Mülhens, Heinrich

Mülhens, Heinrich. Bankier. * 6.9.1758 Troisdorf, † 4.3.1838 Ffm.
Mülhens, Johann Theodor. Bankier. * 30.3.1760 Troisdorf, † 4.9.1837 Ffm.
Ältere Brüder des Kölner Unternehmers Wilhelm M. (1762-1841), des Gründers der Firma „4711“ zur Herstellung von Kölnisch Wasser (1796).
Die Brüder Heinrich und Johann Theodor M. suchten nach der französischen Besetzung von Koblenz, wo sie bereits gemeinsam Bankgeschäfte betrieben hatten, im Oktober 1794 Zuflucht in Ffm. Obwohl überaus wohlhabend (Heinrich M. hatte bereits den größten Teil des Barvermögens nach Ffm. verbracht), erteilte ihnen der Rat der Stadt erst 1802 das Ffter Bürgerrecht. Die tonangebenden Ffter Bankiers hingegen befürworteten die rasche Niederlassung der Brüder M., weil sie sich von deren geschäftlichem Geschick eine Belebung des damals angeschlagenen Ffter Wirtschaftslebens versprachen.
Da von den Brüdern M. keinerlei Selbstzeugnisse, Memoiren, Briefe oder Abbildungen überliefert sind, ist über deren Persönlichkeit wenig bekannt. Es wird jedoch vermutet, dass Heinrich M. mehr Wert auf gesellschaftliche Repräsentation legte als sein Bruder Johann Theodor M.
Ein von 1803 bis 1806 nach den Plänen des französischen Architekten Salins de Montfort in der Großen Eschenheimer Gasse (heute: Große Eschenheimer Straße)/Ecke Stiftstraße errichtetes Palais (im Zweiten Weltkrieg zerstört; Pläne im HMF) diente beiden Brüdern und ihren Familien als repräsentativer Wohnsitz. Freiherr vom Stein nutzte das Haus in den Jahren von 1816 bis 1824 als Unterkunft bei seinen Fft.-Aufenthalten, wo er in Kontakt zu den Ffter Historikern Böhmer, Fichard und Schlosser trat. Im M.’schen Palais wurde am 20.1.1819 die „Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde“ gegründet und mit den Vorarbeiten an den „Monumenta Germaniae Historica“ begonnen, dem großen Quellenwerk zur deutschen Geschichte, das die Brüder M. finanziell förderten.
Außerdem hatten Heinrich M. und seine Frau Anna Maria, geb. Cordier (1762-1809), durch Kaufbrief vom 9.10.1802 ein Landgut vor Oberrad erworben, das sie als Sommersitz nutzten. Dieses Gartengut überließ M. 1824 seiner ältesten Tochter Maria Anna, gen. Mariane (1783-1825), die mit dem Kaufmann Ludwig Carl Freiherr von Leonhardi (1781-1864) verheiratet war. Im Zuge der Erbteilung nach Mariane von Leonhardis Tod ersteigerte Georg von Saint George 1840 das Landgut (heute Philosophisch-Theologische Hochschule und Park Sankt Georgen, Offenbacher Landstraße 224).
Ab 1822 zog sich Heinrich M. aus dem Geschäftsleben zurück und überließ die Leitung des Bankhauses seinem Bruder Johann Theodor M. Nach dem Tod von dessen Frau Maria Margaretha, geb. Schaaffhausen (1767-1847), erlosch die Familie M. in Ffm. Bereits 1845 hatte Jakob Heinrich Theodor M. (1800-1888), Sohn von Johann Theodor und Maria Margaretha M., das Haus in der Großen Eschenheimer Gasse verkauft.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 69f., verfasst von: Reinhard Frost.
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Literatur:
                        
Hock, Sabine/Vogt, Barbara: Ein kleines Stück vom Paradies. Der Park von Sankt Georgen. Hg.: Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen e. V. Ffm. 2013.Hock/Vogt: Park von Sankt Georgen 2013, bes. S. 3.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/2.331 (Familie Mülhens).

GND: 142234338 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Mülhens, Heinrich. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/568

Stand des Artikels: 6.9.1993