Weyel.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Literatur:
                        
Ebrard, Friedrich Clemens: Die Stadtbibliothek in Ffm. Im Auftrage der städtischen Behörden aus Anlaß der Vollendung des Erweiterungsbaues hg. (...). Ffm. 1896.Ebrard: Stadtbibliothek 1896, S. 110. | Heym, Heinrich: Lebenslinien. Schicksale aus einer alten Stadt. 3 Folgen. Ffm. 1965-68.Heym, Heinrich: Matthäus Merian. Eine Welt auf Kupfer gerettet. In: Heym: Lebenslinien III (1968), S. 27-34. | Matthaeus Merian des Aelteren Catalog zu Ausstellungen im Museum für Kunsthandwerk Frankfurt am Mayn (...) in die teutsche Sprach gebracht durch Wilhelm Bingsohn, Ulrike Fuß [u. a.]. Ffm. 1993.Matthaeus Merian des Aelteren Catalog 1993. | Sarkowicz, Hans (Hg.): Die großen Ffter. Nach einer Sendereihe des Hessischen Rundfunks. 2. Aufl. Ffm./Leipzig 1994.Prechtl, Michael M.: Aussichten – Ansichten. Matthäus Merian. In: Sarkowicz (Hg.): Die großen Ffter 1994, S. 32-39; vgl. auch S. 279. | Schnack, Friedrich: Durch viele Tore ging sein Schritt. Leben und Bilder des Matthäus Merian. 1.-4. Tsd. Hamburg 1968.Schnack: Matthäus Merian 1968.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/17.

GND: 118581090 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Weyel, Birgit: Merian, Matthäus, gen. d. Ä. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/501

Stand des Artikels: 17.11.1994