Sohn des aus Pfedelbach in Württemberg stammenden Bierbrauers
Christian Friedrich H. (1857-1938) und dessen Ehefrau Philippine, geb. Jung. Drei Schwestern. Verheiratet (seit 1927) mit
Johanna Elise H., geb. Dröser (1893-1975).
Aufgewachsen in Ffm. Der Vater ist im Ffter Adressbuch erstmals 1891 nachgewiesen, und zwar unter der Anschrift Grethenweg 76 in unmittelbarer Nähe zum Brauereienviertel auf dem Sachsenhäuser Berg, wo er vermutlich arbeitete. H. besuchte die städtische Gewerbeschule und wurde früh Eleve des Bildhauers
Augusto Varnesi in dessen Ffter Atelier. Von
Varnesi, der schnell das Talent des jungen Mannes erkannte, wurde H. u. a. zur Mitarbeit am Goldenen Buch der Stadt Ffm. (1904-07) herangezogen. In seiner Freizeit beteiligte er sich erfolgreich an künstlerischen Wettbewerben, bei denen er zehn Preise gewann. Erst ein Stipendium der
Peter-Wilhelm-Müller-Stiftung jedoch ermöglichte H. den Akademiebesuch. Er studierte ab 1913 an der Königlichen Akademischen Hochschule für die bildenden Künste zu Berlin in Charlottenburg, u. a. bei Peter Breuer (1856-1930) und Gerhard Janensch (1860-1933). Wegen der Einberufung zum Militärdienst musste er das Studium spätestens im Frühjahr 1916 unterbrechen. Zunächst war er als Landsturm-Rekrut auf dem Truppenübungsplatz in Darmstadt stationiert. Über seinen weiteren Einsatz im Ersten Weltkrieg ist bisher nichts bekannt. Auch ließ sich nicht ermitteln, ob er das Studium in Berlin noch abschließen konnte. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte H. nach Ffm. und in das Atelier von
Augusto Varnesi zurück, als dessen Assistent er weiterhin tätig war, auch im Rahmen von
Varnesis Lehrtätigkeit an der Technischen Hochschule in Darmstadt. Ab 1923 ist H. selbst als Bildhauer im Ffter Adressbuch verzeichnet, anfangs mit der Wohnung bei seinen Eltern im Grethenweg 76 und von 1924 bis 1927 mit dem Atelier bei
Varnesi in der Bleichstraße 18. Wohl bereits 1926 hatte er sich als freier Bildhauer selbstständig gemacht. Sein eigenes Atelier hatte er später (lt. Adr. 1929-33) in der Rhönstraße 77 im Ostend, während er seit seiner Verheiratung 1927 mit seiner Frau in der Maximilianstraße 7 in Bornheim wohnte. H. erlag im Alter von 47 Jahren einem Krebsleiden.
Mitglied im Bildhauer-Verein Ffter Künstler.
Das bekannteste Werk von H. ist das „Schneewittchen-Denkmal“ in der Taunusanlage, das das erwachende Schneewittchen in seinem Sarkophag, umgeben von den sieben Zwergen, zeigt. Bald nach dem Ersten Weltkrieg kaufte die Stadt Ffm. das „Schneewittchen“ zunächst als Gipsmodell an und stellte es im Garten des Schweizerhäuschens in der Taunusanlage auf, bis es nach fünf Jahren fast verwittert war. Lange hatte es an den Mitteln zur Ausführung in Stein gefehlt. 1929 konnte H. das Denkmal in hellgrauem Würzburger Muschelkalk realisieren, und am 23.8.1930 wurde es mit einer Feier in Anwesenheit von 800 Kindern im Garten des Schweizerhäuschens eingeweiht. Dennoch blieb das Werk unvollendet: H. hatte sich vorgestellt, dass das „Schneewittchen“ in seinem Sarkophag in einer Grotte liegen sollte, deren blaue Wände mit unzähligen goldenen Sternen übersät sein sollten, entweder in Ausmalung oder besser in Mosaikarbeit, was jedoch nie verwirklicht wurde. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde das „Schneewittchen-Denkmal“ 1948 wieder in der Taunusanlage aufgestellt.
Im Palmengarten befindet sich die von H. geschaffene Brunnenfigur „Junge mit wasserspeienden Fischen“ (Bronze, 1921), die 1933 auf dem Brunnenbecken aus Kalkstein in der Mittelhalle der Schauhäuser von 1906 angebracht wurde; nachdem die Mittelhalle 1986/87 abgetragen und als „Eingangsschauhaus“ 1988/89 wieder aufgebaut worden war, bekam auch der Brunnen mit der Figur dort seinen Platz. Weitere Werke von H. im öffentlichen Raum: „Schlafender Löwe“ (Stein, 1922), ursprünglich am Ehrenmal für Gefallene des Ersten Weltkriegs am heutigen Alten Rathaus in H.s Geburtsort Holzhausen (seit 1939: Burgholzhausen), seit 1960 am neuen Ehrenmal für Gefallene beider Weltkriege auf dem Alten Friedhof in Burgholzhausen, sowie die Grabdenkmäler für Elisabeth Steinhausen, geb. Harbers (Sarkophag mit Frauenfigur, Gewann E 725, um 1924), die Familie Eduard von Mayer (Gewann I 391, um 1924),
Wilhelm Steinhausen (Sandsteinstele mit dem Relief „Die Heimkehr des verlorenen Sohns“ nach Vorlagen von
Steinhausen selbst, Gewann E 577a, 1927/28) und die Familie Carl Bohnert (Gewann I an der Mauer 51, um 1930) auf dem Ffter Hauptfriedhof. Zudem schuf H. Kleinplastiken (u. a. „Sitzende“, Terrakotta, 1928, im Besitz des Städel Museums), Porträtreliefs und -büsten (u. a. von
Alfons Paquet) sowie Medaillen; auch hinterließ er einige Aquarelle und Zeichnungen. Zwei Aktzeichnungen von ihm („Liegender weiblicher Akt“ und „Stehender Mädchenakt, lachend“, beide 1929) gehören zur Graphischen Sammlung des Städel Museums.
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