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Diehl, Robert

Robert Diehl

Robert Diehl
Fotografie.
Bildquelle: Institut für Stadtgeschichte, Ffm. (Sign. S7P Nr. 2707).

© unbekannt. Der/die Fotograf/in ist auf der Bildvorlage nicht angegeben.
Diehl, Robert Ludwig Friedrich. Bibliotheksrat. Dr. phil. Bibliothekar. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.* 8.10.1891 Pirmasens, Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 15.1.1958 Bad Homburg v. d. H.
Sohn des Schuhfabrikanten Robert D. und dessen Ehefrau Amalie, geb. Kopp. Verheiratet (seit 1919) mit Dr. phil. Elisabethe Adelheide, gen. Elsbeth, D., geb. Arndt (1893-1948). Zwei Kinder: Albrecht D. (1924-1999) und Eva D. (später verh. Cahn, 1926-2015), Musikpädagogin.
D. besuchte das humanistische Gymnasium in Zweibrücken und studierte von 1910 bis 1913 Kunstgeschichte, Archäologie und Musikgeschichte an der Universität München. Von 1914 bis 1917 leistete er Kriegsdienst. 1918 setzte er das Studium an den Universitäten Würzburg und Ffm. fort. Am 4.8.1920 wurde D. mit einer Arbeit über den Würzburger Barockbildhauer Balthasar Esterbauer (um 1672 bis 1728) bei Rudolf Kautzsch (1868-1945) am Institut für Kunstgeschichte der Ffter Universität promoviert; der Doktortitel wurde ihm mit Veröffentlichung der Arbeit am 4.12.1924 verliehen. Seit 2.7.1921 war D. an der Ffter Kunstgewerbebibliothek tätig, zunächst als Assistent, seit 1926 als außerplanmäßiger Bibliotheksinspektor. Er betreute deren zur Förderung des Ffter Kunstgewerbes bestimmte umfangreiche Vorlagensammlung (ca. 230.000 Blätter), die er weiter ausbaute. Mit der Übernahme der Kunstgewerbebibliothek als „Bibliothek für Kunst und Technik“ durch die Ffter Stadtbibliothek (1930) kam auch D. an dieses Haus. Im Oktober 1933 übernahm er in der Nachfolge von Arthur Richel die Leitung der Francofurtensien-Abteilung an der Stadtbibliothek. 1935 wurde er zum angestellten Bibliotheksrat befördert. Neben seinem Beruf als Bibliothekar war D. für verschiedene Zeitungen (Deutsche Allgemeine Zeitung, Ffter Nachrichten und Didaskalia, Düsseldorfer Nachrichten) publizistisch tätig, was er jedoch 1933 einstellte. Weiterhin veröffentlichte er wissenschaftliche und lokalhistorische Schriften.
Im April 1933 trat D. in die NSDAP ein. Er betätigte sich als Blockwart in der NS-Volkswohlfahrt und hat sich zumindest in den ersten Jahren des NS-Regimes teilweise mit der nationalsozialistischen Ideologie identifiziert. Aufgrund seiner Parteimitgliedschaft wurde D. im Juni 1945 durch die amerikanische Militärregierung entlassen. Im Zuge der Entnazifizierung kam der städtische Untersuchungsausschuss unter Vorsitz von Hellmut Reinert am 8.8.1945 zu dem Schluss, dass D.s Weiterbeschäftigung politisch „bedenkenfrei“ sei. Entlastende Zeugnisse hatten u. a. Fried Lübbecke und Gustav Mori ausgestellt. Dennoch blieb D. bis zu einer weiteren Überprüfung durch die Spruchkammer ohne Bezüge vom Dienst suspendiert. Am 1.4.1948 wurde er schließlich als Mitläufer ohne Beschäftigungsverbot eingestuft und zu einem Sühnegeld von 800 Reichsmark verurteilt. In den Jahren der Dienstunterbrechung von 1946 bis 1949 war D. an der Bibliothek des Städelschen Kunstinstituts tätig.
Auf Betreiben von Hanns Wilhelm Eppelsheimer wurde D. ab 1.11.1949 aufgrund seiner besonderen Kenntnis der Francofurtensien-Sammlung als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter bei der Stadt- und Universitätsbibliothek wieder eingestellt. Die etwa zur Hälfte im Krieg zerstörte Sammlung, die D. einst hatte aufbauen helfen, lagerte seinerzeit noch in Bunkern und musste neu aufgestellt, verzeichnet und ergänzt werden. Sein Dienstzimmer am Sitz der Stadt- und Universitätsbibliothek, Untermainkai 14, beherbergte das Schopenhauer-Archiv, das dort bis zum Umzug der Bibliothek in den 1965 eröffneten Neubau in der Bockenheimer Landstraße 134-138 blieb. Im August 1956 erfolgte D.s Wiederernennung zum Bibliotheksrat. Als er mit Erreichen der Altersgrenze am 1.11.1956 in den Ruhestand versetzt wurde, verwaltete D. als wissenschaftlicher Referent an der Stadt- und Universitätsbibliothek Ffm. das Schopenhauer-Archiv, die Abteilungen Judaica, Kunstgeschichte und 1848 sowie die Sonderabteilung Fft. Zur Einarbeitung einer Nachfolgerin wurde er bis März 1957 auf Stundenbasis weiterbeschäftigt. Als D. kaum ein Jahr später starb, hielt Eppelsheimer, der D.s Verdienste als Bibliothekar sehr schätzte, bei der Trauerfeier eine Ansprache.
Mitgliedschaften: Ffter Verein für Geschichte und Landeskunde, Bund tätiger Altstadtfreunde, Deutscher Verein für Kunstwissenschaft (1922-26), Verband der Kommunalbeamten (1926-33), Verein Deutscher Bibliothekare (1935-45), Schopenhauer-Gesellschaft (ab 1955).
Zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte des Buchdrucks, der Buchkunst, des Ffter Buchwesens und der Ffter Kulturgeschichte, u. a. „Beaumarchais als Nachfolger Baskervilles. Entstehungsgeschichte der Kehler Voltaire-Ausgabe in Baskerville-Typen“ (1925), „Deutsche Buchkünstler und Gebrauchsgraphiker der Gegenwart“ (Aufsatz, 1926), „Erhard Ratdolt. Ein Meisterdrucker des 15. und 16. Jahrhunderts“ (1933), „Philipp Otto Runge und Clemens Brentano. Ein Beitrag zur Buchillustration der Romantik“ (Aufsatz, 1935), „Ffm. im Spiegel alter Reisebeschreibungen vom 15. bis zum 19. Jahrhundert“ (1939), „Schulstuben aus alter Zeit“ (erschienen zum 50. Jubiläum des Kaiser-Friedrichs-Gymnasiums in Ffm., 1939), „Märchen der Brüder Grimm“ in Fassungen von Friedrich Stoltze (als Herausgeber, 1941), „Figurensatz in Ffter Drucken der Renaissance und des Barock“ (1951), „Das große Spiel. Eine Erinnerung“ (1953) und „Das Schopenhauer-Archiv. Eine Bestandsaufnahme“ (bearb. v. Irene Schneider, in: Schopenhauer-Jahrbuch 1959), sowie Mitarbeit am „Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte“. Außerdem erstellte D. das Verzeichnis des neu erschienenen Ffter Schrifttums für die Jahre 1928-1938 und 1938-1956 [in: Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst IV,5 (1938), S. 115-164 und 45 (1957), S. 49-146].
D. lebte ab den 1930er Jahren bis zu seinem Tod in der Fontanestraße 60 im Dichterviertel.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Gudrun Jäger.
Artikel in: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 155, verfasst von: Sabine Hock.

Lexika: Habermann, Alexandra/Klemmt, Rainer/Siefkes, Frauke: Lexikon deutscher wissenschaftlicher Bibliothekare 1925-1980. Ffm. 1985.Habermann/Klemmt/Siefkes: Bibliothekare, S. 57. | Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender. Hg. v. Joseph Kürschner u. a. Bio-bibliographisches Verzeichnis deutschsprachiger Wissenschaftler der Gegenwart. München 1927-2003.Kürschner: Gel. 1954, Sp. 364; 1961, S. 2367 (Nekr.). | Kürschners Deutscher Literatur-Kalender. Hg. v. Joseph Kürschner u. a. Berlin/Leipzig 1905-1973.Kürschner: Lit. 1926, Sp. 173; 1937/38, Sp. 136.
Literatur:
                        
Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst. Bisher 78 Bde. Ffm. 1839-2019.Eppelsheimer, Hanns Wilhelm: Ansprache bei der Trauerfeier für Bibliotheksrat Dr. Robert Diehl am 20. Januar 1958. In: AFGK 47 (1960), S. 5-10. | Jahrbuch der Schopenhauer-Gesellschaft. Titel seit 1945/48: Schopenhauer-Jahrbuch. Hg. im Auftr. d. Schopenhauer-Gesellschaft. Bisher 102 Jahrgänge. Kiel, später Heidelberg, ab 1945/48 Ffm., ab 1992 Würzburg 1912-44 u. 1945/48-2021.Nachruf in: Schopenhauer-Jb. 39 (1958), S. 217.
Quellen: Ffter Allgemeine Zeitung. Ffm. 1949-heute.Sdr.: Dank für Bibliotheksrat Dr. Diehl. Trotz Altersgrenze weiter im Amt. In: FAZ, 1.11.1956. | Ffter Allgemeine Zeitung. Ffm. 1949-heute.Dem Gedenken Robert Diehls. Eine Veranstaltung des Altstadtbundes. In: FAZ, 5.3.1958. | ISG, Personalakten der Stadtverwaltung (Best. A.11.02), ab ca. 1900.ISG, PA 16.055, 57.303 u. 83.380. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/3.393. | Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, vorm. Stadt- und Universitätsbibliothek, Ffm.UB Ffm., Archivzentrum (UBA), Stadt- und Universitätsbibliothek, Best. A 1 Nr. 1487 (Chronik zu den Ereignissen in der Bibliothek für Kunst und Technik von 1939 bis 1944, verfasst von Robert Diehl). | Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, vorm. Stadt- und Universitätsbibliothek, Ffm.UB Ffm., Archivzentrum (UBA), Schopenhauer-Gesellschaft, Best. B 1 Nr. 61 (Allgemeine Korrespondenz, 1956). | Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, vorm. Stadt- und Universitätsbibliothek, Ffm.UB Ffm., Archivzentrum (UBA), Nachlass Robert Diehl, Best. Ms.Ff.R.Diehl; enthält v. a. vier von Robert Diehl verfasste Typoskripte zur Geschichte der Stadt- und Universitätsbibliothek, 1936-53.
Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_DiehlWikipedia, 26.7.2022.

GND: 116100869 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2022 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Jäger, Gudrun: Diehl, Robert. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/2011

Stand des Artikels: 27.7.2022
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 08.2022.