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Gernhardt, Robert

Gernhardt, Robert Johann Arthur. Psd.: Lützel Jeman, Paul H. Burg, Alfred Karch, Arthur Klett, Rudolf Rhein u. a. Dr. phil. h. c. Schriftsteller. Dichter. Zeichner und Maler. * 13.12.1937 Tallinn (Estland), † 30.6.2006 Ffm.
Sohn des Juristen Robert G. (1899-1945) und dessen Ehefrau Ruth Barbara, geb. Ströhm (1904-2005). Zwei Brüder: Per G. (* 1941), Maler und Zeichner; Andreas G. (* 1943). Verheiratet in erster Ehe (seit 1965) mit der Malerin und Grafikerin Almut G., geb. Ullrich (1940-1989), in zweiter Ehe (seit 1990) mit der Kunsthistorikerin und Lehrerin Almut Gehebe-G., geb. Gehebe (* 1950). Keine Kinder.
1939 Umsiedlung der Familie von Tallinn (Reval) nach Posen. 1943 Einschulung in Posen. Ab Januar 1945 Flucht der Mutter mit G. und seinen beiden Brüdern über Thüringen in die Gegend von Hannover, wo die Familie in einem Waldhaus bei (Wedemark-)Bissendorf unterkam; der Vater musste in der zur Festung erklärten Stadt Posen zurückbleiben und fiel am 1.2.1945 im Einsatz beim Volkssturm. 1945/46 Aufenthalt in einem Kinderheim in Bückeburg. Dort erste Lektüre von Buschs „Die fromme Helene“. 1946 Übersiedlung der Familie nach Hannover. Von 1947 bis zum Abitur 1956 Besuch der Oberschule (seit 1949: Felix-Klein-Oberschule) in Göttingen. Erste Reisen während der Schulzeit (Finnland, 1952; Südfrankreich und Norditalien, 1953; Dalmatien, Venedig und Verona, 1955), auf denen zahlreiche Federzeichnungen entstanden. Seit 1956 Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, ursprünglich mit dem Ziel, Kunsterzieher zu werden. Dort Schüler der Grundklasse unter Gerhard Gollwitzer (1906-1973). Kunstreisen nach Italien (mit dem Bruder Per G., 1956 und 1957) und Griechenland (1958). Seit 1958 Fortsetzung des Studiums an der Hochschule für bildende Künste in Berlin. Dort Schüler der Grafikklasse bei Wolf Hoffmann (1898-1979). Beginn der Freundschaft mit dem Kommilitonen Fritz Weigle (Psd.: F. W. Bernstein; 1938-2018), den er bereits aus Stuttgart kannte. 1960 Rückkehr zum weiteren Studium nach Stuttgart bis zum Ersten Staatsexamen in bildender Kunst und Kunstgeschichte (1961). 1961 erneuter Wechsel nach Berlin zum Studium an der Hochschule für bildende Künste und im Fach Germanistik an der Freien Universität, abgeschlossen mit dem Zweiten Staatsexamen in Germanistik (1964).
Bereits während seiner letzten Studienjahre in Berlin hatte G. unter dem Pseudonym Lützel Jeman ab Oktober 1962 erste Beiträge in Bild und Wort für die kurz zuvor von Erich Bärmeier (1928-2015) und Hans A. Nikel (1930-2018) gegründete Satirezeitschrift „Pardon“ geliefert, deren regelmäßiger Mitarbeiter er unter verschiedenen Pseudonymen wurde. Am 1.4.1964 trat G. in die Redaktion von „Pardon“ in Ffm. ein, wo er eng mit Fritz Weigle (F. W. Bernstein) zusammenarbeitete und u. a. mit Kurt Halbritter, Chlodwig Poth, Hans Traxler (* 1929) und F. K. Waechter bekannt wurde. Zusammen mit Waechter und Bernstein erdachte G. (weiterhin als Lützel Jeman) die Doppelseite „Welt im Spiegel“ („WimS“), die in Zusammenarbeit der drei Zeichner und Texter von 1964 bis 1976 regelmäßig in „Pardon“ erschien (Sammelbände der Jahre 1964-69, erschienen 1969, und der Jahre 1964-1976, erstmals erschienen 1979). Für diese Seite erfand, zeichnete und betextete G. auch den monatlichen Comicstrip über das Nilpferd „Schnuffi“ (1964-76; Buchausgaben: „Jetzt spreche ich! Schnuffis intime Bekenntnisse“, 1968; „Schnuffis größte Abenteuer“, 1974; „Schnuffis sämtliche Abenteuer“, Gesamtausgabe mit 136 Bildergeschichten, 1986). Zum Jahresende 1965 schied G. als fester Redakteur bei „Pardon“ aus.
Ab 1966 lebte G. als freier Maler, Zeichner und Schriftsteller in Ffm. Das Pseudonym Lützel Jeman, unter dem er in „Pardon“ hauptsächlich aufgetreten war und auch erste Bücher (vor allem „Die Wahrheit über Arnold Hau“, zusammen mit F. W. Bernstein und F. K. Waechter, 1966) veröffentlicht hatte, legte er 1971 ab, um künftig unter seinem Geburtsnamen zu publizieren. Der in Wort und Bild äußerst produktive Autor brachte zahlreiche Bücher heraus, lieferte Beiträge für Zeitungen, Zeitschriften (zunächst auch weiterhin für „Pardon“) und Bücher, schrieb für Hörfunk, Film und Fernsehen. Ab 1973 lebte und arbeitete G. für mehrere Monate im Jahr in der Toskana, in einem alten Bauernhaus in Montaio, das er zusammen mit Freunden (u. a. Hans Traxler) 1972 erworben hatte und ab 1973 selbst instand setzte. Erste Ausstellungsbeteiligungen als Maler und Zeichner in Ffm., u. a. im Foyer des Hessischen Rundfunks auf Einladung der Marielies-Hess-Stiftung (1972) und an den Ausstellungen von Ffter Künstlern beim Kunstverein im Steinernen Haus (1973, 1975). Erste Einzelausstellungen mit Bildern und Zeichnungen 1974 in Berlin in der Galerie Anselm Dreher und 1977 in Ffm. in der Galerie Herbert Meyer-Ellinger. Erste literarische Buchveröffentlichungen: „Besternte Ernte. Gedichte aus fünfzehn Jahren“ (mit F. W. Bernstein, 1976) und „Die Blusen des Böhmen. Geschichten, Bilder, Geschichten in Bildern und Bilder aus der Geschichte“ (1977). Seit 1978 eigene Kolumne „Hier spricht der Dichter“ im „Zeitmagazin“ (Sammelband mit 120 Bildgedichten, erschienen 1985).
Zudem arbeitete G. in verschiedenen Autorenteams mit: seit 1968 in der „Hau-Coop“ mit F. K. Waechter, Arend Agthe (* 1949) und Bernd Eilert (* 1949), vor allem für Filmprojekte (u. a. „Die Hau Schau“, Fernsehfilm, ES: ZDF, 25.3.1975, mit Alfred Edel als Hau, und „Das Casanova-Projekt“, Kinofilm, UA: Berlin, 15.2.1981, mit Alfred Edel als Herr Edel); seit 1971 mit Peter Knorr (* 1939) für den Hessischen Rundfunk, zunächst mit komischen und satirischen Szenen und Sketchen für die Radiosendungen „Funk für Fans“ und „Die letzte Frequenz“, bald auch mit eigenen Sendungen (u. a. „Dr. Seltsams Sonntags-Sortiment, oder Hörrohr klar zum Gefecht – eine aktuelle Merkwürdigkeitenschau“, Hörfunkserie, ab Dezember 1971); seit 1973 in der „GEK-Gruppe“ (Autorengruppe Gernhardt-Eilert-Knorr) mit Bernd Eilert und Peter Knorr für Radio und Fernsehen, vor allem für den Hessischen Rundfunk, sowie als Autoren für den Komiker Otto Waalkes (* 1948). Die Zusammenarbeit mit Waalkes hatte 1973 begonnen, nachdem „Otto“ für seine Bühnenprogramme und seine erste Platte mindestens ein Gedicht (nämlich das „Gebet“) von G. aus der „Welt im Spiegel“ in „Pardon“ in Unkenntnis der Verfasserschaft genutzt und wohl G. daraufhin den Kontakt zu ihm aufgenommen hatte. Die Autorengruppe G.-Eilert-Knorr schrieb seitdem Bühnen- und Fernsehprogramme für Otto Waalkes, gab dessen Bücher mit heraus (u. a. „Das Buch Otto“, 1980; „Das zweite Buch Otto“, 1984; „Das Buch Otto des Friesen“, 2002), verfasste die Drehbücher für vier Spielfilme (1985-92) und eine 13-teilige Fernsehserie (Comedy unter Montage mit alten Edgar-Wallace-Spielfilmen, ES: RTL, 1995) von und mit Otto Waalkes. Zusammen mit seiner Frau Almut G. veröffentlichte G. zwischen 1975 und 1985 sechs Kinderbücher.
1979 gründete G. zusammen mit Peter Knorr, Chlodwig Poth, Hans Traxler, F. K. Waechter und dem Verleger Gerhard Sondermann (* 1942) das monatlich erscheinende Satiremagazin „Titanic“ mit Redaktionssitz in Ffm. Als dessen freier Mitarbeiter lieferte G. regelmäßig u. a. die Cartoonseiten „Gernhardts Erzählungen“ (Buchausgabe mit 120 Bildgeschichten, 1983), die später von der monatlichen Reihe „Mit Gernhardt durchs Jahr“ abgelöst wurden. Außerdem betreute er unter dem kollektiven Pseudonym Hans Mentz zusammen mit Bernd Eilert und Eckhard Henscheid (* 1941) die Rubrik „Humorkritik“ in der „Titanic“ (Sammelband seiner Beiträge: „Was gibt’s denn da zu lachen? Kritik der Komiker, Kritik der Kritiker, Kritik der Komik“, 1988). Eine Ausstellung von G., F. K. Waechter und Hans Traxler 1981 in der Galerie Bartsch & Chariau in München lief unter dem Titel „Die neue Frankfurter Schule“, der seitdem zum Begriff für die informelle Gruppe von Vertretern der komischen Kunst wurde, die seit den 1960er Jahren aus dem Umfeld der Satirezeitschrift „Pardon“ hervorgegangen war. G. zählt heute zu den Gründern und führenden Köpfen der Neuen Ffter Schule, von der er selbst allerdings sagte, dass sie „vor allem ein Bluff“ sei, der sich wegen der „beklagenswerten Definitionsgeilheit“ der Medien „so schnell und so schlagend durchgesetzt“ habe. (Zit. nach Schmitt: Die schärfsten Kritiker der Elche 2001, S. 18.) Es sei bei der Neuen Ffter Schule „nicht so recht auszumachen“, so führte er einmal weiter aus, „was an ihr neu, frankfurterisch oder gar Schule sein“ solle. [Zit. nach Hahn (Hg.): Literatur in Fft. 1987, S. 219.] Die (nachträgliche) Einordnung und künftige Wahrnehmung der Künstlergruppe als Neue Ffter Schule trug jedoch wesentlich zur Anerkennung der komischen Kunst und zur Etablierung von Ffm. als deren „Hauptstadt“ bei.
Neben der zeitbezogenen und oft auch termingebundenen Arbeit als Satiriker trat G. seit den 1980er Jahren zunehmend mit literarischen Veröffentlichungen (Gedichten, Erzählungen, Essays), weiterhin oft verbunden mit wesentlichen malerischen und zeichnerischen Elementen (etwa in Bildgedichten oder Bildergeschichten), sowie mit kunst- und literaturtheoretischen Schriften hervor. Spätestens seit den 1990er Jahren galt er bei der Literaturkritik als einer der wichtigsten zeitgenössischen deutschen Lyriker, wobei er selbst in seinem Schaffen stets auf verschiedene künstlerische (literarisch und bildnerisch gestaltende) Sparten und Genres ausgerichtet blieb. Seine Bekanntheit beim Publikum steigerte der vielseitige Autor und Sprachvirtuose durch zahlreiche Lesungen, seit 1996 auch als Hörbücher auf CD und MC. Durch seine Auftritte mit Lesungen und anderen Kulturveranstaltungen (etwa im Literaturhaus Fft., 1991-2005, sowie in der Alten Oper, im Club Voltaire, bei der Ffter Bürgerstiftung im Holzhausenschlössen, im Goethehaus, beim Hessischen Rundfunk, im Künstlerhaus Mousonturm, in der Romanfabrik u. a., oft in musikalischer Begleitung von Anne Bärenz und Frank Wolff) war G. auch in der kulturellen Öffentlichkeit in Ffm. stark präsent.
1986 Kolumne „Deutsche Leser“ in der Literaturbeilage der „Zeit“. 1986 dreimonatiger Aufenthalt in Rom. 1987 Reise nach Indonesien. Von 1989 bis mindestens 2003 Beiträge (Interpretationen von Gedichten ausgewählter Autoren von Goethe bis Brecht und Kästner) in unregelmäßiger Folge für die von Marcel Reich-Ranicki herausgegebene „Ffter Anthologie“ der FAZ. Ab Oktober 1992 Veröffentlichung der „Sudelblätter“, einer Serie von Zeichnungen zu Sudelsprüchen von Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), im FAZ-Magazin (Buchausgabe: „Unsere Erde ist vielleicht ein Weibchen“, 99 Sudelblätter zu 99 Sudelsprüchen von Georg Christoph Lichtenberg, 1999). 1993 Ausstellung „Hier spricht der Künstler“ im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover. Im Sommer 1996 Herzoperation mit Klinikaufenthalt in Bad Nauheim und Rehabilitation in Oberbayern (vgl. „Herz in Not. Tagebuch eines Eingriffs in einhundert Eintragungen“, Gedichtzyklus, erstmals in: „Lichte Gedichte“, 1997, als gesonderte Buchausgabe 1998; ausgezeichnet mit dem Preis der LiteraTour Nord 1997). Am 1.9.1996 Einzug der Hündin Bella als „Bewegungstherapeutin“ bei dem Ehepaar G. 1999 Ausstellung mit Werken zu Lichtenberg von G. und von Horst Janssen (1929-1995) im Göttinger Rathaus. 1999 zehnmonatiger Berlinaufenthalt in Berlin als Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin. Um 2000/01 Kolumne „Zu schlechter Letzt“ in der Ffter Allgemeinen Sonntagszeitung. Im Sommersemester 2001 Gastdozentur für Poetik an der Ffter Universität mit Vorlesungen zum Thema „Was das Gedicht alles kann: Alles“, begleitet von einer Ausstellung zu Leben und Werk in der Stadt- und Universitätsbibliothek. 2001 Konkurs des Haffmans Verlags in Zürich, dessen Autor G. seit 1982 war, und 2002 Wechsel zum S. Fischer Verlag in Ffm. Am 17.1.2002 Ansprache beim Neujahrsempfang der Stadt Ffm. im Kaisersaal des Römers. 2004 Ausstellung „Robert Gernhardt: Sudelblätter. Cartoons zu Georg Christoph Lichtenberg“ im Ffter Goethe-Museum. Am 28.4.2004 Vortrag „Leben im Labor – Über einige Erfahrungen beim Verfassen von Gedichten“ im „Philosophischen Kolloquium: Kritische Theorie“ in Kooperation mit der Caricatura im HMF. Im Januar/Februar 2006 Heinrich-Heine-Gastprofessur mit fünf Vorlesungen unter dem Titel „Leiden, Lieben, Lachen – Eine Führung durch das Haus der Poesie“ (in Anlehnung an die Ffter Poetikvorlesungen) an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Im Mai 2006 Aufenthalt als Gastautor (writer-in-residence) an der University of Warwick in England.
Schöpfer des Ffter „Grüngürteltiers“, das er nach eigener Aussage erstmals 2001 oder vielleicht auch erst am 1.4.2002 auf der Wörthspitze in Nied gesehen und gezeichnet haben will. G. schenkte die Figur (mit allen Nutzungsrechten) als Wahrzeichen des Ffter Grüngürtels zu dessen zehnjährigem Bestehen 2001 der Stadt Ffm. Das Grüngürteltier, laut seinem Entdecker eine Mischung „aus Wutz, Molch und Star“ (mit dem fiktiven zoologischen Namen Dasipus franconia), wirbt seitdem für den Grüngürtel und für den Erhalt der Naherholungsgebiete. Zum Dank an G. wurden 2002 auf der Wörthspitze (als Ausgangspunkt des Grüngürtels) drei „Gernhardt-Eschen“ gepflanzt und eine Stele mit einer Zeichnung des Grüngürteltiers aufgestellt; deren Einweihung in Anwesenheit des Künstlers am 30.7.2002 wurde musikalisch begleitet von dem Cellisten Frank Wolff (* 1945) mit der Uraufführung seiner „Fantasie über das Grüngürteltier mit Rondo“. Die Aktion regte das von G. geförderte Projekt „Komische Kunst im Ffter Grüngürtel“ an. In dieser Reihe enthüllte G. am 1.5.2006 das von ihm geschaffene Denkmal des Grüngürteltiers in Bronze auf der (später nach G. benannten) Niddabrücke am Alten Flugplatz in Bonames; ein Exemplar der dreifach gegossenen Bronzeplastik wurde als Dauerleihgabe an das HMF gegeben. Nach G.s Tod 2006 übernahm Philip Waechter (* 1968) als offizieller Zeichner die Betreuung des Grüngürteltiers.
G. litt seit 2002 an einer Krebserkrankung (vgl. „Die K-Gedichte“, 2004), der er am 30.6.2006 erlag. Die Trauerfeier mit hunderten Gästen fand am 6.7.2006 in der Trauerhalle des Ffter Hauptfriedhofs statt. Auf letzten Wunsch des Verstorbenen hielten Bernd Eilert, Fritz Weigle (F. W. Bernstein) und Peter Knorr die Trauerreden; für die Stadt Ffm. sprach Oberbürgermeisterin Petra Roth. Am 12.12.2006 gestalteten Weggefährten und Weggefährtinnen (wie Eva Demski, Bernd Eilert, Thomas Gsella, Steffen Jacobs, Peter Knorr und Oliver Maria Schmitt) einen Gedenkabend „Letzte Ölung. Robert Gernhardt in memoriam“ (in Anspielung an einen Buchtitel von G. aus dem Jahr 1984) im Hessischen Literaturforum im Mousonturm. Der 29. Band der „Ffter Anthologie“ in Buchausgabe 2006 war G. gewidmet.
Mitglied des Deutschen Künstlerbunds. Mitbegründer (1979) und Miteigentümer der „autorenbuchhandlung marx & co“ in Ffm.
Weitere Buchveröffentlichungen (in Auswahl): „Die Wahrheit über die Kunst. Eine längst fällige Entlarvung“ (als Hg. unter dem Pseudonym Lützel Jeman, 1965), „Code d’amour. 23 Handzeichnungen der Liebe“ (unter dem Pseudonym Lützel Jeman, 1967), „Dein sei mein Herz. Und wenn du lieb bist, kriegst du auch die Nieren“ (unter dem Pseudonym A. Karch, zusammen mit B. Geiger [d. i. F. K. Waechter], 1967), „Führerschein ohne Pein“ (unter dem Pseudonym Lützel Jeman, zusammen mit F. K. Waechter, 1971), „Die Madagaskar-Reise. Ein Bericht“ (fiktiver Reisebericht, 1980), „Wörtersee“ (Gedichte und Bildergeschichten, 1981), „Ich Ich Ich“ (Roman, 1982), „Glück Glanz Ruhm. Erzählung Betrachtung Bericht“ (1983), „Letzte Ölung. Ausgesuchte Satiren 1962-1984“ (1984), „Was bleibt. Gedanken zur deutschsprachigen Literatur unserer Zeit“ (1985), „Die Toscana-Therapie“ (Schauspiel, 1986; UA: Stadttheater Aachen, 7.3.1987; Ffter EA: Fritz-Rémond-Theater im Zoo, 21.4.1987), „Kippfigur“ (Erzählungen, 1986), „Es gibt kein richtiges Leben im valschen. Humoresken aus unseren Kreisen“ (1987), „Körper in Cafés“ (Gedichte, 1987), „Innen und außen. Bilder. Zeichnungen. Über Malerei“ (Dokumentation und Kommentar zum malerischen und zeichnerischen Werk, 1988), „Reim und Zeit“ (Gedichte, 1990, sechs erw. Neuausgaben 1996-2014), „Gedanken zum Gedicht“ (Aufsätze, 1990), „Lug und Trug“ (Erzählungen, 1991), „Weiche Ziele. Gedichte 1984-1994“ (1994), „Prosamen“ (1995), „Wege zum Ruhm. 13 Hilfestellungen für junge Künstler und 1 Warnung“ (1995), „Hier spricht der Zeichner“ (1996), „Vom Schönen, Guten, Baren“ (Sammelband mit Bildergeschichten und Bildgedichten, 1997), „Lichte Gedichte“ (1997), „Septemberbuch“ (mit 20 Zeichnungen zu zehn Gedichten, 1997), „Klappaltar“ (Hommage in drei Gedichtzyklen an Brecht, Heine und Goethe, 1998), „Erna, der Baum nadelt. Ein botanisches Drama am Heiligen Abend“ (mit Bernd Eilert und Peter Knorr, Illustrationen von Volker Kriegel, 1998), „Bertolt Biber“ (Bilderbuch mit Illustrationen von Sarah Robin-Zimmermann, 1998), „Gedichte 1954-1997“ (1999), „Der letzte Zeichner. Aufsätze zu Kunst und Karikatur“ (1999), „In gemeinsamer Sache. Gedichte über Liebe und Tod, Natur und Kunst“ (mit Peter Rühmkorf, 2000), „In Zungen reden. Stimmenimitationen von Gott bis Jandl“ (2000), „Die Reise nach Amerika“ (Bilderbuch mit Illustrationen von Philip Waechter, 2000), „Berliner Zehner. Hauptstadtgedichte“ (2001), „Im Glück und anderswo“ (Gedichte, 2002), „Meer von Robert Gernhardt“ (2002) sowie die posthum erschienenen Bände „Später Spagat“ (Gedichte, 2006), „Denken wir uns“ (Erzählungen, 2007) und „Gesammelte Gedichte 1954-2006“ (Gesamtausgabe, 2008).
Kinderbücher mit Texten von Robert G. und Bildern von Almut G.: „Ich höre was, was du nicht siehst“ (1975), „Mit dir sind wir vier“ (1976), „Was für ein Tag“ (1978), „Ein gutes Schwein bleibt nicht allein“ (1980), „Der Weg durch die Wand“ (1982; ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 1983) und „Feder Franz sucht Feder Frieda“ (1985).
Herausgabearbeiten: „Halbritters Buch der Entdeckungen“ (Zeichnungen aus dem Nachlass von Kurt Halbritter mit Texten von G., 1980), Auswahlbände mit Werken von Georg Christoph Lichtenberg („Krokodile im Stadtgraben. Sudelsprüche und Schmierbuchnotizen“ in Auswahl und mit Zeichnungen von G., 1998), Peter Rühmkorf („Lethe mit Schuß“, 1998) und Wilhelm Busch („Da grunzte das Schwein, die Englein sangen“, 2000) sowie „Hell und schnell. 555 komische Gedichte aus 5 Jahrhunderten“ (mit Klaus Cäsar Zehrer, 2004) u. a. Illustrationen zu Werken von Thomas Mann, Joachim Ringelnatz, Eckhard Henscheid u. a.
Weitere Arbeiten für den Hörfunk: „Dr. Seltsams Radio-ABC“ (Serie, zusammen mit Bernd Eilert und Peter Knorr, HR, 23 Folgen, ab 1974), „Südpolmädel“ (Radiomusical, Text von der GEK-Gruppe [d. s. G., Eilert und Knorr], Musik von Frank Duval, HR, 1974), „H-E-L-P. Ein satirisches Aushilfsmagazin“ (Nonsensserie, zusammen mit Peter Knorr, HR, 26 Folgen, um 1974/75) u. a.
Weitere Arbeiten für das Fernsehen: „Doktor Muffels Telebrause“ (Comedyserie, HR, acht Folgen, zusammen mit Peter Knorr, 1975, und ARD, drei Zusammenschnitte und zwei neue Folgen, zusammen mit Peter Knorr und Bernd Eilert, 1978), „Ein Dichtertreffen oder Besuch der alten Schachtel“ (Ein neuer Film zu alten Bildern, montiert aus Material der Familienserie „Der Forellenhof“, zusammen mit Peter Knorr und Bernd Eilert, SWF/HR, 1983) u. a.
Weitere Publikationen aus dem Nachlass (in Auswahl): „Was das Gedicht alles kann: Alles. Texte zur Poetik“ (hg. v. Lutz Hagestedt u. Johannes Möller, 2010), „Toscana mia“ mit Texten und Zeichnungen aus den „Brunnen-Heften“ (hg. v. Kristina Maidt-Zinke, 2011), „Hinter der Kurve. Reisen 1978-2005“ mit Texten und Zeichnungen aus den „Brunnen-Heften“ (hg. v. Kristina Maidt-Zinke, 2012), „Wenn schöne Frauen morgens sich erheben“ (Lesebuch mit Bildern von Rudi Hurzlmeier, hg. v. Johannes Möller, 2012), „Der kleine Gernhardt. Was war, was bleibt von A bis Z“ mit Texten aus den „Brunnen-Heften“ (hg. v. Andrea Stoll, 2017).
Ölgemälde (ohne Titel, 1973) im Besitz der Kunstsammlung des Kulturamts der Stadt Ffm.
Zahlreiche weitere Preise und Auszeichnungen, u. a. Deutscher Kritikerpreis für Literatur (1987), Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor (1991), Stadtschreiber von Bergen (1991/92), Richard-Schönfeld-Preis für literarische Satire (Laudator: Matthias Beltz, 1996), Bert-Brecht-Preis der Stadt Augsburg (1998), Göttinger Elch (1999), Erich Kästner Preis für Literatur der Erich Kästner Gesellschaft (1999), Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität Fribourg (Schweiz; 2001), Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen (2001), Poet in Residence der Universität-Gesamthochschule Essen (2001/02), e.o.plauen Preis der Stadt Plauen (2002), Rheingau Literatur Preis (2002), Stoltze-Preis der „Freunde Fft.s“ (2002), Deutscher Kleinkunstpreis in der Kategorie Kleinkunst (2003), Binding-Kulturpreis (zusammen mit F. W. Bernstein, Bernd Eilert, Peter Knorr, Chlodwig Poth, Hans Traxler und F. K. Waechter als Hauptvertretern der Neuen Ffter Schule, 2003), Heine-Preis der Landeshauptstadt Düsseldorf (2004), Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik der Stadt Cuxhaven (2004) und Wilhelm-Busch-Preis (2006 posthum).
Grabstätte auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gewann A 1103).
Literarischer Nachlass (Manuskripte, Tagebücher, „Brunnen-Hefte“ [d. s. rd. 1.200 Schreibhefte mit Notizen und Skizzen], Korrespondenzen u. a.) im Deutschen Literaturarchiv in Marbach. Teilnachlass, insbesondere das zeichnerische Werk, im Caricatura Museum in Ffm.
Am 13.9.2007 Gedenkveranstaltung „Letzte Ölung – Der große Robert-Gernhardt-Abend“ (mit F. W. Bernstein, Bernd Eilert, Peter Knorr und Otto Waalkes sowie Roger Willemsen als Moderator und dem Neuen Ffter Schulorchester zur musikalischen Begleitung) im Mozartsaal in der Alten Oper. Zum 70. Geburtstag 2007/08 Ausstellung „Robert Gernhardt. Die letzten Bilder“ der Caricatura im HMF und anschließend (2008) im Literaturhaus München. 2008 Ausstellung „Kippfiguren. Robert Gernhardts Brunnen-Hefte“ im Literaturhaus Fft. (als Übernahme der Ausstellung des Deutschen Literaturarchivs Marbach von 2007/08). 2010 Ausstellung „‚Was für ein Tag‘. Gemälde und Texte von Almut und Robert Gernhardt“ der Ffter Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen. Zum 75. Geburtstag 2012 Erinnerungsabend mit Lesung „Hinter der Kurve“ (mit Dietmar Bär, Jörg Bong, Kristina Maidt-Zinke, Andreas Platthaus und Dirk Schümer) im Literaturhaus Fft. in Kooperation mit dem S. Fischer Verlag. Zum 80. Geburtstag 2017 Veranstaltung eines „Abends für Robert Gernhardt“ mit einer Lesung aus „Der kleine Gernhardt“ (mit Eva Demski, Peter Lerchbaumer, Andreas Platthaus u. a.) im Literaturhaus Fft. in Kooperation mit dem S. Fischer Verlag. Zum 80. Geburtstag 2017/18 Sonderausstellung „Robert Gernhardt“ im Caricatura Museum Fft. Anlässlich des 175. Jubiläums des Paulskirchenparlaments 2023 Ausstellung „Robert Gernhardt und das Ffter Karikaturenfieber von 1848/49“ im Caricatura Museum Fft.
In der früheren Dauerausstellung des 2008 eröffneten Caricatura Museums Fft. war G. eines der fünf Kabinette für „Die Zeichner der Neuen Ffter Schule“ gewidmet; seit 2024 gehört sein Werk zum Repertoire der wechselnden Sammlungsausstellung des Caricatura Museums.
Robert-G.-Brücke, eine Fußgängerbrücke über die Nidda zum Alten Flugplatz, in Bonames; dort die von G. selbst geschaffene Plastik des Grüngürteltiers (Bronze, 2006) in der Reihe „Komische Kunst im Ffter Grüngürtel“. Drei weitere Grüngürteltiere (ausgeführt von Andreas Rohrbach, 2011) sind im Rahmen derselben Kunstreihe auf einer Jupitersäule und als Treppentiere am Tiroler Weiher im Stadtwald zu sehen. Robert-G.-Preis (bei der ersten Verleihung 2009: Robert-G.-Förderpreis) für hessische Autoren und Autorinnen zur Vollendung eines literarischen Projekts, seit 2009 jährlich verliehen vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und gestiftet von der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (bis 2009: LTH Bank für Infrastruktur) in der Landesbank Hessen-Thüringen.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.

Lexika: Hahn, Peter (Hg.): Literatur in Fft. Ein Lexikon zum Lesen. Ffm. 1987.Hahn (Hg.): Literatur in Fft. 1987, S. 218-221. | Killy, Walther (Hg.): Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache. 14 Bde. und 1 Registerband. Gütersloh/München 1988-93. Digitale Ausgabe: Literaturlexikon. Hg. v. Walther Killy. Berlin 1998. (Digitale Bibliothek 9).Wolfgang Steuhl in: Killy 4 (1989), S. 138 (in der digitalen Ausgabe: S. 6300-6302). | Wilpert, Gero von: Deutsches Dichterlexikon. Biographisch-bibliographisches Handwörterbuch zur deutschen Literaturgeschichte. 3., erw. Aufl. Stuttgart 1988. (Kröners Taschenausgabe, Bd. 288).Wilpert: Dt. Dichterlex., S. 246.
Literatur:
                        
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Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie, Hg.: Wikimedia Foundation Inc., San Francisco/Kalifornien (USA). https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Gernhardt - https://de.wikipedia.org/wiki/Frankfurter_Grüngürteltier - https://de.wikipedia.org/wiki/GEK-Gruppe - https://de.wikipedia.org/wiki/Robert-Gernhardt-Preis - https://de.wikipedia.org/wiki/Welt_im_Spiegel -
Hinweis: Artikel über Robert Gernhardt sowie über das Ffter Grüngürteltier, über die GEK-Gruppe, über den Robert-Gernhardt-Preis und über die Kolumne „Welt im Spiegel“ in „Pardon“.
Wikipedia, 10.6.2026.


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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Gernhardt, Robert. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/3452

Stand des Artikels: 12.6.2026
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 06.2026.