Neuerscheinungen vom 10. Juni 2020

Einleitung: 

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

gerne nehmen wir besondere Jubiläen und Gedenktage zum willkommenen Anlass für neue Artikel im Frankfurter Personenlexikon. So wurde vor 175 Jahren das Dr. Christ’sche Kinderhospital in Frankfurt eröffnet, das die ältere der beiden Wurzeln vom heutigen Clementine Kinderhospital ist. Dem Gründer ist daher der Artikel des Monats gewidmet.

Artikel des Monats Juni 2020:
Ein Hospital für alle kranken Kinder

Er half fast 10.000 Frankfurterinnen und Frankfurtern auf die Welt: Theobald Christ. Der Mediziner hatte sich das Geld für sein Studium als Chorsänger bei Begräbnissen selbst verdient. Im Herbst 1802 ließ sich der 25-Jährige als praktischer Arzt in seiner Heimatstadt Frankfurt nieder, wo er bald zum gefragtesten Geburtshelfer wurde. Eigene Kinder hatte Christ jedoch nicht. In seinem Testament von 1835 bestimmte er deshalb seinen Grundbesitz und sein Vermögen im Wert von rund 150.000 Gulden zur Errichtung eines Krankenhauses für Kinder von vier bis zwölf Jahren und, soweit möglich, einer Entbindungsanstalt für arme Bürgersfrauen. Ausdrücklich hielt der Stifter fest, dass bei der Aufnahme in beide Einrichtungen die Religionszugehörigkeit keine Rolle spielen sollte.
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Schluss: 

Am 14. Januar 1845, keine vier Jahre nach dem Tod von Theobald Christ, wurde das von ihm gestiftete Kinderhospital eröffnet. Es besteht am angestammten Standort in der nach dem Stifter benannten Theobald-Christ-Straße im Ostend fort, heute unter dem Namen „Clementine Kinderhospital“, das somit auf eine Tradition als eines der ältesten Kinderkrankenhäuser in Deutschland zurückblicken kann. Das „Clemi“, wie es von Ärzten wie Patienten oft liebevoll genannt wird, erinnert mit seinem jetzigen Namen an Clementine von Rothschild (1845-1865). Deren Mutter Louise von Rothschild hatte zur Erinnerung an die früh verstorbene Tochter ebenfalls ein Kinderspital gestiftet, das, ursprünglich nur für kranke Mädchen, 1875 eröffnet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg taten sich die Dr. Christ’sche und die Rothschild’sche Stiftung zusammen, erbauten an der Stelle des kriegszerstörten Dr. Christ’schen Kinderkrankenhauses eine neue Klinik und vereinigten sich zum 1. Januar 1975 auch formal als „Clementine Kinderhospital – Dr. Christ’sche Stiftung“, die seitdem die Trägerschaft des Krankenhauses innehatte.
Im Jahr 2009 schlossen sich das Clementine Kinderhospital und das Bürgerhospital unter einem gemeinsam gegründeten neuen Träger zusammen. Die „Clementine Kinderhospital – Dr. Christ’sche Stiftung“ ist, zusammen mit der Dr. Senckenbergischen Stiftung, Gesellschafter des Trägers und dient dem Zweck der Förderung des Kinderkrankenhauses und der Pädiatrie. Heute bietet das Clementine Kinderhospital mit seinen 75 Betten eine umfassende medizinische Versorgung für kranke Kinder vom Frühgeborenen bis zum Jugendlichen, ergänzt durch Spezialambulanzen für Rheumatologie, Diabetologie, Nephrologie, Neurologische Rehabilitation und Pneumologie/Allergologie. Die zum Haus gehörende Klinik für Psychosomatik ist ein weit über die Region hinaus einzigartiges Angebot für eine stationäre Behandlung auf diesem Gebiet. Infolge der Fusion wurden das Clementine Kinderhospital und das Bürgerhospital mit der größten Geburtshilfestation im Rhein-Main-Gebiet (mit fast 3.800 Geburten pro Jahr), der Früh- und Neugeborenen-Intensivstation, einer Kinderchirurgie und -urologie sowie der allgemeinen Pädiatrie als Perinatalzentrum Level 1 (also der höchsten Versorgungsstufe) anerkannt. Im Jahr 2017 haben die beiden Krankenhäuser außerdem die Frankfurter Hebammenschule mitbegründet, ganz in der Tradition des Stifters Theobald Christ, der, selbst ein ausgezeichneter Geburtshelfer, sich schon früh in der Ausbildung von Hebammen engagierte.

Ein weiteres wichtiges Jubiläum, das in der Coronakrise ziemlich untergegangen ist, ist der 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin. Der Dichter verbrachte zwar nur wenige, aber wesentliche Jahre in Frankfurt und im benachbarten Bad Homburg. Ende Dezember 1795 kam Hölderlin in die Mainstadt, um hier eine Stelle als Hauslehrer bei der Familie Gontard anzutreten. Die Begegnung mit Susette Gontard, der Dame des Hauses, sollte sein künftiges Leben und Schaffen bestimmen. Die schöne Frankfurter Bankiersgattin inspirierte ihn zur Figur der Diotima in seinen Gedichten und in seinem Roman „Hyperion“. Näheres ist in dem neuen Artikel über Friedrich Hölderlin im Frankfurter Personenlexikon nachzulesen.
Eigentlich hätte Hölderlins Geburtstag schon am 20. März 2020 angestanden, als jedoch die Zeit des weitgehenden Shutdowns infolge der Corona-Pandemie gerade begonnen hatte. Mit den Lockerungen läuft jetzt das Programm zum „Hölderlinjahr“ wieder an, selbstverständlich unter den weiterhin erforderlichen Einschränkungen und Schutzmaßnahmen. Ab dem 19. September ist eine zentrale Festwoche in Frankfurt geplant, veranstaltet von der Stadt in Zusammenarbeit mit dem Freien Deutschen Hochstift.
Angesichts der Zeitumstände ist zum Jubiläum unvermutet ein Vers aus Hölderlins Hymne „Patmos“ in den Blick gerückt, der hoffen lässt:
„Wo aber Gefahr ist, wächst
Das Rettende auch.“

Es würde mich freuen, wenn auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, in dieser seltsamen Zeit etwas Trost finden könnten, vielleicht bei der Lektüre von Hölderlins Gedichten, oder wenn Sie einmal etwas Ablenkung brauchen sollten, möchte ich Ihnen das Stöbern im Frankfurter Personenlexikon empfehlen. Dabei lässt sich immer etwas Lesens- und Wissenswertes entdecken.

Beste Grüße und Wünsche – und bleiben Sie gesund!
Ihre Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Juli 2020.