Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
morgen ist heute schon gestern. Dennoch gilt es, die Gegenwart zu gestalten, um eine Zukunft zu haben. Der Blick in die Vergangenheit kann dabei mehr sein als eine schöne oder auch schmerzende Erinnerung. Er kann mahnen und verpflichten. Daraus können Traditionen entstehen, die über den flüchtigen Augenblick hinauswirken. Ein bedeutender Frankfurter, der gemäß der langen und guten Tradition seiner Familie in der Stadt lebte und handelte, war Friedrich von Metzler. Dem 2024 verstorbenen Bankier ist der diesmalige Artikel des Monats gewidmet.
Artikel des Monats Mai 2026:
Gestern – heute – morgen
Er war Frankfurts 26. Ehrenbürger: Friedrich von Metzler. Aus einer alteingesessenen Frankfurter Familie stammend, die das seit 1674 bestehende Bankhaus Metzler besitzt, wurde der Bankierssohn 1943 kriegsbedingt zwar in Dresden geboren, wuchs dann aber in Frankfurt auf und machte hier sein Abitur am Lessing-Gymnasium. Nach einer kaufmännischen Ausbildung in Hamburg und ersten beruflichen Stationen in London, New York, Paris und Düsseldorf trat Friedrich von Metzler 1969 in das familieneigene Bankhaus in Frankfurt ein, dessen persönlich haftender Gesellschafter er 1971 wurde. Gemeinsam mit seinem Vetter Christoph von Metzler schuf er in den 1980er Jahren die Grundlagen für den Ausbau der Privatbank zu einem modernen Bankunternehmen. Zudem amtierte Friedrich von Metzler seit 1989 als Vorsitzender im Vorstand der Frankfurter Wertpapierbörse. Er war maßgeblich an deren Umwandlung in eine Aktiengesellschaft beteiligt, aus der zum 1. Januar 1993 die „Deutsche Börse AG“ hervorging.
Stets fühlte sich Friedrich von Metzler dem tradierten bürgerschaftlichen und mäzenatischen Wirken seiner Familie für die Stadt Frankfurt verpflichtet. Schon früh engagierte er sich in den Führungsgremien der Dr. Senckenbergischen Stiftung, der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft und des Bürgerhospitals. Auch gehörte er etwa dem Verwaltungsausschuss des Freien Deutschen Hochstifts und dem Vorstand des Kunstgewerbevereins an. Zusammen mit seiner Frau Sylvia von Metzler unterstützte er u. a. das Städel und weitere Frankfurter Museen, die Städtischen Bühnen und die Universität. Mit der von ihm 1998 gegründeten Stiftung (seit 2005 „Albert und Barbara von Metzler-Stiftung“) fördert die Familie ein breites Spektrum sozialer, wissenschaftlicher, kultureller und ökologischer Projekte. Trotz eines schweren Schicksalsschlags, der Entführung und Ermordung seines jüngsten Sohnes Jakob 2002, zog sich Friedrich von Metzler nicht zurück, sondern setzte sein philanthropisches und mäzenatisches Engagement fort.
Am 5. September 2004 wurde Friedrich von Metzler in der Paulskirche die Ehrenbürgerwürde der Stadt Frankfurt verliehen. In seiner Dankesrede gestand er, dass er sich sehr über diese hohe Auszeichnung freue, aber er wisse, dass sie ihm nicht alleine gebühre: „Wenn ich heute ausgezeichnet werde, dann deshalb, weil ich fortgeführt habe, was meine Vorfahren begonnen haben“, sagte er. „Deshalb nehme ich die Ehrenbürgerwürde auch für meine Vorfahren in Empfang.“ Anlässlich seines 75. Geburtstags 2018 verabschiedete sich Friedrich von Metzler aus dem aktuellen Tagesgeschäft im Bankhaus, auch wenn er noch bis 2021 persönlich haftender Gesellschafter blieb. Heute vertreten seine Kinder Elena und Franz von Metzler in zwölfter Generation die Familie im Bankhaus Metzler.
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Zwei andere neue Artikel in diesem Monat knüpfen thematisch an Beiträge der vorigen Lieferung an. Kürzlich erschien der Artikel über den Maler Gustave Courbet in grundlegend überarbeiteter und aktualisierter Neufassung. Courbet schickte bereits ab 1852 seine Bilder zur Ausstellung nach Frankfurt und lebte von August 1858 bis Februar 1859 in der Stadt. Ludwig Kohlbacher, der Kunsthändler und Inspektor des Frankfurter Kunstvereins, der im vergangenen Monat hier an dieser Stelle vorgestellt wurde, war einer der Hauptverantwortlichen für die frühe Courbet-Rezeption in Frankfurt: Er hatte im November 1852 die zweite der Frankfurter Courbet-Ausstellungen veranstaltet und war vermutlich nicht ganz unschuldig daran, dass der Künstler 1858 selbst nach Frankfurt kam (auch wenn es nach neueren Forschungserkenntnissen wahrscheinlich keine offizielle Einladung des Frankfurter Kunstvereins an Courbet gegeben haben dürfte).
Zu den jungen Malern, die Courbet in Frankfurt zu seiner „Schule“ zählte, gehörte Angilbert Göbel. Er arbeitete zeitweise sogar in einer Ateliergemeinschaft mit dem französischen Meister in Frankfurt und gilt als der Frankfurter Maler, der am deutlichsten von Courbet beeinflusst war. Für das Frankfurter Personenlexikon wurde der Artikel über Angilbert Göbel jetzt vollkommen überarbeitet und auf den aktuellen Forschungsstand gebracht.
In einem ganz anderen Zusammenhang mit Courbet steht der Landschaftsmaler Eduard Wilhelm Pose, ein Vertreter der Düsseldorfer Malerschule, der seit 1845 in Frankfurt lebte. Courbet soll Poses Frau Pauline als „La Dame de Francfort“ im Spätherbst 1858 vor der Kulisse der Frankfurter Wallgärten porträtiert haben. Das Bild ist berühmt geworden – aber ob es wirklich Pauline Pose zeigt, ist nicht sicher. Eigentlich weiß man noch nicht einmal so ganz genau, ob sich Courbet und das Ehepaar Pose überhaupt gekannt haben.
In der Reihe der Lebensgeschichten von Frankfurter Künstlerinnen im ausgehenden 19. Jahrhundert und beginnenden 20. Jahrhundert erscheint diesmal ein Artikel über die Malerin Luise Mommsen, eine Tochter des Frankfurter Gymnasialdirektors Tycho Mommsen, die als Kunstmalerin und Zeichenlehrerin in Frankfurt tätig war.
Neu ist zudem der Beitrag über die Cellistin Lotte Hegyesi, die ab 1906 am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt von Hugo Becker und Johannes Hegar ausgebildet wurde und sich schon bald als Solistin und Kammermusikerin im deutschen Konzertleben etablierte. Ihre Biographie endete bisher ebenso abrupt wie ihre erfolgreiche Karriere mit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 und konnte nun eigens für das FP rekonstruiert werden.
Der Vollständigkeit halber will ich noch nachtragen, dass der eingangs zitierte Satz auf den Schriftsteller Hermann Schiff (1801-1867) zurückgeht. Ich habe also ausnahmsweise einmal bei einem Hamburger für das Frankfurter Personenlexikon „geklaut“.
Ansonsten bleibt es aber dabei, dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, unter frankfurter-personenlexikon.de wie gewohnt Frankfurter Biographien finden.
Mit besten Grüßen
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons
P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Juni 2026.