Neuerscheinungen vom 10. August 2026

Einleitung: 

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

vor 100 Jahren, am 15. August 1926, wurde die neue Alte Brücke in Frankfurt eingeweiht. Sie schlug, im wahrsten Sinne des Wortes, den Bogen vom alten zum Neuen Frankfurt. Auch das spektakuläre „Brückenfest“ zu ihrer Einweihung verband Tradition und Moderne. Gedacht als „allgemeiner deutscher Volkstag“ im demokratischen Sinne, begann das Fest an jenem Sonntagmorgen mit der konventionellen „Brückenweihe“ zur feierlichen Schlusssteinlegung und einem historischen Festzug der Landsmannschaften. Daran schloss sich ein modern gestalteter Schiffsfestzug auf dem Main an. Nach vielfältigen Veranstaltungen – vom Volksfest mit einem Rummelplatz am Main über ein Pferderennen in Niederrad bis hin zu Sportwettkämpfen im Stadion – schloss der Tag mit einem besonderen Festspiel: einer avantgardistischen „Großen Brückenrevue“ in der Festhalle am Messegelände. Für deren Gestaltung hatte die Stadt Frankfurt einen prominenten Künstler der Zeit gewonnen, wovon der diesmalige Artikel des Monats berichtet.

Artikel des Monats August 2026:
Das Triadische Ballett auf der Alten Brücke

Er gestaltete ein außergewöhnliches Festspiel anlässlich der Frankfurter „Brückenweihe“: Oskar Schlemmer. In den 1920er Jahren hatte der Maler, Bildhauer und Bühnenbildner, der seit 1921 am Bauhaus unterrichtete, persönliche Verbindungen nach Frankfurt. So arbeitete er insbesondere mit Paul Hindemith zusammen. Auf Vermittlung des Komponisten konnte Schlemmer sein Triadisches Ballett, einen experimentellen „theatralischen Kostümtanz“, am 25. und 26. Juli 1926 beim Kammermusikfest in Donaueschingen aufführen, was den Frankfurter Auftrag nach sich zog. Verpflichtet vom städtischen Baudirektor Martin Elsaesser, übernahm Schlemmer kurzfristig die Ausstattung der „Großen Brückenrevue“ zur Aufführung am 15. August 1926, am Tag der Einweihung der neuen Alten Brücke, in Frankfurt. Innerhalb kürzester Zeit wurde das Festspiel „aus dem Boden der Festhalle gestampft“, wie die Frankfurter Zeitung notierte. Für die Bühne hatte Schlemmer eine riesige Holzbrücke entworfen, auf der er auch seine abstrakten Kostümfiguren des Triadischen Balletts auftreten und tanzen ließ. Direkt nach der Premiere schrieb Schlemmer seiner Frau eine Postkarte: „Die Maßgebenden begeistert. Das Triadische ein Clou.“ Somit hatte er die erwünschte Werbewirkung für sein Tanzprojekt erreicht. Doch seinem künstlerischen Anspruch konnte er mit der Aufführung, auch aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit, nicht gerecht werden. Knapp drei Jahre später, im Frühjahr 1929, bekam Schlemmer die Gelegenheit, sein modernes Tanztheater mit der Bauhausbühne in Frankfurt zu präsentieren.
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Schluss: 

Die Aufführungsgeschichte der Frankfurter „Großen Brückenrevue“ konnte anhand der im Institut für Stadtgeschichte in Frankfurt überlieferten Magistratsakten zur Organisation des Brückenfests von 1926 recherchiert und rekonstruiert werden. Dadurch ließ sich eindeutig klären, dass Oskar Schlemmer frühestens Mitte Juli und endgültig Ende Juli 1926 in Donaueschingen für die Ausstattung der Frankfurter „Brückenrevue“ engagiert wurde. In diesem und anderen Punkten im Zusammenhang mit der Frankfurter Aufführung hatte es in der biographischen, kunsthistorischen und tanztheoretischen Literatur zu Schlemmer und dem Triadischen Ballett bisher Unsicherheiten und Missverständnisse gegeben, zu deren Klärung durch das Quellenstudium beigetragen werden konnte. Der Artikel stellt daher die Aufführungsgeschichte der „Brückenrevue“ unter besonderer Berücksichtigung von Schlemmers Anteil ausführlicher anhand der Ergebnisse aus der Aktenrecherche dar.

Wie im vorigen Monat angekündigt, wird die Reihe der Sportartikel wieder fortgesetzt, diesmal mit einem Artikel über Doris Runzheimer, geb. Eckert, die Deutsche Meisterin im Hürdenlauf von 1936, die für Eintracht Frankfurt startete und auch an den Olympischen Spielen 1936 in Berlin teilnahm.

Die Augustlieferung wird baldmöglichst um weitere Beiträge ergänzt.

Einstweilen herzliche Sommergrüße
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. September 2026.

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