Anna, Landgräfin von Hessen, geb. Prinzessin von Preußen

Anna von Hessen

Landgräfin Anna von Hessen, geb. Prinzessin von Preußen
Ölporträt von Franz Xaver Winterhalter (1858; im Museum Schloss Fasanerie, Eichenzell bei Fulda).

© Kulturstiftung des Hauses Hessen, Museum Schloss Fasanerie, Eichenzell bei Fulda.
Anna (eigentlich: Marie Anna Friederike), Landgräfin von Hessen, geb. Prinzessin von Preußen. * 17.5.1836 Berlin, Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 12.6.1918 Ffm.
Jüngste Tochter von Prinz Carl von Preußen (1801-1883) und dessen Ehefrau Prinzessin Marie von Preußen, geb. Prinzessin von Sachsen-Weimar-Eisenach (1808-1877). Der Vater war der dritte Sohn von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1770-1840) und der legendären Königin Luise (1776-1810), somit ein jüngerer Bruder von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (1795-1861) und Kaiser Wilhelm I. (1797-1888). Die Mutter war die Schwester von Kaiserin Augusta (1811-1890), der Ehefrau von Kaiser Wilhelm I.
A. wuchs hauptsächlich in Schloss Glienicke in Berlin-Wannsee auf und erhielt eine sorgfältige Erziehung als zukünftige Landesmutter sowie eine intensive musikalische Ausbildung mit Klavierunterricht u. a. von Franz Liszt. Am 26.5.1853 heiratete sie in Charlottenburg den Prinzen Friedrich Wilhelm von Hessen (1820-1884), den präsumtiven Thronerben des Kurfürstentums Hessen und späteren Titular-Landgrafen von Hessen. Nach der Annexion von Kurhessen durch Preußen 1866 wurden die Aussichten auf den kurfürstlichen Thron obsolet. Das Ehepaar verbrachte nun einen großen Teil seiner Zeit in den Schlössern Rumpenheim (heute Ortsteil von Offenbach) und Philippsruhe (Hanau). Landgräfin A. unterhielt einen musikalischen Zirkel mit renommierten Künstlern wie Johannes Brahms (der ihr sein großes Klavierquintett f-Moll op. 34 aus dem Jahr 1865 widmete), Clara Schumann, Anton Grigorjewitsch Rubinstein, Julius Stockhausen, Niels Wilhelm Gade und Johann Peter Emilius Hartmann. Nach dem Tod ihres Gatten, der am 14.10.1884 in der landgräflichen Villa in der Rüsterstraße 16 in Ffm. gestorben war, erwarb A. ein Palais in der Savignystraße 25 im Ffter Westend als Witwensitz. Eine ausgeprägte religiöse Veranlagung, eine Reihe von Todesfällen in der Familie und die Bekanntschaft mit dem Mainzer Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler (1811-1877) bewogen A. am 10.10.1901 offiziell zur Konversion zum Katholizismus, was damals großes Aufsehen erregte. Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) stieß sie deswegen feierlich aus der Familie aus. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte Landgräfin A. zumeist in Ffm. Einmal lud sie den gesamten katholischen Klerus der Stadt ein, um ihm auf dem Grammophon römische Gregorianik vorzuspielen. 1899 stiftete A. die Antoniuskirche in der Nähe des Hauptbahnhofs im Westend, die von dem Berliner Regierungsbaumeister August Menken (1858-1903) in neugotischem Stil entworfen und am 26.5.1900 durch den Limburger Bischof Adalbert Endert (1850-1906) geweiht wurde. A. besuchte täglich die Messe in der Antoniuskirche und ließ sich nach ihrem Tod dort aufbahren. 1905 hatte sie Profess für den Dritten Orden der Franziskaner geleistet, in dessen Ordensgewand sie im Dom von Fulda begraben wurde.
Aus der Ehe von A. und Friedrich Wilhelm von Hessen stammten sechs Kinder, darunter die Söhne Landgraf Alexander Friedrich von Hessen (1863-1945), der zeitweise in Ffm. lebte und als Komponist wirkte, und Landgraf Friedrich Karl von Hessen (1868-1940), der im Oktober 1918 als König von Finnland ausersehen war. Über Friedrich Karl von Hessen und dessen Ehefrau Margarethe, geb. Prinzessin von Preußen (1872-1954), die jüngste Tochter der Kaiserin Victoria („Kaiserin Friedrich“, 1840-1901) und somit Schwester von Kaiser Wilhelm II., kamen Schloss Friedrichshof und die Burg in Kronberg aus dem Erbe der Kaiserinwitwe in den Besitz des Hauses Hessen.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Roman Fischer.

Lexika: Franz, Eckhart G. (Hg.): Haus Hessen. Biografisches Lexikon. Darmstadt 2012. (Arbeiten der Hessischen Historischen Kommission NF 34).Franz (Hg.): Haus Hessen 2012, S. 172-174. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 11.
Literatur:
                        
Franz, Eckhart G.: Das Haus Hessen. Eine europäische Familie. Stuttgart [Copyright 2005]. (Kohlhammer-Urban-Taschenbücher 606).Franz: Haus Hessen 2005, S. 154, 158, 170f., 197. | Hessen, Rainer von: Die Hessens. Geschichte einer europäischen Familie. Eine Veröffentlichung der Kulturstiftung des Hauses Hessen. Petersberg [Copyright 2016].Hessen: Die Hessens 2016, S. 114-116. | Kienzle, Ulrike: Clara Schumann. Eine moderne Frau im Fft. des 19. Jahrhunderts. Ffm. [2019].Kienzle: Clara Schumann 2019, S. 124f. | Landgräfin Anna von Hessen 1836-1918. Lebensstationen einer hessischen Fürstin. Katalog zur Ausstellung [im Museum Schloss Fasanerie, Eichenzell, 2018, und der Städtischen Museen der Stadt Hanau in Schloss Philippsruhe, 2020]. Autoren: Christine Klössel, Katharina Bechler, Andreas Dobler, P. Christoph Heinemann OMI, Markus Miller. Petersberg [2018].Klössel u. a.: Landgräfin Anna von Hessen 2018. | Röhl, John: Kaiser, Hof und Staat. Wilhelm II. und die deutsche Politik. München 1988.Röhl: Kaiser, Hof u. Staat 1988, S. 106. | Romeis, Kapistran: Prinzessin Anna von Preußen, Landgräfin von Hessen. Ihr Weg zur katholischen Kirche. Freiburg 1925.Romeis: Prinzessin Anna von Preußen, Landgräfin von Hessen. Ihr Weg zur kath. Kirche 1925.
Quellen: Ffter Nachrichten. Ffm. 1855-1934. [Zunächst als Nachrichtenbeilage des Intelligenzblatts, dann ab 1910 als Zeitung unter dem Titel „Ffter Nachrichten und Intelligenzblatt“ erschienen.]Nachruf in: FN, Nr. 161, 12.6.1918, Abendausgabe, S. 3. | Ffter Zeitung. Ffm. (1856) 1866-1943.Nachruf in: FZ, Nr. 161, 12.6.1918, Abendblatt, S. 2. | ISG, Autograph im Bestand S4b (Autographen, 1683-1994).Schreiben von Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen, an den Bürgermeister und Rat der Freien Stadt Ffm. zur Notifikation der Hochzeit seiner Nichte Marie Anna Friederike von Preußen mit Prinz Friedrich Wilhelm von Hessen, Charlottenburg, 27.5.1853. ISG, Autographensammlung, S4b/47. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebücher (Beerdigungs- bzw. Sterbebücher), Ffm., 1565-1850/1851-1985.Sterbeurkunde des Ehemanns Landgraf Friedrich Wilhelm Georg Adolph von Hessen, gest. am 14.10.1884 in Ffm.: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebuch, Bestand STA 12/131: Standesamt Ffm. I, Sterbeurkunde 1884/I/2534 (Bd. 5, S. 134). | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/2.060.
Internet: Hessische Biografie, ein Kooperationsprojekt des Instituts für Personengeschichte in Bensheim und des Hessischen Landesamts für geschichtliche Landeskunde in Marburg zur Erstellung einer umfassenden personengeschichtlichen Dokumentation des Landes Hessen. https://www.lagis-hessen.de/pnd/1017964866Hess. Biografie, 7.4.2020. | Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_von_Preußen_(1836–1918)Wikipedia, 7.4.2020.

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Empfohlene Zitierweise: Fischer, Roman: Anna, Landgräfin von Hessen, geb. Prinzessin von Preußen. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/11490

Stand des Artikels: 5.5.2020
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 04.2020.