Einziges Kind des zu Heilbronn geborenen Kaufmanns Eduard D. (1802-1884) und dessen Ehefrau Caroline (auch: Karoline), geb. Schlosser (1799-1847). D. war über die mütterliche Linie mit dem Historiker
Friedrich Christoph Schlosser (1776-1861) verwandt, der ihr Großonkel war. Ledig. Keine Kinder.
D. wuchs nach dem frühen Verlust der Mutter 1847 in deren Geburtsstadt Offenbach am Main auf. Nach eigenen Angaben verlebte sie eine lieblose Kindheit, in der sie von ihren Verwandten nicht unterstützt wurde. Doch konnte sie dank ihrer hohen Begabung das 1850 von Marie Hillebrand (1821-1894), einer Tochter des Gießener Philosophieprofessors Joseph Hillebrand (1788-1871), gegründete Mädchenbildungsinstitut besuchen. Nach dem Schulabschluss in Offenbach studierte D. u. a. Geschichte sowie alte und neuere Sprachen. Wo und wie sie sich dieses Wissen aneignete, ist nicht bekannt. (Gymnasial- und Universitätsbesuch waren Frauen seinerzeit verwehrt.) Sicher ist jedoch, dass D., die später Lehrbücher über die Antike veröffentlichte, umfassend humanistisch gebildet war, Griechisch, Latein und Englisch beherrschte und über breite historische und kunsthistorische Kenntnisse verfügte. Laut den Erinnerungen von Philippine Wolff-Arndt (Wolff-Arndt: Wir Frauen von einst 1929, S. 9) hatte D. ein Lehrerinnenexamen absolviert, jedoch wegen Überfüllung des Berufs keine Anstellung erhalten.
1863 ging D. nach Ffm., um sich am Städelschen Kunstinstitut zur Malerin ausbilden zu lassen. Sie war dort nach
Caroline Schierholz die zweite weibliche Schülerin. Am 1.8.1867 richteten D. und
Schierholz einen Brief an die Administration des Städelschen Kunstinstituts, in dem sie sich über die im Vergleich zu den Werkstätten der männlichen Studenten mangelhaften Arbeitsbedingungen im abgelegenen Damenatelier beschwerten. Philippine Wolff-Arndt, die 1872 in das Städel eintrat, erinnert sich mit leicht pejorativem Unterton an D. als „eine Blumenmalerin“ von einem „etwas ältere[n] Jahrgang“, die sich später ganz der Schriftstellerei zuwandte, „was ihr auch viel mehr“ gelegen habe (Wolff-Arndt: Wir Frauen von einst 1929, S. 9).
Lt. Ffter Adressbuch lebte D. von 1871 mit ihrem Vater bis zu dessen Tod 1884 in der Frohnhofstraße 4 am östlichen Rand der Altstadt. Nach Verlassen des Städelschen Kunstinstituts um 1873/74 arbeitete sie zunächst als Schulbuchautorin für den noch jungen und pädagogisch innovativen Verlag von
Moritz Diesterweg in Ffm. Dies war möglich, weil sie bereit war, ihre weibliche Identität nicht preiszugeben und unter dem Namen „E. Döring“ zu veröffentlichen. Mit „Hellas“ (1876), einem Buch zur „Geographie, Mythologie, Geschichte und Culturgeschichte von Alt-Griechenland“ für „den Schul- und Selbstunterricht“, wollte D. gezielt den Unterricht an den höheren Töchterschulen verbessern, denn diese waren lange „vernachlässigt worden, und man bot mit Bewusstsein den Mädchen nur Oberflächliches, wähnend, ein gründliches Wissen widerstrebe ihrer Natur und sei überflüssig für sie“ (E. Döring: Hellas 1876, Vorrede, S. III). Das pädagogisch gut durchdachte Lehrwerk mit Abbildungen und einer Landkarte, für das D. mit verschiedenen Fachgelehrten, u. a. dem Kunsthistoriker Wilhelm Lübke (1826-1893), zusammenarbeitete, war sehr erfolgreich. Es wurde ins Englische übersetzt und eignete sich laut Urteil der „Fachmänner“ auch für Gymnasien und Realschulen, die reine Jungenschulen waren. [Vgl. Abdruck von Rezensionen zu „Hellas“ in: E. Döring: Lehrbuch der Geschichte der alten Welt 1 (1880), S. 240f.] 1880 und 1881 veröffentlichte D. zwei Geschichtsbücher über die griechische und römische Antike, die nunmehr an „die Schulen aller Kategorien“ adressiert waren („Lehrbuch der Geschichte der alten Welt mit besonderer Berücksichtigung von Mythologie, Kunst- und Cultur-Geschichte [in Teil 2: Kultur-Geschichte] für höhere Schulen“, Teil 1: „Die älteren orientalischen Völker – Die Griechen“, 1880, und Teil 2: „Die Römer“, 1881). Der Direktor der Höheren Töchterschule in Iserlohn, Gotthold Kreyenberg (1837-1898), betont in seinem Vorwort zum zweiten Band den wissenschaftlichen Rang der Lehrwerke, welche auch „die Forschungen eines Niebuhr, Mommsen u. a. sowie der neuesten Fachgelehrten“ einbezogen [G. Kreyenberg: Vorwort zu E. Döring: Lehrbuch der Geschichte der alten Welt 2 (1881): Die Römer, S. V]. Bewährte Pädagogen bezeichneten D.s Publikationen als „Perlen unter den Schulbüchern“, und prominente Historiker wie Wilhelm Oncken (1838-1905) und Georg Weber (1808-1888) verfassten günstige Rezensionen. Durch diesen Erfolg ermutigt, schrieb D. – weiterhin unter Camouflage ihrer Geschlechtsidentität – einige kunsthistorische Beiträge für Zeitungen. 1881 erschien unter dem Pseudonym Chr. Schlosser (einer Anspielung auf den berühmten
Großonkel) D.s erstes literarisches Werk, das Trauerspiel „König Philipp“, ebenfalls im Verlag
Moritz Diesterweg in Ffm.
Danach wandte sich D. wieder stärker der Malerei zu, einem Gebiet, auf dem sie auch als Frau an die Öffentlichkeit treten konnte. Im Ffter Adressbuch war sie ab 1882 als Malerin verzeichnet. Schon 1875 hatte sie Werke (ein Stillleben und ein Porträt) im Städelschen Kunstinstitut ausgestellt. Zudem war sie Mitglied im Ffter Kunstverein und beteiligte sich an dessen Jahresausstellungen.
Nach dem Tod ihres Vaters zog D. an den Mainquai 26 (lt. Adr. 1885-87). Später wohnte sie in der Hochstraße 55 (lt. Adr. 1888-89), in der Böhmerstraße 64 (lt. Adr. 1890-91), in der Friedrichstraße 36 (lt. Adr. 1892-94), in der Fichardstraße 40 (lt. Adr. 1895-1901) und schließlich in der Sternstraße 36 (ab Adr. 1902). Sie unternahm mehrfach ausgedehnte Reisen nach Frankreich, England sowie Nord- und Süddeutschland.
In den 1890er Jahren verlagerte D. ihren Tätigkeitsschwerpunkt zunehmend auf das literarische Schreiben. Nach der Veröffentlichung des Balladenbands „Dich grüss’ ich mein Frankfurt. Aus Frankfurt’s Vergangenheit“ (mit Widmung zum „Andenken des Rheinsängers Wolfgang Müller von Königswinter“, 1893) verfasste sie eine Reihe von Bühnenstücken, bevorzugt zu moralisch-politischen Themen. So richtet sich ihr unter dem Pseudonym Ruben Sarschef veröffentlichtes Drama „Gregor“ (Titel auch: „Er oder Du“, im Druck 1895) entschieden gegen die „Zeiterscheinung“ des Nihilismus. Es wurde von dem Fiala-Ensemble 1897 am Volkstheater in Ffm. erstaufgeführt und auch in anderen Städten Süddeutschlands gespielt, während das Schauspiel „Idealisten“ 1899 am Wiesbadener Residenztheater erstmals gezeigt wurde und durchfiel. D.s erfolgreichstes Bühnenwerk war das Volksstück „Frankfurt in der Franzosenzeit 1792“, ein „Zeitbild in vier Akten“ (im Druck 1905) mit der
Frau Rat Goethe als weiblicher Hauptfigur, das unter der Intendanz von
Emil Claar am 2.3.1905 am Ffter Schauspielhaus uraufgeführt und freundlich aufgenommen wurde. Ihre sehr guten Englischkenntnisse stellte D. durch Beteiligung an literarischen Wettbewerben unter Beweis. Aus einem 1901 vom New York Herald ausgeschriebenen internationalen Wettbewerb für die Übersetzung von
Voltaires „Cantate à la Reine de Prusse“ ins Englische ging sie als beste deutsche Übersetzerin hervor, und 1903 wurde sie bei den Kölner Blumenspielen für die Übertragung des Gedichts „Enges Dasein“ von
Emil Claar ins Englische ausgezeichnet. Bei der Einweihung des
Bismarckdenkmals in (Ffm.-)Höchst am Main 1899 wurde ein Gedicht von ihr in der Vertonung von Ernst Weigand (1844-1925) vorgetragen, und anlässlich einer Gedenkfeier zu
Goethes 150. Geburtstag im gleichen Jahr vertonte Christian Friedrich Mack (1860-1942), ein in Ffm. tätiger Organist und Chorleiter, ein Gedicht von D.
D. war Mitglied des Freien Deutschen Hochstifts und der Freien literarischen Gesellschaft, in deren Vortragsprogramm sie etwa bei einem „Ffter Schriftsteller-Abend“ zusammen mit anderen einheimischen Autorinnen und Autoren am 1.9.1904 auftrat; zudem war sie langjährige Schriftführerin im Vorstand der Ffter Ortsgruppe des Deutschen Schriftsteller-Verbands. Zu ihrem Freundeskreis gehörten die Malerkollegin
Caroline Schierholz, die in ihrem Testament von 1906 D. mit einem Relief und einem Briefbeschwerer bedachte, der Lehrer und Jugendbuchautor
Georg Lang sowie die Literaturhistorikerin und Schriftstellerin
Elisabeth Mentzel.
In einem beim Amtsgericht hinterlegten Testament setzte D. einen namentlich nicht bekannten „Freund und Herzallerliebste[n]“ zum Erben ein. In einer zusätzlichen handschriftlichen testamentarischen Verfügung erklärte sie zudem, dass der „Gedanke, dass an meine Verwandten irgend welche Nutzniesung
[sic!] von meinen Arbeiten (...) gelangen könne“, ihr unerträglich wäre. Weiterhin bestimmte D., dass für sie und ihren Vater eine eigene Begräbnisstätte angekauft werde, wofür die Unkosten aus ihrer Wertpapieranlage und den Jahreseinnahmen, die sie von ihren Verlegern für ihre Publikationen erwartete, bestritten werden sollten. Alle ihre Manuskripte und Unterlagen vermachte D. an
Elisabeth Mentzel. Für den unwahrscheinlichen, aber nicht unmöglichen Fall, dass durch ihre Publikationen und Dramen nach ihrem Tode noch „glänzende Einnahmen“ entstehen sollten, sollten diese Gelder für „die Gründung eines Gymnasiums für Mädchen“ verwandt werden.
Weitere Bühnenstücke von D.: „Eifersucht“ (unter dem Pseudonym Chr. Schlosser; Titel auch: „Der Professor und seine Zöglinge“, Lustspiel, 1882; Manuskript in der Handschriftenabteilung der UB Ffm., Sign. Ms. Ff. E. Döring 1), „Die verhängnisvolle Correspondenz“ (Lustspiel in einem Akt, UA: Ffm., 27.4.1885), „Alte Bande“ (unter dem Pseudonym Ruben Sarschef; Drama, im Druck 1896), „Pelagia“ (Schauspiel, um 1905), „Graf Julian“ (Drama, o. J.).
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