Sohn des Kaufmanns
Carl Friedrich Jacob L. (1850-1907) und dessen Ehefrau Dorothea Elisabeth, gen.
Elise, geb. Scheffel (1851-1926). Acht Geschwister, von denen ein älterer Bruder und vier Schwestern das Erwachsenenalter erreichten. Ledig.
Erste Ausbildung am Städel, zunächst mit dem Ziel, Maler zu werden. Aus dieser Zeit frühe Zeichnungen mit Ansichten aus der Ffter Altstadt und Umgebung (um 1898-1900). Von 1900 bis 1901 Studium der Architektur an der Technischen Hochschule Karlsruhe bei Carl Schäfer (1844-1908) und Friedrich Ratzel (1869-1907). Seit 1903 Tätigkeit als selbstständiger Architekt in Ffm. Wohnsitz und Büro in einem von ihm selbst 1904 errichteten und bis heute erhaltenen Haus in der Leerbachstraße 90 im Westend. Zusammenarbeit zeitweise mit dem Baugeschäft „
Vietze &
Helfrich“ und in Projekten mit anderen Ffter Architekten wie
Ludwig Bernoully und Karl Blattner. Während des Ersten Weltkriegs war L. als Leutnant der Reserve der 5. Feldkompagnie des Ersatz-Pionier-Bataillons Nr. 21 an der Westfront eingesetzt; er wurde am 16.5.1918 schwer verwundet und starb am selben Tag im Feldlazarett 73 in oder bei Rosières in Frankreich.
Mitglied des Bunds Deutscher Architekten BDA. Seit 1907 Mitglied der Ffter Künstlergesellschaft. Mitglied des Ffter Architekten- und Ingenieur-Vereins.
Nach seiner Niederlassung in Ffm. hatte sich L. bald als Architekt von Wohnbauten etabliert, die er mit reich geschmückten Fassaden im Jugendstil (gelegentlich unter historistischen Nachklängen) gestaltete. Zwischen 1903 und 1914 errichtete er zahlreiche Wohnhäuser in Ffm., vor allem im Westend, in Sachsenhausen und im Nordend, sowie einige Landhäuser im Taunus. Sein Hauptwerk in Ffm. ist die evangelische Lukaskirche (1912-13; weitgehend kriegszerstört 1944, verändert wiederaufgebaut 1948 und 1951-53) in Sachsenhausen, mit deren Bau er als Sieger des von Magistrat und Stadtsynode ausgeschriebenen Wettbewerbs (1910) beauftragt wurde. Die Kirche, in deutlich schlichterer Gestalt als L.s Wohnbauten gehalten, entstand ab 1912 als Gesamtanlage mit den Gemeindegebäuden (Neubau von Küster- und Schwesternwohnhaus unter Verbindung mit dem bereits bestehenden Pfarr- und Gemeindehaus) und wurde am 12.10.1913 eingeweiht.
L. nahm an zahlreichen Architektenwettbewerben für Ffm. und andere deutsche Städte teil. Im Wettbewerb zum Neubau der Alten Brücke in Ffm. erhielt er unter 24 eingegangenen Arbeiten 1911 den zweiten Preis, während der erste Preis an den Entwurf seiner Ffter Konkurrenten
Franz Heberer und
Hermann von Hoven ging. Diese Entscheidung wurde in der Öffentlichkeit kritisiert, insbesondere von der Ffter Künstlerschaft, die dem Projekt von L. den Vorzug gab. Sein Wettbewerbsentwurf mit dem Titel „Carolus Magnus“ für die damals noch so genannte „Kaiserbrücke“ hatte ein Reiterstandbild
Karls des Großen (woran der stadtbekannte und beliebte Künstler
Fritz Boehle seit Jahren arbeitete) wirkungsvoll in Szene gesetzt. „Mit Rücksicht auf die Sympathien, welche das Schaffen des Architekten L. in weiten Kreisen genoß“ [so
Franz Heberer in: Bund tätiger Altstadtfreunde zu Ffm. (Hg.): Die Brückenweihe zu Ffm. 1926, S. 32], entschied sich die Stadt Ffm., die Träger des ersten und des zweiten Preises mit dem Erstellen eines gemeinsamen Ausführungsplans für die neue Alte Brücke zu beauftragen. Aufgrund dieses neuen Gesamtplans wurde der Brückenbau am 23.12.1913 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen und ab 1914 ausgeführt. Die Bauleitung übernahmen zunächst die drei Architekten
Franz Heberer,
Hermann von Hoven und Carl F. W. L. zusammen; infolge seines Einsatzes und seines Tods im Ersten Weltkrieg konnte L. den Bau der neuen Alten Brücke (1914-26; ohne die vorgesehenen Aufbauten wie das „Brückenhaus“ ausgeführt, stark verändert erhalten) nicht bis zur Fertigstellung begleiten. In seinen späten Entwürfen hatte L. mehr und mehr einen strengeren und monumentalen Stil entwickelt, der ihn auf dem Weg zum Expressionismus und damit zur Moderne in seiner Architektur zeigt. Seine Entwürfe für den Molenkopf (mit Turmgebäude) am Osthafen (1910) und für die Friedenskirche (mit Gemeinde-, Pfarr- und Schwesternwohnhaus) im Gallusviertel (1912), die im jeweiligen Wettbewerb den ersten Preis erhalten hatten und in Ausführungsplänen von L. bereits 1913 (Molenkopf) bzw. 1914 (Friedenskirche) vorlagen, wurden jedoch kriegsbedingt nicht realisiert.
Weitere Bauten in Ffm. (in Auswahl unter besonderer Berücksichtigung erhaltener Bauten): Wohnhaus Leerbachstraße 87 (1904; erhalten), Mietshäuser Böhmerstraße 10 und 12 (1904-05; erhalten), Einfamilienhaus Böhmerstraße 21 (1904-05; verändert erhalten), Mietshäuser Wolfsgangstraße 83, 85, 87 (1904-05; erhalten) und Wolfsgangstraße 89 (mit Fritz Pfister, 1906; erhalten), Handelsschule für Mädchen (1905-06; Haupthaus mit der heutigen Adresse Eschenheimer Anlage 20a verändert erhalten, Gartenhaus abgerissen vor 1918), Mietshausgruppe Waidmannstraße 29, 31, 33 und 35 (1906; Nr. 29, 31, 33 erhalten, Nr. 35 nicht erhalten), Wohnhaus Eschenbachstraße 28/Ecke Forsthausstraße (heute: Kennedyallee; 1906; erhalten), Mietshaus Nibelungenallee 29 (1906; verändert erhalten), Mietshäuser Windmühlstraße 3 und 5 (1909; verändert erhalten), Verwaltungsgebäude der elektrotechnischen Fabrik „Voigt & Haeffner“ in der Hanauer Landstraße 146 (1910; unter der Bezeichnung „Gemini-Haus“ verändert erhalten), Mietshaus Kronberger Straße 20 (1910; erhalten), Doppelhaus Stettenstraße 5-7 (mit
Ludwig Bernoully, 1914; erhalten), Wohnhauszeile Stettenstraße 4-20 (mit
Ludwig Bernoully, 1914; verändert erhalten).
Weitere Wettbewerbsentwürfe von L. für Ffm.: Westendsynagoge (1906), Doppelbürgerschule an der Mainzer Landstraße (1909), Verwaltungsgebäude (Rathaus) für (Ffm.-)Griesheim (mit Walch [d. i. möglicherweise Alfred Walch], 1909), Kirche für Oberrad (1910), Vereinshaus der Turngemeinde Bockenheim (1911), Ausstellungspark mit einer für 1914 projektierten Allgemeinen Gartenbau-Ausstellung auf dem Ausstellungsgelände an der Festhalle (mit Karl Blattner und
Carl Heicke, 1912; ausgezeichnet mit dem 1. Preis), Erweiterungsbau (Gartenflügel) des Städelschen Kunstinstituts (1912), Bebauungsplan im Bereich von Schnurgasse und Braubachstraße (1913) u. a. Auf der Ersten Ffter Baukunstausstellung des Ffter Architekten- und Ingenieur-Vereins im Mai 1907 im Palais Thurn und Taxis war L. mit einer Studie zu einer Synagoge vertreten.
Wettbewerbsentwürfe von L. für andere Städte: Synagoge für Essen (1908), Rathaus für (Wuppertal-)Barmen (1908; angekauft), Geschäftshaus der Getreidebörse für Duisburg (1908; ehrende Erwähnung), Inneneinrichtung der „Bristolbar“ für Wiesbaden (1908), Kunstgewerbeschule für Köln (mit Karl Schmidt, 1909; ausgezeichnet mit dem 3. Preis), Generaldirektionsgebäude der Eisenbahn für Stuttgart (mit Karl Schmidt, 1910; ausgezeichnet mit einem 3. Preis),
Bismarck-Nationaldenkmal auf der Elisenhöhe bei Bingen (mit Hugo Leven, 1910), Höhere Mädchenschule für Berlin-Lankwitz (mit Karl Blattner, 1912), Jüdisches Versorgungsheim für Neustadt a. d. Haardt (1912), Arbeitersiedlung für (Leverkusen-)Wiesdorf (mit Karl Blattner, 1912), Zentralfriedhof für Erfurt (mit Karl Blattner und
Carl Heicke, 1912), Rathaus für Bochum (mit Karl Blattner, 1913; ausgezeichnet mit einem 1. Preis), Straßenbrücke über die Saar („
Bismarckbrücke“) für Saarbrücken (mit Karl Blattner in Zusammenarbeit mit der Ffter Betonbau-Gesellschaft mbH, 1913; ausgezeichnet mit dem 2. Preis), Erweiterungsbau der Nassauischen Landesbank für Wiesbaden (1914; ausgezeichnet mit dem 3. Preis), Stadttheater für Krefeld (1914), Rheinuferbebauung für Andernach (mit Karl Blattner, 1914/15), Schwimm- und Badeanstalt („Henschelbad“) für Kassel (mit Karl Blattner, 1915), Hauptfriedhof für Mülheim/Ruhr (1915) u. a.
1918 Gedächtnisausstellung im Kunstgewerbemuseum in Ffm., veranstaltet vom Mitteldeutschen Kunstgewerbeverein, Bund Deutscher Architekten BDA (Ortsgruppe Ffm.) und Ffter Architekten- und Ingenieur-Verein. 1926 Widmung der vom Bund tätiger Altstadtfreunde herausgegebenen Festschrift zur „Brückenweihe“ der neuen Alten Brücke an L.
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