Bansa, Conrad Adolf

Bansa (auch: Bansa-Streiber), Conrad (auch: Konrad) Adolf (eigentl.: Adolph). Kaufmann. Bankier. Politiker. * 2.10.1788 Ffm., † 26.9.1843 Ffm.
Ältester Sohn von Johann Matthias B. (1758-1802) und dessen Ehefrau Marie Sophie, geb. Streiber (1762-1842). Enkel von Johann Conrad B. (1721-1800). Sechs Geschwister: Maria (1784-1786), August Christian (1792-1855), Maria Johannetta, gen. Jeannette (seit 1812 verh. Andreae, 1794-1813), Victoria Maria Augusta, gen. Victore (seit 1819 verh. Meuricoffre, 1796-1866), Maria Sophie (seit 1815 verh. Andreae, 1798-1854) und Sophia Friederike Antonie, gen. Sophie (seit 1822 verh. Schmidt-Polex, 1802-1863). Seit der Übernahme des Ritterguts Ulrichshalben als Fideikommiss aus dem Erbe des Großvaters Johann Lorenz Streiber (1722/23-1796) führte die Familie offiziell den Nachnamen „B.-Streiber“.
Verheiratet (seit 1814) mit Maria Magdalena Reuss (1789-1872). Drei Söhne und drei Töchter: Johann Matthias (1815-1828), Johann Conrad Carl (1817-1882), Maria (auch: Marie) Victoria Auguste (später verh. Kugler, 1818-1879), Sophie (1820-1884), Johanna, gen. Jean(n)ette (seit 1845 verh. Fellner, 1824-1887), und Lorenz Eduard Achilles B. (1827-1877). Die Tochter Maria Victoria Auguste B. war mit dem Appellationsgerichtsrat Friedrich Kugler verheiratet, und die Tochter Jeannette B. war die Ehefrau von Carl Fellner, dem letzten Älteren Bürgermeister der Freien Stadt Ffm.
Nach dem frühen Tod des Vaters 1802 führte die Mutter Sophie B. die Handlung „Bansa & Sohn“ für ihre beiden Söhne fort. Während der jüngere der beiden Brüder, August Christian B., in das Haus von Johann Jakob Willemer gegeben wurde, wo er zusammen mit dessen Sohn Abraham, gen. Brami, Willemer (1794-1818) erzogen wurde und eine Lehre im Willemer’schen Bankhaus absolvierte, kam der 14-jährige Conrad Adolf B. zur Ausbildung bei dem Bankier Johann Friedrich Schmid (1751-1812) in Ffm., dessen Bruder Gottlieb Schmid (1753-1824) mit Conrads Vater Johann Matthias B. befreundet gewesen war. Auch B. wurde in das Haus seines Prinzipals aufgenommen, wo er nach der vierjährigen Lehre noch drei Jahre lang als Kommis blieb. Bereits während dieser Zeit hatte er kürzere Reisen durch Deutschland gemacht und einen 14-monatigen Aufenthalt bei dem Associé Johann Ludwig Lemmé (1762-1829) in Mülhausen/Elsass verbracht. Nach ersten Einblicken in die elterliche Handlung „Bansa & Sohn“ unternahm B. um 1808/09 eine größere Reise durch Süddeutschland, Österreich, die Schweiz, Italien und Frankreich. Wieder in Ffm., trat er 1810 bei „Bansa & Sohn“ ein, spätestens seit 1812 als Teilhaber. Auf eine Teilnahme als Freiwilliger an den Befreiungskriegen, wie es eigentlich sein Wunsch gewesen wäre, verzichtete er mit Rücksicht auf die Mutter unter der Bedingung, seine Cousine Maria Magdalena Reuss heiraten zu dürfen; die Ehe wurde am 18.5.1814 geschlossen. Nachdem August Christian B. 1815 Maria Cleophea Schmid (1793-1875; eine Nichte von Conrads früherem Prinzipal) geheiratet hatte, leiteten die beiden Brüder die Firma „Bansa & Sohn“ gemeinsam. Die Bankgeschäfte hatten infolge der Kriegs- und Krisenjahre trotz der umsichtigen Unternehmensführung der Mutter stark gelitten. Daher konzentrierte sich die Firma auf B.s maßgebliche Initiative ab 1818 auf den Weinhandel, womit sie sich seit 1829 ausschließlich befasste. B. stieg bereits ab 1820 allmählich aus der Geschäftsleitung aus, um sich städtischen Ämtern und Aufgaben zu widmen.
Von 1821 bis 1826 Ratsverwandter. Zuständig zunächst für das Kuratelamt, dann (ab etwa 1822) für das Rechneiamt. Von 1821 bis 1827 Mitglied des Engeren Rats. Von 1822 bis 1843 Mitglied der Gesetzgebenden Versammlung. Von 1826 bis 1837 Senator. Mitglied der Finanzkommission, der Lotterie und der Postkommission sowie zeitweise (um 1830) der Schuldentilgungskommission. Zudem (um 1836) Senatsdeputierter beim Forstamt. Seit 1837 Schöffe.
Maßgeblich an der Vorbereitung von Fft.s Eintritt in den preußischen Zollverein beteiligt. Zusammen mit Georg Friedrich von Guaita führte B. als Gesandter der Stadt Ffm. in Berlin 1835 die fast einjährigen Verhandlungen über den Beitritt Fft.s zum Zollverein, und ab 1836 gehörte er der entsprechenden „Einführungskommission“ an. Als Ffter Deputierter nahm er an der 1. Deutschen Zollkonferenz in München (1836) und am Münzkongress in Dresden (1838) teil. Seit dem Tod seines Senatskollegen und Freundes Gerhard Thomas 1838 kümmerte sich B. weniger um städtische Angelegenheiten und zog sich verstärkt ins Privatleben zurück.
1819 Diakon der Niederländischen Gemeinde Augsburger Confession.
Bestattet in der Familiengrabstätte auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gewann D an der Mauer 204).

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
Artikel in: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 37, verfasst von: Sabine Hock.

Lexika: Lengemann, Jochen: MdL Hessen 1808-1996. Biographischer Index. Hg. im Auftrag d. Hessischen Landtags. Mitarbeit: Andrea Mitteldorf und Roland Schmidt. Marburg 1996. [Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 48,7; Politische und Parlamentarische Geschichte des Landes Hessen (vormals Vorgeschichte und Geschichte des Parlamentarismus in Hessen) 14].Lengemann: MdL, S. 60.
Literatur:
                        
Alt-Fft. Vierteljahrschrift für seine Geschichte und Kunst. Hg. v. Rudolf Jung u. Bernard Müller im Auftr. des Vereins für Geschichte und Altertumskunde, des Vereins für das Historische Museum u. der Numismatischen Gesellschaft. Ffm. 1909-13/14. Zunächst einmalige Fortsetzung des Titels: Ein Heimatbuch aus dem Maingau. Auf Veranlassung des Vereins für Geschichte und Altertumskunde, des Vereins für das Historische Museum u. der Numismatischen Gesellschaft zu Ffm. hg. v. Bernard Müller. Ffm. 1917. Spätere Neuauflage des Titels: Geschichtliche Zeitschrift für Fft. und seine Umgebung. Hg. v. Heinrich Voelcker u. Otto Ruppersberg. Ffm. 1928-30.Ffter Erinnerungen aus dem Jahre 1813. Brief von Konrad A. Bansa an seinen Freund Fresenius, Bremen, 22.12.1813. In: Alt-Fft. 5 (1913), H. 3, S. 94f. | Bansa, Otto: Chronik der Familie Bansa. Hg. im Auftrag des Familienverbandes (...). Ffm. 1912.Bansa: Chronik der Familie Bansa 1912, S. 40-44 (mit einer Porträtabb. auf der Tafel neben S. 40). | Derreth, Otto: Gärten im alten Fft. Mit einem Vor- und Nachwort von Waldemar Kramer. Eine Dokumentation des Kuratoriums Kulturelles Fft. Ffm. [Copyright 1976].Derreth: Gärten im alten Fft. 1976, S. 108f. | Mitteilungen der Genealogischen Gesellschaft zu Ffm. Hg. im Auftrag der Gesellschaft v. Hans Majer-Leonhard. 7 Hefte. Ffm. 1919-27.Aufzeichnungen aus dem Leben des Schöffen und Senators Conrad Adolf Bansa 1788-1843. [Eigene Erinnerungen von Conrad Adolf Bansa, geschrieben im Mai 1839.] In: Mitt. d. Genealog. Gesellschaft zu Ffm., H. 5, Februar 1925, S. 3-7.
Quellen: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebücher (Beerdigungs- bzw. Sterbebücher), Ffm., 1565-1850/1851-1985.Sterbeeintrag der Ehefrau Maria Magdalena Bansa, geb. Reuss († 10.1.1872): ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebuch, Bestand STA 12/29: Totenbuch der Freien Stadt Ffm. 1872, Bd. 1, S. 29, Nr. 57. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/11.191.
Internet: Hessische Biografie, ein Kooperationsprojekt des Instituts für Personengeschichte in Bensheim und des Hessischen Landesamts für geschichtliche Landeskunde in Marburg zur Erstellung einer umfassenden personengeschichtlichen Dokumentation des Landes Hessen. https://www.lagis-hessen.de/pnd/1042513163Hess. Biografie, 6.9.2019. | Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Conrad_Adolf_BansaWikipedia, 6.9.2019.

GND: 1042513163 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Bansa, Conrad Adolf. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/2228

Stand des Artikels: 15.9.2019
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 09.2019.