Weichert, Richard

Intendant des Ffter Schauspielhauses von 1920 bis 1929 und Ffter Schauspieldirektor von 1947 bis 1952.

Weichert, Richard. Intendant. Regisseur. Dramaturg. * 22.5.1880 Berlin, † 14.11.1961 Ffm.
Abgebrochene Kaufmannslehre. Erste Engagements als Schauspieler in Schöneck/Elbe und Meiningen. Seit 1911 Schauspieler am Düsseldorfer Schauspielhaus. Dort wurde W.s Regietalent von Luise Dumont-Lindemann erkannt und gefördert. Seit 1914 Regisseur am Mannheimer Hof- und Nationaltheater. In dieser Zeit erarbeitete er seine Inszenierung von Hasenclevers „Sohn”, die richtungweisend für den Bühnenexpressionismus wurde. Auf Vermittlung des Ffter Stadtrats und späteren Oberbürgermeisters Ludwig Landmann wurde W. 1919 als Oberregisseur an das Schauspielhaus in Ffm. verpflichtet. Sein Debüt als Regisseur in Ffm. gab er mit Hasenclevers „Antigone” (UA, 20.2.1919). 1920 trat W. die Nachfolge von Karl Zeiß als Intendant (künstlerischer Leiter) des Schauspielhauses an. Unter seinen Inszenierungen waren zahlreiche Ur- und Ffter Erstaufführungen. Zu den von W. immer wieder dargebotenen zeitgenössischen Autoren zählten u. a. Carl Zuckmayer, Walter Hasenclever, Bertolt Brecht und Fritz von Unruh. Auch die Klassiker standen häufig auf seinem Programm, z. T. zeitgenössisch interpretiert und mit expressionistischen Bühnenbildern ausgestattet. W. strebte ein ästhetisch bestimmtes, gesellschaftsreinigendes „Kulturtheater” an. In seiner zehnjährigen Tätigkeit gelang es ihm, die Ffter Bühne zu einer der angesehensten in ganz Deutschland zu machen. Kongenial wurde W.s Arbeit von dem Bühnenbildner Ludwig Sievert begleitet, der ebenfalls aus Mannheim gekommen war. Die ungewöhnlich enge Abstimmung von Regie und Bühnenbild erhielt bald von der überregionalen Kritik die Bezeichnung „Ffter Stil”. Auch bei einigen Opern führte W. Regie. Nach fortdauernden personalpolitischen und wirtschaftlichen Krisen, Schwierigkeiten mit dem Ffter Publikum und immer stärker werdenden Auseinandersetzungen mit den politischen Parteien verließ W. 1929 Ffm. Zunächst tätig als Gastregisseur in Berlin und Wien, wurde er dann 1932 Schauspieldirektor am Bayerischen Staatsschauspiel in München. 1933 wurde W. von den Nazis als „nicht tragbar” abgesetzt. Nach einem erfolgreichen Prozess gegen das Propagandaministerium konnte er in Berlin und anderen deutschen Städten wieder inszenieren. 1947 wurde W. in der Nachfolge von Toni Impekoven als Schauspieldirektor erneut an die Städtischen Bühnen in Ffm. berufen. Dort leistete er wichtige Aufbauarbeit. Neben den bewährten Klassikern führte W. in der Nachkriegszeit u. a. Werke von Carl Zuckmayer, Ferdinand Bruckner und Friedrich Wolf auf. Vor allem mit seinen beiden ersten Inszenierungen, Lessings „Nathan der Weise” (29.6.1947) und Wolfs „Professor Mamlock” (24.10.1947), stellte W. einen Bezug zu den jüngsten Ereignissen der deutschen Geschichte her. Nach seinem Abschied als Schauspieldirektor 1952 war W. bis 1953 noch als Gastregisseur in Ffm. engagiert.
1952 Ehrenmitglied der Städtischen Bühnen. 1955 Bundesverdienstkreuz. 1960 Ehrenplakette der Stadt Ffm.
Nachlass in der UB Ffm.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 538f., verfasst von: Birgit Weyel.
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Literatur:
                        
Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst. Bisher 78 Bde. Ffm. 1839-2019.Büthe, Otfried: „Beifall und Skandal“ – Beispiele zum Sprechtheater der Ffter Städtischen Bühnen in den Zwanziger Jahren unter Richard Weichert und zu seiner Zusammenarbeit mit dem Bühnenbildner Ludwig Sievert. In: AFGK 51 (1968), S. 145-201. | Deutsches Bühnen-Jahrbuch. Theatergeschichtliches Jahr- und Adressbuch. [Untertitel ab 1977: Das große Adressbuch für Bühne, Film, Funk und Fernsehen.] Hg. v. d. Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger. Bisher Jg. 26-129. Berlin, später Hamburg 1915-2021.Dt. Bühnen-Jb. 1963, S. 76f. (Nekr.; m. Abb. im Bilderteil, S. XXVI). | Ffter Theater-Almanach. Ffm. [1832]/1843-1951 (mit Erscheinungslücken).Ffter Theater-Almanach 1919/20, S. 98 (m. Porträtfoto auf S. 19). | Richard Weichert. Würdigung Richard Weicherts und Erinnerung an ihn von Carl Zuckmayer, Fritz von Unruh u. a. Ffm. 1962. (Städtische Bühnen Ffm., Spielzeit 1962/63, Sonderheft: Theater der zwanziger Jahre in Ffm., Folge 4).Richard Weichert 1962. | Heer, Hannes/Fritz, Sven/Drummer, Heike/Zwilling, Jutta: Verstummte Stimmen. Die Vertreibung der „Juden“ und „politisch Untragbaren“ aus den hessischen Theatern 1933 bis 1945. Berlin 2011. (Schriften der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen 27).Verstummte Stimmen 2011, S. 350f. | Zuckmayer, Carl: Geheimreport. Hg. v. Gunther Nickel und Johanna Schrön. Göttingen 2002. (Zuckmayer-Schriften, im Auftr. d. Carl-Zuckmayer-Gesellschaft hg. v. Gunther Nickel, Erwin Rotermund und Hans Wagener).Zuckmayer: Geheimreport 2002, bes. S. 176f., 388f.
Quellen: Der Wink für Haus und Werk in Bild und Wort. [Untertitel ab Februar/März 1928: Das Magazin der Hausfrau.] Hg.: Ffter Gasgesellschaft, Ffter Kohlen- und Koks-GmbH, Vereinigte Installationsgeschäfte Ffter Gasgesellschaft und Karl Winterstein GmbH. 36 Nummern. Ffm. 1925-28.Der Wink, Nr. 6, Febr. 1926, S. 4 (mit Porträtfoto). | Ffter Allgemeine Zeitung. Ffm. 1949-heute.K. K. [d. i. Karl Korn]: Richard Weichert zurückgetreten. Zum Ehrenmitglied der Städtischen Bühnen ernannt. In: FAZ, 15.5.1952, S. 4. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/407.

GND: 117234966 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2022 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Weyel, Birgit: Weichert, Richard. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1690

Stand des Artikels: 11.7.1995