Mylius, Heinrich

Mylius, Heinrich. Kaufmann. Stifter. * 15.3.1769 Ffm., † 21.4.1854 Mailand, beigesetzt in der Familiengruft der Villa M. (heute Villa Vigoni) bei Menaggio am Comer See.
Nach einer Kaufmannslehre in Ffm. ging M. bereits mit 19 Jahren als Handlungsreisender für englische Manufakturen nach Italien und ließ sich in Mailand nieder, wo er bald zu Wohlstand kam. Nach dem frühen Tod seines Sohnes Julius (1800-1830) verwandte M. sein Vermögen vorwiegend für wohltätige Zwecke in Italien, aber auch in Ffm., wohin der Kontakt nie abriss. Seine Zuwendungen galten vor allem dem Bereich der Kindererziehung, der Unterstützung Hilfsbedürftiger und der wissenschaftlichen Forschung. Insgesamt stiftete er in Ffm. 148.000 Gulden für die Errichtung des Versorgungshauses und von Kleinkinderschulen, für die Niederländische Gemeinde und die SNG. Letztere nutzte das sogenannte „M.-Legat“ insbesondere für naturwissenschaftliche Vorlesungen und zur Erweiterung ihrer Bibliothek. Der Ffter Stadtbibliothek vermachte M. eine Handschrift von Dantes „Göttlicher Komödie“ aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. M. war eng befreundet mit dem Ffter Afrikaforscher Eduard Rüppell. Zusammen mit Rüppell und dem Kaufmann Marquard Georg Seufferheld beauftragte und stiftete er das von Pompeo Marchesi geschaffene Goethedenkmal für die Stadtbibliothek (1840).
Porträtbüste vor dem Sitzungssaal der SNG im Senckenbergmuseum. Marmorbüste (gestiftet von Robert Zorn, um 1893; wohl kriegszerstört 1944) im Treppenhaus und Büste im Lesesaal der alten Stadtbibliothek am Obermaintor.
Die Villa M. bei Menaggio am Comer See, in der auch Goethe bei der Familie M. zu Gast war, ging nach dem Tod ihres letzten Besitzers Don Ignazio Vigoni (eines Urenkels von M.) 1983 in den Besitz der Bundesrepublik Deutschland über, mit der Auflage, dort eine deutsch-italienische Begegnungsstätte zu schaffen. Unter der Trägerschaft eines 1986 gegründeten Vereins avancierte die nunmehrige „Villa Vigoni“ zu einem wissenschaftlich und gesellschaftlich renommierten Zentrum des deutsch-italienischen Kulturaustauschs.
M.straße (seit 1873) im Westend.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 80, verfasst von: Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Lexika: Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 408.
Literatur:
                        
Ebrard, Friedrich Clemens: Die Stadtbibliothek in Ffm. Im Auftrage der städtischen Behörden aus Anlaß der Vollendung des Erweiterungsbaues hg. (...). Ffm. 1896.Ebrard: Stadtbibliothek 1896, S. 96, 112. | SNG (Hg.): 175 Jahre Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft. Jubiläumsband. 2 Bde. Ffm. 1992. (Senckenberg-Buch 68).FS 175 Jahre SNG 1992, Bd. 1, S. 391f.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/3.905.

GND: 121948234 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Mylius, Heinrich. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/583

Stand des Artikels: 30.9.1993