In den 1920er Jahren war Sch. mit der Stadt Ffm. durch persönliche Beziehungen verbunden, u. a. zu dem Komponisten
Paul Hindemith, den er spätestens im Sommer 1920 kennenlernte, und zu seinem Studienfreund
Willi Baumeister, der seit April 1928 an der städtischen Kunstgewerbeschule in Ffm. lehrte. Nach der im Dezember 1920 angenommenen Berufung an das Staatliche Bauhaus in Weimar, an dem Sch. ab Jahresbeginn 1921 unterrichtete (u. a. als Formmeister der Werkstatt für Wandmalerei, 1921-22, als Formmeister der Werkstätten für Steinbildhauerei, 1921-25, und Holzbildhauerei, 1922-25, sowie als Leiter der Bühnenwerkstatt, offiziell ab April 1923), setzte er zunächst auch seine Arbeiten und Projekte an seinem bisherigen Lebens- und Schaffensmittelpunkt Stuttgart fort. Für die Uraufführung der beiden Operneinakter „Mörder, Hoffnung der Frauen“ (Libretto: Oskar Kokoschka) und „Das Nusch-Nuschi“ (Libretto: Franz Blei) von
Paul Hindemith am 4.6.1921 am Württembergischen Landestheater in Stuttgart entwarf Sch. Bühnenbild und Kostüme; zudem wirkte er entscheidend an der Tanzregie mit. Das Triadische Ballett, ein „theatralischer Kostümtanz“ mit experimentellem Konzept, den Sch. zusammen mit den Solotänzern Albert Burger (1884-1970) und Elsa Hötzel (später verh. Burger, 1886-1966) ab 1912 entwickelt hatte, wurde am 30.9.1922 im Kleinen Haus des Württembergischen Landestheaters in Stuttgart uraufgeführt.
Hindemith, den Sch. bereits 1920 (u. a. bei einem Besuch in Ffm. am 11.7.1920; vgl. Schlemmer: Briefe u. Tagebücher 1958, S. 91f.) für das Triadische Ballett interessiert und zur Komposition erster (und zunächst nicht verwendeter) Tänze inspiriert hatte, sah die Aufführung des Triadischen Balletts während der „Bauhauswoche“ am 16.8.1923 im Nationaltheater in Weimar.
Während der Krise des Bauhauses in Weimar 1924/25 hatte sich auch die Stadt Ffm. als neuer Standort für die Institution, die Lehrenden und die Studierenden angeboten. Letztlich folgte Sch. dem Bauhaus im Herbst 1925 nach Dessau, wo er weiterhin die Bühnenwerkstatt („Bauhausbühne“; bis zu deren Schließung 1929) leitete. Neben seiner Lehrtätigkeit beschäftigten Sch. immer wieder das Triadische Ballett, dessen Weiterentwicklung und Verbreitung, zumal es in diesem Projekt wesentlich um den Menschen im Raum und damit um das Hauptmotiv in seinem gesamten künstlerischen Schaffen ging. Der Bruch mit dem Tänzerpaar Burger 1923 hatte eine Aufführung des Triadischen Balletts durch Sch. eine Zeitlang verhindert, zumal ein Teil der Kostüme bei der Trennung an das Ehepaar Burger gefallen war. Die von Sch. entworfenen raumplastischen Kostüme, wodurch die Tanzenden als abstrakte Figuren auftraten und in ihren Bewegungen bestimmt wurden, waren jedoch wesentlich für den Ausdruck und damit für den Erfolg der Aufführungen. Mit der Aussicht auf Aufträge zur Präsentation des Triadischen Balletts nahm Sch. ab Jahresbeginn 1926 die Arbeit daran wieder auf. Er plante erstmals eine Aufführung mit einer eigens dafür geschriebenen Musik, die er ursprünglich für jeden der drei Teile des Balletts an einen anderen Komponisten (Hans Heinz Stuckenschmidt – Ernst Toch –
Paul Hindemith) vergeben wollte. Wahrscheinlich auf Vermittlung von
Hindemith wurde Sch. eingeladen, das Triadische Ballett beim Donaueschinger Kammermusikfest im Sommer 1926 auf die Bühne zu bringen. Im April 1926 übertrug er die Komposition der Musik allein an
Hindemith, und im Mai 1926 beauftragte er die Herstellung der wichtigsten fehlenden Kostüme. Am 25. und 26.7.1926 wurde das Triadische Ballett beim Kammermusikfest in Donaueschingen aufgeführt, zwar in verkürzter Fassung, aber erstmals mit der Musik von
Paul Hindemith, der dafür mit der mechanischen Orgel experimentiert hatte. Die Aufführung unter der musikalischen Leitung von
Hermann Scherchen wurde von der Kritik als herausragendes Ereignis gefeiert, nicht zuletzt wegen der Originalität der Kostüme.
Im Zusammenhang mit dem Donaueschinger Gastspiel erhielt Sch. kurzfristig einen Auftrag aus Ffm., der ihm eine weitere Gelegenheit bot, das Triadische Ballett zumindest in einzelnen Elementen zu präsentieren. Anlässlich der Einweihung der neuen Alten Brücke plante die Stadt Ffm. ein groß angelegtes Fest mit nationaler Beteiligung und Wirkung im demokratischen Sinne. Nachdem die städtischen Gremien erst Mitte Mai 1926 den Termin für die Brückeneinweihung auf den 15. August festgesetzt hatten, war die Organisation der Feierlichkeiten auf Hochtouren angelaufen. Die künstlerische Oberleitung des „Brückenfests“ war Stadtbaurat
Ernst May übertragen worden, und beim städtischen Hochbauamt wurde eigens eine „Brückenfeststelle“ eingerichtet. Vorgesehen war ursprünglich ein eher konventionelles Festprogramm mit der feierlichen „Brückenweihe“ am Sonntagmorgen, der sich ein historischer „Festzug der landsmännischen Vereinigungen“ und ein attraktiver Schiffsfestzug auf dem Main anschlossen. Um beim Brückenfest den Bogen von der Tradition zur Moderne zu schlagen (wofür der Neubau der Alten Brücke symbolisch stand), kam die Idee eines zeitgemäßen, ja avantgardistischen Festspiels zum Abschluss der Feierlichkeiten auf. In den einschlägigen Akten ist das projektierte „Brückenfestspiel in der Festhalle“ erstmals am 15.7.1926 erwähnt. (Übersicht über die „Organisation des Brückenfestes“, Ffm., 15.7.1926. In: ISG, MA T 1.741, Bd. 16, [Bl. 2].) Die künstlerische Leitung des Festspiels übernahm Baudirektor
Martin Elsaesser. Innerhalb weniger Tage waren die Planungen für „das neueste Projekt“ konkreter geworden: „Unter Leitung von Professor
Elsaesser und unter Mitwirkung von Bauhausleuten soll am Festabend eine Brückenrevue steigen, Regie
Herr Hilpert vom Schauspielhaus [d. i.
Heinz Hilpert, damals Regisseur am Schauspielhaus der Städtischen Bühnen], Manuskript Dr. Burger [d. i. Hermann Burger (1886-1964), damals Dramaturg am Schauspielhaus der Städtischen Bühnen]. Die ganze Geschichte soll mehr auf das optisch-visuelle
[sic!] gestellt werden und ganz grotesk aufgezogen sein, Stil: Teiroff [d. i. Alexander Jakowlewitsch Tairow (1885-1950), russischer Regisseur und Erfinder des „Synthetischen Theaters“].
Hindemith soll die Musik schreiben.“ [
Hellmut Reinert an
Otto Ernst Sutter (die beide seitens der Stadtkanzlei bzw. des Messamts in die Organisation des Brückenfests eingebunden waren), Ffm., 21.7.1926. In: ISG, MA T 1.741, Bd. 3, o. Bl.] Ende Juli 1926 reiste
Elsaesser nach Donaueschingen, um Näheres mit
Hindemith und Sch. zu besprechen. Während
Hindemith nicht verpflichtet werden konnte, wurde Sch. als prominenter Gast für die Ausstattung (Bühnenbild und Kostüme) der „Brückenrevue“ gewonnen; zudem übernahm Sch. die Gestaltung der Werbematerialien (wie Plakat, Postkarte und Programm) für das Festspiel. Angesichts des Donaueschinger Defizits war der Ffter Auftrag für ihn auch finanziell lukrativ: Sch. erhielt 3.000 Mark und damit die mit Abstand höchste Gage in dem Festspielprojekt. [Zum Vergleich: Der Regisseur
Heinz Hilpert folgte mit 1.500 Mark, während der für
Hindemith eingesprungene Komponist und musikalische Leiter Bruno Hartl (1880-1939; damals Kapellmeister am Opernhaus der Städtischen Bühnen) 1.000 Mark und der Autor Hermann Burger 500 Mark bekamen.]
Die „Große Brückenrevue“, eine „Pantomime in drei Teilen“ unter dem (von
Friedrich Stoltze geliehenen) Motto „Es will mer net in mei Kopp enei…“, präsentierte sich als ein Traum des Oberbürgermeisters
Ludwig Landmann (dargestellt von
Leopold Biberti), in dem sich das alte und das Neue Frankfurt im heiteren Widerspiel verknüpften. Nach dem eigentlichen Beginn der Bühnenarbeiten vor Ort am 30.7.1926 musste die komplette Aufführung in kürzester Zeit entstehen: Sie wurde wohl im Wesentlichen „innerhalb von zehn Tagen aus dem Boden der Festhalle gestampft“, wie die FZ notierte. (r. [d. i.
Benno Reifenberg]: Die Brückenrevue. In: FZ, Stadtblatt, 17.8.1926.) Für das Bühnenbild der Ffter „Brückenrevue“ auf der riesigen Festhallenbühne sah Sch., ganz im Sinne des Triadischen Balletts, eine mehrfache Dreigliederung vor. Als raumprägendes Element, das zugleich drei Spielebenen ermöglichte, entwarf er eine dreibogige, über die gesamte Bühnenbreite reichende Holzbrücke, die Altfrankfurt auf der einen und das Neue Frankfurt auf der anderen Seite verband; zentral auf der Brücke platzierte er das schon früher (1922) von ihm geschaffene „Figurale Kabinett“, das mittels eines Vorhangs eröffnet oder geschlossen werden konnte. Vor die Brückenpfeiler stellte er zwei gigantische Männerfiguren, aus deren Lautsprechermündern die Ansager
Carl Luley für das alte und Kurt Böhme (1889-1959) für das neue Fft. zu hören waren (beide Schauspieler von den Städtischen Bühnen in Ffm.). Die Stadt warb mit insgesamt 300 Mitwirkenden, die insbesondere von den Städtischen Bühnen und von verschiedenen Ffter Sportvereinen rekrutiert wurden. Vom Triadischen Ballett waren mindestens neun Figuren in der „Brückenrevue“ zu sehen. „(…) ein Auto sauste heran“, so schilderte der Kritiker der FZ, „und lud die höchst seltsamen, eigenartigen Tanzgestalten Professor Schlemmers aus.“ (r. [d. i.
Benno Reifenberg]: Die Brückenrevue. In: FZ, Stadtblatt, 17.8.1926.) Zumindest einzelnen von Sch.s Figuren kam mehr als eine dekorative Schauwirkung zu. Während die Choreografie der Revue von der Tänzerin und Tanzpädagogin Gretl Hauck (verh. Kahn, 1901-?) gestaltet wurde, fügte Sch. selbst einige Tänze oder zumindest Tanzelemente aus dem Triadischen Ballett in die „Brückenrevue“ ein, woran offenbar die Solotänzerin Elinor Obstfelder (seit 1933 verh. Laven, 1907-1999) von den Städtischen Bühnen Hannover beteiligt war. (Vgl. Dr. P. L. [d. i.
Paul Laven]: Das Triadische Ballett in Fft. In: FZ, Nr. 618, 20.8.1926, Abendblatt, S. 2.) Als Tänzerin und Tänzer für das Triadische Ballett waren vom Bauhaus angeblich Lis Beyer (1906-1973), die allerdings in der Mitwirkendenliste zur Übersicht über die Personalausgaben in den Akten (ISG, MA T 1.741, Bd. 2, o. Bl.) fehlt, und nachweislich
Werner Siedhoff mitgekommen; als „ergänzende Tänzer“ für das Triadische Ballett sind in den Abrechnungsunterlagen die (bisher nicht näher zu identifizierenden) Herren [M.?] Cetto [vielleicht mit Bezug zu dem damals in Ffm. tätigen Architekten Max Cetto], Hans Hamann, Heinrich Höhl und N. N. Würker dokumentiert [ISG, MA T 1.741, Bd. 2, Liste „Brücken-Revue“ (Personal-Ausgaben)“, S. 3, und Belege Nr. 162-165]. Zur Unterstützung in den Werkstätten hatte Sch. seinen Bruder Carl Sch. (1883-1966), der als Werkmeister meist die Herstellung der Kostüme und des Bühnenbilds für das Triadische Ballett leitete, und den Grafiker Joost Schmidt (1893-1948), seinen ehemaligen Schüler vom Bauhaus, der als erfahrener Bühnentechniker am Bau des Bühnenbilds mitgearbeitet haben dürfte, mitgebracht.
Insgesamt erlebte die „Große Brückenrevue“ vier Aufführungen: die Premiere zum Abschluss des eigentlichen Festtags der „Brückenweihe“ am 15.8.1926 und drei Vorstellungen an den folgenden Abenden (16.-18.8.1926). Trotz eher mäßiger Besucherzahlen und nur höflicher Presseresonanz für das ungewöhnliche Festspiel hatte Sch. mit seinem Triadischen Ballett die erwünschte Werbewirkung erzielt. Am Tag nach der Premiere schickte er eine Postkarte an seine Frau: „Die Maßgebenden begeistert. Das Triadische ein Clou.“ (Oskar Schlemmer an seine Frau Tut Schlemmer, 16.8.1926. Zit. nach Peter: Oskar Schlemmer u. der Tanz 2023, S. 189.) Aus künstlerischer Sicht war er mit der Ffter Aufführung nicht zufrieden. Infolge der knappen Vorbereitungszeit „konnte (…) das Spiel nicht auf
die Höhe und zu
der Vollendung gebracht werden, wie es wünschenswert gewesen wäre“, schrieb er in einem Dankesbrief an Oberbürgermeister
Landmann, aber er hoffte auf weitere Gastspiele in Ffm. und damit die „Gelegenheit (…), eine Demonstration von größerer Reinheit und Klarheit des Stils (…) geben“ zu können. (Oskar Schlemmer an Oberbürgermeister
Ludwig Landmann, Dessau, 6.9.1926. In: ISG, MA T 1.741, Bd. 1, o. Bl.)
Schon anlässlich der Eröffnung des neuen Bauhausgebäudes in Dessau am 4./5.12.1926 konnte Sch. an die Ffter Verbindungen anknüpfen: Mit
May und
Elsaesser, die zur Einweihung aus Ffm. angereist waren, sei „man in guten Kontakt“ gekommen, berichtete er an
Willi Baumeister. (Oskar Schlemmer an
Willi Baumeister, Dessau, 21.12.1926. Zit. nach Schlemmer: Briefe u. Tagebücher 1958, S. 203.) Auch wenn die Einladung zu einem erneuten Gastspiel in Ffm. zunächst ausblieb und der erhoffte Auftrag für eine größere Bühnenarbeit am Ffter Theater nie kam, blieb Sch. bis Anfang 1933 auf vielfältige Weise in Ffm. präsent. Für die Zeitschrift „Das Neue Fft.“ lieferte er zwei Beiträge: „Piscator und das moderne Theater“ (Februar 1928) und einen tanztheoretischen Text mit dem Titel „Gestaltung aus dem Material“ (Oktober 1930). Im April 1928 wurde „Der Maler Oskar Schlemmer“ von dem Kunsthistoriker Will Grohmann (1887-1968) in „Das Neue Fft.“ vorgestellt. Nach einer ersten und frühen Ffter Ausstellungsbeteiligung („Hölzel und sein Kreis“, Kunstsalon Ludwig Schames, 1917) nahm er nun an weiteren Ausstellungen in Ffm. teil („Deutsche Kunst“, Ffter Kunstverein, 1928, und „Vom Abbild zum Sinnbild. Große Ausstellung von Meisterwerken der neueren europäischen Malerei“, Städelsches Kunstinstitut, 1931), und der Ffter Kunstverein zeigte im April 1932 die Gruppenausstellung der drei Freunde „
Willi Baumeister – Oskar Schlemmer – Otto Meyer-Amden“.
Mit einer Bühnenarbeit kam Sch. im April 1929 wieder nach Ffm., diesmal zu einem Gastspiel im Rahmen einer Tournee mit der Bauhausbühne. An einem Abend (18. oder 19.4.1929) hielt Sch. vorab einen Vortrag über „Bühnenelemente“ vor der „Ffter Oktobergruppe“, einer Vereinigung von Architekten des Hochbauamts und Gestaltern der Kunstgewerbeschule, die Veranstaltungen zu aktuellen kulturellen Fragen organisierte; auch
Willi Baumeister gehörte zu diesem Kreis. Die (einmalige) Ffter Aufführung der Bauhausbühne fand am 20.4.1929 im Schauspielhaus statt. Über die Resonanz beim Publikum berichteten die Ffter Nachrichten: „Im Hause, das bis auf den letzten Platz gefüllt war, fanden sich drei Gruppen: Die Opposition, die in einzelnen, verlorenen Pfiffen ihr Dasein nachwies, die lehrhaft Ernsten, die zischten, wenn äußerer Einfluß ihr konstruktives Denken zu stören drohte, und die Naiven, die schwiegen, wo es schön, lachten, wo es komisch oder lustig, und sich graulten, wo es gruselig war, die Naiven, die mit den Augen fühlen und mit den Herzen sehen… Und die Naiven waren in der Mehrheit.“ (FN, 22.4.1929. Zit. nach Scheper: Oskar Schlemmer – das Triadische Ballett u. die Bauhausbühne 1988, S. 210.) Bei der Presse kam das Ffter Gastspiel nicht gut an. In der Ffter Zeitung war ein regelrechter Verriss zu lesen, der Sch.s Weg zur Erneuerung der Bühnenkunst scharf kritisierte: „Ein Eiferer ist der Herr Professor. Schlemmer ist ein Asket: er reformiert. Durch Abstraktion hofft er sich den Weg zum Gesetz zu bahnen, um später dann, in einem Reich der Ordnung, den erneuerten Menschen wiederzufinden. (…) Aber es war (…) ein Irrweg (…). Er führt am Ende in einen kahlen Raum. Darüber steht in Groteskbuchstaben:
Kunstgewerbe.“ [
Benno Reifenberg: Schlemmer. Zu dem Gastspiel der bauhaus bühne dessau im Ffter Schauspielhaus. (…) In: FZ, Nr. 296, 22.4.1929, Morgenblatt, S. 1.] Nur in Ffm. fielen die Kritiken für Sch.s Theatertruppe so schlecht aus, wobei eine Rolle gespielt haben mag, dass hier der dem Publikum und der Presse vertraute „Ffter Stil“ auf dem Theater von seinen expressionistischen Anfängen geprägt und damit dem experimentellen Ansatz der Bauhausbühne entgegengesetzt war. Insgesamt war die Gastspielreise ein letzter großer Triumph für die Bauhausbühne vor deren Ende mit dem Sommersemester 1929. Sch. verließ das Bauhaus im Juli 1929 und wechselte an die Staatliche Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau, nach deren Schließung 1932 an die Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin.
Zu einem letzten Besuch war Sch. zu Anfang März 1933 in Ffm. Er war eingeladen, den Vortrag über „Bühnenelemente“ in Wiesbaden und Saarbrücken zu halten, und nutzte die Gelegenheit,
Willi Baumeister in Ffm. zu sehen. Der Freund, mit dem Sch. immer in engem brieflichem Kontakt stand, war seit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 verschärften Diffamierungen ausgesetzt. Am 14.3.1933 wurde Sch.s erste Retrospektive nach einer nationalsozialistischen Hetzkampagne noch vor der Eröffnung im Württembergischen Kunstverein Stuttgart geschlossen. Beide Künstler, Sch. wie
Baumeister, galten den Nationalsozialisten als „Kunstbolschewisten“.
Baumeister wurde Ende März 1933 in Ffm. entlassen, und Sch. wurde Mitte Mai 1933 in Berlin gekündigt.
Das vollständige Triadische Ballett wurde in einer rekonstruierten Fassung (von Gerhard Bohner mit Musik von Hans-Joachim Hespos, EA: Berlin, 1977) bei den „Fft. Festen“ der Alten Oper 1982 erstmals in Ffm. aufgeführt; in der die Festwochen begleitenden Ausstellung „Spielraum – Raumspiele“ in der Alten Oper waren auch rekonstruierte Kostümfiguren des Triadischen Balletts zu sehen.
Werke von Sch. im Besitz des Städel Museums in Ffm.: „Halbfigur nach links“ (vermutlich Porträt von Adolf Meyer; Öl und Tempera auf Leinwand, 1924; im Besitz der Städtischen Galerie im Städel Museum, erworben 1964) sowie „Bauhaustreppe“ (Aquarellentwurf, 1931/32), „Sitzendengruppe“ (Öl auf Ölpapier, 1942) und „Vierergruppe mit diagonalem Profil“ (Öl auf Ölpapier, 1942; die drei letztgenannten Blätter in der Graphischen Sammlung im Städel Museum, erworben 2019 als Vermächtnis von Ulrike Crespo aus der Sammlung Karl Ströher) u. a. Die Illustration „Faust und Gretchen (in Marthes Garten)“ (Kreidelithografie, 1923/25) von Sch. befindet sich in der Sammlung zu
Goethes „Faust“ im Freien Deutschen Hochstift – Ffter Goethe-Museum. Das Blatt „Drei Figuren am Geländer II“ (Pastell, 1933), das Sch. einst
Paul Hindemith schenkte, ging aus dessen Nachlass in das Eigentum der Fondation Hindemith (Hindemith-Stiftung) über.
Posthume Ausstellungen in Ffm.: Ffter Kunstverein (1949), „Ffter Kunstkabinett
Hanna Bekker vom Rath“ [„Oskar Schlemmer (...). Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Plastik“, 1976], Jahrhunderthalle Hoechst („Oskar Schlemmer 1888-1943. Werke zyklischer Themen. Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen, Skulpturen“, 1984), Städtische Galerie im Städelschen Kunstinstitut („Oskar Schlemmer. Späte Landschaften“ [Titel auch: „Oskar Schlemmer. Fensterbilder und späte Landschaften“], 1989), Schirn Kunsthalle Fft. („Oskar Schlemmer – Les Noces. Bühnenbilder, Aquarelle, Zeichnungen und Dokumente zur Ballettmusik von
Igor Strawinsky“, 1989); zudem waren Werke von Sch. in wichtigen Ffter Ausstellungen vertreten, u. a. das Kostüm „Drahtfigur“ aus dem Triadischen Ballett (1922) in „Die Maler und das Theater im 20. Jahrhundert“, der Eröffnungsausstellung der Schirn Kunsthalle Fft. (1986).
1989 wurde erst- und einmalig ein „Oskar Schlemmer Preis“ in einem Wettbewerb für junge Bühnen- und Kostümbildner/-innen von der Kulturgesellschaft Fft. vergeben; den ersten Preis erhielt Marc Deggeller (* 1954), und alle preisgekrönten Arbeiten wurden im Sommer 1989 in der Schirn Kunsthalle Fft. ausgestellt.
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