Friedrich von Metzler
Fotografie.
© Bankhaus Metzler, Ffm.
Metzler, Friedrich, gen. Fritz, von. Prof. Bankier. Mäzen. * 23.4.1943 Dresden, † 17.11.2024 Ffm.
Aus der alteingesessenen Ffter
Bankiersfamilie M. In dem seit 1674 bestehenden Bankhaus B. Metzler seel. Sohn & Co. vertrat M. die Familie in der elften Generation.
Sohn des Bankiers
Albert (seit 1901: von) M. (1898-1989) und dessen Ehefrau Elisabeth, geb. Kunze (1915-2012). Eine Schwester: Barbara von M. (1941-2003), Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin, Mäzenin. Verheiratet (seit 1984) mit Sylvia von M., geb. Wirth (* 1956), die aus einer mittelständischen Unternehmerfamilie in Erbach im Odenwald stammt. Drei Kinder:
Franz Albert von M. (* 1986), Betriebswirt, seit 2023 Vorstandsmitglied des Bankhauses M.; Elena von M. (* 1987), Betriebswirtin, Gesellschafterin und seit 2022 Mitglied im Aufsichtsrat des Bankhauses M.; Jakob von M. (1991-2002).
Der Vater
Albert von M., seit 1923 Mitglied in der Geschäftsleitung des Bankhauses M., war zum Zeitpunkt von M.s Geburt als Offizier bei der Wehrmacht. Seit 1940 war er im Stab des Militärbefehlshabers von Belgien und Nordfrankreich, des Generals Alexander von Falkenhausen (1878-1966), der, nachdem er die Entrechtung, Verfolgung und Deportation der jüdischen Bevölkerung in Belgien wesentlich mitverantwortet hatte, spätestens ab 1943 in Kontakt zum militärischen Widerstand gegen das NS-Regime stand. Zu dessen Umfeld gehörte auch General Friedrich Olbricht (1888-1944), der maßgeblich an den Planungen eines Attentats auf Hitler beteiligt war. Zunächst für Olbricht, dann für Falkenhausen war die Dresdener Offizierstochter Elisabeth Kunze als Sekretärin tätig.
Albert von M. lernte sie 1940 an ihrem gemeinsamen Dienstort in Brüssel kennen. Ein Jahr später heirateten
Albert von M. und Elisabeth Kunze. In Dresden wurden 1941 die Tochter Barbara und 1943 der Sohn Friedrich geboren. Taufpaten waren Falkenhausen für Barbara von M. und Olbricht für Friedrich von M. Der Junge lernte seinen Patenonkel allerdings nicht persönlich kennen, da Olbricht zusammen mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907-1944) und weiteren Widerständlern in der Nacht des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 im Bendlerblock in Berlin standrechtlich erschossen wurde.
Albert von M. lief noch Ende Dezember 1944 Gefahr, wegen des Hitler-Attentats vor dem Volksgerichtshof angeklagt zu werden, wiewohl er in die Umsturzpläne nicht eingeweiht gewesen war. In den Wirren der letzten Kriegsmonate konnte er sich der Verhaftung entziehen. Doch geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst 1950 zurückkehrte.
Elisabeth von M. war inzwischen mit den Kindern nach Ffm. geflohen, wo M. aufwuchs, zur Schule ging und den größten Teil seines Lebens verbrachte. Die Familie wohnte ab 1954 im sechsten Stock des wiederaufgebauten Bankgebäudes in der Großen Gallusstraße 18/Ecke Neue Mainzer Straße mitten im Ffter Bankenviertel. Aufgrund dieser räumlichen Nähe nahm M. schon als Jugendlicher unmittelbar Anteil am Geschehen im Bankhaus, so dass für ihn früh feststand, dass er später in das Familienunternehmen eintreten werde. Nach dem Abitur am Lessing-Gymnasium absolvierte M. eine kaufmännische Lehre in Hamburg. Seit 1964 bildete er sich bei Investment- und Kreditbanken in London, New York und Paris weiter aus; anschließend (ab 1968) war er bei der Deutschen Bank in Düsseldorf tätig. 1969 kehrte er nach Ffm. zurück und trat gemeinsam mit seinem Vetter Christoph von M. (1943-1993) in das familieneigene Bankhaus ein, das damals von seinem Vater
Albert von M., Gustav von M. (1908-1984), dem Vater von Christoph von M., und Karl-Oskar Koenigs (1924-1997) geleitet wurde.
1971 wurden Friedrich und Christoph von M. persönlich haftende Gesellschafter des Bankhauses M. Die Väter
Albert und Gustav von M. zogen sich 1977 bzw. 1978 aus dem operativen Geschäft zurück. In den 1980er Jahren wandelten Friedrich und Christoph von M. das Bankhaus von einer Personengesellschaft in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien um und schufen dadurch eine Holdingstruktur für das Bankunternehmen. Das Bankhaus M. widmete sich schwerpunktmäßig dem Privatbankgeschäft, der Unternehmensfinanzierung, den Kapitalmärkten und der Vermögensverwaltung. M. war ein großer Befürworter der Aktienkultur. Seit 1986 Mitglied, seit 1989 Vorsitzender im Vorstand der Ffter Wertpapierbörse, war er maßgeblich an der Umwandlung der Börse 1990 in die „Ffter Wertpapierbörse AG“ beteiligt, aus der im Dezember 1992 (mit Wirkung vom 1.1.1993) die „Deutsche Börse AG“ hervorging; er war zudem von 1990 bis 1993 Aufsichtsratsvorsitzender der „Ffter Wertpapierbörse AG“ bzw. der „Deutsche Börse AG“ und gehörte bis 2008 weiterhin dem Aufsichtsrat der „Deutsche Börse AG“ an. Weit über Ffter Bankenkreise hinaus genoss M. höchstes Ansehen – bis in die Spitzen der Bundespolitik und die Führungszirkel der internationalen Finanzwelt.
Unter der Leitung von M. gab die Bank 2014 ihren Standort an der Neuen Mainzer Straße auf und bezog einen bereits 2004 errichteten, großzügigen Neubau in der Untermainanlage 1, dessen Interieur (mit Stücken aus dem alten Stammsitz wie einer historischen Stadtvedute von
Carl Morgenstern und dem blauen Sofa aus dem Empire im Eingangsbereich) dennoch historischen Geist atmet; gleichzeitig mit dem Bürogebäude ließen Friedrich und Sylvia von M. den nahe gelegenen Restaurantpavillon „Nizza am Main“ neu errichten (Architekt: Dieter Köhler, 2004). Als M. sich anlässlich seines 75. Geburtstags 2018 aus dem Tagesgeschäft zurückzog, beschäftigte die unter seiner Ägide gewachsene Bank ca. 850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. M. beschränkte sich in der Folge auf die Funktion eines Ratgebers und auf die Pflege der Beziehungen zu langjährigen Kunden, auch wenn er bis zur Änderung der Gesellschaftsform der Bank in eine Aktiengesellschaft 2021 noch persönlich haftender Gesellschafter blieb, und wandte sein Interesse verstärkt der Geschichte seines Hauses zu.
Seit 1992 bewohnte M. mit seiner Frau Sylvia und den drei Kindern das großzügige Anwesen Hohenbuchen an der Mörfelder Landstraße. Die Villa war 1929 von dem Industriellen
Arthur von Weinberg für seine Adoptivtochter Charlotte, gen. Lotti (auch: Lotty), damals verh. Gräfin von Montgelas (1896-1973), erbaut worden, die dort mit ihrem Ehemann Paul Graf von Montgelas (1886-1968) und ihrem Sohn Thassilo (1918-1992) einzog; später, nach der Scheidung von Montgelas 1932, lebten Lotti und ihr zweiter Mann, Ferdinand Prinz von Lobkowitz (1901-1966), in Hohenbuchen. Sowohl Lotti von Weinberg wie Prinz Lobkowitz waren Jugendfreunde von
Albert von M.; der Prinz trat später als Partner (1949-61) in das Bankhaus M. ein. Sein Stiefsohn, Thassilo Graf von Montgelas, der spätere Erbe von Hohenbuchen, war von 1973 bis 1986 Kommanditist des Bankhauses M. Aufgrund dieser engen Beziehungen der Familie M. zu Hohenbuchen kauften Friedrich und Sylvia von M. das Anwesen nach dem Tod von Thassilo Graf von Montgelas 1992 von dessen Erben und ließen das Haus und die weitläufigen Parkanlagen für ihre Zwecke herrichten. Besonders beeindruckend ist die großflächige und reichhaltige Rhododendron-Zucht, die noch von Graf Montgelas angelegt und von der Familie von M. weitergepflegt wurde. In Hohenbuchen führte die Familie seither ein offenes Haus, in das sie regelmäßig eine große Zahl von Gästen aus unterschiedlichsten Kontexten einlud. Diese Gastlichkeit war Bestandteil des weit ausgreifenden Networkings (des von
Bismarck so genannten „Metzlerns“), das die Familie von M. zur Förderung des Gemeingeistes traditionsgemäß betreibt.
Als Vertreter der elften Generation seiner Familie im Bankhaus wusste Friedrich von M. entsprechende Prioritäten zu setzen. Er wurde gerne mit den Worten zitiert, das Wichtigste für einen Menschen sei sein Familienglück und erst dann der Beruf. Wie schon er selbst und seine Schwester Barbara von M. wurden auch seine Kinder auf öffentliche Schulen in Ffm. geschickt. In der Berufswahl sollten sie freie Entscheidung haben und ihren eigenen Weg finden. M. war als Mensch umgänglich und nahbar, trat unprätentiös auf und begegnete seinem Gegenüber in freundlichem Wohlwollen.
2002 wurde die Familie von M. durch einen schweren Schicksalsschlag erschüttert. Der jüngste Sohn, der elfjährige Jakob, wurde von einem Erpresser entführt und ermordet. Dieses Ereignis löste in Ffm. wie in ganz Deutschland öffentliches Entsetzen aus. Auch schlug es – nicht zuletzt durch die Umstände des polizeilichen Vorgehens – sowohl in den Medien wie in der juristischen Aufarbeitung große Wellen. Später war zum Umgang der Familie mit diesen dramatischen Geschehnissen zu lesen: „Die Familie spricht bis heute nicht öffentlich über das Verbrechen. Auf der Beerdigung des Jungen gab der damalige Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Peter Steinacker jedoch weiter, was ihm die Familie zuvor gesagt hatte. Und zwar, ‚dass sie mit dem Gedanken, die Welt sei grundsätzlich so grausam und schlecht, wie sie ihnen nun begegnete, nicht leben könnten‘. Eine Überzeugung, nach der die Bankiersfamilie bis heute handelt. Sie zog sich nicht zurück, engagierte sich weiter, spendete großzügig. Viele bewundern die Würde, mit der die (…) Metzlers dieses Schicksal ertrug[en] und immer noch [ertragen].“ (Julia Lorenz: Menschenfreund trotz Schicksalsschlag. In: FR, 18.11.2024.)
Entsprechend der seit Generationen geübten Tradition seiner Familie war Friedrich von M. gemeinsam mit seiner Frau Sylvia von M. vielfältig ehrenamtlich tätig und engagierte sich in großem Umfang als Stifter und Mäzen für die Stadt Ffm. M. bekleidete Ämter in den Führungsgremien der Dr. Senckenbergischen Stiftung (als Mitglied und zeitweise stellvertretender Vorsitzender der Administration, 1972-2021), der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft bzw. Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (als Ewiges Mitglied seit 1981 und als langjähriger stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums) und des Bürgerhospitals. Seit 1972 Mitglied im Trägerverein des Bürgerhospitals, war er maßgeblich beteiligt an der Fusion von Bürgerhospital und Clementine Kinderhospital, die unter einem gemeinsam neu gegründeten Träger zum 1.1.2009 vollzogen wurde. Von 2009 bis 2021 saß er im Aufsichtsrat der neuen Trägergesellschaft (zunächst Verein Ffter Stiftungskrankenhäuser e. V., seit 2014 Bürgerhospital und Clementine Kinderhospital gGmbH). Auch gehörte M. u. a. dem Verwaltungsausschuss des Freien Deutschen Hochstifts, dem Vorstand des Kunstgewerbevereins (als stellvertretender Vorsitzender) und dem Kuratorium der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte an. Das tradierte Engagement der Familie von M. für das Städel wurde von M.s Schwester Barbara und seiner Frau Sylvia von M. fortgesetzt; für den Bau der 2012 eröffneten Gartenhallen des Städel Museums spendete das Ehepaar von M. drei Millionen Euro. Außerdem unterstützte M. die Städtischen Bühnen, deren Patronatsverein und die Dresden Fft. Dance Company sowie weitere Ffter Museen und die Universität. 1998 gründete M. die Albert von M.-Stiftung (seit 2005: Albert und Barbara von M.-Stiftung), mit der die Familie ein breites Spektrum verschiedener sozialer, wissenschaftlicher, kultureller und ökologischer Projekte fördert und sich mit Partnerorganisationen zu gemeinsamer Tätigkeit vernetzt.
Ehrungen (in Auswahl): Bundesverdienstkreuz I. Klasse (2003), Ehrenbürgerwürde der Stadt Ffm. (2004), Georg-August-Zinn-Medaille des Landes Hessen (gemeinsam mit seiner Frau Sylvia von M., 2011), Maecenas-Ehrung des Arbeitskreises selbstständiger Kultur-Institute (gemeinsam mit seiner Frau Sylvia von M., 2012), Senckenberg-Plakette der Dr. Senckenbergischen Stiftung (2012), Hessischer Verdienstorden (2014), Ehrenprofessur des Landes Hessen (2018).
Nach dem Ausscheiden von M. aus dem operativen Geschäft 2018 übernahm mit seinem Sohn Franz von M. als Mitglied im Vorstand (seit 2023) und seiner Tochter Elena von M. als Mitglied im Aufsichtsrat (seit 2022) die zwölfte Generation der Familie die Verantwortung im Bankhaus. Friedrich von M., der noch die Geburt von Enkeln erlebte, starb am 17.11.2024 im Kreis seiner Familie. Er wurde am 26.11.2024 im Familiengrab auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gewann C 86-87) beigesetzt. Am 29.11.2024 fand eine offizielle Trauerfeier in der Dreikönigskirche in Sachsenhausen statt.
Zum ersten Todestag 2025 Gedenkstunde der Stadt Ffm. unter Anwesenheit von Bundeskanzler Friedrich Merz (* 1955) in der Paulskirche. Bei diesem Anlass wurde M. posthum die Auszeichnung „European Banker“ für sein Lebenswerk durch die Journalistengruppe „The Group of 20+1“ verliehen.
Literatur:
Hoffmann, Hilmar: Die großen Ffter. Ehrenwürdige Bürger und Ehrenbürger [von Karl dem Großen bis Friedrich von Metzler]. 4., durchges. Aufl. Ffm. 2012.Hoffmann: Die großen Ffter 2012, S. 196-211. |
Ohmeis, Stefan: Einblicke. Geschichte und Geschichten über das Bankhaus Metzler und die Familie von Metzler in Ffm. Hg.: B. Metzler seel. Sohn & Co., Kommanditgesellschaft auf Aktien, Ffm. 2., aktualisierte Aufl. Ffm. 2009.Ohmeis: Metzler 2009. |
Pohl, Hans (Hg.): Deutsche Bankiers des 20. Jahrhunderts. Hg. im Auftrag des Wissenschaftlichen Beirats des Instituts für bankhistorische Forschung e.V. Schriftleitung: Thorsten Beckers. Stuttgart 2008.Holtfrerich, Carl-Ludwig: Albert von Metzler. In: Pohl (Hg.): Bankiers 2008, S. 265-282, bes. S. 269-271. |
Gartenhaus. Hohenbuchen: Haus für Familie, Freunde und Gäste. [Festschrift zum 70. Geburtstag von Friedrich von Metzler.] Hg.: Bankhaus B. Metzler seel. Sohn & Co. KGaA. Idee und Konzept: Berenike Seib und Stefan Ohmeis. Ffm. 2013.Seib/Ohmeis: Gartenhaus Hohenbuchen 2013, S. 179f.
Quellen:
Ffter Rundschau. Ffm. 1945-heute.Lorenz, Julia: Menschenfreund trotz Schicksalsschlag. [Nachruf auf Friedrich von Metzler.] In: FR, 18.11.2024. |
ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/13.762. |
ISG, Sammlung Manuskripte, 1864-heute; erschlossen über Archivdatenbank.Hansert, A.: Die Ffter Bohnenritter seit 1898. Privatdruck in 24 handgefertigten Exemplaren, vorgelegt zum Bohnenessen im Haus von Bohnenkönig Gert Becker, 10.1.2015. ISG, Sammlung Manuskripte, S6a/654. (Einsichtnahme nur mit Genehmigung des Depositars möglich.) |
Institut für Stadtgeschichte Ffm. (ISG FFM).Tonaufnahme der Feierlichkeiten zur Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Ffm. an Friedrich von Metzler in der Paulskirche, 5.9.2004. ISG, Digitale Bild- und Tonmedien, S16 Nr. 53.
Internet:
Wikipedia, Die freie Enzyklopädie, Hg.: Wikimedia Foundation Inc., San Francisco/Kalifornien (USA). https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_von_MetzlerWikipedia, 29.4.2026.