Stoltze, Lyda

Lyda Stoltze

Lyda Stoltze
Fotografie aus dem privaten Fotoalbum der Familie Stoltze (im Nachlass Friedrich Stoltze in der UB Ffm.).

© Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Ffm. (Sign. Ms.Ff. F.Stoltze 7.56).
Stoltze, Wilhelmina Lyda. Privatlehrerin. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.* 20.7.1850 Ffm., Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 27.2.1930 Ffm.
Viertes von elf Kindern des Schriftstellers Friedrich S. und dessen Frau Marie, geb. Messenzehl (1826-1884).
Lyda war die Tochter, die Friedrich S. am nächsten stand. Zärtlich nannte er sie auch „Lydevogel“. Ihr Name erinnerte an seine erste große Liebe Maria Christina Retting (1816-1843), die er schwärmerisch „Lyda Christina“ nannte. Briefe, Prosatexte und Gedichte von Friedrich S. geben einen Einblick in das Leben Lyda S.s. Nach der preußischen Besetzung Fft.s begleitete sie ihren Vater im Juli 1866 für einige Wochen ins süddeutsche Exil.
Lyda S. erhielt eine gute Schulausbildung und weilte ab 1875 gemeinsam mit ihrer Schwester Molly (1856-1910) für einen Sprachaufenthalt im französischsprachigen Liège (Lüttich). Bei weiteren Aufenthalten dort war Lyda S. 1876 am Institut von Fräulein Folie tätig und unterrichtete 1877 am „L’institut supérieur de demoiselles“. 1882 scheiterte eine Bewerbung S.s bei Karl Friedrich Fröbel (1807-1894), einem Neffen des Pädagogen Friedrich Fröbel, der eine Mädchenschule im schottischen Edinburgh unterhielt. 1888 war S. wieder in Tilff bei Lüttich anzutreffen. Im November 1888 war sie bei Frau Pauline von Guaita in der Böhmerstraße 51 in Ffm. in Stellung. Auf verschiedenen Sommerreisen, alleine oder in Begleitung ihrer Schwestern, erweiterte S. ihren Horizont: 1880 und 1886 war sie in Bad Nauheim, 1882 in Luzern und Zürich, 1883 in den bayerischen Alpen, 1884 in Baden. 1885 feierte sie ihren 35. Geburtstag in Altaussee in der Steiermark. 1890 schrieb der Vater ihr nach Schruns in Vorarlberg.
Lyda S. unterstützte ihren Vater häufig bei der Arbeit, las Korrektur, falzte die „Ffter Latern“ und vertrat Friedrich S. während dessen Urlauben oder Kuraufenthalten in der Redaktion. Zahlreiche Anweisungen des im Sommer üblicherweise in Königstein zur Kur weilenden Schriftstellers an seine Tochter Lyda haben sich in seinem Nachlass erhalten. Nach Friedrich S.s Tod am 28.3.1891 übernahm Lyda S. bis Ende des Jahres die Herausgabe der „Ffter Latern“, die sie dann ab 1892 bis zur Einstellung des Blattes am 25.3.1893 dem Redakteur Max Hirschfeld (1860-1944) übertrug.
Friedrich S. hatte seine Töchter Lyda, Laura (1855-1945), Molly (seit 1886 verh. Schreiber, 1856-1910) und Alice (1858-1926) sowie die Haushälterin Marie Geisselbrecht (1834-1912) zu seinen Erbinnen erklärt. Die noch lebenden Söhne Adolf (1842-1933) und Hermann S. (1860-1899) wurden in dem knappen Testament nicht berücksichtigt. Lyda S. bemühte sich um den (schriftlichen) Nachlass und das Nachleben ihres Vaters. Sie sammelte schon früh alle ihr zugänglichen Zeitungsartikel über Friedrich S. in einer Pressedokumentation ab 1879, die sie 1926/27 zusammen mit 590 Büchern und Broschüren der Nachlassbibliothek an die Stadtbibliothek (heute: UB Ffm.) übergab. S. war Ansprechpartnerin von Johannes Proelß in Vorbereitung für die 1905 erschienene S.-Biographie und von Otto Hörth, der sich zusammen mit einem Ausschuss für ein S.-Denkmal einsetzte. Auch unterstützte sie den Mundartforscher Alexander Askenasy mit Werken ihres Vaters.
Nach dem Tod des Vaters hatte Lyda S. am 23.5.1891 den Mietvertrag für das Leopold Sonnemann gehörende Gartenhaus im Grüneburgweg 128, das bisherige Wohnhaus der Familie (seit 1873), gekündigt. Gemeinsam mit ihren Schwestern wohnte sie seitdem in der Friedrichstraße 34 im Westend. Aus Anlass des 100. Geburtstags von Friedrich S. 1916 erhielten dessen Töchter eine lebenslange jährliche Ehrengabe der Stadt Ffm. Lyda S. bezog darüber hinaus eine Konventualinnen-Rente des St. Katharinen- und Weißfrauenstifts. In ihrem Testament vom 26.2.1928 setzte sie ihre Schwester Laura als Alleinerbin ein und verfügte, dass der literarische Nachlass des Vaters zu gegebener Zeit in die Stadtbibliothek, das Historische Museum oder das Stadtarchiv überführt werden sollte. 1936 übergab die Familie S. den Nachlass von Friedrich S. an die Stadtbibliothek.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Petra Breitkreuz.

Literatur:
                        
Breitkreuz, Petra (Hg.): Mit ergebenstem Gruß/ Ihr Friedrich Stoltze. Briefe des Ffter Literaten. Wiesbaden [Copyright 2018].Breitkreuz (Hg.): Mit ergebenstem Gruß/ Ihr Friedrich Stoltze 2018, S. 33-84. | Breitkreuz, Petra (Hg.): Stol(t)ze Frauen. Wiesbaden 2014.Breitkreuz (Hg.): Stol(t)ze Frauen 2014, S. 11f., 45-57. | Breitkreuz, Petra: Wir lieben, und was wir geliebet, das lebt. Die Bedeutung der Familie für Friedrich Stoltzes Leben und Werk. Ffm. 1990.Breitkreuz: Die Bedeutung der Familie für Friedrich Stoltzes Leben u. Werk 1990. | Stoltze, Friedrich: Gesammelte Werke. 5 Bde. Ffm. 1892-96.Stoltze, Friedrich: Lindenfels. (1872.) (Lyda.) In: Stoltze, Friedrich: Ges. Werke 4 (Hochdeutsche Gedichte, 3. Aufl. 1892), S. 217f.
Quellen: ISG, Magistratsakten, 1868-1969.ISG, MA S 2.738 (Ableben des Literaten und Dichters Friedrich Stoltze, Feier des 100. Geburtstags, 1891-92 u. 1916-37; betr. u. a.: Tod Lyda Stoltzes, 1930). | Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, vorm. Stadt- und Universitätsbibliothek, Ffm.Dokumente und Briefe im Nachlass Friedrich Stoltze: UB Ffm., Sign. Ms.Ff. F.Stoltze 3.311, 3.451, 3.455, 3.470, 3.490, 3.494, 6.325. | Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, vorm. Stadt- und Universitätsbibliothek, Ffm.Poesiealben von Lyda Stoltze in: UB Ffm., Nachlass Friedrich Stoltze, Sign. Ms.Ff. F.Stoltze 2.18 und 2.19. | Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, vorm. Stadt- und Universitätsbibliothek, Ffm.Zwei Hefte Sprichwörter und Redensarten, gesammelt von Lyda Stoltze: UB Ffm., Nachlass Friedrich Stoltze, Sign. Ms.Ff. F.Stoltze 2.17. | Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, vorm. Stadt- und Universitätsbibliothek, Ffm.Pressedokumentation im Nachlass Friedrich Stoltze: UB Ffm., Sign. Ms.Ff. F.Stoltze 2.6.
Internet: Bibliotheksportal der UB Ffm. (mit Katalogen, digitalen Sammlungen, Online-Publikationen u. a.). https://www.ub.uni-frankfurt.de/wertvoll/stoltze.html - http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/stoltze/nav/index/all -
Hinweis: Einführung zur Sammlung Stoltze in der UB Ffm. sowie digitale Sammlung aller Briefe von und an Friedrich Stoltze aus dem dortigen Nachlassbestand.
UB Ffm., 27.1.2021.


GND: 1032302569 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Breitkreuz, Petra: Stoltze, Lyda. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/12009

Stand des Artikels: 29.1.2021
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 02.2021.