Schlösinger, Rose

Schlösinger, Rose, geb. Ennenbach, in 1. Ehe verh. Heinemann. Sozialarbeiterin. Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime. * 5.10.1907 Ffm., † 5.8.1943 Berlin-Plötzensee (hingerichtet).
Seit der Trennung ihrer Eltern 1914 lebte Sch. bei ihrer politisch engagierten Mutter Sophie Ennenbach (1879-1962). Sophie Ennenbach, eine linke Sozialdemokratin, hatte bereits 1911 den ersten internationalen Frauentag in Ffm. organisiert, richtete nach dem Krieg eine Arbeitsvermittlung für weibliche Erwerbstätige ein und war von 1928 bis 1929 Stadtverordnete der SPD. So wurde Sch. selbst Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend und entschloss sich nach der Mittleren Reife zu einer Tätigkeit im sozialen Bereich. Nach der Ausbildung am Kindergärtnerinnen-Seminar (seit 1924) arbeitete sie zunächst als Kindergärtnerin in Bad Sodenthal bei Sulzbach/Unterfranken (1926-29). Um sich weiterzubilden, begann Sch. 1929 in der neu eröffneten Ffter Wohlfahrtsschule das Studium der Berufsberatung und der Jugendpflege, das sie 1931 mit Auszeichnung abschloss. Im gleichen Jahr heiratete sie den Handelslehrer Friedrich Heinemann, von dem sie bereits 1932, nach der Geburt der Tochter Marianne, geschieden wurde. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten verlor Sch. als Tochter einer „politisch Unzuverlässigen” ihre Praktikantenstelle in der Sozialstation Hallgartenstraße/Ecke Rotlintstraße. Nachdem auch über ihre Mutter ein Berufsverbot verhängt worden war und die Familie ein Jahr lang von der Fürsorge hatte leben müssen, zog Sch. gemeinsam mit Mutter und Tochter 1934 aus Ffm. fort. In Chemnitz arbeitete Sch. als Hollerith-Locherin, später als Sekretärin und sorgte so für den Unterhalt der Familie. Den erzwungenen Wegzug aus Ffm. verarbeitete sie in einer kleinen Geschichte mit dem Titel „Die Schöne und die Häßliche”, die in den Chemnitzer Jahren entstand. 1939 heiratete Sch. ihren Vetter Friedrich Bodo Sch. (1908-1943), der als Übersetzer für Russisch und Englisch seit Kriegsbeginn im Auswärtigen Amt in Berlin, 1940 in Polen und seit 1941 an der Ostfront eingesetzt war. In Berlin stießen beide zu dem Freundeskreis um Mildred und Arvid Harnack sowie Libertas und Harro Schulze-Boysen, der die später von der Gestapo als „Rote Kapelle” bezeichnete weitverzweigte Widerstandsgruppe bildete. Neben Flugblattaktionen gegen Hitler war das hauptsächliche Ziel der Gruppe, militärische Informationen an die Sowjetunion zu übermitteln. Vermutlich im Mai 1942 in die Einzelheiten des Widerstands eingeweiht, übernahm Sch. eine Botinnenfunktion zwischen Arvid Harnack, Oberregierungsrat im Reichswirtschaftsministerium, und Hans Coppi, dem Funker der Gruppe. Am 18.9.1942 wurde Sch. von der Gestapo verhaftet und am 20.1.1943 vom Reichskriegsgericht „wegen Spionage” zum Tode verurteilt. Nachdem ihn diese Nachricht an der russischen Front erreicht hatte, nahm sich Bodo Sch. das Leben (22.2.1943).
Gedenktafel (von Günter Maniewski, 1994) am Haus Münzenberger Straße 4 im Nordend, wo Sch. ihre Kindheit verbrachte.
Am 5.10.1993 wurde von der „Initiative 9. November” ein Apfelbaum für Sch. in der „Allee der Erkenntnis” an der Gedenkstätte für die Synagoge an der Friedberger Anlage gepflanzt.
Rose-Sch.-Anlage an der Kettelerallee in Bornheim.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 291, verfasst von: Felix Blömeke.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Literatur:
                        
Beier, Gerhard: Arbeiterbewegung in Hessen. Zur Geschichte der hessischen Arbeiterbewegung durch 150 Jahre (1834-1984). Ffm. 1984. (Die Hessen-Bibliothek im Insel Verlag).Beier: Arbeiterbewegung 1984, S. 547f. | Böss, Monika: Starke Frauen in Rhein-Main. Gudensberg-Gleichen 2019.Böss: Starke Frauen in Rhein-Main 2019, S. 53f. | Bromberger, Barbara/Mausbach, Katja: Frauen und Fft. Spuren vergessener Geschichte. An Stelle eines Vorwortes: Ulrike Holler. 2., erw. Aufl. Ffm. 1997.Bromberger/Mausbach: Frauen u. Fft. 1997, S. 44-47. | Griebel, Regina/Coburger, Marlies/Scheel, Heinrich: Erfasst? Das Gestapo-Album zur Roten Kapelle. Eine Foto-Dokumentation. Halle 1992.Griebel/Coburger/Scheel: Gestapo-Album zur Roten Kapelle 1992, S. 136f. u. ö. | Kasper, Birgit/Schubert, Steffi: Nach Frauen benannt. 127 Straßen in Ffm. Hg. v. Frauenreferat der Stadt Ffm. Ffm. 2013.Kasper/Schubert: Nach Frauen benannt 2013, S. 112f. | Zibell, Stephanie: Hessinnen. 50 Lebenswege. Wiesbaden 2019.Zibell: Hessinnen 2019, S. 153-160, 374.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/15.263.

GND: 1233695401 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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    Empfohlene Zitierweise: Blömeke, Felix: Schlösinger, Rose. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/1069

    Stand des Artikels: 23.3.1995