Flesch, Familie

Jüdische Familie, deren Name von dem Hausnamen „Flasche“ (auch: Flasch) in der Judengasse abgeleitet wurde. Das Haus (zur) Flasche wurde um 1530 für den Schulmeister Jakob von Prag und dessen Ehefrau Maidgen erbaut. Deren Sohn war wahrscheinlich der berühmte Gelehrte und Prediger Akiwa Frankfurter († 1597), der an der Ffter Jeschiwa unterrichtete. Noch lange waren die Bewohner des Hauses (zur) Flasche nachweislich Gemeindebeamte. Das Haus, von dem um 1583 das Haus Mohr abgeteilt wurde, wurde bei dem „Großen Judenbrand“ 1711 zerstört und später wiederaufgebaut; die Stadt Ffm. erwarb es 1865 zum baldigen Abbruch.
Um 1660 siedelte der Mehlhändler Löb zur Flasche in das durch Teilung des Hauses (zum) Buchsbaum entstandene Haus (zum) Birnbaum in der Judengasse über, das seine Nachkommen ununterbrochen bewohnten, weshalb sie sich künftig auch „F. zum Birnbaum“ (oder: F.-Birnbaum) nannten. Durch ihre Handelstätigkeit kam die Familie im Laufe des 18. Jahrhunderts zu Wohlstand. Noch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein waren ihre Mitglieder etwa im Metallhandel und im Lotteriegeschäft tätig. So ist die 1778 von Hirsch Marx (1742-1825) und Aron Marx F. (1747-1824) gegründete Firma „Gebr. Flesch“, ursprünglich „in Metallen, Wachs, Rosshaar, Schrot, Tafelblei und Hirschhörnern“, bis 1910 als Eisen- und Metallhandlung im Ffter Adressbuch zu finden. Die seit 1885 bestehenden „Farb- und Gerbstoff-Werke Carl Flesch jr.“, gegründet von Carl F. (1850-1935) und fortgeführt von dessen Sohn Herbert Bertram F. (1890-1979), gehörten zu den ersten Produktionsfirmen, die ihren Sitz im Gallusviertel hatten; als „Flesch-Werke AG“ (seit 1923) mit Standorten in Ffm. und Oberlahnstein existierte das Unternehmen bis zur „Arisierung“ in der NS-Zeit (1937/39).
Ein Teilhaber der von seinem Vater Hirsch Marx F. mitbegründeten Firma „Gebr. Flesch“ war seit 1817 der Ffter Bürger und Handelsmann Gustav Hirsch F. (1791-1856). Aus dessen Ehe mit Jette, geb. Schloß (1795-1834), stammten neun Kinder. Der zweite Sohn, der Arzt Dr. Jacob Gustav F. (1819-1892), trat mit seiner Familie 1859 zum evangelischen Glauben über. Seine Söhne waren der Arzt Prof. Dr. Max F. (1852-1943) und der Sozialpolitiker und Stadtrat Karl F. (1853-1915). Dessen Söhne wiederum waren der Jurist Dr. Jacob F. (1885-1972), der Chirurg Prof. Dr. Max F.-Thebesius (1889-1983) und der Arzt Dr. Hans F. (1896 bis vermutlich 1945), der die frühe Geschichte des Rundfunks in Ffm. und Berlin prägte. Tochter von Max F.-Thebesius war die Journalistin und Theologin Marlies F.-Thebesius (1920-2018), langjährige Pfarrerin der Paulsgemeinde (1972-83), die in Büchern und Vorträgen immer wieder über die Ausgrenzung und Verfolgung der Familie in der NS-Zeit berichtete („Hauptsache Schweigen. Ein Leben unterm Hakenkreuz“, Autobiographie, 1988).

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.

Lexika: Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 156.
Literatur:
                        
Dietz, Alexander: Stammbuch der Ffter Juden. Ffm. 1907.Dietz: Stammbuch d. Ffter Juden 1907, S. 80-82, Nr. 152.
Quellen: Adressbuch der Stadt Ffm., 1832-2003.Adr. 1910, T. I, S. 102. | Ffter Rundschau. Ffm. 1945-heute.Flesch, Armin H.: Arisierung nach Drehbuch. 1937 wurde die Flesch-Werke AG, ein Ffter Chemieunternehmen in jüdischem Besitz, „arisiert“. (...) In: FR, 7.6.2016. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/11.778. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/7.635 (Marlies Flesch-Thebesius).
Internet: Projekt Jüdisches Leben in Ffm., Spurensuche – Begegnung – Erinnerung e. V., Oberursel. http://www.juedisches-leben-frankfurt.de/de/home/biographien-und-begegnungen/biographien-a-f/familie-flesch.html
Hinweis: Artikel über die Familie Flesch von Till Lieberz-Groß.
Jüd. Leben in Ffm., 12.11.2021.
| Infobank zur Judengasse in Ffm., Jüdisches Museum der Stadt Ffm., Museum Judengasse, Ffm. http://www.judengasse.de/dhtml/F018.htm - http://www.judengasse.de/dhtml/H130.htm -
Hinweis: Artikel über die Familie Flesch und das Haus Flasche in der Ffter Judengasse.
Museum Judengasse, 12.11.2021.


GND: 1046955098 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Flesch, Familie. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/4261
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Stand des Artikels: 12.11.2021
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 11.2021.