Morgenstern, Künstlerfamilie

Die Ffter Familie M. geht zurück auf Johann Ludwig Ernst M., der sich 1775 in Ffm. niederließ. Er stammte aus Rudolstadt, wo sein Vater Johann Christoph M. (1697-1767) Kammerdiener und Hofmaler des Fürsten Johann Friedrich von Schwarzburg-Rudolstadt gewesen war. Das Maltalent wurde jeweils vom Vater an den Sohn weitergegeben. Erst 1919 starb das letzte Mitglied der Familie M., das den Künstlerberuf ausgeübt hat.
Retrospektive Ausstellungen von Werken aller fünf Generationen der Künstlerfamilie M. im Ffter Kunstverein 1911, im Städelschen Kunstinstitut 1939 und im Ffter Goethe-Museum 1999/2000.
M.straße in Sachsenhausen.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 63, verfasst von: Birgit Weyel.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.

Literatur:
                        
Carl Morgenstern und die Landschaftsmalerei seiner Zeit. Hg.: Museum Giersch. Konzeption und Organisation: Christian Ring. Katalogred.: Sophia Dietrich u. a. Petersberg 2011.Carl Morgenstern u. die Landschaftsmalerei 2011. | Die Ffter Malerfamilie Morgenstern in fünf Generationen. Hg. v. der Museumsgesellschaft Kronberg e. V. Ffm. 1982. (Dokumentation der Museumsgesellschaft Kronberg, Schriften 2).Die Ffter Malerfamilie Morgenstern 1982. | Helmolt, Christa von: Das Morgenstern’sche Miniaturcabinet 1789-1830. Ffm. 1979. (Galerie Uwe Opper / Katalog 6).Helmolt: Das Morgenstern’sche Miniaturcabinet 1979.

GND: 118736906 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
Einträge zu dieser Familie in anderen Datenbanken ansehen

4 herausragende Vertreter der Familie in Ffm.

Morgenstern, Carl

Morgenstern, Carl. Prof. Maler. * 25.10.1811 Ffm., † 10.1.1893 Ffm.
Sohn und Schüler des Landschaftsmalers und Restaurators Johann Friedrich M. und dessen Ehefrau Maria Magdalena, geb. Bansa. Auch M.s Ehefrau stammte aus der Familie Bansa: Er war verheiratet mit Luise Marianne Cleophea M., geb. Bansa (1824-1913). Von seinen vier Kindern widmete sich nur der zweite Sohn Friedrich Ernst M. der Malerei.
Nach erster Ausbildung durch den Vater, der ihn auch Landschaftsbilder anderer Künstler studieren und kopieren ließ, ging M. 1832 nach München, wo der Landschaftsmaler Carl Rottmann und sein Namensvetter Christian Morgenstern ihn künstlerisch beeinflussten. Von dort aus trat er 1834 eine Reise durch Italien an. 1837 kehrte er nach Ffm. zurück, wo er sich endgültig niederließ, lediglich unterbrochen von einigen Reisen in die Schweiz, nach Frankreich, Belgien, Holland und immer wieder nach Italien.
In seinem Atelier in Ffm. setzte M. die in Italien entstandenen – heute besonders geschätzten – Ölskizzen in repräsentative Bilder um. Von nun an tauchte er all seine Gemälde in das warme Licht Italiens, auch die Ansichten der Stadt Ffm., des Taunus und der Main- und Rheinlandschaften. Es entstanden herausragende Beispiele einer zwischen Spätromantik und Realismus angesiedelten Landschaftsmalerei. Eine 1850 im Auftrag des Senats angefertigte Ansicht Fft.s wurde zum vielfach bestellten und kopierten Glanzstück seines Œuvres. M.s Bilder, die schon damals große Anerkennung genossen, werden heute zu den schönsten der deutschen Landschaftsmalerei im 19. Jahrhundert gezählt. Während seine Vorfahren lediglich gute Handwerker gewesen waren, die der niederländischen Kunst des 17. Jahrhunderts nacheiferten, gilt Carl M. als erster eigenständiger Künstler der Familie. Die von Paris ausgehende Weiterentwicklung der Kunst während seiner letzten Lebensjahre hat er freilich nicht mehr mitgemacht.
Arbeiten M.s im Städelschen Kunstinstitut, in der Städtischen Galerie und im HMF.
1866 Ernennung zum Professor durch die Fürstin Reuß ä. L.
Zum 200. Geburtstag 2011/12 Retrospektive „Carl M. und die Landschaftsmalerei seiner Zeit“ im Museum Giersch in Ffm.

Literatur:
                        
Carl Morgenstern. Katalog zur Ausstellung in der Kunsthandlung J. P. Schneider jr. (...). Texte: Christoph Andreas. Ffm. 1993.Andreas: Carl Morgenstern (Kat.) 1993. | Carl Morgenstern und die Landschaftsmalerei seiner Zeit. Hg.: Museum Giersch. Konzeption und Organisation: Christian Ring. Katalogred.: Sophia Dietrich u. a. Petersberg 2011.Carl Morgenstern u. die Landschaftsmalerei 2011. | Eichler, Inge: Carl Morgenstern. Unter besonderer Berücksichtigung seiner Schaffensphase von 1826-1846. Darmstadt 1976. (Auch als: Kunst in Hessen und am Mittelrhein 15/16).Eichler: Carl Morgenstern 1976. | Eichler, Inge: Der frühe Ffter Morgenstern 1826-1846. Ffm. 1974.Eichler: Der frühe Ffter Morgenstern 1974. | Maisak, Petra/Kölsch, Gerhard: Ffter Goethe-Museum. Die Gemälde. „... denn was wäre die Welt ohne Kunst?“ Bestandskatalog. Hg. v. Freien Deutschen Hochstift. Ffm. 2011.Maisak/Kölsch: Gemäldekat. d. Ffter Goethe-Museums 2011, S. 177f. | Romantik im Rhein-Main-Gebiet. Hg.: Museum Giersch der Goethe-Universität, Ffm. Katalogredaktion: Mareike Hennig, Manfred Großkinsky, Birgit Sander, Susanne Wartenberg, Linda Baumgartner. Petersberg 2015.Romantik im Rhein-Main-Gebiet 2015, S. 201, 246, 249, 272f. u. ö.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/7.066.

Morgenstern, Ernst

Morgenstern, Johann Ludwig Ernst. Maler. Gemälderestaurator. * 22.9.1738 Rudolstadt, † 13.11.1819 Ffm.
Nach erstem Unterricht durch den Vater studierte M. von 1766 bis 1768 an der damals berühmten Akademie von Salzdahlum. Dort entwickelte er sich zu einem tüchtigen Landschafts- und Schlachtenmaler. Seine Wanderjahre führten ihn nach Hamburg, wo er bei einem Kunsthändler hauptsächlich mit Restaurieren und Kopieren von Gemälden beschäftigt war. 1769 kam er erstmals nach Ffm., wo er in der Werkstatt des Christian Georg Schütz d. Ä. mitarbeitete. Schon im nächsten Jahr ging er nach Darmstadt, um auf Bitten der Witwe von Johann Conrad Seekatz dessen Werkstatt weiterzuführen. Bald war er allerdings schon wieder in Ffm. anzutreffen, als Mitarbeiter in der Tapetenmanufaktur des Johann Andreas B. Nothnagel. Neben der Darstellung von Ideallandschaften und Schlachtenszenen begann er, unterwiesen durch den Züricher Maler Johann Vögelin, mit der Darstellung von perspektivisch aufgebauten Innenräumen. Von nun an malte er fast ausschließlich Kirchen- und Gefängnisinterieurs. 1775 ließ M. sich endgültig in Ffm. nieder, heiratete die wohlhabende Anna Maria Alleinz und erhielt das Ffter Bürgerrecht. 1791 erwarb er das Haus Zeil 49.
M. war ein geschätzter Maler, dessen Schlachtenbilder, Stillleben, Landschaften und besonders Kircheninterieurs nach niederländischem Vorbild in Ffm. einen großen Sammlerkreis fanden. Er wurde zum Hauskünstler des Rats Goethe und unterrichtete dessen Kinder Johann Wolfgang und Cornelia im Zeichnen und in der Perspektive.
Neben seiner Tätigkeit als Maler war M. auch ein vielgefragter Restaurator. Die zahlreichen Privatsammlungen in Ffm. boten ihm ein weites Betätigungsfeld. 1789 begann er, sich eine Miniaturensammlung anzulegen. Hierbei handelte es sich um selbstangefertigte Kopien all jener hervorragenden Bilder, die im Lauf der Jahre durch die Hände des Restaurators gingen. Drei selbstgezimmerte, klappaltarähnliche Schränkchen standen zur Aufnahme der Miniaturen nach Werken überwiegend niederländischer, aber auch deutscher und italienischer Meister bereit. Etwa drei Viertel der 205 Miniaturen fertigte M. an, die übrigen stammen von seinem einzigen Sohn Johann Friedrich M., der die Restaurierungswerkstatt des Vaters übernahm. Ein einzelnes Täfelchen schuf M.s Enkel Carl M. im Jahr 1830. Goethe rühmte das Kabinett als „Hausaltar” der Kunst, Johanna Schopenhauer nannte es eine „herrliche Bildergalerie, gesehen durch ein Verkleinerungsglas”. Uns gilt es heute als wertvolles kulturhistorisches Dokument der Sammlertätigkeit und des kulturellen Selbstverständnisses im Ffm. der Goethezeit. 1857 wurde das M.’sche Cabinet nach England verkauft, Ende der 1970er Jahre tauchte es dort im Kunsthandel auf und konnte wieder für Ffm. erworben werden. Zwei der Schränkchen befinden sich heute im HMF, das dritte als Leihgabe des Freiherrn von Bethmann im Goethe-Museum. Weitere Arbeiten M.s im HMF, dort auch im Prehn’schen Kabinett, im Städelschen Kunstinstitut und im Goethe-Museum.
Sammlerraum für Johann Ludwig Ernst und Johann Friedrich M. in der 2012 eröffneten Dauerausstellung „Ffter Sammler und Stifter“ des HMF.

Literatur:
                        
Aura. Jahresgabe des Historischen Museums Fft. [Späterer Untertitel: Jahresgabe Museum Fft.] Bisher 13 Ausgaben. Ffm. 2005/06-2017/18.Aura 2014/15, S. 45. | Ffter Sammler und Stifter. Eine Dauerausstellung des HMF (...). Ffm. 2012. (Schriften des HMF 32).Cilleßen, Wolfgang P.: Kleine Kopien. „Das Morgenstern’sche Miniaturcabinet“ (1796-1843). In: Ffter Sammler u. Stifter 2012, S. 99-117. | Gleiche Vielfache – Karsten Bott. [Ausstellungsbroschüre des HMF.] Text: Susanne Gesser, Wolfgang P. Cilleßen. Ffm. 2015.Cilleßen, Wolfgang P.: Von Morgenstern zu Bott. Ffter Künstler als Sammler. In: Gesser/Cilleßen: Gleiche Vielfache – Karsten Bott 2015, S. 18-20. | Maisak, Petra/Kölsch, Gerhard: Ffter Goethe-Museum. Die Gemälde. „... denn was wäre die Welt ohne Kunst?“ Bestandskatalog. Hg. v. Freien Deutschen Hochstift. Ffm. 2011.Maisak/Kölsch: Gemäldekat. d. Ffter Goethe-Museums 2011, S. 179-190. | Schapire, Rosa: Johann Ludwig Ernst Morgenstern. Ein Beitrag zu Fft.s Kunstgeschichte im 18. Jahrhundert. Straßburg 1904. (Studien zur deutschen Kunstgeschichte 57).Schapire: Johann Ludwig Ernst Morgenstern 1904. | Seng, Joachim: Goethe-Enthusiasmus und Bürgersinn. Das Freie Deutsche Hochstift – Ffter Goethe-Museum 1881-1960. Göttingen 2009.Seng: Freies Deutsches Hochstift 2009, S. 154, 156, 364.

Morgenstern, Friedrich Ernst

Morgenstern, Friedrich Ernst. Maler. * 17.1.1853 Ffm., † 26.5.1919 Ffm.
Sohn und Schüler von Carl M.
Da M. nach dem Wunsch des Vaters eigentlich Kaufmann werden sollte, begann er zunächst eine Lehre in einer Knopfhandlung. Diese brach er jedoch bald ab und flüchtete nach Paris, wo er im Atelier von Freunden seines Vaters sein künstlerisches Talent unter Beweis stellte. Carl M. holte ihn daraufhin nach Ffm. zurück und unterrichtete ihn im Zeichnen und in der Malerei. Später (1872-78) studierte M. an der Städelschule bei Johann Heinrich Hasselhorst, Gustav Kaupert und Edward von Steinle. Studienreisen nach Frankreich, Holland und Belgien schlossen sich an.
Sehr zum Entsetzen des Vaters zeigte sich M. der neuen Kunstströmung der Zeit, dem Impressionismus, gegenüber äußerst aufgeschlossen. Wegen der Mitarbeit im Atelier des Vaters und dessen ständiger Gängeleien gelang es M. erst nach dessen Tod, seinen eigenen Stil zu finden. Die impressionistische Pleinair-Malerei wurde zu seinem Fach. Neben zahlreichen Ansichten der Stadt Ffm. malte er immer wieder kühle, der Farbpalette seines Vaters diametral entgegengesetzte Ansichten des nördlichen Meeres. Diese entstanden auf zahlreichen Studienreisen nach England, Holland, in die Normandie und an die Ostseeküste. Auch die Lagunen Venedigs boten ihm immer wieder Motive für seine Bilder. Als „Marinemaler” ging M. in die Kunstgeschichte ein.
Arbeiten M.s im Besitz des Städelschen Kunstinstituts, der Städtischen Galerie und des HMF.

Morgenstern, Johann Friedrich

Morgenstern, Johann Friedrich. Maler. Radierer. Gemälderestaurator. * 8.10.1777 Ffm., † 21.1.1844 Ffm.
Sohn und Schüler von Johann Ludwig Ernst M. 1806 Heirat mit einer Ffterin aus der Familie Bansa. Seinen einzigen Sohn Carl M. unterrichtete M. in der Malkunst.
Nachdem M. die Grundbegriffe des Malerhandwerks in der Werkstatt seines Vaters erlernt hatte, bildete er sich 1797/98 bei dem Landschaftsmaler Johann Christian Klengel in Dresden weiter. In der Königlich Sächsischen Gemäldegalerie studierte er die Werke der niederländischen Landschaftsmaler des 17. Jahrhunderts. Seit 1799 weilte er wieder in Ffm. Nach dem Tod des Vaters Johann Ludwig Ernst führte M. dessen Restaurierungswerkstatt und auch dessen Miniaturenkabinett fort.
Seine Vaterstadt und deren Umgebung bildeten die bevorzugten Objekte seiner Landschaftsdarstellungen und Veduten. M. lieferte zahlreiche Ansichten des „modernen“, klassizistischen Ffm. Aber auch den Römer, den Liebfrauenberg und die Gegend um den Dom, belebt mit dem geschäftigen Treiben der Ffter Bürger, stellte er dar. Von 1808 bis 1810 fertigte er ein großes Panoramagemälde Fft.s an (verbrannt in Forchheim 1817). Mit der „Malerischen Wanderung auf den Altkönig und einen Teil der umliegenden Gegend im Sommer 1802”, einer Folge von 29 Radierungen mit Taunusansichten, schuf er einen frühen Wanderführer durch einen Teil des Taunus (Reprint 1976). Die „Erinnerungsblätter an Ffm.”, 36 kleine Kupferstiche mit den Sehenswürdigkeiten der Kaiserstadt, waren für den Verkauf an Fremde bestimmt, aber auch bei Einheimischen sehr beliebt.
Arbeiten M.s im Städelschen Kunstinstitut und im HMF. Eine Zeichnung M.s, die ein Konzert des „Museums“ im Gasthaus Weidenbusch im Steinweg zeigt, fand sich 2012 im Besitz der Ffter Museums-Gesellschaft wieder.
Sammlerraum für Johann Ludwig Ernst und Johann Friedrich M. in der 2012 eröffneten Dauerausstellung „Ffter Sammler und Stifter“ des HMF.

Literatur:
                        
Ffter Sammler und Stifter. Eine Dauerausstellung des HMF (...). Ffm. 2012. (Schriften des HMF 32).Cilleßen, Wolfgang P.: Kleine Kopien. „Das Morgenstern’sche Miniaturcabinet“ (1796-1843). In: Ffter Sammler u. Stifter 2012, S. 99-117. | Gleiche Vielfache – Karsten Bott. [Ausstellungsbroschüre des HMF.] Text: Susanne Gesser, Wolfgang P. Cilleßen. Ffm. 2015.Cilleßen, Wolfgang P.: Von Morgenstern zu Bott. Ffter Künstler als Sammler. In: Gesser/Cilleßen: Gleiche Vielfache – Karsten Bott 2015, S. 18-20. | Maisak, Petra/Kölsch, Gerhard: Ffter Goethe-Museum. Die Gemälde. „... denn was wäre die Welt ohne Kunst?“ Bestandskatalog. Hg. v. Freien Deutschen Hochstift. Ffm. 2011.Maisak/Kölsch: Gemäldekat. d. Ffter Goethe-Museums 2011, S. 178.

© 2019 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Weyel, Birgit: Morgenstern, Künstlerfamilie. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/552
Die Autorenangabe bezieht sich auf den Artikel über die Familie. Die Angaben zu Autoren der hier ebenfalls dargestellten Personenartikel finden Sie, indem Sie auf die Namen der einzelnen Personen klicken.

Stand des Artikels: 24.1.1995