Textor, Juristenfamilie

Die aus Weikersheim an der Tauber stammende Familie trug ursprünglich den Namen Weber, den spätestens der hohenlohische Rat und Kanzleidirektor Wolfgang T. (1588-1650) latinisierte.
Während sein Vater Georg Weber noch das Schneiderhandwerk ausübte, gelang Wolfgang T. 1620 der Sprung in den gehobenen Staatsdienst. Als Kanzleidirektor war er bis zu seinem Tod am Hof der Grafen Hohenlohe-Langenburg in Neuenstein tätig. Sein Sohn Johann Wolfgang T. begründete die Juristentradition der Familie und, durch seine Übersiedlung nach Ffm. 1691, den Ffter Zweig der T. In den folgenden Generationen war die Familie, in ihrer Doppelfunktion als Juristen und Spitzen der Stadtregierung, an der Gestaltung der Stadtgeschicke beteiligt, besonders unter dem Kaiserlichen Rat Johann Wolfgang T., Goethes Großvater. Die direkte Ffter Linie der T. endete mit dem Tod von Karl Wolfgang T. (1840-1925).
T.straße und T.schule, eine Grundschule, in Sachsenhausen.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 467, verfasst von: Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.

Lexika: Allgemeine Deutsche Biographie. Hg. durch die Historische Commission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften. 56 Bde. München/Leipzig 1875-1912.Alexander Dietz in: ADB 37 (1894), S. 630-632.
Literatur:
                        
Düntzer, Heinrich: Das Geschlecht Textor. Goethes mütterlicher Stammbaum. Sonderdruck aus: Die Grenzboten 1888, S. 217-224, 262-268, 368-376 u. 412-429.Düntzer: Das Geschlecht Textor 1888. | Ffter Blätter für Familiengeschichte. Hg. v. Karl Kiefer. 7 Jahrgänge. Ffm. 1908-14.Ffter Bll. f. Familiengesch. 1 (1908), S. 149f.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/13.552.

GND: 118839861 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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4 herausragende Vertreter der Familie in Ffm.

Textor, Friedrich Karl Ludwig

Verfasser des frühesten erhaltenen Lustspiels in Ffter Mundart.
Textor, Friedrich Karl Ludwig. Prof. Dr. jur. Jurist. Mundartschriftsteller. * 13.11.1775 Ffm., † 31.12.1851 Ffm.
Sohn von Johann Jost T.
Seit 1784 Besuch des Ffter Gymnasiums; allerdings blieb T. der Schule mehrmals für längere Zeit fern. Seit 1797 Jurastudium in Tübingen. 1800 Promotion und Habilitation. In der Folge Privatdozent und später außerordentlicher Professor an der Universität Tübingen. 1813 Rückkehr nach Ffm. und Eröffnung einer Anwaltspraxis, die T., wirtschaftlich ruiniert, schon 1816 wieder aufgeben musste. Er erteilte künftig Privatunterricht in Deutsch, Geschichte, Geografie und Alten Sprachen. So unterrichtete er u. a. den späteren Schriftsteller Friedrich Stoltze. Eine Weltgeschichte, für die er keinen Verleger fand, blieb unvollendet. T. verfügte in seinen Vorlesungen über mitreißendes Vortragstalent, konnte aber wohl aufgrund seiner unsteten Lebensführung seine reichen geistigen Anlagen nicht in wirtschaftlichen Erfolg umsetzen. Das väterliche Erbe war nach 1816 aufgebraucht. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er als verarmter Pfründner der Brönner’schen Stiftung im Senckenbergischen Bürgerhospital.
Bleibende Bedeutung hat T. als Verfasser des frühesten erhaltenen Lustspiels in Ffter Mundart erlangt, das noch während seiner Schulzeit im Jahr 1794 entstand. „Der Prorector – Ein Lustspiel in vier Aufzügen“ hat T.s Lehrer Johann Jacob Gottlieb Scherbius zur Titelfigur, der auch schon Johann Wolfgang Goethes Latein- und Griechischlehrer war. T. selbst porträtierte sich in dem Stück als vorwitziger Klassenältester (der er wegen seiner langen Fehlzeiten von der Schule zweifellos war). 1839 erschien ein Neudruck des „Prorectors“, 1893 wurde das Stück von Hermann Grotefend im „Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst“ veröffentlicht.

Literatur:
                        
Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst. Bisher 78 Bde. Ffm. 1839-2019.Grotefend, Hermann: „Der Prorektor“ und das Ffter Gymnasium am Ende des vorigen Jahrhunderts. In: AFGK III,4 (1893), S. 1-63. | Breitkreuz, Petra (Hg.): Mit ergebenstem Gruß/ Ihr Friedrich Stoltze. Briefe des Ffter Literaten. Wiesbaden [Copyright 2018].Breitkreuz (Hg.): Mit ergebenstem Gruß/ Ihr Friedrich Stoltze 2018, S. 253-255. | Mieles, Bernhard/Ritter, Carolin/Wolf, Christoph (Hg.): „Nachforschung der Wahrheit“. Von der alten Lateinschule zum Lessing-Gymnasium in Ffm. Festschrift zum 500-jährigen Jubiläum der Schule. Ffm. [Copyright 2020].Kastner, Paul: Friedrich Stoltze und Johann Joseph Oppel. Zwei Unersetzliche für die Ffter Mundart am städtischen Gymnasium im 19. Jahrhundert. Mit einem Exkurs zu angeblichem und wirklichem Antisemitismus und seinen Gegnern. In: Mieles u. a. (Hg.): FS Lessing-Gymnasium 2020, S. 239-257, hier S. 248-250.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/2.718.

Textor, Johann Jost

Textor, Johann Jost. Dr. jur. Jurist. Stadtpolitiker. * 29.9.1739 Ffm., † 19.9.1792 Ffm.
Sohn von Johann Wolfgang T. Bruder von Catharina Elisabeth Goethe, geb. T. Vater von Friedrich Karl Ludwig T. Onkel von Johann Wolfgang Goethe.
Jurastudium und Promotion (1760) in Altdorf.
Seit 1771 Ratsherr. 1783 Jüngerer Bürgermeister.
Ölporträt (mit dem Bildnis seiner Frau Maria Margaretha T., geb. Möller, als Pendant, beide Johann Volkmar Paderborn zugeschrieben, um 1771) im Besitz des Ffter Goethe-Museums.

Literatur:
                        
Maisak, Petra/Kölsch, Gerhard: Ffter Goethe-Museum. Die Gemälde. „... denn was wäre die Welt ohne Kunst?“ Bestandskatalog. Hg. v. Freien Deutschen Hochstift. Ffm. 2011.Maisak/Kölsch: Gemäldekat. d. Ffter Goethe-Museums 2011, S. 198f.

Textor, Johann Wolfgang (1638-1701)

Johann Wolfgang Textor (1638-1701)

Johann Wolfgang Textor (1638-1701)
Radierung von Wolfgang Philipp Kilian (1701; im Besitz des FDH).

© Freies Deutsches Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum, Ffm. (Inv. Nr. III-01142).
Textor, Johann Wolfgang. Prof. J. U. D. [d. i. Juris Utriusque Doctor]. Jurist. Archivinspektor. * 20.1.1638 Neuenstein/Hohenlohe, † 27.12.1701 Ffm., begraben in der Katharinenkirche in Ffm.
Sohn des Gräflich Hohenlohischen Kanzleidirektors Wolfgang T. (eigentl.: Weber; 1588-1650) und dessen Ehefrau Magdalena Praxedis, geb. Enslin (1613-1673). Großvater von Johann Wolfgang T. (1693-1771). Ururgroßvater Goethes.
Seit 1653 Jurastudium, zunächst in Jena, ab 1655 in Straßburg. 1658 Praktikant am Reichskammergericht in Speyer. Von 1662 bis 1666 Gräflich Hohenlohischer Kanzleidirektor in Neuenstein. Zwischenzeitlich (1663) Promotion in Straßburg. Seit 1666 Professor der Institutionen an der Universität Altdorf. Dort beteiligt an zahlreichen Promotionen, u. a. an derjenigen von Gottfried Wilhelm Leibniz (1666). Beginn der regen Publikationstätigkeit, zunächst mit einer öffentlich-rechtlichen und rechtspolitischen Abhandlung über die Staatsräson des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation („Tractatus juris publici de vera et varia ratione status Germaniae Modernae“, 1667). Seit 1668 Professor der Pandekten an der Universität Altdorf. Zugleich juristischer Berater (Konsulent) der Stadt Nürnberg. Verstärktes Interesse am Verfassungsrecht des Reichs. Seit 1673 Professor primarius der Rechte an der Universität und Assessor, seit 1688 Vizepräsident am Hof- und Ehegericht in Heidelberg. 1676/77 und 1688/90 Dekan der Universität. Veröffentlichung gerichtlicher Entscheidungen („Praxis Judiciaria“, 2 Teile, Ffm. 1678) und eines Lehrbuchs des Völkerrechts („Synopsis Iuris Gentium“, 1680; engl. Ausgabe, 2 Bde., 1916, Neudruck 1964). Das Manuskript eines Collegium iuris publici (1675/76) ist überliefert im Freien Deutschen Hochstift in Ffm. Nach der Zerstörung Heidelbergs im Pfälzischen Erbfolgekrieg wechselte T. Anfang 1691 nach Ffm. Hier wurde er als Syndicus primarius, Konsulent und Stadtadvokat mit der Leitung der reichsstädtischen Rechtsgeschäfte betraut. Im Nebenamt übernahm er zudem die Aufsicht über das Ffter Stadtarchiv. Wiederaufnahme der juristischen Veröffentlichungen, insbesondere zum öffentlichen Recht („Decisiones electorales Palatinae“, Ffm. 1693; „Jus Publicum Caesaraeum, 2 Bde., Ffm. 1697; „Disputationes academicae“, 2 Teile, Ffm. 1698; „Jus publicum statuum Imperii“, Tübingen/Ffm. 1701).
T. zählt zu den angesehenen Rechtswissenschaftlern des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Mit seinen Publikationen versuchte er, getreu seiner kaiserlichen Gesinnung, gegen den Verfall der Reichsverfassung und -institutionen anzukämpfen; zur Festigung der Reichseinheit schlug er u. a. die Vereinigung der drei zugelassenen christlichen Konfessionen vor.
Porträt (Radierung von Wolfgang Philipp Kilian, 1701) im Besitz des Freien Deutschen Hochstifts.
Verheiratet in erster Ehe (seit 1663) mit Anna Margaretha Priester (1640-1691/92) aus Crailsheim, in zweiter Ehe (seit 1693) mit Maria Sibylla Fleischbein (* 1675). Nach der Trennung von der zweiten Ehefrau (1694) kam es zu einem Prozess vor dem Ffter Schöffengericht und Reichskammergericht wegen unbezahlter Rechnungen, u. a. von dem Schneider Friedrich Georg Göthe (auch: Göthge), gen. Göthé (Goethes Großvater, 1657-1730).
Wahrscheinlich erwarb schon T. das Familienanwesen in der Friedberger Gasse (heute: Große Friedberger Straße 20), das seine Nachkommen, zunächst sein Sohn Christoph Heinrich T. (1666-1716), wesentlich ausbauten. Das Anwesen, das Goethe später in „Dichtung und Wahrheit“ (I,1) beschrieben hat, wurde von der Familie 1786 verkauft und beim französischen Bombardement der Stadt 1796 fast völlig zerstört; die danach teilweise wiedererrichteten Gebäude wurden 1863 endgültig niedergelegt.

Lexika: Allgemeine Deutsche Biographie. Hg. durch die Historische Commission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften. 56 Bde. München/Leipzig 1875-1912.Alexander Dietz in: ADB 37 (1894), S. 630. | Dölemeyer, Barbara: Ffter Juristen im 17. und 18. Jahrhundert. Ffm. 1993. (Ius Commune, Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Europäische Rechtsgeschichte Ffm., Sonderhefte, Studien zur Europäischen Rechtsgeschichte 60).Dölemeyer: Juristen, S. 210, Nr. 669. | Lersner, Achilles August von: Chronica. 2 Bde. Ffm. 1706/34.Lersner 2.2, S. 227f. | Renkhoff, Otto: Nassauische Biographie. Kurzbiographien aus 13 Jahrhunderten. Wiesbaden 1985, 2., überarb. Aufl. 1992. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau XXXIX).NB 1985, S. 396, Nr. 2278. | Neue Deutsche Biographie. Hg. v. d. Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bisher 27 Bde. (bis Wettiner). Berlin 1953-2020.Michael Stolleis in: NDB 26 (2016), S. 63f. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 594.
Literatur:
                        
Düntzer, Heinrich: Das Geschlecht Textor. Goethes mütterlicher Stammbaum. Sonderdruck aus: Die Grenzboten 1888, S. 217-224, 262-268, 368-376 u. 412-429.Düntzer: Das Geschlecht Textor 1888. | Hopp, Doris: „Goethe Pater”. Johann Caspar Goethe (1710-1782). Mit Beiträgen von Andreas Hansert, Konrad Heumann, Petra Maisak und Christoph Perels. Katalogredaktion: Joachim Seng. Hg. v. Freien Deutschen Hochstift – Ffter Goethe-Museum. Ffm. 2010.Hopp: „Goethe Pater” 2010, S. 7 u. 102. | Kaltwasser, Inge: Inventar der Akten des Reichskammergerichts 1495-1806. Ffter Bestand. Ffm. 2000. (Veröffentlichungen der Ffter Historischen Kommission 21).Kaltwasser: Inventar d. Akten d. Reichskammergerichts 2000, Nr. 1483. | Ompteda, Dietrich Heinrich Ludwig von: Litteratur des gesamten natürlichen und positiven Völkerrechts. 2 Teile. Regensburg 1785.Ompteda: Litteratur d. ges. Völkerrechts 1785, T. 1, S. 289-293. | Pütter, Johann Stephan: Litteratur des teutschen Staatsrechts. 3 Bde. Göttingen 1776-83.Pütter: Litteratur d. teutschen Staatsrechts 1 (1776), S. 295-297. | Schnur, Roman (Hg.): Staatsräson. Studien zur Geschichte eines politischen Begriffs. Berlin 1975.Stolleis, Michael: Textor und Pufendorf über die Ratio Status Imperii im Jahre 1667. In: Schnur (Hg.): Staatsräson 1975, S. 441-463. | Stintzing, Johann August Roderich von/Landsberg, Ernst: Geschichte der deutschen Rechtswissenschaft. 3 Abt. in 4 Bd. München/Leipzig 1880-1910.Stintzing/Landsberg: Gesch. d. dt. Rechtswissenschaft 3.2 (1910), S. 40-42, 630-632. | Stolleis, Michael: Margarethe und der Mönch. Rechtsgeschichte in Geschichten. München 2015.Stolleis, Michael: Schneidermeister Goethe u. a. gegen Syndicus Dr. Textor. In: Stolleis: Margarethe u. der Mönch 2015, S. 130-157.
Quellen: ISG, Bestand Dienstbriefe (Best. H.02.26), 1335-1806.Zur Anstellung als Konsulent, Stadtadvokat und Syndikus im Dienst der Stadt Ffm., 1691-1701: ISG, Dienstbriefe 524 u. 525. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/15.380.
Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Wolfgang_Textor_der_%C3%84ltereWikipedia, 16.3.2016.

Textor, Johann Wolfgang (1693-1771)

Stadtschultheiß von 1747 bis 1770. Goethes Großvater.
Textor, Johann Wolfgang. Kaiserlicher Wirklicher Geheimer Rat. Dr. jur. Jurist. Politiker. * 11.12.1693 Ffm., † 6.2.1771 Ffm.
Sohn des kurpfälzischen Hofgerichtsrats Christoph Heinrich T. (1666-1716). Enkel von Johann Wolfgang T. Vater von Johann Jost T.
Seit 1702 Besuch des Ffter Gymnasiums. Von 1712 bis 1717 Jurastudium in Altdorf. Anschließend zunächst als Praktikant, später als Prokurator am Reichskammergericht in Wetzlar. Promotion in Gießen. 1727 kehrte T. nach Ffm. zurück und vermählte sich noch im gleichen Jahr mit der aus Wetzlar stammenden Anna Margaretha Lindheimer (1711-1783). Die älteste Tochter Catharina Elisabeth heiratete 1748 den Kaiserlichen Rat Johann Caspar Goethe. Deren 1749 geborener Sohn Johann Wolfgang erhielt nach seinem Großvater und Paten die Vornamen.
Bei seiner Rückkehr nach Ffm. wurde T., obwohl er noch nicht das Ffter Bürgerrecht besaß und darum unter Protest der bürgerlichen Kollegien, umgehend in den Ffter Rat aufgenommen. Wie schon sein Großvater wurde er im Rat mit der Führung reichsstädtischer Rechtsgeschäfte betraut, vor allem beim Reichskammergericht in Wetzlar und als Vertreter der Stadt Ffm. auf Reichstagen. 1731 rückte er in das Schöffenamt auf und bekleidete in den Jahren 1738, 1741 und 1743 das Amt des Älteren Bürgermeisters. Mit der Wahl zum Reichs- und Stadtschultheißen, dem Vertreter des Kaisers in Ffm., stieg T. 1747 zum höchsten Beamten der Stadt auf. Erst ein gutes halbes Jahr vor seinem Tod legte T., seit 1768 nach einem Schlaganfall teilweise gelähmt, die Amtsgeschäfte nieder.
Der besonnene Politiker, versierte Jurist und konfessionell tolerante Christ war, gemäß seinem Amt und der Familientradition, pro-kaiserlich und anti-preußisch gesinnt. Dies führte während der französischen Besetzung Fft.s im Siebenjährigen Krieg zu erheblichen Auseinandersetzungen mit Teilen der Ffter Bürgervertretung, die T.s politische Karriere von jeher missbilligten, wie auch mit der eigenen Familie. Zu T.s schärfsten Gegnern gehörten die Brüder Johann Christian und Johann Erasmus Senckenberg. Die Beschuldigungen gipfelten in dem Vorwurf, T. habe für Geld die Stadt an die Franzosen verraten. Anlässlich einer Tauffeier kam es im April 1760 zwischen T. und seinem „fritzisch“ gesinnten Schwiegersohn Johann Caspar Goethe aus diesem Grund fast zu Tätlichkeiten. In „Dichtung und Wahrheit“ entwirft der Enkel jedoch folgendes Bild seines Großvaters: „Er sprach wenig, zeigte keine Spur von Heftigkeit; ich erinnere mich nicht, ihn zornig gesehen zu haben. Alles, was ihn umgab, war altertümlich. In seiner getäfelten Stube habe ich niemals eine Neuerung wahrgenommen.“ Gleichzeitig rühmt Johann Wolfgang Goethe die gärtnerischen Talente T.s, denen dieser auf dem sorgsam gepflegten Gartengrundstück des Familienanwesens an der Friedberger Gasse nachging. Die ihm nachgesagten seherischen Fähigkeiten, so hatte er beispielsweise seine Aufnahme in die Schöffenbank „vorhergesehen“, gehörten ebenfalls zum Charakterbild des trotz seines hervorgehobenen Amts eher zurückhaltenden T.
Porträt (Ölgemälde von Jakob Andreas Scheppelin, 1763) im Besitz des Freien Deutschen Hochstifts. Ölporträt seiner Frau Anna Margaretha Justina T., geb. Lindheimer (von unbekannter Hand, um 1765) im Besitz des Freien Deutschen Hochstifts.
Gedenktafel (1932) auf dem Gebiet des (bereits beim französischen Bombardement der Stadt 1796 fast völlig zerstörten) T.’schen Anwesens an der Hausecke Kleine Friedberger Straße 7.
„Der Stadtschultheiß von Ffm.“ (Familienroman von Otto Müller, 1856). „Der alte T.“ (Charakterkomödie von Hans Geisow, UA: Ffter Schauspielhaus, 1924).

Lexika: Allgemeine Deutsche Biographie. Hg. durch die Historische Commission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften. 56 Bde. München/Leipzig 1875-1912.Alexander Dietz in: ADB 37 (1894), S. 630-632. | Heyden, Eduard: Gallerie berühmter und merkwürdiger Ffter. Ffm. 1861.Heyden, S. 4-7. | Renkhoff, Otto: Nassauische Biographie. Kurzbiographien aus 13 Jahrhunderten. Wiesbaden 1985, 2., überarb. Aufl. 1992. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau XXXIX).NB 1985, S. 396. Nr. 2279; 1992, S. 805f., Nr. 4406.
Literatur:
                        
Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst. Bisher 78 Bde. Ffm. 1839-2019.Dölemeyer, Barbara: Der Stadtschultheiß Johann Wolfgang Textor (1693-1771). In: AFGK 73 (2012): Ffter Stadtoberhäupter, S. 99-112. | Goethe, Johann Wolfgang: Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit. 3 Bde. 6. Aufl. Ffm. 1989. (insel taschenbuch 149-151).Goethe: DuW I,1, S. 15, 46-49; I,2, S. 54-56. | Hock, Sabine: Wie finden Sie Goethe? Goethestätten in Ffm. Hg. i. A. d. Dezernats für Kultur und Freizeit der Stadt Ffm., ISG. Ffm. 1999.Hock: Goethestätten in Ffm. 1999, Nr. 2. | Maisak, Petra/Kölsch, Gerhard: Ffter Goethe-Museum. Die Gemälde. „... denn was wäre die Welt ohne Kunst?“ Bestandskatalog. Hg. v. Freien Deutschen Hochstift. Ffm. 2011.Maisak/Kölsch: Gemäldekat. d. Ffter Goethe-Museums 2011, S. 232-234; vgl. auch S. 367.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/236. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S3 (mit Kleinschriften, bes. Zeitungsausschnitten, zur Ortsgeschichte).ISG, S3/6.086 (Haus Textor).

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Stand des Artikels: 21.4.1995