Roederstein, Ottilie W.

Roederstein, Ottilie Wilhelmine. Malerin. * 22.4.1859 Zürich, † 26.11.1937 Hofheim am Taunus.
Die Familie R. stammte aus dem Westerwald. Der kaufmännische Beruf von R.s Vater veranlasste die Übersiedlung nach Zürich.
Nach langen Kämpfen setzte die Siebzehnjährige den Wunsch, Malerin zu werden, gegenüber ihrer Familie durch. Seit 1876 Ausbildung bei dem Zürcher Maler Eduard Pfyffer (1836-1899). 1879 Weiterführung der Studien bei dem Hofmaler Karl Gussow (1843-1907) in Berlin. 1881 Übersiedlung nach Paris. Arbeit u. a. bei den Malern Emile Auguste Carolus-Duran (1837-1917) und Jean-Jacques Henner (1829-1905). Ausstellungserfolge in Paris und Zürich. Ihr Pariser Atelier behielt R. bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs bei.
1885 Beginn der lebenslangen Partnerschaft mit der späteren Gynäkologin und Chirurgin Elisabeth Winterhalter. Von 1891 bis 1909 lebte R. gemeinsam mit Elisabeth Winterhalter in Ffm. 1909 bezogen sie ihr neuerbautes „Taunusheim“ am Hofheimer Kapellenberg, in dem R. bis zu ihrem Tod wohnte und arbeitete. In Ffm. pflegte sie engen Kontakt zu den Malern Karl von Pidoll und Bernhard Mannfeld. Schon im Jahr ihrer Übersiedlung nach Ffm. (1891) hatte R. ein Meisteratelier im Städel bezogen. Zu ihren Schülern zählten Lina von Schauroth sowie Mathilde und Ugi Battenberg. 1901 zwang sie eine schwere Verletzung und zeitweilige Lähmung der rechten Hand, ihre spitzpinselige Malweise aufzugeben und zur breitpinseligen Ölmalerei zurückzukehren. In Ffm. beteiligte sie sich an rund 40 Ausstellungen, darunter einer Werkschau Ffter Malerinnen im Westflügel der Festhalle (1911).
R. verkörperte – in ihren Werken wie in ihrem Lebensstil – eine unabhängige Künstlerinnennatur, die sich von den traditionellen Rollenvorgaben ihrer Zeit selbstbewusst gelöst hatte.
Die äußerst produktive Künstlerin (Gesamtwerk: rund 1.800 Arbeiten, darunter etwa 800 Porträts) hat vor allem als Porträt-, Stillleben- und Landschaftsmalerin überregionale Bedeutung erlangt. Nachhaltigen Eindruck auf ihre Porträtmalerei übten die Werke der Florentiner Frührenaissance aus, die R. während ihres Italienaufenthalts 1895 intensiv studierte. [Ein Selbstbildnis der Künstlerin gelangte später (1937) in die Uffizien.] Ernst und Strenge sind seit dieser Zeit ein wesentliches Stilmerkmal ihrer Werke. Unter den Porträtierten befinden sich Ffter Persönlichkeiten wie Adolf Stoltze, Karl Herxheimer, Meta Quarck-Hammerschlag, Heinrich Hasselhorst, Jakob Nussbaum und Elisabeth Winterhalter.
Besondere Beachtung verdienen R.s 79 Selbstbildnisse aus allen Lebensphasen, die zu den Höhepunkten ihrer Porträtkunst zählen. Das Städel besitzt etwa das „Selbstbildnis mit weißem Hut“ (1904), das „Selbstbildnis mit verschränkten Armen “ (1926) und das „Selbstbildnis mit Schlüsseln“ (1936).
Gemälde von R. befinden sich in Ffm. u. a. im Besitz des Städel Museums, der Dr. Senckenbergischen Stiftung und der Stadt Ffm.
1929 Ehrenplakette der Stadt Ffm. Ehrenmitglied des Ffter Künstlerbunds. Jubiläumsmedaille des Ffter Kunstvereins. Ehrenbürgerin der Stadt Hofheim.
Freilichtbildnis (Ölgemälde von Jakob Nussbaum, 1909) im Besitz der Städtischen Galerie im Städel.
Mehrere Gedenkaustellungen in Ffm. und Hofheim. 2013/14 Ausstellung „Künstlerin sein! Ottilie W. Roederstein – Emy Roeder – Maria von Heider-Schweinitz“ im Museum Giersch in Ffm.
R.weg in Hofheim. Die von R. und ihrer Lebensgefährtin 1937 errichtete „Ottilie W. Roederstein und Dr. med. Elisabeth H. Winterhalter’sche Stiftung“ zugunsten notleidender Malerinnen und Maler sowie der SNG wurde nach Winterhalters Tod 1952 in die Heussenstamm-Stiftung eingegliedert; das mittlerweile stark entwertete Restvermögen ging an diese Stiftung und die SNG.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 203f., verfasst von: Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Literatur:
                        
Eichler, Inge: Frauen an der Staffelei. Ein vernachlässigtes Kapitel Ffter Kunstgeschichte. Katalog zur Ausstellung im Kundenzentrum der Ffter Sparkasse. Ffm. 1994.Eichler: Künstlerinnen 1994, S. 56. | Frauen-Rundschau. Offizielles Organ deutscher Frauenverbände und -Vereine. Erschienene Jahrgänge 4-16. Leipzig/Berlin 1903-22.Mentzel, Elisabeth/Scheuermann, Julia Virginia: Ffm. und seine Frauen. In: Frauen-Rundschau 8 (1907), H. 13, S. 391 (Abb. eines Selbstporträts). | Görner, Karin: Ottilie W. Roederstein und Elisabeth Winterhalter. Ffter Jahre 1891-1909. Hg. v. Dagmar Priepke (Heussenstamm-Stiftung). Ffm. 2018.Görner: Ottilie W. Roederstein u. Elisabeth Winterhalter 2018. | Museum Giersch (Hg.): Künstlerin sein! Ottilie W. Roederstein – Emy Roeder – Maria von Heider-Schweinitz. Katalogred.: Susanne Wartenberg u. a. Petersberg 2013.Kat. Künstlerin sein! 2013. | Müller [heute Müller-Proskar], Claudia C.: Jakob Nussbaum (1873-1936). Ein Ffter Maler im Spannungsfeld der Stilrichtungen. [Mit Werkverzeichnis auf beigefügter CD-ROM.] Ffm. 2002. (Studien zur Ffter Geschichte 47).Müller [heute Müller-Proskar]: Jakob Nussbaum 2002, S. 368f., Nr. G 217 (m. Abb. auf S. 264f.). | Rök, Barbara: Ottilie W. Roederstein (1859-1937). Eine Künstlerin zwischen Tradition und Moderne. Monographie und Werkverzeichnis. Marburg 1999.Rök: Ottilie W. Roederstein 1999. | Zibell, Stephanie: Hessinnen. 50 Lebenswege. Wiesbaden 2019.Zibell: Hessinnen 2019, S. 176-182, 375.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/4.002.
Internet: Ffter Frauenzimmer – eine Spurensuche, Website des Historischen Museums Fft., Konzeption und Redaktion: Ursula Kern, Ffm. http://www.frankfurterfrauenzimmer.de/cp10-detail.html?bio=beFfter Frauenzimmer, 15.12.2014. | Internetpräsenz des Städel Museums, Ffm. http://blog.staedelmuseum.de/kunst-der-moderne/bild-des-monats-selbstbildnis-mit-verschrankten-armen-von-ottilie-roederstein
Hinweis: Artikel über das Bild des Monats: „Selbstbildnis mit verschränkten Armen“ von Ottilie Roederstein, verfasst von Mandy Meissner, 25.2.2014.
Städel, 7.3.2014.


GND: 116580968 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2020 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Roederstein, Ottilie W. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/905

Stand des Artikels: 7.3.1995