Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
willkommen beim Frankfurter Personenlexikon im Jahr 2026!
Ich wünsche Ihnen alles Gute, viel Glück und Gesundheit und würde mich freuen, wenn Sie auch in diesem Jahr das Frankfurter Personenlexikon mit Freude lesen und mit Gewinn nutzen würden.
Auch künftig soll es im FP immer etwas Neues zu entdecken geben, und so starten wir gleich, wie immer am Monatszehnten, mit der aktuellen Artikellieferung in den Januar. Der Artikel des Monats erzählt diesmal die Lebensgeschichte einer Frankfurterin, die alle zu kennen scheinen – als die Schwester Goethes. In dem Artikel wird Cornelia Goethe als eine sensible, hochgebildete und freiheitsliebende junge Frau vorgestellt, die die Konventionen ihrer Zeit erfüllen musste und letztlich daran zugrunde ging.
Artikel des Monats Januar 2026:
Ein Leben in den Rollen des Rokoko
Sie war Tochter, Schwester, Ehefrau, Mutter – und durfte nie sie selbst sein: Cornelia Goethe. Als zweites Kind des Kaiserlichen Rats Johann Caspar Goethe und dessen Frau Catharina Elisabeth, geb. Textor, wurde Cornelia Friederica Christiana Goethe am 7. Dezember 1750 in Frankfurt geboren. Ihr Bruder Johann Wolfgang Goethe war nur 15 Monate älter als sie; fünf später geborene Geschwister starben im Säuglings- oder Kindesalter. Der Vater, der sein „Cornelgen“ besonders liebte, machte in der Erziehung der beiden Kinder keinen Unterschied. Wie ihr Bruder erhielt Cornelia eine umfassende Schulbildung, ab ihrem siebten Lebensjahr durch intensiven und breit gefächerten Privatunterricht. Auch ihr musikalisches Talent wurde im Elternhaus gefördert. Oft litt sie allerdings unter dem strengen Lehrplan des Vaters, der ihr wenig Freiheiten ließ. Umso mehr genoss sie die enge Gemeinschaft mit dem Bruder, oft auch im geselligen Kreis unter Freundinnen und Freunden, später im Austausch über seine schriftstellerischen Arbeiten. Dabei besaß Cornelia durchaus selbst literarisches Talent, das sie jedoch nur in einem geheimen Brieftagebuch an ihre Freundin Katharina Fabricius (1768/69) einsetzen konnte.
Während der Bruder zum Studium hinausgeschickt wurde und berühmt zu werden begann, blieb Cornelia einsam in Frankfurt zurück. Trotz ihrer hohen Bildung stand ihr als junger Frau aus dem gehobenen Frankfurter Bürgertum zu jener Zeit nur der Weg in die Ehe offen. Am 1. November 1773 heiratete Cornelia Goethe den Juristen Johann Georg Schlosser, einen Freund des Bruders. Es schien ihr eine glückliche Verbindung und von seiner Seite sogar eine Liebesheirat zu sein. Das Paar zog schließlich nach Emmendingen im Markgräflerland, wo Schlosser die Stelle als Oberamtmann erhalten hatte und seine Frau immer mehr vereinsamte. Nach der schweren Geburt ihres ersten Kindes, der Tochter Louise, gen. Lulu (1774), fiel Cornelia Schlosser in Krankheit und Depressionen. Gesundheitlich vollkommen geschwächt, überlebte sie die Geburt ihrer zweiten Tochter, Juliette (1777), nur um knapp einen Monat. Im Alter von 26 Jahren starb Cornelia Schlosser, geb. Goethe, am 8. Juni 1777 in Emmendingen. Goethe, nachdem er in Weimar die Nachricht vom Tod der Schwester erhalten hatte, notierte in sein Tagebuch: „Dunckler zerrissner Tag.“
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Der Artikel ist Cornelia Goethe nachträglich zum 275. Geburtstag am 7. Dezember 2025 gewidmet. Außerdem setzen wir in diesem Monat die Serie über die Frankfurter Rechenmeister der frühen Neuzeit mit einem Beitrag über Nicolaus Beusser fort. In der Reihe über jüdische Persönlichkeiten aus der Frankfurter Stadtgeschichte der Nachkriegszeit erscheint diesmal der Artikel über Irene Militscher, die lange als einzige Frau dem Gemeinderat der Jüdischen Gemeinde angehörte. Sie regte 1966 die Gründung einer liberalen jüdischen Gruppe innerhalb der Frankfurter Einheitsgemeinde an und brachte damit den liberalen Ritus im jüdischen Gottesdienst nach Frankfurt zurück.
Im vorigen Editorial schrieb ich hier an dieser Stelle etwas von Geschenken, die man ganz unverhofft bekomme, wenn man nur genau hinschaue. Wenige Tage später bekamen wir hier in der Redaktion des Frankfurter Personenlexikons eine solche Überraschung. Wie üblich blickten wir zum Jahresabschluss auf die Nutzungsstatistik des FP – und stellten erfreut fest, dass sich die durchschnittliche Zahl der Leserinnen und Leser pro Monat 2025 im Vergleich zum Vorjahr mehr als vervierfacht hat!
Im Jahr 2025 erreichte das Frankfurter Personenlexikon rund 870.000 eindeutige Nutzerinnen und Nutzer, die über 2,3 Millionen Seiten aufriefen. Dies entspricht einem Monatsdurchschnitt von rund 72.500 Leserinnen und Lesern mit etwa 192.000 Seitenaufrufen. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 lag der Monatsdurchschnitt noch bei rund 15.700 Nutzerinnen und Nutzern mit etwa 80.000 Seitenaufrufen. In einzelnen Monaten des Jahres 2025 hatte das Frankfurter Personenlexikon sogar über 250.000 Leserinnen und Leser.
Wir danken Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, für diesen großartigen Erfolg und nehmen das überraschende Geschenk zugleich als Ansporn und Verpflichtung in dieses Jahr mit, um das Frankfurter Personenlexikon weiterhin attraktiv für Sie zu gestalten.
Mit herzlichen Wintergrüßen
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons
P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Februar 2026.