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Jahn, Karl

Sekretär des Schopenhauer-Archivs.

Karl Jahn
Karl Jahn
Fotografie.
© unbekannt. Der/die Fotograf/in ist auf der Bildvorlage nicht zu ermitteln.
Jahn, Karl Peter. Bibliothekar. * 10.5.1883 München, † 15.11.1966 Gauting bei München.
Verheiratet (seit 1935) mit Toni J., geb. Günther (1889-1950). Toni Günther, die als städtische Beamtin beim Ffter Arbeitsamt gearbeitet hatte, trat mit der Eheschließung in den Ruhestand.
Besuch des humanistischen Ludwigsgymnasiums in München. Von 1902 bis 1906 Praktika in Münchener Antiquariatsbuchhandlungen und einjähriges Volontariat in einer Buchhandlung in Antwerpen. Von 1906 bis 1913 Assistent an der Universitätsbibliothek Heidelberg; daneben Studium moderner Sprachen (Italienisch, Französisch und Englisch) als Gasthörer und ehrenamtliche Mitarbeit am „Deutschen Rechtswörterbuch. Wörterbuch der älteren deutschen Rechtssprache“ bei der Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Von 1913 bis 1914 Bibliothekssekretär an der Deutschen Bücherei in Leipzig. Am 1.7.1914 wurde J. von Friedrich Clemens Ebrard, dem Direktor der Ffter Stadtbibliothek, nach Ffm. geholt. Von 1915 bis 1918 Kriegsdienst. 1922 Studium des Hebräischen als Gasthörer am Orientalischen Seminar der Universität Ffm.
An der Stadtbibliothek machte J., der als äußerst pflichtbewusst und integer galt, schnell Karriere. Er arbeitete in der Ausleihe, wo er für den Schriftverkehr mit dem In- und Ausland zuständig war. 1919 wurde er verbeamtet, 1921 Sekretär des neu gegründeten Schopenhauer-Archivs, 1923 Sicherheitsbeauftragter der Stadtbibliothek, 1928 Bibliotheksoberinspektor und Vorsteher der Ausleihe mit Personalverantwortung. Bei all dem genoss er das volle Vertrauen seines Vorgesetzten Ebrard, der J. später als seinen Betreuer und Testamentsvollstrecker einsetzte.
Einen weit über seine Dienstverpflichtungen hinausgehenden Einsatz erbrachte J. für das seit 1921 bestehende Schopenhauer-Archiv. Ebrard betraute J. von Anbeginn mit dessen Verwaltung und Pflege seitens der Stadtbibliothek, während der Gründer des Archivs, Carl Gebhardt, die Funktion des ehrenamtlichen Archivars der Schopenhauer-Gesellschaft ausübte. 1927 wurde J. Mitglied der Schopenhauer-Gesellschaft und war seitdem in deren Ffter Ortsgruppe aktiv. Nach Gebhardts Tod 1934 erweiterten sich J.s Befugnisse. Er verfasste die jährlichen Archivberichte für das Schopenhauer-Jahrbuch und leitete das städtische Archiv praktisch alleine, denn die auf Gebhardt folgenden Archivare der Schopenhauer-Gesellschaft (Richard Oehler, Arthur Hübscher und ab 1937 der Naturwissenschaftler Karl Wagner) nahmen dieses Amt nur nominell wahr. Zu J.s Aufgaben im Schopenhauer-Archiv gehörten die Betreuung von Besucherinnen und Besuchern, die das Archiv bzw. spätere Museum besichtigen wollten, und insbesondere die Beratung von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, die die Bestände zu Forschungszwecken konsultierten. Zu den Archivnutzern zählte vor allen der in München lebende Arthur Hübscher, seit 1936 Präsident der Schopenhauer-Gesellschaft, der zwischen 1933 und 1942 zwei Briefbände und eine komplette Neuedition von Schopenhauers Werken herausbrachte – eine beträchtliche Arbeitsleistung, die er ohne J.s tatkräftige Unterstützung in der Kürze der Zeit wohl kaum hätte erbringen können. Hunderte von dienstlichen Korrespondenzen aus den Jahren 1932 bis 1945 zeugen von der vertrauensvollen und intensiven Zusammenarbeit zwischen J. und Hübscher, der sich die große Sachkenntnis des Ffter Bibliotheksbeamten zunutze machte: J. war über das Ffter Archiv hinaus sehr gut mit der Schopenhauer-Überlieferung im Allgemeinen vertraut. Zudem assistierte er Hübscher bei der Geschäftsführung der Schopenhauer-Gesellschaft und bei der Herausgabe des Schopenhauer-Jahrbuchs. Umso erstaunlicher ist es, dass Hübscher direkt nach dem Zweiten Weltkrieg (1946) J.s Initiative zur Wiederbelebung der Schopenhauer-Gesellschaft und zum sofortigen Wiederaufbau des Schopenhauerhauses mit Museum erfolgreich vereitelte.
Bereits seit 1929 lebte J., der zuvor (seit 1923) eine Dienstwohnung in der Stadtbibliothek, Schöne Aussicht 2, gehabt hatte, in der Römerstadt, zunächst An der Ringmauer 13, nach seiner Verheiratung 1935 in einer modernen Vierzimmerwohnung Im Burgfeld 145. Am 1.5.1933 trat J. der NSDAP bei. Seine regimekritische Haltung brachte ihm zahlreiche Schikanen ein. Die Praunheimer NSDAP-Ortsgruppe lud ihn mehrfach vor und warf ihm das Nichttragen des Parteiabzeichens, zu geringe Spenden für Parteiorgane, den Nichtbezug des „Völkischen Beobachters“ und den Umgang mit Juden und „Halbjuden“ vor. Ende 1933 entfernte die Partei J. aus dem Ehrenamt des stellvertretenden Bezirksvorstehers für die Altstadt, das er jahrelang innegehabt hatte. Das Reichbesoldungsamt kürzte ihm im Zuge der Angleichung der städtischen Bezüge unter dem Vorwand der fehlenden Bibliotheksfachprüfung (die es zum Zeitpunkt von J.s bibliothekarischer Ausbildung noch gar nicht gegeben hatte) 1936 die Zulage, die ihm die Stadt gemäß seiner Tätigkeit gewährt hatte.
Doch J.s dienstlicher Verantwortungsbereich vergrößerte sich erneut, als der Ffter NS-Oberbürgermeister Krebs im November 1938 beschloss, in Schopenhauers Sterbehaus Schöne Aussicht 16 ein Museum einzurichten. J. überwachte die Renovierung, organisierte die Ausstattung des Museums mit Objekten und Möbeln aus der städtischen Sammlung und überführte die Archivalien von der Stadtbibliothek in das nahe gelegene Schopenhauerhaus. Fried Lübbecke, der seit 1917 im Schopenhauerhaus wohnte, unterstützte die städtischen Bemühungen zur Errichtung des Schopenhauer-Museums, lehnte aber die ihm angetragene Museumsleitung ab und überließ sie J. „als dem besseren Fachmann“. Im Juni 1940 bezogen J. und seine Frau im Schopenhauerhaus Schöne Aussicht 16 eine Zweizimmerwohnung im ersten Stock. Zu diesem Schritt sah sich J. als designierter Leiter des Schopenhauer-Museums aus dienstlichen Gründen verpflichtet. Die Stadt übernahm die Umzugs- und Einrichtungskosten. Die Eröffnung des Schopenhauer-Museums, die erstmals bereits am 22.2.1940 hätte stattfinden sollen, wurde kriegsbedingt ausgesetzt. Bei dem Luftangriff auf Ffm. am 22.3.1944 wurde das Schopenhauerhaus zerstört. Die Bewohnerinnen und Bewohner, darunter J., Lübbecke und ihre Ehefrauen, überlebten den Angriff im Keller des Hauses. Aus dem Museum im bereits brennenden Haus bargen J. und sein Bibliothekskollege Robert Diehl, der an diesem Abend die Feuerwache in der Stadtbibliothek hatte, zwei Großobjekte: Schopenhauers Sofa und Schreibtischstuhl. J. sicherte die in der Brandnacht vorläufig auf der Alten Brücke abgestellten Möbel vor Diebstahl, indem er darauf übernachtete und später den Abtransport organisierte. Heute sind die beiden Objekte im Schopenhauer-Studio in der UB Ffm. ausgestellt.
Nach dem Verlust seiner Wohnung bei der Zerstörung des Schopenhauerhauses im März 1944 wurde J. in verschiedenen Unterkünften in Ffm.-Höchst zwangseinquartiert. Einige Wochen nach Kriegsende verlor er am 18.6.1945 aufgrund seiner Parteizugehörigkeit den Beamtenstatus, wurde aber wegen seiner Fachkenntnisse auf Anweisung der lokalen Militärbehörden als einfacher Arbeiter in der Stadtbibliothek weiterbeschäftigt, jetzt im Rothschild’schen Palais am Untermainkai 15, nachdem das eigentliche Bibliotheksgebäude an der Schönen Aussicht 1943/44 ebenfalls zerstört worden war. Nach der Direktive der Militärregierung vom 7.7.1945 wurde J. vom Ffter Personalamt und gegen den Einspruch des Kulturamts ganz aus dem Dienst entlassen, ohne jegliche Bezüge zu erhalten. Zur weiteren Überprüfung im Zuge der Entnazifizierung hatte sich J. als Beamter zunächst vor einem städtischen Untersuchungsausschuss unter Vorsitz von Stadtrat Hellmut Reinert zu verantworten. Der Ausschuss kam am 28.9.1945 zu dem Ergebnis, dass J.s Weiterbeschäftigung als Arbeiter in städtischem Dienst als „bedenkenfrei“ anzusehen sei. J.s „nazifeindliche“ Einstellung hatten bedeutende Persönlichkeiten der Ffter Stadtgesellschaft, darunter Fried Lübbecke, Maria Gräfin Lanckorońska (1896-1978) und Landgerichtspräsident Johannes Becker, sowie der Hanauer Stadtbibliotheksdirektor und Stadtarchivar Rudolf Bernges (1887-1972), damals zugleich Leiter des städtischen Kulturamts in Hanau, bezeugt. Bereits kurz vor seiner Entlassung hatte J. jedoch seine vorzeitige Versetzung in den Ruhestand aus Gesundheitsgründen beantragt; dem Gesuch wurde im September 1945 stattgegeben. Das Entnazifizierungsverfahren durch die Spruchkammer folgte zwei Jahre später, im Sommer 1947, und wurde auf Anordnung nur schriftlich durchgeführt. J. ergänzte seine Verteidigung um weitere Entlastungszeugnisse, u. a. von Hanns Wilhelm Eppelsheimer. Am 7.8.1947 stufte ihn die Spruchkammer in die Gruppe 4 (Mitläufer) ein und verurteilte ihn zu einem Sühnegeld von 500 Reichsmark. Zu der ihm vorgeworfenen Mitgliedschaft im Reichsluftschutzbund (RLB) wandte J. ein, er sei wie alle städtischen Beamten ohne eigenes Zutun zum RLB angemeldet worden; zudem habe er die „Erhaltung von Kulturwerten“ stets als seine „moralische Pflicht“ erachtet. Er schreibt: „Durch meine Tätigkeit [als Luftschutzleiter] und die Mithilfe meiner Mitarbeiter wurde der Stadt Frankfurt a. M. die ganze Frh. v. Rothschild’sche Bibliothek Untermainkai 15 vorm Untergang gerettet.“ Auch die Rettung der „geistigen Werte“ aus der Stadtbibliothek, Schöne Aussicht 2, für die er stellvertretender Luftschutzleiter gewesen war, sei „ein Gutteil“ sein Verdienst. Unter „demselben Gesichtspunkt“ habe er 1938 mitgeholfen, „die Bestände und die Einrichtungen des Jüdischen Museums in der Börnestraße zu sichern, sodass diese Kulturwerte auch zum großen Teil erhalten blieben“. Zum Novemberpogrom schreibt er weiter: „Aus den brennenden Synagogen bargen wir Bücher, über 40 Thorarollen, Kultgewänder und mehrere Körbe voll goldener und silberner Kultgeräte.“ Nach der Kapitulation habe er veranlasst, dass Bücher und Aktenbestände bei der Gestapo in der Lindenstraße abgeholt worden seien, um sie den amerikanischen Behörden zu übergeben. J., der sich als pflichttreuen Beamten sah, der bei der „Rettung“ von Ffter Kulturgütern häufig „seine Gesundheit und sein Leben“ eingesetzt habe, erwartete von der Spruchkammer ein entlastendes Urteil und empfand den Schuldspruch als ungerechtfertigt.
In der NS-Zeit hatte J. zur „Fürsteneck-Runde“ gehört, einem regimekritisch gesonnenen Zirkel, der sich seit 1938 monatlich unter dem Vorsitz des Schriftstellers Alfons Paquet in der Geschäftsstelle des Bunds tätiger Altstadtfreunde im Fürsteneck traf. Zu den Teilnehmern gehörten neben Lübbecke und J. u. a. Hellmut Reinert, Ernst Beutler, Willi Emrich, Ernst Balser, Ernst Holzinger und Georg Hartmann. Nach Zerstörung des Fürstenecks bei dem Luftangriff am 18.3.1944 setzte die Tischrunde ihre Treffen bis in die Nachkriegszeit hinein in der Metzlerstraße 25, im Haus des Bankiers Peter Bartmann, fort. J., der vor diesem Hintergrund über die stadtpolitischen Vorgänge bestens informiert war, sah schon 1945 im Wiederaufbau des Schopenhauer-Museums eine vordringliche Aufgabe. Da ihm als ehemaligem „Parteigenossen“ die Hände gebunden waren, bat er seinen politisch unbelasteten Freund Lübbecke um Unterstützung. Lübbecke wurde 1946 Mitglied der Schopenhauer-Gesellschaft und stellte in deren Namen am 15.4.1946 beim Leiter des Kulturamts, Stadtrat Rudolf Keller, einen Antrag, der Schopenhauer-Gesellschaft einen Zuschuss zu gewähren, damit J. seine Arbeit als Sekretär des Archivs fortsetzen könnte. Eine schriftliche Zustimmung seitens des Vorsitzenden Arthur Hübscher, den J. über das Vorhaben informiert hatte, legte Lübbecke seinem Antrag bei. Zugleich rief J. die Ffter Ortsgruppe der Schopenhauer-Gesellschaft zusammen, die sich am 12.6.1946 erstmals traf. Er stützte sich dabei auf die Mitgliederliste aus dem Jahrbuch der Schopenhauer-Gesellschaft von 1944, denn seiner Bitte um Zusendung einer aktualisierten Mitgliederliste war Hübscher nicht nachgekommen. Obwohl die Ffter Aktivisten (elf Mitglieder waren anwesend, drei entschuldigt) dem Vorsitzenden laut Protokoll ihres Ortsgruppentreffens volle Loyalität zusicherten – Hübscher war ebenfalls Mitglied der NSDAP gewesen und riskierte aus damaliger Sicht eine Entfernung aus der Vorstandsposition durch die Militärregierung –, hintertrieb dieser alsbald aus „gekränktem Ehrgeiz“ (Lübbecke an Stadtrat Keller, 26.6.1946) den Vorstoß. In Schreiben an alle Beteiligten (Kulturamt, Ortsgruppen- und Vorstandsmitglieder) stellte Hübscher die Rechtmäßigkeit von Lübbeckes Antrag infrage und drohte mit juristischen Konsequenzen: Die möglichen Zuschüsse der Stadt wies er zurück bzw. knüpfte er an Bedingungen, die Gründung einer Ortsgruppe ohne sein Einverständnis bezeichnete er als unzulässig, und den Vorstandsmitgliedern der Schopenhauer-Gesellschaft legte er einen Vereinsausschluss Lübbeckes nahe. Nach einem weiteren von J. einberufenen Treffen der Ffter Ortsgruppe am 17.7.1946 verlief die Sache schließlich im Sande. Lübbecke wollte mit der Schopenhauer-Gesellschaft seitdem nichts mehr zu tun haben und schalt in einem späteren Schreiben an deren Schatzmeister Hübschers Verhalten „taktlos und undankbar“ (2.8.1949).
Im August 1946 zog J. – inzwischen mittellos – zu seinen Geschwistern nach Gauting bei München. Er kehrte entgegen seiner ursprünglichen Absicht nicht mehr dauerhaft nach Ffm. zurück, um seine „Lebensarbeit, den Wiederaufbau des Schopenhauer-Archivs“, zu vollenden. Eine Bibliothekarsstelle, die Lübbecke ihm Ende 1946 in Bad Homburg angeboten hatte, schlug J. aus. Die Bestände des Schopenhauer-Archivs wurden zwar noch auf J.s Initiative in einem Büro der nunmehrigen Stadt- und Universitätsbibliothek am Untermainkai 15 aufgestellt, konnten dort aber nicht mehr fachlich betreut werden. Im Bericht von der 16. Generalversammlung der Schopenhauer-Gesellschaft, die im Mai 1955 im Ffter Volksbildungsheim abgehalten wurde – die 15. Generalversammlung hatte 1933 noch im Schopenhauerhaus stattgefunden –, verschweigt Hübscher J.s Initiative und die Treffen der Ffter Ortsgruppe und stellt sich selbst als denjenigen dar, der in der Nachkriegszeit in München die erste Ortsgruppe gebildet und damit die Wiederbelebung der Schopenhauer-Gesellschaft bewirkt habe: eine Verfälschung der historischen Tatsachen.
In den mehr als drei Jahrzehnten, in denen J. in Ffm. gelebt hat, war er über die politischen Grenzen hinweg wegen seines Fleißes, seiner Pflichttreue und Fachkompetenz bei Kollegen und Vorgesetzten sehr angesehen. Oberbürgermeister Krebs vertraute ihm 1940 die Fortführung der städtischen Briefmarkensammlung an, und Richard Oehler, in der NS-Zeit Generaldirektor der Ffter Bibliotheken, unterstützte noch 1944 J.s Kampf um eine gerechte Besoldung mit einem befürwortenden Zeugnis. J., der seinen bairischen Zungenschlag nie ganz abgelegt haben soll, hatte einen großen Freundeskreis. Neben den Mitstreitern aus dem Bund tätiger Altstadtfreunde gehörten für den Katholiken J. die Professoren der Philosophisch-Theologischen Lehranstalt Sankt Georgen ebenso dazu wie die SPD-Politiker Anna Gehrke (1883-1975) und Hermann Wendel, aber auch die „in der ganzen Welt wohnenden Anhänger Schopenhauers“.
Im Juli 1954 weilte J. für knapp vier Wochen noch einmal in Ffm. Seine früheren Kollegen aus der Stadt- und Universitätsbibliothek hatten ihm telegrafiert, dass ab dem 12.7.1954 das Grundstück Schöne Aussicht 16 geräumt würde. J. fand sich pünktlich zu Arbeitsbeginn ein und verfolgte die Räumungsarbeiten vor Ort und auf dem Bauhof. Unter den Objekten, die ausgegraben wurden, waren u. a. ein bronzener Porträtkopf des Komponisten Paul Hindemith aus Lübbeckes Besitz, eine weitere Büste und Bronzeplaketten, die auf dem Bauhof der Abrissfirma von Alteisensammlern des Nachts gestohlen wurden. J. erstattete pflichtgemäß Anzeige. Ob er Ffm. nach diesem Aufenthalt wieder besucht hat, ist nicht bekannt.
Weitere Mitgliedschaften: Reichsbund der Deutschen Beamten (seit 1920), Bund tätiger Altstadtfreunde, „Weisheitsbembel“ (geleitet von Hermann Wendel) sowie Wohlfahrtsvereine und Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.
Veröffentlichung einiger kürzerer Artikel in Zeitungen, Zeitschriften und Broschüren, u. a. „Wilhelm Busch und Fft.“ (in: Ffter Nachrichten, 15.3.1932), „August Gabriel Kilzer und Schopenhauer“ (in: Ffter Beiträge, 1933, und Jb. d. Schopenhauer-Gesellschaft, 1934), zwei kurze Artikel „Schopenhauer und Braunau am Inn“ und „Schopenhauer und Schoppenhauer“ in einer städtischen Broschüre zu Schopenhauers 150. Geburtstag (1938) und „Johanna Schopenhauer und Fft.“ (in: Ffter Feldpostgrüße für die Gefolgschaftsmitglieder der Stadtverwaltung, 1942).
1917 Eisernes Kreuz II. Klasse. 1918 Bayerisches Militärverdienstkreuz III. Klasse. 1934 Ehrenkreuz für Frontkämpfer. Zum 25. Dienstjubiläum 1939 Treudienst-Ehrenzeichen.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Gudrun Jäger.

Literatur:
                        
Hartmann, Georg (Hg.)/Lübbecke, Fried (Bearb.): Alt-Fft. – Ein Vermächtnis. Ffm. [1950].Lübbecke, Fried: Abschied vom Schopenhauerhause. Niedergeschrieben im April 1944 in Homburg vor der Höhe. In: Hartmann (Hg.)/Lübbecke (Bearb.): Alt-Fft. 1950, S. 327-330. | Lübbecke, Fried: Fünfhundert Jahre Buch und Druck in Ffm. Ffm. 1948.Lübbecke: Buch u. Druck 1948, S. 25, 350. | Jahrbuch der Schopenhauer-Gesellschaft. Titel seit 1945/48: Schopenhauer-Jahrbuch. Hg. im Auftr. d. Schopenhauer-Gesellschaft. Bisher 102 Jahrgänge. Kiel, später Heidelberg, ab 1945/48 Ffm., ab 1992 Würzburg 1912-44 u. 1945/48-2021.Hübscher, Arthur: Unsere Toten. In: Schopenhauer-Jb. 48 (1967), S. 207.
Quellen: Ffter Volksblatt (Ffter Beobachter). Nationalsozialistische Tageszeitung; ab 1933: Amtliches Organ [später: Zentralorgan] der NSDAP für den Gau Hessen-Nassau. Ffm. 1930-43. [Dann fortgesetzt u. d. T.: Rhein-Mainische Zeitung. Ffm. 1943-45.]Wüst, Heinrich Theodor: Das Schopenhauer-Archiv Fft. Blick auf das Lebenswerk eines Ffter Bibliotheksbeamten. In: Ffter Volksblatt, 14.5.1943. | Ffter Zeitung. Ffm. (1856) 1866-1943.Die Suche nach Schopenhauers Sofa. Ein Geburtstagsgespräch mit Bibliothekar Karl Jahn. In: FZ, [Mai 1943]. | Ffter Zeitung. Ffm. (1856) 1866-1943.F. A. K.: Bibliothekar Karl Jahn. Zu seinem sechzigsten Geburtstage. In: FZ, 9.5.1943. | Hessisches Landesarchiv, Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden.HLA, Hess. Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Spruchkammerakten, Best. 520/F unverz. Nr. 202.392 R. 4.701 K. 1.661. | ISG, Archiv der „Freunde Fft.s“ (vorm. Bund tätiger Altstadtfreunde), 1950-90.ISG, Freunde Fft.s – Bund tätiger Altstadtfreunde, V40/42 (Korrespondenz mit Mitgliedern, 1954). | ISG, Archiv der „Freunde Fft.s“ (vorm. Bund tätiger Altstadtfreunde), 1950-90.ISG, Freunde Fft.s – Bund tätiger Altstadtfreunde, V40/95, Bd. 1 (Wiederaufbau des Schopenhauerhauses, 1945-54). | ISG, Personalakten der Stadtverwaltung (Best. A.11.02), ab ca. 1900.ISG, PA 12.171, 56.130, 59.066. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/4.694. | Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, vorm. Stadt- und Universitätsbibliothek, Ffm.UB Ffm., Archivzentrum, Schopenhauer-Gesellschaft, Best. B 1 Nr. 45 (Schopenhauer-Archiv unter der Leitung von Karl Jahn, 1940-47). | Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, vorm. Stadt- und Universitätsbibliothek, Ffm.UB Ffm., Archivzentrum, Schopenhauer-Gesellschaft, Best. B 1 Nr. 46 (Schopenhauer-Archiv unter der Leitung von Karl Jahn, 1932-39). | Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, vorm. Stadt- und Universitätsbibliothek, Ffm.UB Ffm., Archivzentrum, Schopenhauer-Gesellschaft, Best. B 1 Nr. 49 (Schriftwechsel des Präsidenten Arthur Hübscher mit Hans Zint, 1936-44; darin auch: Briefe von Karl Jahn). | Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, vorm. Stadt- und Universitätsbibliothek, Ffm.UB Ffm., Archivzentrum, Schopenhauer-Gesellschaft, Best. B 1 Nr. 51 (Allgemeine Korrespondenz, 1946; betr. u. a. Entnazifizierung Karl Jahns). | Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, vorm. Stadt- und Universitätsbibliothek, Ffm.UB Ffm., Archivzentrum, Schopenhauer-Gesellschaft, Best. B 1 Nr. 326 (Ffter Ortsgruppe, 1946).

GND: 1183207689 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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    © 2022 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
    Empfohlene Zitierweise: Jäger, Gudrun: Jahn, Karl. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/12731

    Stand des Artikels: 10.6.2022
    Erstmals erschienen in Monatslieferung: 06.2022.