Ritter, Familie

Die seit der Reformation in Ffm. nachgewiesene Pfarrersfamilie prägte während dreier Jahrhunderte das evangelische Kirchenwesen in Ffm., indem sie über sechs Generationen (1554-1742) das Predigeramt ausübte. Als Übersetzer und Kirchenhistoriker haben Vertreter der Familie R. auch auf wissenschaftlichem Gebiet Bedeutung erlangt. Ein Teil ihrer Nachkommen wurde im 19. Jahrhundert mit dem Titel „R. Freiherren von Záhony“ in den Adelsstand erhoben und lebte danach vorwiegend in Österreich.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 200f., verfasst von: Reinhard Frost.
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Literatur:
                        
Das gesegnete Gedächtniß der Gerechten in den Lebensbeschreibungen derer seit der Übergabe der Augspurgischen Confession bis Anno 1743 sich um die Evangelische Kirche in dem Fft.ischen ehrwürdigen Ministerio besonders verdient gemachten Rittern. Ffm. 1751.Das gesegnete Gedächtniß der Gerechten 1751. | Dechent, Hermann: Kirchengeschichte von Ffm. seit der Reformation. 2 Bde. Leipzig/Ffm. 1913/21.Dechent: Kirchengeschichte. | Lenz, Rudolf u. a.: Katalog der Leichenpredigten und sonstiger Trauerschriften in Bibliotheken und Archiven der Vogelsbergregion. Marburg 1987. (Marburger Personalschriften-Forschungen, Bd. 9).Zu Johann Balthasar Ritter (1607-1683): Lenz: Leichenpredigten in Bibliotheken u. Archiven d. Vogelsbergregion 1987, S. 213.

GND: 138052468 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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2 herausragende Vertreter der Familie in Ffm.

Ritter, Johann Balthasar

Ritter, Johann Balthasar (III.). Konsistorialrat. Evangelischer Prediger. Kirchenhistoriker. * 27.10.1674 Ffm., † 3.1.1743 Ffm.
Besuch des Ffter Gymnasiums. Ab 1691 Theologiestudium in Hamburg, Kiel, Leipzig und Gießen. Danach wirkte R. zunächst als Pfarrer in Nieder-Erlenbach. 1705 wurde er als Prediger nach Ffm. berufen, war von 1732 bis kurz vor seinem Tod lutherischer Konsistorialrat und stand damit am Ende der langen Tradition der R. im Predigeramt in Ffm.
Der konservative Protestant R. war einer der ersten Ffter Kirchenhistoriker von Bedeutung. 1723 gab er eine Biographie des evangelischen Theologen Matthias Flacius Illyricus heraus. 1726 veröffentlichte er den ersten Band des „Evangelischen Denkmals der Stadt Ffm.“ (über kirchengeschichtliche Ereignisse von der Reformation bis 1555). Als Quellengrundlage dienten ihm hierfür u. a. die Schriften und Urkunden aus dem Nachlass seines Vorfahren Matthias R. Als Fortsetzung über die Zeit bis 1600 lag lediglich ein Manuskript vor. Erst im 19. Jahrhundert, seit Anton Kirchner, wurden R.s Forschungen weitergeführt.

Literatur:
                        
Dechent, Hermann: Kirchengeschichte von Ffm. seit der Reformation. 2 Bde. Leipzig/Ffm. 1913/21.Dechent: Kirchengeschichte.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/7.998.

Ritter, Matthias

Ritter, Matthias (II.). Evangelischer Prediger. Theologe. Übersetzer. * 1526 (Angelbachtal-)Eichtersheim/Kraichgau, † 14.3.1588 Ffm.
Sohn von Matthias R. (I.; 1485-1536), der mit seiner Berufung zum Prediger am Heiliggeisthospital (u. a. auf Empfehlung Martin Luthers) die Tradition der R. als Ffter Pfarrersfamilie begründete.
R. wurde nach dem Tod seines Vaters von den Ffter Patriziern Philipp Fürstenberger und Justinian von Holzhausen gefördert. Letzterer ermöglichte ihm den Besuch der Ffter Lateinschule unter Jacob Micyllus und, ab 1542, der Universität Wittenberg. Dort Schüler Luthers und Melanchthons. Als Erzieher der Söhne seines Gönners Justinian von Holzhausen ging R. mit diesen 1545 zunächst nach Straßburg, wo er die Bekanntschaft mit dem Reformator Martin Bucer machte. Von 1549 bis 1551 Reisen durch ganz Frankreich. Weitere Studien an den Universitäten in Poitiers und Paris. 1552 wurde R. als Hilfsgeistlicher nach Ffm. berufen. Im April 1554 trat er in das lutherische Predigerministerium ein. Er predigte zunächst an der Katharinenkirche, später (bis zu seinem Tod) an der Barfüßerkirche.
Als entschiedener Befürworter der Reformation gehörte R., gemeinsam mit dem Prediger Hartmann Beyer, zu den Wortführern in den Auseinandersetzungen mit den Calvinisten und Zwinglianern in Ffm. Er verfasste in diesem Zusammenhang eine Reihe von Streitschriften, auch gegen die Jesuiten. 1554 übersetzte er eine von Melanchthon in Latein verfasste Luther-Biographie ins Deutsche („Vom Leben und Sterben des Ehrwürdigen Martini Lutheri“) und widmete diese Übersetzung Margaretha von Holzhausen. Die neue Ffter Kirchenordnung gab R. in deutscher und französischer Sprache heraus. Weiterhin veröffentlichte er „Sieben und zwanzig Predigten von dem Abendmahl und Testament unsers Herrn und Heilands Jesu Christi“ (1584), die anlässlich einer Pestepidemie in Ffm. 1582 entstanden waren. Eine Quellen- und Urkundensammlung aus R.s Nachlass diente seinem Nachfahren Johann Balthasar R. anderthalb Jahrhunderte später als Grundlage für dessen Kirchengeschichte.
Silberne Porträtmedaille (Vorderseite von 1578, Rückseite von 1588) im HMF. Im 17. Jahrhundert wurde diese Medaille als Vorlage für einen Kupferstich verwendet, der ebenfalls in der Graphischen Sammlung des HMF erhalten ist.
Im Predigeramt folgten Matthias R. (II.) seine Nachkommen Sebastian R. (1579-1609), Johann Balthasar R. (I.; 1607-1683), Johann Balthasar R. (II.; 1645-1719), Lucas Sebastian R. (1648-1709) und Johann Balthasar R. (III.; 1674-1743).

Literatur:
                        
Dechent, Hermann: Kirchengeschichte von Ffm. seit der Reformation. 2 Bde. Leipzig/Ffm. 1913/21.Dechent: Kirchengeschichte.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/8.836.

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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Ritter, Familie. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/897
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Stand des Artikels: 2.3.1995