Nesen, Wilhelm

Nesen, Wilhelm. Humanist. Pädagoge. * 1493 Nastätten/Hintertaunus, † 6.7.1524 Wittenberg.
Um 1514 Studium in Basel, wo N. auch als Korrektor in einer Buchdruckerwerkstatt tätig war. In Basel lernte er um 1515 Erasmus von Rotterdam und Zwingli kennen. Ab 1517 studierte N. in Paris, wo er gleichzeitig Lehrer der Ffter Patriziersöhne Claus (1501-1571) und Crafft von Stalburg war. Von 1518 bis 1520 war er Professor am neugegründeten „Collegium Buslidianum“ an der Universität Löwen. Nach einer Reihe durch Glaubensgegensätze hervorgerufener Querelen verließ N. Löwen und folgte Mitte des Jahres 1520 einem Ruf nach Ffm. Hier übernahm er die Leitung der neugegründeten Lateinschule, aus der sich später das Ffter Gymnasium entwickelte. Unter N.s Leitung gewann die Lateinschule bald Anerkennung. Das Schulgebäude befand sich im Haus Goldstein am Kornmarkt. Neben dem regulären Unterricht wurde N. in seiner Bestallungsurkunde zusätzlich verpflichtet, eine Stunde täglich öffentlich zu dozieren. In Ffm. gehörte N. dem Kreis der Humanisten um Hamman und Gilbrecht von Holzhausen (1468-1514), Arnold von Glauburg und Philipp Fürstenberger an, die sich bald der Reformation anschlossen. Bei seinem Ffter Aufenthalt im Mai 1521 besuchte Martin Luther N. und dessen Schule. N.s Einfluss ist es wohl zuzuschreiben, dass Hartmann Ibach im März 1522, als erster protestantischer Prediger in Ffm., im Katharinenkloster die Möglichkeit zur Verbreitung der neuen Glaubenslehre erhielt. Ausgesprochener Gegner N.s in Ffm. war der Dekan des Liebfrauenstifts Johann Cochläus. Im Januar 1523 wurde N. auf eigenen Wunsch vom Rat der Stadt von seinem Amt beurlaubt, um sich in Wittenberg ganz der Reformation widmen zu können. Als Nachfolger empfahl er seinen früheren Schüler Ludwig Carinus. Um Ostern verließ er Ffm. N. ertrank ein Jahr später bei einer Bootsfahrt in der Elbe.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 91, verfasst von: Reinhard Frost.
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Lexika: Allgemeine Deutsche Biographie. Hg. durch die Historische Commission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften. 56 Bde. München/Leipzig 1875-1912.Otto Kämmel in: ADB 23 (1886), S. 438-441. | Renkhoff, Otto: Nassauische Biographie. Kurzbiographien aus 13 Jahrhunderten. Wiesbaden 1985, 2., überarb. Aufl. 1992. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau XXXIX).NB 1992, S. 571, Nr. 3132.
Literatur:
                        
Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst. Bisher 73 Bde. Ffm. 1839-2012.Steitz, Georg Eduard: Der Humanist Wilhelm Nesen, der Begründer des Gymnasiums und erste Anreger der Reformation in der alten Reichsstadt Ffm. Lebensbild auf Grund der Urkunden. In: AFGK NF 6 (1877), S. 36-160.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/6.383.

GND: 11977268X (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Nesen, Wilhelm. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/618

Stand des Artikels: 7.1.1994