Ravenstein, Familie

Kartografen und Verleger.
Friedrich August R., dessen Vorfahren von Thüringen nach Ffm. eingewandert waren, gründete 1830 einen geografischen Verlag, den Verlag R., der 1866 von seinem Sohn Ludwig R. (1838-1915) fortgeführt wurde und seither im Familienbesitz war; zuletzt standen die Geschwister Helga (1919-1995) und Wilhelm R. (* 1921; ausgeschieden 1962) an der Spitze von „R.s Geographischer Verlagsanstalt und Druckerei“. Das seit 1961 als GmbH geführte Familienunternehmen brachte das in Deutschland bedeutendste übernationale Kartenwerk hervor. Der unternehmerische Erfolg beruhte auf der Schnelligkeit, mit der R. das Verlagsprogramm der Verkehrsentwicklung und den Reisegewohnheiten anpasste, sowie auf der Pflege von Wanderführern, Vertreterbezirkskarten und Ffter Stadtplänen.
Der zunächst vom ADAC als „CartoTravel“ übernommene Verlag wurde 2007 an Mair-Dumont verkauft und liquidiert.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 174, verfasst von: Tobias Picard.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.

Literatur:
                        
Ravenstein, Helga: Die Chronik des Verlagshauses Ravenstein. Eine Geschichte aus dem Zeitalter der Pioniere, der Entdecker, der Erfinder – und der Verlagsgründer 1830-1980. Festschrift. [Ffm.] 1980.Ravenstein: Chronik d. Verlagshauses Ravenstein 1980.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/13.940. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/11.255 (Georg Ravenstein). | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/5.536 (Helga Ravenstein). | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S3 (mit Kleinschriften, bes. Zeitungsausschnitten, zur Ortsgeschichte).ISG, S3/R 1.891 (Ffter geographische Verlagsanstalt, gegr. 1830 von August Ravenstein).

GND: 13900291X (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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3 herausragende Vertreter der Familie in Ffm.

Ravenstein, August

Ffter Turnvater.
Ravenstein, Friedrich August. Kartograf. Verleger. Turner. * 4.12.1809 Ffm., Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 30.7.1881 Ffm.
R. begann nach dem Besuch der Elementarschule 1825 eine fünfjährige Lehre in der Buch-, Kunst- und Landkartenhandlung von Carl Christian Jügel, die seine Interessen auf kartografische Darstellungen lenkte. Jügel förderte die Fortbildung R.s in Mathematik, Sprachen und Zeichnen sowie als Geometer. 1827 erste kartografische Arbeit „Der Rheinlauf von Mainz bis Köln“. Weitere Ausbildung in Mainz und viermonatige Wanderschaft durch Deutschland zur Vervollständigung der Kenntnisse im Steindruckverfahren und Landkartenstich. Eintritt in den Fürstlich Thurn und Taxis’schen Postdienst, wo R. im „Coursbureau“ hauptsächlich mit Wegevermessungen, Höhenbestimmungen und Straßenprofilen für den Postkutschenverkehr beschäftigt war (1831-51). Daneben verlegerische und geometrische Tätigkeit für einen eigenen, 1830 gegründeten Verlag unter der Firma „Geographisches Institut von August R.“, der sich mit Schulkarten, geprägten Reliefs der Rheinlande sowie topografisch genauen Karten Fft.s (1830) einen Namen machte. R.s kartografische Tätigkeit, die immer von eigenen topografischen Aufnahmen im Gelände ausging, wurde zum Teil von den städtischen Behörden unterstützt und trat an die Stelle amtlicher Aufnahmen. Die 1833/51 erschienenen Umgebungskarten im Maßstab 1 : 75.000 bzw. 1 : 100.000 geben die zersplitterten Territorialverhältnisse des Ffter Raums wieder. Als Zielgruppe hatte R. Ausflügler, Handelsreisende und das Militär im Auge. Für den 1853 bis 1860 entstandenen „Ffter Alignementsplan“, den R. auch als Basis für Stadterweiterung und -kanalisation verstand, wurden erstmals sämtliche Straßen, Plätze und öffentliche Gebäude exakt vermessen und mit den Namen herausgehobener Häuser verzeichnet. 1858 Erneuerung der topografischen Gebirgsdarstellung durch Einführung der Höhenschichtkarte gemeinsam mit K. F. Gauß und A. Papen.
R. verhalf in Ffm. auch der Jahn’schen Turnbewegung zum Durchbruch. Er rief 1833 den ersten Privatturnverein ins Leben, aus dem nach einer von ihm geführten publizistischen Kampagne der erste Ffter öffentliche Turnplatz am Junghof hervorging. Die Einrichtung, die von Schülern kostenfrei genutzt werden durfte, wurde vom Senat subventioniert. Steigender Zuspruch führte 1841 zur Verlegung ans Klapperfeld, 1846 an den Breiten Wall. 1845 wurde R., auf dessen Initiative 1839 in Ffm. öffentliche Turnwettkämpfe eingeführt wurden, hauptamtlicher Leiter der Einrichtung. Er wirkte ferner als Turnschriftsteller im national-ethischen Sinne („Die deutsche Turnkunst in ihrer sittlichen Richtung als Beförderin edler Gesinnungen und vaterländischer Tugenden“, 1841; „Die Turnkunst in ihrer geschichtlichen Entwicklung in Ffm.“, 1843). 1848 nahm er in einem „Turnerischen Glaubensbekenntnis“ gegen die Verquickung von Turnbewegung und Tagespolitik Stellung, doch die Nachwehen der Revolution und die Einführung des Schulturnens führten zum Niedergang des R.’schen Turnplatzes, zur Auflösung seines „Vereins für körperliche Erziehung der Jugend“ (1845-57) und 1862 zur Schließung der ab 1857 von R. privat weitergeführten Anlage. R., der die Turnjugend immer wieder in „Entbehrungsmärschen“ in die Ffter Umgebung führte und 1844 die Feldbergspiele mitbegründet hatte, verband weiterhin körperliche Ertüchtigung mit der Erkundung der Ffter Umgebung. Er zählte zu den Mitbegründern des Taunusklubs („Bund der Feldbergläufer“) und wurde, indem er dessen Wegenetz zur Basis seiner ersten Main-Taunus-Wanderkarte 1870 machte, als „Taunusvater“ zum Mitbegründer der Mittelgebirgs-Touristik.
Stifter der Ffter Volksbibliothek (1843), des „Ffter Vereins für Geographie und Statistik“ (mit Eduard Rüppell, 1836), des „Vereins zur Förderung des öffentlichen Verkehrslebens“ und des „Vereins zur Förderung baulicher Interessen“. Vorsitzender der „Ffter freireligiösen Gemeinde“ und der „Freireligiösen Stiftung zu Ffm. und Offenbach“.
Gedenktafel am Feldbergturm.
R.straße im Nordend. R.-Zentrum, Vereinsgebäude des Ffter Turnvereins 1860, in der Pfingstweidstraße 7 im Ostend; dort Gedenktafel (2003).

Literatur:
                        
Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde [zu] Bad Homburg vor der Höhe. Bisher 67 Hefte. Bad Homburg v. d. H. 1877-2018.Maier, Gregor: Der Feldberg als Erinnerungsort. In: Mitt. d. Vereins f. Geschichte u. Landeskunde Bad Homburg 63 (2014), S. 49-67, hier S. 62f.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/606. | Presse- und Informationsamt (PIA) der Stadt Ffm. (Hg.): Pressedienste (Tages- und Wochendienst), später Service PRESSE.INFO.Hock, Sabine: Der Ffter Turnvater August Ravenstein gründete den ersten Ffter Turnverein. In: PIA, Service PRESSE.INFO, Feature vom 19.5.2009.

Ravenstein, Hans

Ravenstein, Anton Simon Hans. Kartograf und Verleger. * 29.3.1866 Hildburghausen, Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 16.4.1934 Ffm.
Sohn des Kartografen Ludwig R. (1838-1915). Enkel von Friedrich August R.
Besuch des Wöhler-Realgymnasiums. Ab 1884 kartografische Ausbildung in den Verlagen des Onkels Hans-Georg R. (1834-1913) in London und des Vaters Ludwig R. in Ffm., mit dem er ab 1880 ein Kartenwerk der Ostalpen herausbrachte. 1888 erste Radfahrkarte für den Ffter Raum. 1899 Verlagsteilhaber.
Alpinist, Turner und Automobilist. 1904 Mitbegründer des ADAC.
Veröffentlichung der ersten deutschen Straßenkarten für Auto-, Motorrad- und Radfahrer, denen er eigene Tourenerfahrungen zugrundelegte und die er zu „offiziellen“ Karten der Radfahr- und Automobilklubs machte.

Ravenstein, Simon

Ravenstein, Johann Andreas Simon. Architekt. * 28.7.1844 Ffm., Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 12.5.1932 Baden-Baden.
Sohn von Friedrich August R.
Bauten in Ffm.: Wohn- und Geschäftshäuser Bavaria (Café Bauer) am Schillerplatz (1884) und „Zum Kaiser Karl“ („Fratzeneck“) an der Ecke Zeil/Große Eschersheimer Gasse (1882/84) sowie das R.’sche Verlagsgebäude in der Wielandstraße 31 (1881) u. a.
Soziales Engagement zugunsten der AG für kleine Wohnungen (der Nachfolgegesellschaft des vom Vater gegründeten „Vereins zur Förderung baulicher Interessen“) sowie zugunsten des „Asyls für Obdachlose“, der Nervenheilanstalt Idstein und der Lungenheilanstalt Ruppertshain. Mäzen und Freund der Maler Hans Thoma, Wilhelm Steinhausen und Wilhelm Trübner.
Der Sohn Ernst R. (1891-1953) arbeitete zunächst im Büro des Vaters und absolvierte später eine kartolithografische Ausbildung im Verlag des Onkels Hans R. Dort avancierte er 1922 zum kaufmännischen Leiter. Er erkannte die Nachfrage nach Büro- und Verkehrskarten, wandelte den Verlag aus Expansionsgründen vorübergehend in eine AG um (1925-35) und stellte R.-Karten der Industrie als Image-Werbung zur Verfügung.

Literatur:
                        
Timpe, Stefan: Denkmalpflege in Ffm. Jahresrückblicke des Denkmalamtes der Stadt Ffm. Sanierungs- und Restaurierungsprojekte 2008/09 bis 2014-16. Bisher 4 Bde. Ffm. 2014-17. (Beiträge zum Denkmalschutz in Ffm.).Über das von Simon Ravenstein erbaute Wohnhaus Mittelweg 21 (1885): Denkmalpflege in Ffm. 1 (2008-09), S. 70-73.

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Empfohlene Zitierweise: Picard, Tobias: Ravenstein, Familie. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/838
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Stand des Artikels: 18.4.1995