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Leonhardi, Friedrich (von)

Leonhardi, Jacob Friedrich (seit 1791/94: Freiherr von). Wirklicher Geheimer Rat. Dr. jur. Jurist. Diplomat und Politiker. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.* 4.4.1778 Ffm., Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 6.4.1839 Ffm.
Sohn des Kaufmanns Johann Peter (seit 1791/94: Freiherrn von) L. (1747-1830) und dessen Ehefrau Susanna Elisabetha, geb. Heyder (1753-1804). Zwei Schwestern und ein Bruder: Margaretha Elisabetha Carolina (auch: Caroline; seit 1791/94: Freiin von) L. [seit 1795 verh. und um 1797 gesch. von Barckhausen (auch: Barckhaus), 1776-1849]; Karl (eigentl.: Carl) Ludwig (seit 1791/94: Freiherr von) L. (1781-1864), Kaufmann, Gutsherr auf Platz und Erdreichsthal bei Budweis in Südböhmen; Marie Charlotte Sophie (auch: Maria Charlotta Sophia; seit 1791/94: Freiin von) L. (seit 1810 verh. von Schmerfeld, 1785-1832). Verheiratet (seit 1804) Dorothea Franziska Augusta Freifrau von L., geb. Freiin du Fay (1782-1852), Tochter des Offiziers Philipp Wilhelm Freiherrn du Fay (1743-1824) und dessen Ehefrau Friederica (auch: Friedericke [sic!]) Margaret(h)a, geb. Freiin von Wiesenhütten (1761-1840). Vier Töchter und vier Söhne: Friedericke [sic!] Clotilde Elisabetha Auguste Camilla Freiin von L. (20.1.1807-30.11.1807); Peter Friedrich Eugen Hugo Adelbert Freiherr von L. (1808-1809); Anna Maria (auch gen.: Marianne) Clementine Elise Brunhilde Freiin von L. (seit 1837 verh. Gräfin Unruh, 1811-1887), Stifterin; Philipp Wilhelm Friedrich (auch: Friedrich Philipp Wilhelm) Freiherr von L. (1812-1856), Jurist (Dr. jur. utr.), Diplomat; Caroline Sophie Margaretha Rosamunde Coelestine (auch: Cölestine) Freiin von L. (1815-1835); Franz Carl Otto Rudolph Friedrich Freiherr von L. (1818-1822); Sophie Friedericke [sic!] Henriette Charlotte Freiin von L. (1823-1848); Ludwig (auch gen.: Louis) Johannes Friedrich August Freiherr von L. (1825-1884), Jurist (Dr. jur. et phil.), Diplomat.
Erster Unterricht durch einen Hauslehrer. Besuch des städtischen Gymnasiums in Ffm. Nach der Konfirmation 1794 Abbruch der Schulausbildung aus gesundheitlichen Gründen. 1795 Erholungsreise mit der Mutter nach Süddeutschland und in die Schweiz. Dort Bekanntschaft und seitdem Briefwechsel mit Johann Caspar Lavater (1741-1801). Von 1796 bis 1798 Studium der Rechte und der Staatswissenschaften in Marburg. Beginn der Freundschaft mit seinen damaligen Kommilitonen Constantin Franz Fürchtegott von Neurath (1777-1817) und Friedrich Carl von Savigny (1779-1861). Im Herbst 1798 Aufenthalt in den Bädern Nenndorf und Pyrmont mit anschließender Reise durch Norddeutschland. Rückkehr ins Elternhaus. Dort im Winter 1798/99 Ausarbeitung des „Versuchs einer Vormundschaftslehre mit Hinsicht auf die Statuten der Reichsstadt Fft.“ (im Druck 1799). Aufgrund dieser Schrift 1799 Promotion (ohne Disputation) in Gießen. Kuraufenthalte in den Bädern Wiesbaden (1799), Schwalbach (1800) und Aachen (1801). In jenen Jahren, seit dem gemeinsamen Marburger Studium, gehörte L. zum engen Freundeskreis um Savigny. Durch L. hatte Savigny im Sommer 1799 auf dem Gut der Familie von L. in Lengfeld/Odenwald auch Karoline von Günderrode kennengelernt, die mit der Familie, insbesondere mit Friedrich von L. und dessen Schwester Carolina von Barckhausen, befreundet war.
Von Mai 1801 bis Februar 1802 Bildungsreise durch Belgien, Holland, England und Frankreich. Nach der Heimkehr 1802 freie Tätigkeit als Verfasser von juristischen und staatsrechtlichen Schriften, die er anonym in gelehrten Zeitschriften veröffentlichte. 1805 Ernennung zum Kurfürstlich Hessischen Geheimen Legationsrat und zum kurhessischen außerordentlichen Gesandten an den Höfen in Stuttgart und Karlsruhe (im Amt de facto bis 1806, formell bis 14.1.1811); zugleich hessen-darmstädtischer Gesandter in Karlsruhe (um 1805/06). Bis 1812 hauptsächlich Beschäftigung mit der Literatur und den Wissenschaften als Privatgelehrter, wohl meist in Ffm., unterbrochen von wiederholten Bäderkuren und einer Reise nach Österreich (1811). Anonyme Publikation einzelner Schriften (wie „Vergleichende Übersicht des österreichischen Kaiserstaates von 1804-1809“, 1809, und „Ueber Staats-Einkünfte, vorzüglich nach dem Oeconomie-Industrie-System. Ein Beitrag zur angewandten Staatslehre“, 1812). Mitglied des Graduiertenkollegs in Ffm., einer Vereinigung von Medizinern und Juristen mit akademischem Titel zur Standes- und Interessenvertretung, die von 1705 bis 1866 bestand. 1812 Ernennung zum Großherzoglich Hessischen Geheimen Rat; seitdem (insbesondere 1813/14) zahlreiche Konzepte und Aufträge für das großherzoglich-hessische Ministerium. Von 1813 bis 1815 großherzoglich-hessischer Korrespondent beim Oberrheinischen Kreis und in der Stadt Ffm. Zugleich (1814-16) Engagement in stadtpolitischen Gremien, u. a. als Mitglied einer Verfassungskommission (ab Januar 1814), Mitglied des 51er-Kollegs (ab Anfang 1815) und dessen Deputierter bei der Polizeibehörde sowie Mitglied der außerordentlichen Kriegsdeputation.
Seit der Gründung des Deutschen Bundes mit der Etablierung der Bundesversammlung (des „Bundestags“) in Ffm. ab 1816 wirkte L. als Bundestagsgesandter für die 16. Kurie, in der die acht Kleinstaaten Liechtenstein, Hohenzollern-Hechingen, Hohenzollern-Sigmaringen, Reuß ältere Linie, Reuß jüngere Linie, Lippe, Schaumburg-Lippe und Waldeck zu einer gemeinsamen Vertretung zusammengefasst waren; deren Stimme im Engeren Rat des Bundestags führte L. kraft seines Amtes bis zu seinem Tod 1839. Als Zeichen ihrer Zufriedenheit erteilten ihm die von ihm vertretenen Fürsten bereits 1818 den Titel „Exzellenz“, und einige von ihnen ernannten ihn zum Wirklichen Geheimen Rat. Die eigene wissenschaftliche Beschäftigung blieb L. trotz seiner zeitaufwendigen Amtspflichten ein wichtiges Anliegen, so dass er zahlreiche Arbeiten zum Bundesrecht zumindest angeregt und gefördert haben dürfte.
Abgesehen von wenigen Reisen (nach Süddeutschland und in die Schweiz, 1822, sowie in die böhmischen Bäder, 1828), lebte L. während seiner Zeit als Bundestagsgesandter dauerhaft in Ffm. Erst als er nach dem Tod des Vaters Johann Peter von L. 1830 den Fideikommissbesitz der Familie in der Wetterau übernommen hatte, wohnte er zeitweilig auch im L.’schen Schloss in Groß-Karben. Die herrschaftliche Verwaltung der Güter verlief offenbar nicht ohne Konflikte (vgl. auch die von L. verfasste „Eingabe an die hessische Ständeversammlung betr. die den Besitzern ehemals ritterschaftlicher Güter zukommenden Berechtigungen“, 1835). Dennoch wirkte L., u. a. als Patron von Schulen und Kirchen, wohltätig in den zu seinem Besitz gehörenden Ortschaften. Das von seinem Vater 1795/96 errichtete „Haus L.“ auf der Zeil (Lit. D 2-4, später Nr. 34, neu: 92; kriegszerstört 1944) verkaufte L. 1834 an den Bankier Amschel Mayer von Rothschild. Daraufhin erwarb er 1835 ein Haus in der Großen Eschenheimer Gasse (Lit. D 166, später Nr. 37; verkauft an das Bankhaus Sulzbach um 1857, nicht erhalten) als Wohnsitz für sich und seine Familie, schräg gegenüber vom „Bundespalais“ (Palais Thurn und Taxis), in dem die Bundesversammlung tagte.
Mitglied und 1816 Mittelältester der Niederländischen Gemeinde Augsburger Confession.
1815 Kommandeurkreuz des Großherzoglich Hessischen Verdienstordens (bzw. Ludwigsordens). 1836 Großkomturkreuz des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens.
Bestattet in der Familiengruft auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gruftenhalle, Gruft 51).
Der Fideikommissbesitz der Familie in der Wetterau ging nach L.s Tod 1839 zunächst an den ältesten lebenden Sohn Wilhelm von L., nach dessen Tod 1856 an den jüngeren Sohn Ludwig von L.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.

Lexika: Bringmann, Tobias C.: Handbuch der Diplomatie 1815-1963. Auswärtige Missionschefs in Deutschland und deutsche Missionschefs im Ausland von Metternich bis Adenauer. München 2001.Bringmann: Handbuch d. Diplomatie 2001, S. 218, 224f., 253, 255, 377. | Dölemeyer, Barbara: Ffter Juristen im 17. und 18. Jahrhundert. Ffm. 1993. (Ius Commune, Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Europäische Rechtsgeschichte Ffm., Sonderhefte, Studien zur Europäischen Rechtsgeschichte 60).Dölemeyer: Juristen, S. 110f., Nr. 368. | Neuer Nekrolog der Deutschen. Hg. v. Friedrich August Schmidt. 30 Bde. Ilmenau 1823-54.Neuer Nekr. 17,1 (1839), S. 351-357, Nr. 122. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 341. | Schrotzenberger, Robert: Francofurtensia. Aufzeichnungen zur Geschichte von Ffm. 2., vermehrte u. verbesserte Aufl. Ffm. 1884.Schrotzenberger, S. 147.
Literatur:
                        
Justi, Karl Wilhelm (Hg.): Hessische Denkwürdigkeiten. 4 Teile. Marburg 1799-1805.Nachweis der Promotion zum Doktor in der juristischen Fakultät der Universität Gießen, 16.4.1799: Justi (Hg.): Hess. Denkwürdigkeiten 3 (1802), S. 472.
Quellen: ISG, Bestand Hausurkunden (Best. H.19.01), 14.-19. Jh.ISG, Hausurkunden 264 (Verkauf des Hauses Lit. D 166 in der Großen Eschenheimer Gasse durch Maria Rosine Karoline Wilmanns, geb. Schmid, an Jacob Friedrich von Leonhardi, 1834-35). | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbücher, Ffm., 1533-1848 bzw. 1849-1939.Eintrag der Heirat mit Dorothea Franziska Augusta Freiin du Fay, Ffm., 28.8.1804: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbuch 19 (1804-08), S. 99. | ISG, Standesamt (Best. A.34.02), Personenstandsunterlagen, 1874-1992.ISG, Standesamt, Familienattestat L 252 (Leonhardi, Jacob Friedrich von).
Internet: Hessische Biografie, Kooperationsprojekt des Instituts für Personengeschichte in Bensheim und des Hessischen Instituts für Landesgeschichte in Marburg zur Erstellung einer umfassenden personengeschichtlichen Dokumentation des Landes Hessen. https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/9153Hess. Biografie, 5.6.2026. | Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), Projekt des Liechtenstein-Instituts, Bendern (Fürstentum Liechtenstein). https://historisches-lexikon.li/Leonhardi,_Friedrich_Jacob_Freiherr_von
Hinweis: Artikel von Margret Friedrich.
Hist. Lex. d. Fürstentums Liechtenstein, 4.6.2026.
| Wikipedia, Die freie Enzyklopädie, Hg.: Wikimedia Foundation Inc., San Francisco/Kalifornien (USA). https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Friedrich_von_LeonhardiWikipedia, 5.6.2026.

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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Leonhardi, Friedrich (von). In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/14546

Stand des Artikels: 6.6.2026
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 06.2026.