Thiersch, Friedrich (von)

Erbauer der Festhalle (1906-09).

Thiersch, Friedrich (seit 1897: Ritter von). Geheimer Hofrat. Prof. Dr. phil. h. c. Architekt. Maler. * 18.4.1852 Marburg/Lahn, † 22.12.1921 München.
T., einer der prominentesten Architekten des Späthistorismus, verbrachte wichtige Lehrjahre in Ffm. Nach dem Besuch des Stuttgarter Polytechnikums trat er 1874 in das Ffter Architektenbüro Mylius & Bluntschli ein und wurde sogleich an der Ausführung des Hotels „Ffter Hof“ beteiligt. In Ffm. knüpfte er Kontakte zu anderen Architekten (Paul Wallot, Hermann Ritter) und potentiellen Bauherrn, darunter Philipp Holzmann. 1877 brach T. zu einer ausgedehnten Studienreise nach Italien, Griechenland und England auf. Nach Ffm. zurückgekehrt, führte er 1879 die ornamentalen und figürlichen Malereien des im Bau befindlichen neuen Opernhauses aus, wobei seine hervorragenden Fähigkeiten als Dekorationsmaler zur Geltung kamen. Auch gestaltete er den Festsaal des Gesellschaftshauses im Palmengarten (1879; völlig umgestaltet durch Ludwig Neher, 1898; Original einer Türeinfassung als Gestaltungsbeispiel von T. bei der Restaurierung des Saals freigelegt und erhalten, 2009-12) und entwarf die Friese für die Villa des befreundeten Bauunternehmers Philipp Holzmann. Im Oktober 1879 wurde T. als außerordentlicher Professor an die Königliche Technische Hochschule nach München berufen, wo er seitdem lebte und wirkte.
Spätere Bauten u. a.: Rheinbrücke (heute: Theodor-Heuss-Brücke) in Mainz (mit Bernhard Bilfinger, 1882-85; gesprengt 1945, wiedererrichtet 1948-50), Justizpalast in München (1887-97) und Kurhaus Wiesbaden (1905-07). Auch beteiligte er sich an dem Wettbewerb für das Empfangsgebäude des Ffter Hauptbahnhofs (1880). Sein umfangreichstes, allerdings nicht in allen Teilen realisiertes Bauprojekt führte T. wiederum in Ffm. aus. Als einen der größten zeitgenössischen Hallenbauten errichtete er von 1906 bis 1909 die Festhalle auf dem Ffter Messegelände. In der 11.000 Personen fassenden Halle mit ihrer gewaltigen, stählernen Dachkonstruktion überwiegt schon deutlich die funktionale Gestaltung gegenüber der historisierenden Ausstaffierung. Der ursprünglich geplante „Musikflügel“ mit weiteren Konzertsälen sowie ein Turm an der Nordostecke der Halle wurden nicht ausgeführt. Die im Zweiten Weltkrieg ausgebrannte Festhalle wurde 1949/50 leicht vereinfacht wiederhergestellt und im Zuge einer Sanierung von 2004 bis 2007 denkmalgerecht rekonstruiert.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 469f., verfasst von: Reinhard Frost.
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Lexika: Dessoff, Albert: Kunst und Künstler in Ffm. im 19. Jahrhundert. 2. Bd.: Biographisches Lexikon der Ffter Künstler im 19. Jahrhundert. Ffm. 1909.Dessoff, S. 154f. | Renkhoff, Otto: Nassauische Biographie. Kurzbiographien aus 13 Jahrhunderten. Wiesbaden 1985, 2., überarb. Aufl. 1992. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau XXXIX).NB 1985, S. 398, Nr. 2287; 1992, S. 808, Nr. 4418. | Neue Deutsche Biographie. Hg. v. d. Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bisher 27 Bde. (bis Wettiner). Berlin 1953-2020.Sibylle Appuhn-Radtke/Paul Thiersch in: NDB 26 (2016), S. 138-140. | Thieme, Ulrich/Becker, Felix: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. 37 Bde. Leipzig 1907-50.Thieme/Becker 33 (1939), S. 35f. | Zeller, Thomas: Die Architekten und ihre Bautätigkeit in Ffm. in der Zeit von 1870 bis 1950. Ffm. 2004. (Beiträge zum Denkmalschutz in Ffm. 14).Zeller, S. 371.
Literatur:
                        
Alexander, Matthias: Ungebautes Fft. Die Stadt, die nicht sein sollte. Ffm. [2018].Alexander: Ungebautes Fft. 2018, S. 114-117 (über die nicht realisierten Anbauten an der Festhalle). | Bauer, Thomas: 100 Jahre unter einer Kuppel. Die Geschichte der Festhalle Fft. Ffm. 2009.Bauer: Festhalle 2009. | Börchers, Sabine: Wo Fft.s Bürger feiern. Das Gesellschaftshaus im Palmengarten. Ffm. 2012.Börchers: Gesellschaftshaus im Palmengarten 2012, S. 30-34, 156. | Timpe, Stefan: Denkmalpflege in Ffm. Jahresrückblicke des Denkmalamtes der Stadt Ffm. Sanierungs- und Restaurierungsprojekte 2008/09 bis 2014-16. Bisher 4 Bde. Ffm. 2014-17. (Beiträge zum Denkmalschutz in Ffm.).Über die von Friedrich von Thiersch erbaute Festhalle: Denkmalpflege in Ffm. 1 (2008-09), S. 36-41. | Fuchs, Johann-Georg: Friedrich von Thiersch. Ein Münchner Maler und Zeichner. Dargestellt anhand seiner Briefe und Reiseberichte. Plaidt 2012.Fuchs: Friedrich von Thiersch 2012. | Friedrich von Thiersch. Ein Münchner Architekt des Späthistorismus. 1852-1921. Aus den Beständen der Architektursammlung der Technischen Universität München. Ausstellung und Katalog: Winfried Nerdinger. München 1977. (Ausstellungskataloge der Architektursammlung der Technischen Universität und des Münchner Stadtmuseums 1).Nerdinger: Friedrich von Thiersch 1977.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/6.521.

GND: 118622005 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Thiersch, Friedrich (von). Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1470

Stand des Artikels: 25.4.1995