Rorbach, Familie

Auch: Rohrbach.
Die R. stammten – nach eigenen Angaben – von der Krachenburg bei Büdingen und sind seit dem Ende des 14. Jahrhunderts in Ffm. nachgewiesen. Unter Johann R. d. Ä. († 1428) kam die Familie zu finanziellem Wohlstand, u. a. durch den Handel mit Elsässer Wein. Johanns Sohn Heinrich R. (1410-1474) gelang durch die Heirat mit Guda von Werstadt der Aufstieg ins Ffter Patriziat. Als Ratsmitglied kam er bis an die Spitze der Stadtregierung, indem er das Amt des Jüngeren (1454) und Älteren Bürgermeisters (1468) wahrnahm. Kaiser Friedrich III. verlieh ihm ein Diplom, das die angebliche Ritterbürtigkeit des R.’schen Geschlechts bestätigte. Als Chronisten der Stadt- und Familiengeschichte erlangten in den nächsten beiden Generationen Bernhard und dessen Sohn Job R. große Bedeutung. Deren Aufzeichnungen sind wichtige Quellen zur Ffter Kultur- und Sittengeschichte im ausgehenden Mittelalter. Mit Heinrich R. († 1570) erlosch die Ffter Familie im Mannesstamm. Heinrichs Tochter Margarethe R. (1563-1597) brachte durch die Heirat mit Johann Adolf von Glauburg 1579 den reichen R.’schen Besitz in die Hände dieser Ffter Patrizierfamilie.
Rohrbachstraße im Ffter Nordend.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 210f., verfasst von: Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.

Lexika: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. Begr. v. Wolfgang Stammler. Fortgef. v. Karl Langosch. Hg. v. Burghart Wachinger. 2. völlig neu bearb. Aufl. 14 Bde. Berlin u. a. 1978-2008. (Veröffentlichungen der Kommission für Deutsche Literatur des Mittelalters der Bayerischen Akademie der Wissenschaften).Verfasserlex. Mittelalter 8 (1992), Sp. 164-168.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/204.

GND: 120079364 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
2 herausragende Vertreter der Familie in Ffm.

Rorbach, Bernhard

Rorbach, Bernhard. Kaufmann. Stadtpolitiker. Chronist. Organist. * 11.2.1446 Ffm., † 6.12.1482 Ffm.
Sohn von Heinrich R. (1410-1474). Die Heirat mit Eilchin von Holzhausen († 1501) ermöglichte Bernhard R. die Aufnahme in die vornehmste Ffter Patriziergesellschaft „Alten Limpurg“, an deren Veranstaltungen und Festen er ausgiebig teilnahm.
Aufgrund seiner intimen Kenntnis des Ffter Patriziats war R. eine der richtungweisenden Persönlichkeiten im gesellschaftlichen Leben des spätmittelalterlichen Ffm. Er hatte zwar keine Universität besucht, besaß aber dennoch eine kleine Bibliothek. Er wirkte mehrere Jahre als Organist und trat als Lautenschläger bei Prozessionen auf. Nach 1471 reduzierte er seine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und trat neben seinem Vater in den Tuchhandel ein.
Seit 1476 Ratsherr. Übernahme von städtischen Aufsichtsämtern, u. a. als Fisch- und Kornmeister sowie Pfleger von Siechenhäusern.
Bernhard R. hat zwei umfangreiche Aufzeichnungen (vorwiegend in deutscher Sprache, kürzere Abschnitte auch in Latein) hinterlassen: die von 1478 bis zu seinem Tod niedergeschriebene „Stirps R.“ und den etwa gleichzeitig entstandenen „Liber gestorum“. Ersteres Werk ist eine Familiengeschichte der R., die zwar für die früheste Zeit genealogisch anfechtbar ist, aber ab etwa 1400 exakt familiengeschichtliche Ereignisse und Verwandtschaftsverhältnisse mitteilt. Von weitaus höherem kulturhistorischem Wert ist jedoch der „Liber gestorum“. In ihm hat R. die unterschiedlichsten Ffter Begebenheiten niedergeschrieben. Nach Sachrubriken geordnet finden sich u. a. Berichte von Prozessionen, Passionsspielen, bürgerlichen Festen, Königs- und Fürstenbesuchen, der Arbeit der Stadtregierung, den Fehden der Reichsstadt Ffm., Naturereignissen und Kriminalfällen. Breiten Raum widmete R. der Schilderung von Fastnachtsfeiern und überlieferte sogar ein Lied, „Feil Rosenblümchin“, das er und fünf weitere Patrizier in der Johannisnacht 1471 vorgetragen haben. Von der „Stirps R.“ existieren zwei Originalhandschriften, vom „Liber gestorum“ fünf Abschriften im ISG. 1884 wurden die beiden Aufzeichnungen in dem Sammelband „Ffter Chroniken und annalistische Aufzeichnungen des Mittelalters“ transkribiert und veröffentlicht.
Vater von Job R.

Lexika: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. Begr. v. Wolfgang Stammler. Fortgef. v. Karl Langosch. Hg. v. Burghart Wachinger. 2. völlig neu bearb. Aufl. 14 Bde. Berlin u. a. 1978-2008. (Veröffentlichungen der Kommission für Deutsche Literatur des Mittelalters der Bayerischen Akademie der Wissenschaften).Verfasserlex. Mittelalter 8 (1992), Sp. 164-168.
Literatur:
                        
Ffter Chroniken und annalistische Aufzeichnungen des Mittelalters. Bearb. v. Richard Froning. Ffm. 1884. (Quellen zur Ffter Geschichte 1).Froning: Ffter Chroniken des Mittelalters 1884, S. XXVIII-XLI, 156-223.
Quellen: ISG, Bestand Chroniken mit chronikalischen Schriften aller Art (Zeugenschrifttum wie Annalen, Tagebücher, Erlebnisberichte, Memoiren, Denkschriften), 1034-heute; erschlossen über Archivdatenbank.ISG, Chroniken, S5/48. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/11.842. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/12.862 (Heinrich Rorbach, 1410-1474).

Rorbach, Job

Rorbach, Job. Jurist. Kanonikus. Chronist. * 27.12.1469 Ffm., † 15.5.1502 Ffm.
Sohn von Bernhard R.
Mitte der 1480er Jahre wurde Job R. nach Italien geschickt, wo er, vermutlich in Siena, Jura studierte. 1493 nach Ffm. zurückgekehrt, kam er in enge Verbindung zu Mitgliedern des 1495 von Kaiser Maximilian I. in Ffm. gegründeten Reichskammergerichts. Auf deren Zuraten scheint sich R. zur Bewerbung um eine geistliche Pfründe entschlossen zu haben. 1498 wurde er Kanonikus am Bartholomäusstift. Ein Jahr vor seinem frühen Tod folgte 1501 die Priesterweihe.
R. setzte die Chronistenarbeit seines Vaters fort und führte von 1494 bis kurz vor seinem Tod ein „Tagebuch“ (spätere Bezeichnung), das wiederum Einblicke in das gesellschaftliche und politische Ffter Alltagsleben dieser Zeit gewährt. An Detailgenauigkeit übertreffen R.s Schilderungen sogar noch die Aufzeichnungen seines Vaters, zumal er das Geschilderte teilweise mit einem Kommentar versah und seinen Texten ein Register beifügte. Mit der Übernahme eines geistlichen Amts wurden R.s Eintragungen jedoch wesentlich zurückhaltender. Der Rückzug aus dem öffentlichen Leben machte sich deutlich bemerkbar; es wurden fast nur noch Familienereignisse erwähnt. Darüber hinaus strich R. zahlreiche frühere Eintragungen durch, die nicht mehr zu seiner geistlichen Funktion passten. Das „Tagebuch“ befindet sich im ISG und wurde, wie die Aufzeichnungen des Vaters Bernhard R., 1884 von Richard Froning ediert.

Literatur:
                        
Ffter Chroniken und annalistische Aufzeichnungen des Mittelalters. Bearb. v. Richard Froning. Ffm. 1884. (Quellen zur Ffter Geschichte 1).Froning: Ffter Chroniken des Mittelalters 1884, S. XXVIII-XLI, 237-313.
Quellen: ISG, Bestand Chroniken mit chronikalischen Schriften aller Art (Zeugenschrifttum wie Annalen, Tagebücher, Erlebnisberichte, Memoiren, Denkschriften), 1034-heute; erschlossen über Archivdatenbank.ISG, Chroniken, S5/39. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/4.579.

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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Rorbach, Familie. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/930
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Stand des Artikels: 4.4.1995