Reiffenstein, Carl Theodor

Reiffenstein, Carl Theodor. Maler und Grafiker. * 12.1.1820 Ffm., † 6.12.1893 Ffm.
R. sollte eigentlich wie sein Vater, der ein Wirtshaus in der Ffter Altstadt betrieb, Bierbrauer und Wirt werden. Stattdessen interessierte sich der Junge schon früh für die Malerei. Ersten Unterricht im Zeichnen erhielt er als Kind von dem Zimmermaler Falk, der im Haus seiner Eltern wohnte. Bald darauf trat R. eine Lehre bei dem Theatermaler Meiler an, die er nach dessen Tod bei seinem Nachfolger Hoffmann fortsetzte. Schon als 13-Jähriger fand R. Aufnahme an der Städelschule, wo er bei den Lehrern Hessemer, Schmidt von der Launitz und Becker Architektur, Anatomie und Landschaftsmalerei studierte. 1846 verließ er das Institut.
R. war ein Maler stimmungsvoller Landschaften, die ihm den Beinamen eines „malenden Dichters” einbrachten. Auf zahlreichen Reisen, vor allem innerhalb Deutschlands, aber auch in die Schweiz und nach Italien, sammelte er seine Vorstudien. Die Gemälde R.s waren sehr beliebt und fanden sich bald in vielen Ffter Bürgerhäusern. Auch schuf er Auftragsarbeiten für Königin Victoria von England, König Wilhelm I. und Königin Augusta von Preußen sowie andere Mitglieder des Hochadels.
Besondere Bedeutung für seine Vaterstadt gewann R. als Chronist des alten Fft.s. Schon zu R.s Zeit waren weite Teile der Altstadt vom Abriss bedroht. In der Altstadt aufgewachsen, wollte R. die liebgewonnenen Bauten und das mittelalterliche Ambiente, das mehr und mehr vom modernen Leben verdrängt wurde, der Nachwelt überliefern. Gegen eine Leibrente erwarb die Stadt Ffm. 1876 R.s „Sammlung Ffter Ansichten”, bestehend aus 1.692 Bildern und rund 2.600 Textseiten. In Aquarelltechnik hat R. möglichst hausweise von „Affentor” bis „Ziegelgasse” systematisch alle Straßen, Gassen und Plätze des alten Fft.s detailgetreu dargestellt. Dabei handelt es sich freilich nicht um kalte Architekturdarstellungen, sondern um poetische, von Leben erfüllte Ansichten im wechselnden Licht verschiedener Tages- und Jahreszeiten. In kurzen Texten fügte R. dem jeweiligen Bauwerk Informationen hinzu, z. B. über dessen genaues Alter, den Besitzer, Besonderheiten im Innern des Gebäudes und das ursprüngliche Aussehen vor früheren baulichen Veränderungen. In diesem Zusammenhang sparte er nicht an Kritik über solche Veränderungen oder gar Abrisse und die Personen, die sie veranlassten. Einige Bauten, die bereits in jenen Tagen zerstört waren, rekonstruierte er anhand der Vorlagen älterer Meister wie Matthäus Merian d. Ä. und Salomon Kleiner.
R., der zurückgezogen lebte, heiratete spät, im Jahr 1867, die Ffter Patriziertochter Caroline Mansfeld.
1875 veröffentlichte R. „Bilder zu Goethes Dichtung und Wahrheit. Blicke auf die Stätten, an denen der Dichter seine Kindheit verlebte” in fotografischen Reproduktionen. Von 1894 bis 1899 erschien in sechs Heften „Ffm., die freie Stadt, in Bauwerken und Straßenbildern nach des Künstlers Aquarellen und Zeichnungen”.
Die „Sammlung Ffter Ansichten” und verschiedene Gemälde im Besitz des HMF. Zahlreiche Zeichnungen, Aquarelle, Grafiken und Gemälde im Städelschen Kunstinstitut und in der Städtischen Galerie.
Carl-Theodor-R.-Platz in der Innenstadt.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 181f., verfasst von: Birgit Weyel.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Lexika: Kaulen, Wilhelm: Freud’ und Leid im Leben deutscher Künstler. Ffm. 1878.Kaulen, S. 247-251.
Literatur:
                        
Beck, G.: Carl Theodor Reiffenstein. Lebensbild eines Ffter Altmeisters. In: Ffter Stoltze-Kalender 1917, S. 83-92.Beck: Carl Theodor Reiffenstein 1917. | Gleiche Vielfache – Karsten Bott. [Ausstellungsbroschüre des HMF.] Text: Susanne Gesser, Wolfgang P. Cilleßen. Ffm. 2015.Cilleßen, Wolfgang P.: Von Morgenstern zu Bott. Ffter Künstler als Sammler. In: Gesser/Cilleßen: Gleiche Vielfache – Karsten Bott 2015, S. 21-23. | [Helmolt, Christa von:] 1822-Kunstkalender 1993: Carl Theodor Reiffenstein (1820-1893). Ffm. [1992].Helmolt: 1822-Kunstkalender 1993: Carl Theodor Reiffenstein. | Museum Giersch der Goethe-Universität (Hg.): Romantik im Rhein-Main-Gebiet. Katalogredaktion: Mareike Hennig, Manfred Großkinsky, Birgit Sander, Susanne Wartenberg, Linda Baumgartner. Petersberg 2015.Kat. Romantik im Rhein-Main-Gebiet 2015, S. 102f., 210, 213, 276. | Lohne, Hans: Fft. um 1850. Nach Aquarellen und Beschreibungen von Carl Theodor Reiffenstein und dem Malerischen Plan von Friedrich Wilhelm Delkeskamp. Ffm. 1967.Lohne: Fft. um 1850.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/301.

GND: 118744046 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

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Empfohlene Zitierweise: Weyel, Birgit: Reiffenstein, Carl Theodor. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/855

Stand des Artikels: 4.11.1994