Rottenberg, Ludwig

Erster Kapellmeister am Ffter Opernhaus von 1892 bis 1926.

Rottenberg, Ludwig. Dr. Dirigent. Komponist. Musikpädagoge. * 11.10.1864 Czernowitz/Bukowina, † 6.5.1932 Ffm.
R. entstammte dem deutschsprachig-jüdischen Milieu des Buchenlands.
Musikalische Ausbildung in Czernowitz, später am Wiener Konservatorium. R. begann als Liedbegleiter und Dirigent eines Amateurorchesters. Sein erstes festes Engagement erhielt er am Opernhaus Brünn. 1892 bewarb er sich um die Nachfolge des verstorbenen Ersten Kapellmeisters der Ffter Oper, Otto Dessoff, und setzte sich gegen die Mitbewerber Richard Strauss und Felix Mottl durch. Die günstigen Empfehlungen von Johannes Brahms und Hans von Bülow gaben den Ausschlag. Von 1892 bis 1926, unter sechs Intendanten, wirkte R. als Erster Kapellmeister am Ffter Opernhaus und entwickelte sich in dieser Zeit zu einer führenden Persönlichkeit im Ffter Musikleben. Besonders in der Zusammenarbeit mit dem Intendanten Emil Claar trug R. wesentlich zum Ruf der Ffter Opernhauses als eines der fortschrittlichsten Musiktheater Europas bei. Neben der Pflege des klassischen Repertoires (vornehmlich als Mozartdirigent) förderte R. nachdrücklich die Werke zeitgenössischer Komponisten. So brachte er viele bedeutende Kompositionen kurz nach deren Uraufführung auf den Ffter Spielplan, u. a. Pfitzners „Der arme Heinrich“ (1897), Debussys „Pelléas und Mélisande“ (dt. EA, 1907) und Strauss’ „Elektra“ (1909) sowie Werke von Busoni, Janáček, Bartók und Hindemith. Große Aufmerksamkeit widmete R. dem Schaffen von Franz Schreker; er leitete die Uraufführungen von „Der ferne Klang“ (1912), „Die Gezeichneten“ (1918) und „Der Schatzgräber“ (1920) am Ffter Opernhaus. Langjähriger Dirigent der Museumskonzerte. Nach seinem Abschied von der Ffter Oper unterrichtete R. noch einige Jahre am Hoch’schen Konservatorium.
Als Komponist schuf R. vor allem Lieder und Variationen für Klavier. 1913 schrieb er den Operneinakter „Die Geschwister“ (eine Vertonung des gleichnamigen Werks von Goethe), der 1915 am Ffter Opernhaus uraufgeführt wurde.
Porträt (von Jakob Nussbaum). Porträt (von Hanna Bekker vom Rath).
Verheiratet mit Theodore Adickes, einer Tochter des Ffter Oberbürgermeisters Franz Adickes. Die gemeinsame Tochter Gertrud R. (1900-1967) heiratete den Komponisten Paul Hindemith.
1964 Gedenkausstellung zum 100. Geburtstag im Foyer des Opernhauses.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 221f., verfasst von: Reinhard Frost.
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Lexika: Riemann Musiklexikon. Hg. v. Willibald Gurlitt und Carl Dahlhaus. Personenteil, 2 Bde. u. 2 Ergänzungsbde. Mainz 1959-79.Riemann: Musik.
Literatur:
                        
Arnsberg, Paul: Die Geschichte der Ffter Juden seit der Französischen Revolution. Hg. v. Kuratorium für Jüdische Geschichte e. V., Ffm. Bearb. u. vollendet durch Hans-Otto Schembs. 3 Bde. Darmstadt 1983.Arnsberg: Gesch. d. Ffter Juden 1983, Bd. III, S. 403-406. | Pfeiffer-Belli, Erich: Junge Jahre im alten Fft. und eines langen Lebens Reise. Wiesbaden/München 1986.Pfeiffer-Belli: Junge Jahre im alten Fft. 1986, S. 27f., 33.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/779.
Internet: Das Kulturportal der Stadt Ffm., Bereich Musik, Komponistinnen und Komponisten in Ffm., hg. vom Kulturamt der Stadt Ffm. http://www.kultur-frankfurt.de/portal/de/Musik/Rottenberg2cLudwig1864-1932/2434/0/77955/mod1981-seite2-details1/5.aspxKomponistinnen u. Komponisten in Ffm., 17.2.2015.

GND: 116642351 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2020 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Rottenberg, Ludwig. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/954

Stand des Artikels: 6.4.1995