Stein, Karl Freiherr vom

Ehrenbürger der Stadt Ffm.

Stein, Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum. Staatsmann. * 25.10.1757 Nassau/Lahn, † 29.6.1831 Schloss Cappenberg/Westfalen, begraben in Frücht bei Nassau.
S.s Herkunft aus der mittelrheinischen Reichsritterschaft, seine Begegnung mit den Ideen der englischen Verfassung während des juristischen und kameralwissenschaftlichen Studiums in Göttingen und seine Praktika am Reichskammergericht zu Wetzlar und am Reichstag zu Regensburg ließen in ihm schon föderalistische und Selbstverwaltungsprinzipien reifen, bevor er 1780 in preußische Dienste trat, zunächst als Bergrat zu Wetter in der Grafschaft Mark. 1784 Leiter der westfälischen Bergämter. 1788 Direktor der Kriegs- und Domänenkammer zu Kleve. 1796 Oberpräsident aller Kammern der preußischen Westprovinzen. 1804 preußischer („Wirtschafts“-)Minister in Berlin. Seine Staatsreformen zielten auf die Bauernbefreiung, ein mündiges Bürgertum („Städteordnung“, 1808) und Volksbewaffnung. Ende 1808 auf Betreiben Napoleons gezwungen, Preußen zu verlassen, wandte er sich nach Österreich, 1812 nach Russland, wo er die Erhebung gegen Napoleon vorbereitete. 1813 Vorsitzender des Zentralverwaltungsrats für die Verwaltung aller durch die Truppen der Verbündeten besetzten Länder. Nach dem Wiener Kongress, an dem er maßgeblich teilnahm, zog sich S. ins Privatleben auf seine nassauischen Güter, 1818 nach Cappenberg zurück, verbrachte aber die Winter 1815 bis 1824 (ausgenommen 1820/21) in Ffm., weniger um der Ffter Gesellschaft als den Gesandten der deutschen Bundesversammlung nahe zu sein. Er verkehrte aber gern im Hause Brentano und war mit Hans Christoph von Gagern, Friedrich Christoph und Johann Friedrich Schlosser, Johann Friedrich Böhmer, Johann Karl von Fichard, Johann Heinrich Bender und dem Sachsenhäuser Pfarrer Alexander Stein, der S.s Tochter Therese konfirmierte, freundschaftlich verbunden. S. wohnte in Ffm. seit 1815 im Palais seines Freundes und Bankiers Johann Theodor Mülhens, Große Eschenheimer Gasse 74/Ecke Stiftstraße. Im Dezember 1824 löste S. seinen Ffter Haushalt auf. 1823 Mitglied des westfälischen Provinziallandtags (1828 Landtagsmarschall). 1827 Mitglied des preußischen Staatsrats.
Kontakte S.s zu Ffm. entwickelten sich aus den Beziehungen seines Standes zur Reichsstadt und der Verbindung seiner Familie zum Ffter Bankhaus Metzler, die er später auf das Haus Mülhens übertrug. Auf der Flucht vor Napoleon deponierte er seine Möbel in Ffm. Die ihm häufig zugeschriebene Denkschrift (1793) über das Hessendenkmal in Ffm. stammt nicht von ihm, sondern von seinem älteren Bruder Johann Friedrich von und zum S. (1749-1799), seit 1787 preußischer Gesandter am kurmainzischen Hof. Doch hat S. den Sturm der Preußen und Hessen auf das französisch besetzte Ffm. am 2.12.1792 im Gefolge der Truppen des Kurfürsten, den er in Kassel in seinem Entschluss, die Mainstadt zu entsetzen, bestärkt hatte, in zeitlicher und persönlicher Nähe miterlebt (am 3.12. datiert er aus Homburg v. d. H., am 9.12. aus Ffm.). Nachdem die Alliierten in der Verfolgung Napoleons Ffm. am 2.11.1813 endgültig befreit hatten, hielt sich S. wieder vom 13.11. bis 14.12.1813 in Ffm. auf (Wohnung: Haus Guaita, „Zum Fraß“, Buchgasse 3; abermals anwesend 13.6.-27.7. und 6.-8.9.1814), etablierte hier das Zentralverwaltungsdepartement für das Großherzogtum Fft. und das Herzogtum Berg, setzte sich für die Wiederherstellung der städtischen Unabhängigkeit ein (Vollzug am 1.1.1814) und diktierte erste Verfassungsgrundsätze (16.7.1814). S. ist es im wesentlichen zu verdanken, dass Ffm. auf dem Wiener Kongress nicht Bayern oder Nassau zugeteilt wurde, sondern als Freie Stadt aus den napoleonischen Wirren hervorging.
1817 Mitglied der „Fft.ischen Gesellschaft zur Beförderung nützlicher Künste und deren Hülfswissenschaften“ (Polytechnische Gesellschaft). In Ffm. gründete S. am 20.1.1819 die Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde (heute München) zur Herausgabe der „Monumenta Germaniae Historica“ (Edition der deutschen Kaiser- und Königsurkunden und anderer zentraler Quellen zur mittelalterlichen Reichsgeschichte; ein erster Band „Scriptores“, herausgegeben von G. H. Pertz, erschien 1826), für deren Sekretariat er 1823 den jungen Ffter Bibliothekar und Historiker Johann Friedrich Böhmer gewann.
Für seine Verdienste um die freistädtische Verfassung („Constitutions-Ergänzungs-Acte“, von der Bürgerschaft angenommen am 18.7.1816) verlieh ihm Ffm. am 28.11.1816 die Ehrenbürgerschaft (Überreichung der Urkunde am 4.2.1817, Eintrag ins Bürgerbuch am 5.2.1817).
Gedenktafel an der Paulskirche (1931, erneuert von Harold Winter, 1950).
Seit 1928 Freiherr-vom-S.-Straße im Westend. Freiherr-vom-S.-Schule, ein Gymnasium (bis 1947: Kaiser-Wilhelm-Gymnasium), in Sachsenhausen.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 421f., verfasst von: Wolfgang Klötzer.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Lexika: Spiess, Volker (Hg.): Berliner Biographisches Lexikon. 2., überarb. u. erw. Aufl. Berlin 2003.Berliner Biogr. Lex., S. 412f.
Literatur:
                        
Duchhardt, Heinz: Freiherr vom Stein. Preußens Reformer und seine Zeit. München 2010. (C. H. Beck Wissen in der Beck’schen Reihe 2487).Duchhardt: Freiherr vom Stein 2010. | Duchhardt, Heinz: Stein. Eine Biographie. Münster 2007.Duchhardt: Stein 2007. | Hoffmann, Hilmar: Die großen Ffter. Ehrenwürdige Bürger und Ehrenbürger [von Karl dem Großen bis Friedrich von Metzler]. 4., durchges. Aufl. Ffm. 2012.Hoffmann: Die großen Ffter 2012, S. 127-130.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/59.

GND: 118617273 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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© 2021 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Klötzer, Wolfgang: Stein, Karl Freiherr vom. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/1315

Stand des Artikels: 6.10.1995