Raff, Joachim

Raff, Joseph Joachim. Komponist. Musikpädagoge. * 27.5.1822 Lachen/Kanton Schwyz, † 24.6.1882 Ffm.
R. arbeitete bis 1844 als Lehrer in Rapperswil. Ermutigt durch Felix Mendelssohn Bartholdy, dem er seine ersten musikalischen Werke vorlegte, wandte er sich ganz der Komposition zu. Förderung durch Franz Liszt und Hans von Bülow. Von 1850 bis 1856 Assistent von Franz Liszt in Weimar. Mitwirken bei der Instrumentation von Liszts Orchesterwerken. Danach bis 1877 als Klavierlehrer und sehr produktiver Komponist in Wiesbaden ansässig. Seine Werke, besonders die 3. Symphonie und die heute noch bekannte „Cavatine“ für Violine und Klavier op. 85, fanden bald internationale Anerkennung.
1877 wurde R. als Direktor an die neugegründete Musikschule „Dr. Hoch’s Konservatorium“ in Ffm. berufen. Mit Lehrkräften wie Clara Schumann, Julius Stockhausen, Bernhard Cossmann und Hugo Heermann (der sich als Konzertmeister des Ffter Museumsquartetts besonders für die Aufführung R.’scher Werke einsetzte) gelang es R. innerhalb von wenigen Jahren, das Hoch’sche Konservatorium als eine überregional anerkannte Lehranstalt zu etablieren. Nach R.s überraschendem Tod übernahm der eher klassisch-traditionelle Bernhard Scholz die Leitung der Musikschule. Auf Initiative von Hans von Bülow gründeten daraufhin die fortschrittlichen Lehrkräfte im April 1883 das „R.’sche Konservatorium“, das bis 1923 bestand.
R. komponierte insgesamt 214 Werke, darunter sechs Opern, elf Sinfonien, ein Oratorium und über 90 Lieder. Bedeutung und Ruhm von R. als Komponist hatten schon in seinen letzten Lebensjahren erheblich abgenommen. Nach seinem Tod geriet sein kompositorisches Werk zunehmend in Vergessenheit. Einerseits von großer technischer Meisterschaft und formaler Eleganz bei durchaus moderner Instrumentation, zeigte er in seinen Werken andererseits ein starkes Anlehnungsbedürfnis an so unterschiedliche Zeitgenossen wie Mendelssohn Bartholdy, Schumann, Chopin, Liszt und Wagner. Diesem Phänomen des stilistischen Eklektizismus hat R. bei der Zusammensetzung des Lehrkörpers am Hoch’schen Konservatorium Rechnung getragen, wo sich „Konservative“ und „Neudeutsche“ zunächst die Waage hielten. Gemäß seiner Vorstellung von Musik als Kunst und Wissenschaft wollte R. dadurch seinen Schülern ein möglichst breites Spektrum verschaffen.
Grabdenkmal mit Porträtbüste (von Ludwig Sand) auf dem Ffter Hauptfriedhof.
Joachim-R.-Gesellschaft in Ffm.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 164f., verfasst von: Reinhard Frost.
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Lexika: Schaefer, Hartmut: Komponisten in Ffm. Ausstellungskataloge der Stadt- und Universitätsbibliothek. 2 Folgen. Ffm. 1979/81.Schaefer: Komponisten 1 (1979), S. 26f.
Literatur:
                        
Kienzle, Ulrike: Neue Töne braucht das Land. Die Ffter Mozart-Stiftung im Wandel der Geschichte (1838-2013). Ffm. 2013. („Mäzene, Stifter, Stadtkultur“, Schriftenreihe der Ffter Bürgerstiftung in Zusammenarb. m. der Cronstett- und Hynspergischen ev. Stiftung, hg. v. Clemens Greve, Bd. 10).Kienzle: Mozart-Stiftung 2013, S. 185-187. | Römer, Markus: Joseph Joachim Raff (1822-1882). Wiesbaden 1982.Römer: Joseph Joachim Raff 1982.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/778.
Internet: Das Kulturportal der Stadt Ffm., Bereich Musik, Komponistinnen und Komponisten in Ffm., hg. vom Kulturamt der Stadt Ffm. http://www.kultur-frankfurt.de/portal/de/Musik/Raff2cJosephJoachim1822-1882/2434/0/74241/mod1981-seite2-details1/5.aspxKomponistinnen u. Komponisten in Ffm., 17.2.2015.

GND: 118597779 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Raff, Joachim. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/821

Stand des Artikels: 5.1.1995