Kracauer, Siegfried

Kracauer (bis 1930: Krakauer), Siegfried. Signa: raca, Krac. Dr.-Ing. Architekt. Journalist. Schriftsteller. Soziologe. Filmtheoretiker. * 8.2.1889 Ffm., † 26.11.1966 New York.
Neffe des Historikers Isidor K.
Schüler des Philanthropins (1898-1904) und der Klinger-Oberrealschule (1904-07). Studium der Architektur in Darmstadt, München und Berlin. Tätigkeit als Architekt in München, Ffm. und Osnabrück, unterbrochen durch Kriegsdienst (seit 1917). In Ffm. entwarf K. für das Architektenbüro Max Seckbach, für das er seit 1915 tätig war, u. a. einen Soldaten-Ehrenfriedhof in Ffm. und eine Lederfabrik in Neu-Isenburg. Bereits seit 1907 unregelmäßig für die Ffter Zeitung tätig, trat K. 1921 in die Redaktion der FZ ein. Zunächst vor allem in der Lokalredaktion beschäftigt, übernahm er zunehmend Aufgaben aus dem Bereich des Feuilletons unter Rudolf Geck. Als Benno Reifenberg 1924 Leiter des Feuilletons wurde, übertrug er K. das Filmressort. In seinen hervorragenden Filmbesprechungen trat er als einer der ersten Kritiker der modernen Massenkultur auf. Bekannt mit Walter Benjamin, Martin Buber, Max Flesch-Thebesius, Max Horkheimer, Leo Löwenthal, Eugen Rosenstock-Huessy, Franz Rosenzweig, Max Scheler und Selmar Spier. Befreundet mit Theodor W. Adorno, der ihm 1933 seine Habilitationsschrift widmete. Ernst Bloch wurde auf K.s Vermittlung 1928 Mitarbeiter der FZ. In der FZ erschienen Vorabdrucke von K.s autobiographischem Roman „Ginster. Von ihm selbst geschrieben“ (zunächst anonym veröffentlicht, 1928) und den Vorarbeiten zu dessen Fortsetzung „Georg“ (1929; Roman, 1933) sowie von seiner soziologischen Untersuchung „Die Angestellten“ (1930), die erstmals die Angestellten als spezifische Gesellschaftsschicht analysierte [und die Hans Fallada zu seinem Roman „Kleiner Mann – was nun?“ (1932) anregte].
1930 ging K. nach Berlin als Mitarbeiter des dortigen Feuilletons der FZ. Kurz zuvor hatte er in Ffm. Elisabeth, gen. Lili, Ehrenreich (1893-1971), die Bibliothekarin des Ffter Instituts für Sozialforschung, geheiratet. In der Berliner Redaktion war K. seit 1931 zunehmend Repressionen (Gehalts- und Honorarkürzungen) ausgesetzt, da seine Arbeiten nicht mehr in das veränderte Konzept der Zeitung passten. Der Verleger Heinrich Simon jedoch warnte K. nach dem Reichstagsbrand telegrafisch und schickte ihn auf „Arbeitsurlaub“ nach Paris zur Unterstützung des dortigen Büros der FZ. Am 28.2.1933 verließ K. Berlin und reiste über Ffm., wo er noch einmal Mutter und Tante besuchte, nach Paris. Im August 1933 wurde er endgültig aus der Redaktion der FZ entlassen. 1941 konnten K. und seine Frau über Lissabon in die USA fliehen.
Gedenktafel (1994) an K.s ehemaligem Wohnhaus (1919-30) in der Sternstraße 29.
Zum 100. Geburtstag von K. 1989 veranstaltete das Deutsche Literaturarchiv in Marbach eine Ausstellung, die auch in der Deutschen Bibliothek in Ffm. zu sehen war. Das Lesefest „Fft. liest ein Buch“ widmete sich 2013 K.s Roman „Ginster“.
K.straße in Praunheim.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 421, verfasst von: Sabine Hock.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
Array
(
    [de] => Array
        (
            [0] => Array
                (
                    [value] => literfasst
                )

        )

)

Lexika: Bibliographie zur Geschichte der Ffter Juden 1781-1945. Hg. v. der Kommission zur Erforschung der Geschichte der Ffter Juden. Bearb. v. Hans-Otto Schembs mit Verwendung der Vorarbeiten von Ernst Loewy u. Rosel Andernacht. Ffm. 1978.Bibliogr. z. Gesch. d. Ffter Juden, S. 514. | Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933 / International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933-1945. 3 Bde. München/New York/London/Paris 1980-83.Emigrantenlex. II.1, S. 654. | Neue Deutsche Biographie. Hg. v. d. Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bisher 27 Bde. (bis Wettiner). Berlin 1953-2020.Karsten Witte in: NDB 12 (1980), S. 630-631. | Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. 2 Bde. Berlin 1930/31.Reichshdb. 1930/31, S. 1001.
Literatur:
                        
Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst. Bisher 78 Bde. Ffm. 1839-2019.Helen Barr in: AFGK 75 (2016): Akteure des Neuen Fft., S. 130f. | Arnsberg, Paul: Die Geschichte der Ffter Juden seit der Französischen Revolution. Hg. v. Kuratorium für Jüdische Geschichte e. V., Ffm. Bearb. u. vollendet durch Hans-Otto Schembs. 3 Bde. Darmstadt 1983.Arnsberg: Gesch. d. Ffter Juden 1983, Bd. III, S. 255. | Belke, Ingrid/Renz, Irina (Bearb.): Siegfried Kracauer. 1889-1966. Marbach 1989. [Marbacher Magazin 47 (1988)].Belke/Renz (Bearb.): Siegfried Kracauer 1988. | Die jüdische Emigration aus Deutschland 1933-1941. 60 exemplarische Biographien. Ein zusätzliches Kapitel zur Ausstellung der Deutschen Bibliothek im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Bearb. v. Brita Eckert. Ffm./Bonn 1986.Die jüd. Emigr. 1986, S. 34. | Doch das Zeugnis lebt fort. Der jüdische Beitrag zu unserem Leben. Berlin/Ffm. 1965.Doch das Zeugnis lebt fort 1965, S. 331. | Gazzetti, Maria (Hg.): Fft. Literarische Spaziergänge. Mit (...) einer literarischen Spurensuche von Renate Chotjewitz Häfner. Ffm. 2005. (Fischer Taschenbuch 16935).Gazzetti (Hg.): Lit. Spaziergänge 2005, S. 26f., 83. | Hoffmann, Hilmar: Die großen Ffter. Ehrenwürdige Bürger und Ehrenbürger [von Karl dem Großen bis Friedrich von Metzler]. 4., durchges. Aufl. Ffm. 2012.Hoffmann: Die großen Ffter 2012, S. 92-94. | Reijen, Willem van/Schmid Noerr, Gunzelin (Hg.): Grand Hotel Abgrund. Eine Photobiographie der kritischen Theorie. Hamburg 1988.Reijen/Schmid Noerr (Hg.): Grand Hotel Abgrund 1988, S. 82-85. | Reimann, Hans: Das Buch von Fft., Mainz, Wiesbaden. München 1930. (Was nicht im Baedeker steht 9).Reimann: Was nicht im Baedeker steht 1930, S. 150. | Schopf, Wolfgang: „bin ich in Fft. der Flaneur geblieben...“. Siegfried Kracauer und seine Heimatstadt. Berlin 2013.Schopf: Siegfried Kracauer u. seine Heimatstadt 2013. | Später, Jörg: Siegfried Kracauer. Eine Biographie. Berlin 2016.Später: Siegfried Kracauer 2016. | Wer ist’s? Titel auch: Degener’s Wer ist’s? Titel ab 1923: Wer ist wer? Wechselnde Untertitel: Zeitgenossenlexikon. / Unsere Zeitgenossen. / Das deutsche Who’s who. Leipzig, ab 1928 Berlin 1905-93.Wer ist wer? 1962, S. 805.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/5.440.

GND: 118565877 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
Einträge zu dieser Person in anderen Datenbanken ansehen

Die hier genannten Verweise wurden mit Hilfe des frei verfügbaren Datendienstes http://beacon.findbuch.de (Thomas Berger) erstellt.


© 2021 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Kracauer, Siegfried. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/2978

Stand des Artikels: 27.7.1990