Veit, Philipp

Städeldirektor von 1830 bis 1843.

Veit, Philipp. Prof. Maler. Kunsttheoretiker. * 13.2.1793 Berlin, † 18.12.1877 Mainz.
Sohn des Bankiers Simon V. und dessen Ehefrau Brendel, geb. Mendelssohn, der Tochter des jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn, die nach ihrer Konversion zum Christentum und zweiten Eheschließung mit Friedrich Schlegel 1804 den Namen Dorothea Schlegel trug.
Schulbesuch in Jena, Paris und Köln, wo er Vorlesungen über Logik bei Friedrich Schlegel, dem zweiten Ehemann der Mutter, hörte. 1808 Beendigung der Schulzeit am Grauen Gymnasium in Berlin. Im gleichen Jahr Beginn der künstlerischen Ausbildung bei Friedrich Matthäi und Caspar David Friedrich in Dresden. Gemeinsam mit seinem Bruder Johannes konvertierte V. zu Pfingsten 1810 in Wien vom Judentum zum Katholizismus. In Wien Freundschaft mit Joseph von Eichendorff und Theodor Körner. Arbeit an zahlreichen Porträts. 1813/14 Teilnahme an den Befreiungskriegen als Lützow’scher Jäger. Ende 1815 siedelte V. nach Rom über, wo er bis 1830 eine reiche künstlerische Tätigkeit entfaltete. Mit seinen Bildern zu fast ausschließlich biblischen Themen (darunter mehrere Auftragsarbeiten für den Vatikan) gehörte er zu den Hauptvertretern der Nazarener. 1829 erhielt er – u. a. auf Empfehlung des befreundeten Malers Friedrich Overbeck – einen Ruf an das Städelsche Kunstinstitut. Nicht zuletzt auf Zuraten seiner Mutter nahm er das Angebot aus Ffm. an. Dorothea Schlegel richtete daraufhin für V. und seine Familie eine Wohnung an der Schönen Aussicht ein. Im Oktober 1830 traf V. mit seiner italienischen Frau Carolina und den gemeinsamen fünf Kindern in Ffm. ein. Er lebte hier bis September 1853. Am Städel übernahm V. die Direktion der Kunstsammlung und wurde darüber hinaus zum Professor für Malerei ernannt. Zu V.s wichtigsten Schülern gehörten Alfred Rethel (ab 1836) und Edward von Steinle (ab 1839). Seine künstlerische Produktion kam in Ffm. nur langsam in Gang. Die eigene Trägheit hat der begabte Karikaturist V. in einer Reihe von Arbeiten mehrmals sinnbildlich dargestellt. Seine bis 1832 entstandenen Deckengemälde (u. a. „Schild des Achill”) für die Antikensäle des 1833 eingeweihten Städelgebäudes in der Neuen Mainzer Straße sind insofern bedeutsam, als dass sich V. hier erstmals bei der Motivwahl der antiken Mythologie zuwandte. Ebenfalls zur Ausschmückung des Städel fertigte V. ein Fresko; als umfangreiches Wandbildprogramm geplant, doch nur in Teilen realisiert, blieb von dem Werk nur das zwischen 1834 und 1836 ausgeführte Triptychon „Die Einführung der Künste durch das Christentum in Deutschland” mit den allegorischen Seitenbildern „Italia” und „Germania” erhalten, das später (1877) auf Leinwand übertragen und in den Städel-Neubau am Schaumainkai verbracht wurde. V.s Ankaufspolitik berücksichtigte vor allem Schulen und Epochen, auf die sich die Nazarener beriefen, doch wurden – im bescheideneren Rahmen – auch Werke zeitgenössischer Maler erworben; heftig umstritten war der Kauf von Overbecks „Triumph der Religion in den Künsten”. Auseinandersetzungen mit der Städeladministration führten im Januar 1843 zu V.s Rücktritt. Ohne dessen Wissen hatte die Administration den Ankauf von Carl Friedrich Lessings Gemälde „Johann Hus vor dem Konzil zu Konstanz” betrieben, das V.s religiös-idealistischer Auffassung diametral entgegenstand und von ihm als Affront empfunden wurde. V. bezog daraufhin ein Atelier im Deutschordenshaus in Sachsenhausen. Noch als Städeldirektor hatte V. gemeinsam mit dem Ffter Senator Gerhard Thomas initiiert, die gemalten Herrscherbüsten von 1711 im Kaisersaal durch Ölbilder zu ersetzen. Zur Realisierung dieses Vorhabens wurde eine Reihe von V.s Schülern beschäftigt: Er selbst schuf zwischen 1840 und 1852 die Kaiserporträts Karls des Großen, Ottos des Großen, Friedrichs II. und Heinrichs VII. Die Kunstgeschichte sah in der zuletzt entstandenen Darstellung Karls des Großen bereits Anzeichen für V.s nachlassende Schaffenskraft. Für die Deutsche Nationalversammlung in der Ffter Paulskirche malte V. 1848 den Prospekt einer jugendlichen „Germania” mit Schwert und schwarz-rot-goldener Fahne (heute im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg). 1853 übersiedelte V. nach Mainz, wo er große Hoffnung in einen Auftrag für die Fresken-Ausmalung des Mainzer Doms setzte, was sich jedoch wegen Geldmangels verzögerte. V. fertigte ab 1861 nur noch die Skizzen und Kartons, und seine Schüler übernahmen die eigentliche Ausmalung.
Während Kritiker V.s wenig entwickelte zeichnerische Fähigkeiten bemängelten, haben seine Ölporträts, insbesondere durch ihre Farbgebung, große Wertschätzung erfahren. Eine von V.s wertvollsten Ffter Arbeiten ist ein 1838 entstandenes Ölporträt von Marie Bernus. Zu V.s weiteren in Ffm. entstandenen und zumeist im Städel befindlichen Arbeiten zählen u. a. die Bildnisse der Cécile Jeanrenaud (um 1833) und Marie von Guaita (drei Fassungen, um 1838), ein „Blick auf den Taunus” (1840), „Die Himmelfahrt Mariens” (1846) sowie mehrere Selbstkarikaturen.
In den letzten Lebensjahren verfasste V. eine Reihe von kunsttheoretischen Schriften.
1877 Mainzer Ehrenbürger.
Reliefbüste (um 1904) unter den Vertretern der heimischen Künste an der Westfassade vom Südbau des Neuen Rathauses in der Buchgasse.
Die V.straße in Sachsenhausen ging in den 1960er Jahren im unteren Teil der neu angelegten Walter-Kolb-Straße auf.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 506-508, verfasst von: Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Lexika: Dessoff, Albert: Kunst und Künstler in Ffm. im 19. Jahrhundert. 2. Bd.: Biographisches Lexikon der Ffter Künstler im 19. Jahrhundert. Ffm. 1909.Dessoff, S. 161-164.
Literatur:
                        
Arnsberg, Paul: Die Geschichte der Ffter Juden seit der Französischen Revolution. Hg. v. Kuratorium für Jüdische Geschichte e. V., Ffm. Bearb. u. vollendet durch Hans-Otto Schembs. 3 Bde. Darmstadt 1983.Arnsberg: Gesch. d. Ffter Juden 1983, Bd. III, S. 509-513. | Museum Giersch der Goethe-Universität (Hg.): Romantik im Rhein-Main-Gebiet. Katalogredaktion: Mareike Hennig, Manfred Großkinsky, Birgit Sander, Susanne Wartenberg, Linda Baumgartner. Petersberg 2015.Kurzbiographie in: Kat. Romantik im Rhein-Main-Gebiet 2015, S. 280f. | Salden, Hubert (Hg.): Die Städelschule Ffm. von 1817 bis 1995. Mainz 1995.Salden (Hg.): Städelschule 1995, S. 25-48. | Holzinger, Ernst (Hg.)/Ziemke, Hans-Joachim (Bearb.): Die Gemälde des 19. Jahrhunderts. Text- und Bildband. Ffm. 1972. (Kataloge der Gemälde im Städel’schen Kunstinstitut I).Städelkat. d. Gemälde d. 19. Jh. 1972, Textband, S. 448-458. | Suhr, Norbert: Philipp Veit (1793-1877). Leben und Werk eines Nazareners. Monographie und Werkverzeichnis. Weinheim 1991.Suhr: Philipp Veit 1991. | Wiederspahn, August/Bode, Helmut: Die Kronberger Malerkolonie. Ein Beitrag zur Ffter Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts. Mit dokumentarischen Beiträgen von Änne Rumpf-Demmer, Julius Neubronner und Philipp Franck. 3., erw. Aufl. Ffm. 1982.Wiederspahn/Bode: Kronberger Malerkolonie 1982, S. 184f., 708.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/1.238.

GND: 118804111 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Veit, Philipp. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1588

Stand des Artikels: 23.6.1995