Hindemith, Rudolf

Rudolf Hindemith

Rudolf Hindemith (Hans Lofer)
Fotografie (aus dem Teilnachlass Hans Lofer im Hindemith Institut Fft.).

© Hindemith Institut Frankfurt.
Hindemith, Rudolf. Seit amtlicher Namensänderung 1951: Paul Quest. Psd.: Alfred Ruhland, Rudolf Warnecke, Hans Lofer. Cellist. Dirigent. Komponist. * 9.1.1900 (Rodenbach-)Niederrodenbach, † 7.10.1974 München-Neuperlach.
Jüngster Sohn des aus Schlesien stammenden Fassadenmalers und Dekorateurs Robert Rudolf Emil H. (1870-1915) und dessen Ehefrau Marie Sophie, geb. Warnecke (1868-1949). Bruder von Paul H.
Die Familie H. lebte seit 1905 in Ffm. und wohnte bis 1916 im Gallusviertel, wo der Vater ein Malergeschäft führte. Nach dem Tod des Vaters an der Front in Frankreich zog die Familie 1917 in die Neuhofstraße im Nordend.
Musikalisch hochbegabt, lernte H. schon als Kind das Cellospiel und trat gemeinsam mit seinem älteren Bruder Paul H. (1895-1963, Violine) und der Schwester Antonie Elisabeth, gen. Toni, H. (1898-1968, Klavier) als „Ffter Kindertrio“ in der schlesischen Heimat des Vaters auf. Seit Frühjahr 1908 besuchte er die Vorschule von Dr. Hoch’s Konservatorium, um 1910 in die Celloklasse von Johannes Hegar zu wechseln. Ab dem Schuljahr 1914/15 studierte er bei Maurits Frank (1892-1959). Weitere Lehrer waren u. a. Fritz Bassermann (Dirigieren) und Bernhard Sekles (Kontrapunkt); 1919 war er für kurze Zeit Schüler von Arnold Földesy (1882-1940) in Berlin. Während seines Studiums in Ffm. wurde er u. a. von Hannah Mathilde Freifrau von Rothschild und von der Kaufmannsfamilie Ronnefeldt unterstützt, bei der er seit 1912 regelmäßig als Kammermusikpartner der Tochter Emilie Agnes, gen. Emmy (seit 1921 verh. Westphal, 1897-1979), zu Gast war. Gemeinsam mit seinem Bruder Paul H. gab er bereits in der Studienzeit zahlreiche Konzerte im Rahmen des Konservatoriums sowie bei externen Veranstaltern. Von 1919 bis 1921 war H. als Erster Solocellist im Orchester des Münchener Konzertvereins (der späteren Münchner Philharmoniker) engagiert, von 1921 bis 1924 in derselben Position an der Wiener Staatsoper unter Richard Strauss und Franz Schalk (1863-1931). Zugleich etablierte er sich als Konzertsolist und Kammermusiker u. a. im Münchner Streichtrio mit Anton Huber (1888-1966, Violine) und Valentin Härtl (1894-1966, Viola). 1924 kehrte H. nach Ffm. zurück (Wohnung: Künstlerwohnanlage im Karmeliterkloster). Von 1924 bis 1927 war er Cellist in dem von ihm mitbegründeten Amar-Quartett, das zur Uraufführung von Paul H.s 3. Streichquartett op. 16 in Donaueschingen 1921 erstmals zusammengekommen war. Ab 1926 richtete er sein Interesse auf Jazzmusik und leitete 1927 am Ffter Sender eine Rundfunk-Jazzband. Gemeinsam mit der Cembalistin Alice Ehlers (1897-1981) und seinem Bruder Paul H. (Viola d’amore) wirkte er als Gambist bei Konzerten mit Alter Musik mit. Für den Schott-Verlag in Mainz war er 1929 als Herausgeber von Cellokonzerten, u. a. des Ffter Kapellmeisters Georg Goltermann (1824-1898), tätig. 1930/31 leitete er in Berlin Konzerte des Orchesters der Berliner Funkstunde und des Rundfunkchors. 1932 zog H. nach München und trat dort bis 1938 u. a. als Dirigent eines von ihm gegründeten Blasorchesters sowie als Veranstalter einer Konzertreihe in der Tonhalle auf. Zugleich intensivierte er seine schöpferischen Ambitionen und komponierte Bühnenwerke, Stücke für Orchester und Blasorchester, Konzerte, Klavier- und Kammermusik. 1938 heiratete er die Pianistin Maria Landes (1901-1987). Von 1942 bis 1944 war er Chefdirigent der Philharmonie des Generalgouvernements Polen in Krakau. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ sich H. in der Nähe von München nieder, wo er zurückgezogen lebte, privaten Unterricht erteilte und komponierte. Seine Oper „Des Kaisers neue Kleider“ wurde 1953 in Gelsenkirchen uraufgeführt.
H., der als Cellist lange mit seinem Bruder gemeinsam musizierte und an der Uraufführung mehrerer Werke von Paul H. beteiligt war (u. a. des 3. Streichquartetts op. 16, das ihm gewidmet ist), haderte gleichwohl schon in jungen Jahren mit dessen großen Erfolgen. Um sich abzugrenzen, stellte er erstmals 1928 eine eigene Komposition unter dem Pseudonym „Alfred Ruhland“ vor. 1939/40 veröffentlichte er im Selbstverlag Klavierstücke unter dem Namen „Rudolf Warnecke“ (unter Verwendung des Mädchennamens seiner Mutter). 1951 vollzog er zwar einen offiziellen Namenswechsel zu „Paul Quest“, trat aber bis zu seinem Tod ausschließlich als „Hans Lofer“ öffentlich in Erscheinung.
Die Kompositionen von H. sind meistenteils unveröffentlicht; eine Auswahl wurde 2000-02 von Hans Gerd Brill herausgegeben.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Susanne Schaal-Gotthardt.

Lexika: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Allgemeine Enzyklopädie der Musik. Unter Mitarb. zahlreicher Musikforscher (...) hg. v. Friedrich Blume. 17 Bde. Kassel/Basel 1949-86. Neuausgabe (2., völlig überarb. Aufl.): Hg. v. Ludwig Finscher. 10 Bde. (Sachteil), 18 Bde. (Personenteil) und ein Supplementband. Kassel/Stuttgart 1994-2008.Hans Gerd Brill in: MGG, 2. Aufl., Personenteil 9 (2003), Sp. 51f. | Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. 2 Bde. Berlin 1930/31.Reichshdb. 1930/31, S. 760.
Literatur:
                        
Brill, Hans Gerd: Rudolf Hindemith – Zwei Leben. Kurzbiographie und Werkverzeichnis. Kamen u. a. 2000.Brill: Rudolf Hindemith – Zwei Leben 2000. | Jahresbericht des Dr. Hoch’schen Conservatoriums [spätere Schreibweise: Konservatoriums] zu Ffm. Ffm. 1878-1979.Jahresbericht d. Dr. Hoch’schen Konservatoriums 1908-19.
Quellen: Hindemith Institut Fft.Hindemith Institut Fft., Teilnachlass Hans Lofer.
Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_HindemithWikipedia, 2.12.2020.

GND: 116896280 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

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Empfohlene Zitierweise: Schaal-Gotthardt, Susanne: Hindemith, Rudolf. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/6802

Stand des Artikels: 4.12.2020
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 12.2020.