Städel, Familie

Johann Karl Städel (1742-1815)

Johann Karl Städel (1742-1815)
Reproduktion eines Porträts von unbekannter Hand (aus Dietz: Handelsgesch. IV.2, S. 573).

© unbekannt. Urheber und Entstehungsjahr von Original und Reproduktion sind in der o. g. Bildquelle aus dem Jahr 1925 nicht angegeben. Der Verbleib des Originals konnte bisher nicht ermittelt werden.
Auch: Staedel, Stedel.
Die ursprünglich aus Ulm kommende Familie war seit dem Ende des 15. Jahrhunderts in Straßburg ansässig, wo sie durch den Spezereihandel zu Ansehen und Einfluss kam. Seit 1598 stellten die S. achtmal den Straßburger Stättmeister. Später übersiedelten zwei Zweige der Kaufmannsfamilie nach Ffm., das als Handelszentrum und Messestadt für sie attraktiv war.
Bereits um 1675 ließ sich der Handelsmann Johann Wilhelm S. (1654-1705), Sohn des Buchdruckers, Senators und regierenden Ammeisters Josias S. (1627-1700) in Straßburg, in Ffm. nieder. Er hielt sich in Geschäften so häufig in der Mainstadt auf, dass der genaue Zeitpunkt seiner dauerhaften Niederlassung hier nicht zu bestimmen ist. Spätestens seit 1697 lebte er als Beisasse ständig in Ffm. So ließ er sich 1703 Passierscheine zur Verschickung großer Mengen Tabak und Juchten nach Süddeutschland und in die Schweiz erteilen. Kurz nach dem Tod von Johann Wilhelm S. heiratete dessen Sohn, der Handelsmann Isaac (auch: Isaak) S. (1682-1739), im Sommer 1705 die Zuckerbäckerstochter Maria Catharina Freydhoff (auch: Freythoff; 1683-1713), deren Familie vor mehr als 100 Jahren aus Antwerpen nach Ffm. gekommen war; später (1723) ging er als Witwer eine zweite Ehe ein, mit Anna Margareta Sparr (1681-1763), Tochter des Einhornapothekers Johann Henrich (auch: Heinrich) Sparr. Als die Familie von Lersner konkursbedingt die zum Rebstock gehörenden Gebäude zu verkaufen begann, hatte Isaac S. eines der Häuser (später: Kruggasse 3) als Wohn- und Geschäftssitz erworben. Außerdem besaß er den nach der Familie benannten S.’schen Hof am Allerheiligentor, der möglicherweise schon seinem Vater gehört hatte (dort bis heute die Straße „Am Städelshof“). Mit Isaac S.s einzigem Sohn, dem Bürger und Handelsmann Johann Philipp S. (1710-1751), der in kinderloser Ehe mit der Bierbrauerstochter Anna Sibylla S., geb. Pettmann (seit 1752 in zweiter Ehe verh. Haußmann, 1704-1774), verheiratet war, starb 1751 dieser Zweig der Familie in Ffm. aus.
Inzwischen waren Mitglieder einer jüngeren Linie der Familie in Ffm. zugewandert, die Brüder Johann Daniel (1696-1777) und Johann Carl (auch: Karl) S. (1706-1748), die vermutlich jeweils nach ihrer Heirat mit einer Ffter Bürgerstochter (1719 bzw. 1730) endgültig nach Ffm. übersiedelten. Im Juni 1719 heiratete Johann Daniel S., damals im Traubuch noch als „Handelsmann zu Straßburg“ bezeichnet, in Ffm. Maria Dorothea Petzel (1701-1778), eine Tochter des vermögenden Ffter Bürgers und Handelsmanns Johann Adam Petzel, die mit der Familie Uffenbach verschwägert war. Wohl kurz darauf errichtete Johann Daniel S. seine Spezereihandlung auf dem Großen Kornmarkt in Ffm.; er wurde 1722 Ffter Bürger und gehörte später dem 51er-Kolleg an. Seine Firma, ein bald blühendes Geschäft, handelte mit Spezereiwaren (Dominico- und Java-Kaffee, Songlo-Tee, Pfeffer, Zimt und Nelken), Farbwaren (Langensalzaer Waid, schwarzer Gallus, Dominico-Indigo, Cochenille, weißer und roter Weinstein, Bleiweiß, Salzburger Vitriol), Metallen (Kupfer, Silber- und Goldglätt, Flussspat, Kristalle, Landblei, Harzer Blei, englisch Zinn, meist im Verkauf als Vertreter der Königlich Hannoverschen Berghandlung zu Goslar) sowie Salpeter und Wachs. Zusammen mit einem Straßburger Verwandten übernahm die Handlung 1776 auch Fouragelieferungen, vermutlich für die französische Armee. Mittlerweile war Johann Friedrich S. (1728-1816), das einzige Kind von Johann Daniel und Maria Dorothea S., in das väterliche Handelsunternehmen eingetreten. Nach dem Tod der Eltern erwarb Johann Friedrich S. das Haus zum Goldenen Bären auf dem Roßmarkt, wo er die Firma weiterführte. Allerdings gab er den Warenhandel ab Anfang der 1780er Jahre allmählich auf, um sich fast ganz dem Bankgeschäft zu widmen, u. a. als Darlehensgeber für Mayer Amschel Rothschild, dem er von 1795 bis 1812 hohe Depositengelder gewährte. Durch sein Testament (1793, Neufassungen 1812/15) stiftete der ledig und kinderlos gebliebene Johann Friedrich S., selbst passionierter Kunstsammler, das nach ihm benannte und bis heute bestehende Kunstinstitut, an das sein gesamtes Vermögen im Wert von fast 1,5 Millionen Gulden ging. Ein Landhaus im Ortskern von Oberrad, das aus Petzel’schem Besitz an diesen Teil der Familie S. gekommen war, führte als Gasthaus noch bis ins 20. Jahrhundert den Namen „Zum Städels-Hof“ (Gebäude zerstört im Zweiten Weltkrieg, an dessen Stelle heute die Mietshäuser Offenbacher Landstraße 332 und 334).
Der jüngere der beiden Straßburger Brüder, Johann Carl (auch: Karl) S. (1706-1748), seit 1730 verheiratet mit Anna Catharina S., geb. Heinlein (seit 1749 in zweiter Ehe verh. Kellner, 1705-1757), ließ sich als Bürger und Teilhaber der überregional bedeutenden Material- und Apothekerwarenhandlung „Kellner & Städel vorm. Heinlein“ in Ffm. nieder. Die Firma war 1665 von dem aus Wertheim stammenden Materialisten Philipp Friedrich Heinlein (auch: Hainlein; ?-1685) in Ffm. gegründet und von seinem Sohn Christoff Nicolaus (auch: Niclas) Heinlein (1670/71-1716) im Haus zur Reuß, Markt 23, fortgesetzt worden. Christoff Nicolaus’ Witwe Rosina Sibylla Heinlein, geb. Saltzwedel (1680-1729), nahm 1726 ihren Schwiegersohn Johann Christoph Kellner (1698/99-1770) aus Nürnberg als Gesellschafter in die Materialienhandlung auf, und nach dem Tod der Witwe Heinlein trat 1730 auch der zweite Schwiegersohn, Johann Carl S. aus Straßburg, in das Geschäft ein. Die beiden Schwäger führten die Handlung unter eigenem Namen im alten Geschäftshaus zur Reuß und spätestens seit 1769 im geräumigeren Haus zum Jungen Bären, Töngesgasse 38, erfolgreich weiter. Um ihren Kundenkreis in ganz Süddeutschland und Westfalen zu bedienen, arbeiteten sie u. a. mit Lieferanten in Amsterdam, Rotterdam, Marseille, Hamburg und Kopenhagen zusammen. Die Söhne Johann Leonhard Kellner (1732-1799), der seit 1757 mit seiner Cousine Rosina Sibylla, geb. S. (1737-1789), verheiratet war, und Johann Karl S. (1742-1815) traten wohl Ende der 1750er Jahre bzw. Ende der 1760er Jahre als Teilhaber in die Firma ein, die sie später gemeinschaftlich übernahmen. Nach Kellners Tod 1799 setzte sich Johann Karl S. zur Ruhe und übergab das Geschäft an die nächste Generation. Sein älterer Sohn Johann Martin S. (1772-1802) starb jedoch früh; dessen Witwe Anna Rosina Magdalena, gen. Rosette, S., geb. Willemer (1782-1845), heiratete später (1819) den Senator Gerhard Thomas. Seit 1805 führten die Vettern Carl August S. (1781-1849; jüngerer Sohn von Johann Karl S.) und Carl Ferdinand Kellner (1775-1841; Sohn von Johann Leonhard Kellner) die Materialwarenhandlung weiter. Nachdem es bereits in den 1820er Jahren zu einem Geschäftsrückgang gekommen war, entschieden sich die beiden Inhaberfamilien 1836 zur Trennung der Firma in die Einzelunternehmen „C. F. Kellner & Co.“ (erloschen um 1846) und „Städel & Sohn“ (erloschen 1859).
Mit dem Tod von Jacob Friedrich S. (1815-1859; Sohn von Carl August S.) als letztem männlichem Namensträger 1859 endete die Geschichte der Familie S. in Ffm. Durch die Nachkommen in der Linie von Johann Carl S. (1706-1748) waren die S. verschwägert mit den Familien Ammelburg, Andreae, de Bary, Brüning, Donner, Eyssen, Fries, Fellner, Grunelius, Hauck, Keßler, Kolligs, Kriegk, Metzler, Majer, Minoprio, von Neufville, Passavant, de Ridder, Sandhagen, Scharff, Scherbius, Siebert, Starck, Varrentrapp, Wagner u. a.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.

Lexika: Neue Deutsche Biographie. Hg. v. d. Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bisher 27 Bde. (bis Wettiner). Berlin 1953-2020.Eclercy, Bastian: Städel, Johann Friedrich. In: NDB 25 (2013), S. 17f. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 566f. | Schrotzenberger, Robert: Francofurtensia. Aufzeichnungen zur Geschichte von Ffm. 2., vermehrte u. verbesserte Aufl. Ffm. 1884.Über den Städelshof: Schrotzenberger, S. 238.
Literatur:
                        
Alt-Fft. Vierteljahrschrift für seine Geschichte und Kunst. Hg. v. Rudolf Jung u. Bernard Müller im Auftr. des Vereins für Geschichte und Altertumskunde, des Vereins für das Historische Museum u. der Numismatischen Gesellschaft. Ffm. 1909-13/14. Zunächst einmalige Fortsetzung des Titels: Ein Heimatbuch aus dem Maingau. Auf Veranlassung des Vereins für Geschichte und Altertumskunde, des Vereins für das Historische Museum u. der Numismatischen Gesellschaft zu Ffm. hg. v. Bernard Müller. Ffm. 1917. Spätere Neuauflage des Titels: Geschichtliche Zeitschrift für Fft. und seine Umgebung. Hg. v. Heinrich Voelcker u. Otto Ruppersberg. Ffm. 1928-30.Majer-Leonhard, Hans: Die Staedel in Fft. In: Alt-Fft. NF 1 (1928), H. 1, S. 11f. | Dietz, Alexander: Ffter Handelsgeschichte. 4 Bde. Ffm. 1910-25, Neudr. 1970-74.Dietz: Handelsgesch. IV.1, S. 158, 160, 225-228; IV.2, S. 421, 566, 570-574, 665, 748, 752. | Lauf, Friedrich: Oberrad. Kleine Chronik eines Dorfes und Stadtbezirkes. Hg. mit freundlicher Unterstützung der Ffter Sparkasse von 1822 (Polytechnische Gesellschaft). Ffm. 1978.Lauf: Oberrad 1978, S. 182-185 (m. Abb. auf S. 116).
Quellen: ISG, Bestand Bürgerbücher (Best. H.02.17), 1311-1868.Bürgereintrag von Johann Daniel Städel, 21.5.1722: ISG, Bürgerbücher 12 (Altsign.: 11; 1690-1723), Bl. 435v. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbücher, Ffm., 1533-1848 bzw. 1849-1939.Eintrag der Heirat von Isaac Städel und Maria Catharina Freydhoff, Ffm., 18.8.1705: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbuch 11 (Altsign.: 8; 1702-06), S. 405f. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbücher, Ffm., 1533-1848 bzw. 1849-1939.Eintrag der Heirat von Johann Daniel Städel und Maria Dorothea Petzel, Ffm., 14.6.1719: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbuch 13 (Altsign.: 10; 1719-27), S. 34. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbücher, Ffm., 1533-1848 bzw. 1849-1939.Eintrag der Heirat von Isaac Städel und Anna Margareta Sparr, Ffm., 28.4.1723: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbuch 13 (Altsign.: 10; 1719-27), S. 302. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbücher, Ffm., 1533-1848 bzw. 1849-1939.Eintrag der Heirat von Johann Carl Städel und Anna Catharina Heinlein, Ffm., 15.5.1730: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbuch 14 (Altsign.: 11; 1728-35), S. 213. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbücher, Ffm., 1533-1848 bzw. 1849-1939.Eintrag der Heirat von Johann Philipp Städel und Anna Sibylla Pettmann, Ffm., 20.1.1745: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbuch 15 (Altsign.: 12; 1736-50), S. 607f. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebücher (Beerdigungs- bzw. Sterbebücher), Ffm., 1565-1850 bzw. 1851-1989.Beerdigungseintrag von Isaac Städel, Ffm., 28.1.1739: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebuch 23 (Altsign.: 17; 1736-43), S. 539. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebücher (Beerdigungs- bzw. Sterbebücher), Ffm., 1565-1850 bzw. 1851-1989.Beerdigungseintrag von Johann Philipp Städel, Ffm., 12.8.1751: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebuch 25 (Altsign.: 19; 1751-54), S. 199. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebücher (Beerdigungs- bzw. Sterbebücher), Ffm., 1565-1850 bzw. 1851-1989.Beerdigungseintrag von Johann Daniel Städel, Ffm., 25.1.1777: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebuch 31 (Altsign.: 25; 1773-81), S. 395. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebücher (Beerdigungs- bzw. Sterbebücher), Ffm., 1565-1850 bzw. 1851-1989.Beerdigungseintrag von Maria Dorothea Städel, geb. Petzel, Ffm., 13.10.1778: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebuch 31 (Altsign.: 25; 1773-81), S. 559. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebücher (Beerdigungs- bzw. Sterbebücher), Ffm., 1565-1850 bzw. 1851-1989.Sterbeeintrag von Johann Martin Städel, Ffm., 29.10.1802: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebuch 38 (Altsign.: 32; 1801-02), S. 498. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebücher (Beerdigungs- bzw. Sterbebücher), Ffm., 1565-1850 bzw. 1851-1989.Sterbeeintrag von Johann Karl Städel, Ffm., 19.6.1815: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebuch 45 (Altsign.: 39; 1815), S. 284, Nr. 541. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebücher (Beerdigungs- bzw. Sterbebücher), Ffm., 1565-1850 bzw. 1851-1989.Sterbeeintrag von Carl August Städel, Ffm., 12.12.1849: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebuch 79 (Altsign.: 73; 1849), S. 653, Nr. 1105. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebücher (Beerdigungs- bzw. Sterbebücher), Ffm., 1565-1850 bzw. 1851-1989.Sterbeeintrag von Jacob Friedrich Städel, Ffm., 23.5.1859: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebuch, Best. STA 12/10, Bd. 84 (1859), S. 305, Nr. 544. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/2.983.
Internet: Hessische Biografie, ein Kooperationsprojekt des Instituts für Personengeschichte in Bensheim und des Hessischen Landesamts für geschichtliche Landeskunde in Marburg zur Erstellung einer umfassenden personengeschichtlichen Dokumentation des Landes Hessen. https://www.lagis-hessen.de/pnd/119071584
Hinweis: Eintrag zu Johann Friedrich Städel (mit Angaben zur Familie).
Hess. Biografie, 6.11.2021.


GND: 1081555998 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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1 herausragender Vertreter der Familie in Ffm.

Städel, Johann Friedrich

Begründer des Städelschen Kunstinstituts.
Städel, Johann Friedrich. Kaufmann. Bankier. Kunstsammler. Stifter. * 1.11.1728 Ffm., † 2.12.1816 Ffm.
S.s Vater stammte aus Straßburg und war um 1718/19 nach Ffm. gekommen. Er besaß einen Spezereiwarenhandel am Großen Kornmarkt.
Über Kindheit und Jugend S.s ist nichts bekannt. Bis zum Tod des Vaters 1777 lebte der Junggeselle im elterlichen Haus. Erst dann, fast fünfzigjährig, bezog er ein eigenes Haus, den Goldenen Bären an der Westseite des Roßmarkts. Einige Zeit führte S. hier noch den Gewürzhandel des Vaters fort, bald jedoch widmete er sich fast ausschließlich Bankgeschäften. Binnen weniger Jahre wurde er zu einem erfolgreichen und angesehenen Bankier.
Mitglied des Bürgerkollegs.
Wann S. damit anfing, Kunst zu sammeln, ist nicht überliefert. In einem Brief an den Großherzog Dalberg 1811 erklärte er freilich, dass seine Liebe von Jugend an der Kunst gegolten habe. Auch über die Herkunft der einzelnen Stücke seiner Kunstsammlung ist nichts bekannt. Vermutlich hat S. sie auf Reisen erworben. Bei seinem Tod befanden sich annähernd 500 Gemälde vornehmlich holländischer, flämischer und deutscher Maler des 17. und 18. Jahrhunderts sowie unzählige Zeichnungen und Druckgrafiken in seinem Besitz. Goethe hat bei seinen Fft.aufenthalten S. mehrmals besucht und die Sammlung des „Dekans aller hier lebenden echten Kunstfreunde” beschrieben und gerühmt.
Erstmals im Jahr 1793 – möglicherweise unter dem Eindruck der Öffnung des Louvres für das Publikum – verfügte S. schriftlich die Stiftung eines S.schen Kunstinstituts „zum Besten hiesiger Stadt und Bürgerschaft”. Um angesichts der veränderten politischen Verhältnisse den ebenfalls geänderten juristischen Formen zu genügen, wurden 1812 und nochmals 1815 Neufassungen des Testaments angelegt. S. vermachte der Stiftung sein beträchtliches Vermögen, sein Haus und seine Sammlung zum Aufbau einer öffentlich zugänglichen Kunstsammlung und zur Unterstützung angehender Künstler durch unentgeltlichen Unterricht und Stipendien. Zur Verwaltung des Instituts bestimmte er fünf Administratoren, die ohne „obrigkeitliche Rücksprache und Genehmigung” handeln sollten. Diesen trug er auf, die weniger qualitätvollen Stücke seiner Sammlung zugunsten besserer zu veräußern und die Sammlung beständig zu vermehren. Der Kunstunterricht sollte erteilt werden „ohne Unterschied des Geschlechts und der Religion”. Die Satzung S.s für sein Kunstinstitut zeugt von einer ungewöhnlichen Toleranz und von einem großen Bürgersinn. Die S.’sche Stiftung war die erste bürgerliche Gründung eines solchen Kunstinstituts. Einen Tag nach dem Tod S.s wurde das Testament vor dem Stadtgericht eröffnet und verlesen. Im März 1817 wurde die Administration für das Stiftungsvermögen förmlich eingesetzt. Entfernte Verwandte S.s erhoben jedoch Einspruch gegen das Testament. Erst nach einem Vergleich im Jahr 1829 konnte mit dem Ausbau des Kunstinstituts und der Unterrichtung von Kunstschülern begonnen werden.
Bis 1833 war die Kunstsammlung noch in S.s Haus am Roßmarkt untergebracht. Von 1833 bis 1878 residierte das Kunstinstitut in der Neuen Mainzer Straße im Vrints von Treuenfeld’schen Palais, das von Stadtbaumeister Johann Friedrich Christian Hess eigens für die Zwecke einer öffentlich zugänglichen Sammlung umgebaut worden war. 1878 wurde das nach Entwürfen von Oskar Sommer errichtete Galeriegebäude mit dem Atelierhaus (S.schule) am Schaumainkai eröffnet.
Marmorbüste (von Johann Nepomuk Zwerger, 1829 posthum) im Foyer des Städel Museums.
S.straße in Sachsenhausen.

Lexika: Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 566. | Schrotzenberger, Robert: Francofurtensia. Aufzeichnungen zur Geschichte von Ffm. 2., vermehrte u. verbesserte Aufl. Ffm. 1884.Schrotzenberger, S. 238.
Literatur:
                        
Dietz, Alexander: Ffter Handelsgeschichte. 4 Bde. Ffm. 1910-25, Neudr. 1970-74.Dietz: Handelsgesch. IV.1, S. 225-228. | Heym, Heinrich: Lebenslinien. Schicksale aus einer alten Stadt. 3 Folgen. Ffm. 1965-68.Heym: Lebenslinien II (1966), S. 52-68. | Hoffmann, Hilmar: Die großen Ffter. Ehrenwürdige Bürger und Ehrenbürger [von Karl dem Großen bis Friedrich von Metzler]. 4., durchges. Aufl. Ffm. 2012.Hoffmann: Die großen Ffter 2012, S. 29-31. | Leweke, Wendelin: Berühmte Ffter. 57 Begegnungen mit der Geschichte. Mit einem Vorwort von Wolfgang Klötzer. Ffm. 1988.Leweke: Ffter 1988, S. 80-83. | Sarkowicz, Hans: Hessen hat ein Gesicht. Außergewöhnliche Persönlichkeiten gestern und heute. Ausgewählt von Klaus Eiler, Volker Mosbrugger, Hans Sarkowicz, Klaus Pohl, Bernd Loebe, Juliane Kuhlmann und Klaus Euteneuer. Ffm. 2013.Sarkowicz: Hessen hat ein Gesicht 2013, S. 136-138. | Städel, Johann Friedrich: Stiftungsbrief des Städelschen Kunst-Instituts, enthalten in dem Testament des Herrn Johann Friedrich Städel, hiesigen Handelsmanns und gewesenen Mitglieds des löbl. Bürger-Collegs, vom 15ten März 1815. Ffm. 1817.Städel: Stiftungsbrief 1817.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/1.240.

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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Städel, Familie. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/12475
Die Autorenangabe bezieht sich auf den Artikel über die Familie. Die Angaben zu Autoren der hier ebenfalls dargestellten Personenartikel finden Sie, indem Sie auf die Namen der einzelnen Personen klicken.

Stand des Artikels: 7.11.2021
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 11.2021.