Claar-Delia, Hermine

Hermine Claar-Delia

Hermine Claar-Delia
Fotografie von Jan van Ronzelen (aus Claar: Fünfzig Jahre Theater 1926, neben S. 80).

© unbekannt. Das Foto wurde in dem o. g. Buch ohne Angabe des Fotografen 1926 publiziert. Der Fotograf, dessen Atelier in Berlin von ca. 1870 bis 1900 nachgewiesen ist, wurde durch Bildvergleiche ermittelt. Das Sterbejahr des Fotografen ist unbekannt.
Claar-Delia, Hermine, geb. Delia. Eigentl. Geburtsname: Deligath (auch: Deligah, Delgat, Delicat). Schauspielerin. * 8.4.1844 Wien, Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 21.11.1908 Ffm.
Schwester der Schauspielerin und Schriftstellerin Regine Friedländer, geb. Delia (1840-1894), die seit 1861 mit dem Publizisten Max Friedländer (1829-1872), dem Mitbegründer der Neuen Freien Presse in Wien, verheiratet war. Verheiratet (seit 1871) mit dem Schauspieler, Regisseur und späteren Theaterintendanten Emil Claar. Sohn: Maximilian, gen. Max, C. (1873-1938), Literaturhistoriker und Publizist.
Schauspielausbildung bei Josef Lewinsky (1835-1907) in Wien. 1860 oder, nach anderen Angaben, 1864 Debüt in Pest. Folgende Engagements, zunächst im Rollenfach als „jugendliche Salondame und Lustspielliebhaberin“ (Heinrich Laube): möglicherweise Berlin (1863?), Hamburg (Thalia-Theater, 1864-66), Berlin (Königliches Schauspielhaus, 1866), Schwerin (1866-68), Wien (Gastspiel am Theater an der Wien, 1868) und Leipzig (Stadttheater unter Heinrich Laube, etwa 1869-71). Um 1869 Verlobung mit dem ebenfalls in Leipzig angestellten Schauspieler und Regisseur Emil Claar, dem sie bei dessen Wechsel nach Weimar 1870 jedoch nicht in ein dortiges festes Engagement folgte, auch wenn sie gelegentlich am Hoftheater gastierte. Stattdessen unternahm die mittlerweile recht prominente Schauspielerin „eine auswärtige Gastreise“. Am 19.11.1871 Heirat mit Emil Claar. Im Herbst 1872 wechselte das Ehepaar an das Deutsche Landestheater in Prag, wo C.-D. „für dominierende Salondamen und für Heroinen“ (Emil Claar) verpflichtet war. 1876 ging sie mit ihrem Mann an das Residenztheater in Berlin, das Claar als Direktor gepachtet hatte. Dort stieg C.-D. mit großen Rollen im klassischen Schauspiel wie im modernen Sittendrama endgültig zu einer „Tragödin ersten Ranges“ auf. Wichtigste Rollen: Hermione, Maria Stuart, Orsina, Judith, Messalina, Deborah, Phädra. Wohl auf wesentlichen Wunsch von C.-D., die ihren Mann gern „in einer rein künstlerischen Stellung, einem idealen Wirkungskreise (...), ganz losgelöst von materieller Sorge um die Existenz“, sehen wollte (Claar: Fünfzig Jahre Theater 1926, S. 116), nahm Claar 1879 die Intendantenstelle am Stadttheater in Ffm. an. C.-D. zog mit ihrem Mann in die Mainstadt und gab seitdem nur noch Gastspiele, u. a. auf Tourneen durch Deutschland, Russland und Amerika; bei einer Tournee durch Nordamerika 1882 soll die gefeierte Schauspielerin eine der höchsten Gagen der damaligen Zeit erhalten haben. Auf Einladung von König Ludwig II. von Bayern wirkte sie in zwei von dessen „Separatvorstellungen“ mit, u. a. in der Titelrolle der Erstaufführung von Sardous „Théodora“ in München (1885), wofür sie sich eigens eine Vorstellung der Uraufführungsserie mit Sarah Bernhardt (1844-1923) in Paris ansah und dort Tipps bei dem Autor holte. In Ffm. konzentrierte sich C.-D. auf ihre repräsentativen Pflichten als Ehefrau des Intendanten. Dementsprechend trat sie auf der Ffter Bühne selten auf, höchstens bei besonderen Anlässen, etwa in einer Festvorstellung für Wilhelm I. im Opernhaus im Herbst 1883, wofür sich der Kaiser ausdrücklich den Einakter „Die Schauspielerin“ mit C.-D. in der Hauptrolle gewünscht hatte. 1891 nahm C.-D. ihren Abschied von der Bühne und wirkte danach nur noch gelegentlich in Benefizveranstaltungen mit.
C.-D. engagierte sich intensiv für den Tierschutz und begründete ein Tierasyl in Ffm.
Grabstätte von Hermine C.-D. und ihrem Ehemann Emil C. auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gewann I 183). Das eindrucksvolle Grabmal wurde ursprünglich für C.-D. allein geschaffen, trägt deren bronzene Porträtbüste (von Friedrich Hausmann, 1909) und spielt in seinen schmückenden Elementen auf den Schauspielberuf und die Tierliebe der Verstorbenen an.
Nachlass in der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität Köln.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
Artikel in: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 131, verfasst von: Sabine Hock.

Lexika: Bibliographie zur Geschichte der Ffter Juden 1781-1945. Hg. v. der Kommission zur Erforschung der Geschichte der Ffter Juden. Bearb. v. Hans-Otto Schembs mit Verwendung der Vorarbeiten von Ernst Loewy u. Rosel Andernacht. Ffm. 1978.Bibliogr. z. Gesch. d. Ffter Juden, S. 413. | Ludwig Eisenberg’s Großes Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig 1903.Eisenberg, S. 158f. | Kosch, Wilhelm: Deutsches Theaterlexikon. Biographisches und bibliographisches Handbuch. Fortgef. v. Ingrid Bigler-Marschall. 7 Bde. Klagenfurt, ab 4 (1998) Bern/München, ab 5 (2004) Zürich, ab 7 (2012) Berlin 1953-2012. Bisher 6 Nachtragsbände (bis Sr). Berlin 2013-18.Kosch: Theater 1 (1953), S. 268. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 90. | Wininger, S(alomon): Große Jüdische National-Biographie mit mehr als 8.000 Lebensbeschreibungen namhafter jüdischer Männer und Frauen aller Zeiten und Länder. Ein Nachschlagewerk für das jüdische Volk und dessen Freunde (...). 7 Bde. Czernowitz 1925-36.Wininger 1 (1925), S. 557. | Wurzbach, Constantin von: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, welche 1750 bis 1850 im Kaiserstaate und in seinen Kronländern gelebt haben. 60 Bde. und Registerband. Wien 1856-91/1923.Wurzbach: Biogr. Lex. d. Kaiserthums Oesterreich 24 (1872), S. 387.
Literatur:
                        
Claar, Emil: Fünfzig Jahre Theater. Bilder aus meinem Leben. Ffm. 1926.Claar: Fünfzig Jahre Theater 1926, bes. S. 51-53, 100, 108, 111f., 116, 118, 120, 163-166. | Kohut, Adolph: Berühmte israelitische Männer und Frauen in der Kulturgeschichte der Menschheit. Lebens- und Charakterbilder aus Vergangenheit und Gegenwart. 2 Bde. Leipzig o. J.Kohut: Berühmte israelit. Männer u. Frauen 2, S. 412. | Lehmann, Lilli: Mein Weg. Leipzig 1913.Lehmann, Lilli: Mein Weg 1913, S. 196, 200, 205, 207. | Neuer Theater-Almanach. Hg. v. d. Genossenschaft deutscher Bühnen-Angehöriger. Berlin 1890-1914.Nachruf von R. K. in: Neuer Theater-Almanach 1910, S. 156.
Quellen: Ffter Allgemeine Zeitung. Ffm. 1949-heute.Häussler, Bernd: Salondame mit schöner Wirksamkeit. Vor fünfundsiebzig Jahren starb die Schauspielerin Hermine Claar-Delia. In: FAZ, 24.11.1983. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/4.386.
Internet: Tschechische Theaterenzyklopädie, Projekt des Kabinetts für die Erforschung des tschechischen Theaters (Arts and Theatre Institute – Theatre Institute), Prag. http://de.encyklopedie.idu.cz/index.php/Claar_HermineTschechische Theaterenzyklopädie, 11.10.2019. | Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Hermine_Claar-DeliaWikipedia, 11.10.2019.

GND: 116062797 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2019 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Claar-Delia, Hermine. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/1942

Stand des Artikels: 12.10.2019
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 10.2019.