Kellner, Heinrich

Kellner, Heinrich. Dr. jur. utr. Stadtsyndikus. Advokat. ~ 12.9.1536 Ffm., ▭ 18.1.1589 Ffm.
Aus der aus Erfurt stammenden Patrizierfamilie K., die 1518 auf Alten-Limpurg rezipiert wurde.
Studium der Rechte in Löwen, Leipzig, Orleans, Bourges und Padua. Italienreise. Advokat in Ffm. Seit 1566 Hausjurist des Grafen Ludwig von Stolberg-Königstein. 1569 Advokat des Almosenkastens in Ffm. Justitiar der Städte Büdingen und Gelnhausen, der Grafschaften Solms-Münzenberg, Hanau-Lichtenberg, Solms-Laubach und Isenburg sowie der Ganerben von Cleeberg. Juristischer Gutachter, u. a. beim Ffter Schöffengericht. 1574 Stiftsadvokat von Liebfrauen. 1574 Stadtsyndikus (neben Johannes Fichard und Arnold Engelbrecht bzw. seit 1577 Raymundus Pius Fichard, dem Sohn von Johannes Fichard, der ein Jugendfreund K.s war). Mitarbeiter im Ausschuss zur Herausgabe der von Fichard erstellten „Ffter Reformation“ von 1578. Nach dem Tod Johannes Fichards rückte K. an dessen Stelle auf (1581). 1582 Rechtsberater von St. Katharinen. Fichard lobte K., der einer der typischen späthumanistischen gelehrten Advokaten war, als „einen der tätigsten und geschicktesten Geschäftsmänner“ der Zeit.
K. vermittelte in Streitigkeiten der Stadt mit benachbarten Territorien (Mainz, Isenburg, Hanau, Darmstadt). 1576 reiste er nach Wien, um sich beim Kaiser dafür zu verwenden, dass weder der durch seine missglückten Spekulationsgeschäfte in Ffm. missliebig gewordene Claus Bromm noch ein Günstling des Kaisers das Schultheißenamt erhielten. Auf K.s Vorschlag wurde sein Bruder Johann K. (1522-1589) Schultheiß in Ffm. Gesandter der Stadt bei den Reichstagen von Regensburg (1576) und Augsburg (1582) sowie beim Revisionstag des Reichskammergerichts in Speyer (1585). Gesandter beim Kreistag zu Worms (1588), wo er der Kommission zur Visitation des Reichskammergerichts vorstand.
Sammler von Kupferstichen und Handschriften, insbesondere von annalistischen, chronikalischen und genealogischen Aufzeichnungen. Seine Bibliothek ging in den Besitz seines Enkels Johann Maximilian zum Jungen über, der sie bedeutend vermehrte und 1690 der Stadt vermachte.
Herausgeber der „Venezianischen Chronik“ (deutsche und lateinische Ausgabe, erschienen bei Feyerabend, 1574).

Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 390f., verfasst von: Sabine Hock.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Literatur:
                        
Böhme, Günther (Hg.): Geistesgeschichte im Spiegel einer Stadt. Ffm. und seine großen Persönlichkeiten. Ffm./Bern/New York 1986. (Eruditio 21).Troje, Hans Erich: Der Stadtsyndicus Heinrich Kellner (1536-1589). Ein Kapitel Ffter Rechts- und Stadtgeschichte. In: Böhme (Hg.): Geistesgeschichte 1986, S. 3-18. | Jung, Rudolf: Das Ffter Stadtarchiv. Seine Bestände und seine Geschichte. Ffm. 1909. (Personen- und Sachindex im ISG vorhanden.)Jung: Stadtarchiv 1909, S. 187, 191, 223. | Trumpold, Ulrich: Heinrich Kellner 1536-1589. Studien zu Recht, Verwaltung und Politik in Ffm. im 16. Jahrhundert. Ffm. 1975. (Studien zur Ffter Geschichte 11).Trumpold: Heinrich Kellner 1975.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/6.810.

GND: 118561197 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2021 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Kellner, Heinrich. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/2884

Stand des Artikels: 11.5.1990